Die Hornbostel-Sachs-Systematik ist ein Klassifikationssystem für Musikinstrumente. Sie wurde 1914 von Erich Moritz von Hornbostel und Curt Sachs in der Zeitschrift für Ethnologie unter dem Titel Systematik der Musikinstrumente. Ein Versuch. veröffentlicht.Erich M. von Hornbostel, Curt Sachs: Systematik der Musikinstrumente. Ein Versuch. (PDF; 2,7 MB). In: Zeitschrift für Ethnologie. Band 46, 1914, Nr. 4–5, S. 553–590. Sie ist das heute am weitesten verbreitete System zur Einteilung von Musikinstrumenten.
Die Autoren basierten ihre Systematik auf dem System von Victor-Charles Mahillon, der im 19. Jahrhundert als Kurator des Brüsseler Konservationsmuseums tätig war. Mahillon hatte im Jahr 1888 Instrumente nach der Art des schwingenden Körpers in vier Hauptgruppen eingeteilt: selbstklingende Instrumente, Membraninstrumente, Saiteninstrumente und Windinstrumente (Blasinstrumente). Mahillons Systematik gründete sich jedoch primär auf die in Europa verbreiteten Instrumente. Hornbostel und Sachs erweiterten das Klassifikationssystem so, dass es eine Einordnung aller Instrumente aus allen Kulturen der Welt erlaubte. Mit dem Aufkommen elektrischer Musikinstrumente fügte Sachs im Jahr 1940 eine fünfte Hauptgruppe an.
Die Hornbostel-Sachs-Systematik wurde anfangs im englischsprachigen Raum zögerlich aufgenommen, eine Übersetzung ins Englische erschien erst 1961 unter dem Titel Classification of Musical Instruments.Erich M. von Hornbostel, Curt Sachs: Classification of Musical Instruments: Translated from the Original German by Anthony Baines and Klaus P. Wachsmann. In: The Galpin Society Journal. Band 14, März 1961, S. 3–29. In den 1970er Jahren wurde die Hornbostel-Sachs-Systematik auch international zum fachlichen Standard und bis heute ist sie das wichtigste Klassifikationssystem in der Instrumentenkunde (im Englischen schlicht Hornbostel-Sachs).
Die Hornbostel-Sachs-Systematik ist hierarchisch aufgebaut. Jeder Kategorie entspricht eine Zahl, wobei in jedem Detaillierungsschritt eine Ziffer angefügt wird, so dass die Anzahl der Ziffern mit zunehmender Konkretisierung anwächst. Unterhalb der Hauptgruppen folgen die ersten Untergruppen dargestellt als Zahl mit zwei Ziffern, danach deren Untergruppen mit drei Ziffern. Die Zahlen sind zur besseren Lesbarkeit in Dreiergruppen durch Punkte gegliedert.
Idiophone (1)
Das Material des Instruments gibt dank seiner Steifigkeit und Elastizität den Ton her, ohne gespannter Membranen oder Saiten zu bedürfen.
Schlagidiophone (11) Das Instrument wird durch Perkussion in Schwingung versetzt.
Unmittelbar geschlagene Idiophone (111) Der Spieler selbst führt die Schlagbewegung aus: etwaige mechanische Zwischenglieder, Schlägel, Klaviaturen, Läuteseile und dergleichen werden nicht berücksichtigt; entscheidend ist, dass der Spieler einzelne, scharf abgegrenzte Schläge auszulösen vermag, und dass das Instrument für diese Art der Perkussion eingerichtet ist. 111.1 Gegenschlag-Idiophone oder Klappern – Zwei oder mehr koordinierte klingende Teile werden gegeneinander geschlagen. 111.11 Gegenschlagstäbe oder Stabklappern – Annam, Vorderindien, Marshallinseln. 111.12 Gegenschlagplatten oder Plattenklappern – China und Vorderindien. 111.13 Gegenschlagrinnen oder Rinnenklappern – Birma. 111.14 Gegenschlaggefäße oder Gefäßklappern – Als Gefäß rechnet schon eine geringe Aushöhlung in einem Brett. 111.141 Kastagnetten – Natürliche und ausgehöhlte Gefäßklappern. 111.142 Becken – Ausgebogene Gefäßklappern. 111.2 Aufschlag-Idiophone – Das Instrument wird mit einem nichtklingenden Werkzeug (Hand, Schlägel, Klöppel) oder gegen ein solches (Körper, Erdboden) geschlagen. 111.21 Aufschlagstäbe 111.211 (Selbständige) Aufschlagstäbe – Japan, Annam, Balkan; auch Triangeln gehören hierher. 111.212 Schlagstabspiele – Mehrere Aufschlagstäbe von verschiedener Tonhöhe sind zu einem Instrument vereinigt. Alle Xylophone, sofern ihre Klangteile nicht biplan sind. 111.22 Aufschlagplatten 111.221 (Selbständige) Aufschlagplatten – In der orientalisch- christlichen Kirche 111.222 Schlagplattenspiele – Lithophone (China), auch die meisten Metallophone. 111.23 Aufschlagrohre 111.231 (Selbständige) Aufschlagröhren – Holztrommel, Röhrenglocke. 111.232 Schlagröhrenspiele – Tubaphon, Röhrenxylophon. 111.24 Aufschlaggefäße 111.241 Gongs – Die Schwingungen nehmen nach dem Scheitel hin zu. 111.241.1 (Selbständige) Gongs Süd- und Ostasien; auch die sog. Metalltrommeln, besser Kesselgongs, gehören hierher. 111.241.2 Gongspiele Südostasien. 111.242 Glocken Die Schwingungen nehmen nach dem Scheitel hin ab. 111.242.1 (Selbständige) Glocken 111.242.11 Standglocken Das Gefäß steht auf der Hand oder einem Kissen; die Öffnung ist nach oben gerichtet. China, Indochina und Japan. 111.242.12 Hängeglocken: Die Glocke ist am Scheitel aufgehängt. 111.242.121 Schlägel-Hängeglocken: Kein befestigter Klöppel, sondern getrenntes Schlägel. 111.242.122 Klöppelglocken: Die Glocke hat einen festen Klöppel. 111.242.2 Glockenspiele (Unterteilung entsprechend)
Mittelbar geschlagene Idiophone (112) Der Spieler selbst führt keine Schlagbewegung aus; die Perkussion entsteht erst mittelbar als Folge einer anders gearteten Bewegung des Spielers; es liegt in der Bestimmung des Instruments, Klang- oder Geräuschkomplexe, nicht aber Einzelschläge hören zu lassen. 112.1 Schüttelidiophone oder Rasseln – Der Spieler führt eine Schüttelbewegung aus. 112.11 Reihenrasseln – Durchlöcherte Eigenklinger sind gemeinsam aufgereiht und schlagen beim Schütteln gegeneinander. 112.111 Schnurrasseln: Die Rasselkörper sind auf eine Schnur gereiht. Halsschnüre mit aufgereihten Muscheln. 112.112 Stabrasseln: Die Rasselkörper sind auf einen Stab (oder Ring) gereiht. Sistrum mit Ringen. 112.12 Rahmenrasseln – Die Rasselkörper sind an einem Gegenstand befestigt und schlagen gegen ihn. 112.121 Pendelrasseln: Die Rasselkörper hängen frei am Rahmen. Tanzschild mit Rasselringen. 112.122 Gleitrasseln: Nichtklingende Körper gleiten in Ausschnitten eines klingenden hin und her und setzen ihn in Schwingung, oder klingende Körper gleiten in Ausschnitten eines nichtklingenden hin und her und werden beim jedesmaligen Anstoßen von diesem in Schwingung gesetzt. Angklung, (jüngeres) Sistrum mit Stäben 112.13 Gefäßrasseln – Die Rasselkörper sind in ein Gefäß eingeschlossen und schlagen gegeneinander, gegen die Gefäßwand oder in der Regel gegen beides. (NB. Die am Benue vorkommende Rassel aus einer Stielkalebasse, bei der die Rasselkörper nicht im Innern eingeschlossen, sondern außen in ein übergezogenes Netz eingeknüpft sind, ist als Varietät der Gefäßrassel anzusehen.) Fruchtkapseln mit Samenkörnern, Schellen mit frei eingeschlossenen Anschlagkügelchen. 112.2 Schrap-Idiophone – Der Spieler führt unmittelbar oder mittelbar eine Schrapbewegung aus: ein nichtklingender Körper fährt über einen gezahnten klingenden und wird abwechselnd durch die Zähne gehoben und gegen die Oberfläche geschnellt, oder ein elastischer klingender Körper fährt über einen gezahnten nichtklingenden und erhält auf die gleiche Weise eine Serie von Schlägen. Diese Gruppe darf nicht mit den Reib-Idiophonen verwechselt werden. 112.21 Schrapstäbe – Ein Zahnstab wird mit einem Stöckchen geschrapt. 112.211 Schrapstäbe ohne Resonator Südamerika, Vorderindien (Kerb-Musikbogen), Kongo. 112.212 Schrapstäbe mit Resonator Usambara und Ostasien (Tiger). 112.22 Schrapröhren – Südindien. 112.23 Schrapgefäße – Ein Gefäß mit gefurchter Oberfläche wird geschrapt. Südamerika und Kongogebiet. 112.24 Schrapräder oder Ratschen – Ein Zahnrad, dessen Achse als Stiel dient, und eine Zunge innerhalb eines frei um den gleichen Stiel drehbaren Rahmens; beim Herumschwingen schlägt die Zunge gegen die Zähne des Rades. Europa und Vorderindien. 112.3 Reiß-Idiophone – Instrumente in Form federnder Tastzirkel, deren Spitzen sich berühren; diese werden mit einem Stäbchen auseinandergerissen, um vermöge ihrer Elastizität wieder zusammenzuschlagen. China (Huan t’u), Malaka, Persien (qasik), Balkan.
Zupf-Idiophone (12) Zungen, d. h. einseitig befestigte, elastische Plättchen, werden abgebogen, um vermöge ihrer Elastizität wieder in die Ruhelage zurückzukehren.
In Rahmenform (121) Die Zunge schwingt innerhalb eines Rahmens oder Bügels. 121.1 Cricri – Die Zunge ist aus einer Schale herausgeschnitten, so dass sie in dieser einen Resonator hat. Melanesien. 121.2 Maultrommeln – Die Zunge sitzt innerhalb eines stab- oder plattenförmigen Rahmens und bedarf des Mundes als Resonators. 121.21 Idioglotte Maultrommeln – Die Zunge ist aus dem Rahmen herausgeschnitten und hängt mit ihm an der Wurzel zusammen. Hinterindien, Indonesien und Melanesien. 121.22 Heterogene Maultrommeln – Die Zunge ist auf dem Rahmen befestigt. 121.221 (Selbständige) heteroglotte Maultrommeln; Europa, Vorderindien, China. 121.222 Heteroglotte Maultrommelspiele Mehrere heteroglotte Maultrommeln in verschiedener Stimmung sind zu einem Instrument vereinigt. Aura
In Brett- oder Kammform (122) Zungen sind auf ein Brett geschnürt oder aus einem Brett wie Kammzähne ausgeschnitten. 122.1 mit aufgeschnürten Zungen 122.11 ohne Resonator – Alle Zanzas aus einem einfachen Brett. 122.12 mit Resonator – Alle Zanzas mit Kasten oder Schale unter dem Brett. 122.2 mit ausgeschnittenen Zungen – Eine Stiftwalze reißt die Zungen an: Spieldosen Europa.
Reib-Idiophone (13) Das Instrument wird durch Reibung in Schwingung gebracht.
Reibstäbe (131) 131.1 (selbständige) Reibstäbe – Nicht bekannt. 131.2 Reibstabspiele 131.21 mit unmittelbarer Friktion – Die Stäbe selbst werden gerieben. Nagelgeige, Nagelklavier, Stockspiel. 131.22 mit mittelbarer Friktion – Die Stäbe sind mit anderen verbunden, die gerieben werden und durch ihre longitudinalen Schwingungsexkursionen jene in Transversalschwingungen versetzen. Chladnis Euphon.
Reibplatten (132) 132.1 (selbständige) Reibplatten – Nicht bekannt. 132.2 Reibplattenspiele – Neumecklenburg.
Reibgefäße (133) 133.1 (selbständige) Reibgefäße – Brasilien: Schildkrötenpanzer. 133.2 Reibgefäßspiele – Verillon.
Blas-Idiophone (14) Das Instrument wird durch Anblasen in Schwingung gebracht.
Blasstäbe (141) 141.1 (selbständige) Blasstäbe – Nicht bekannt. 141.2 Blasstabspiele – Aeolsklavier.
Blasplatten (142) 142.1 (selbständige) Blasplatten – Nicht bekannt. 142.2 Blasplattenspiele – Piano chanteur.
Gemeinsame Schlußteilung -8 mit Klaviatur, -9 mit mechanischem Antrieb.
Membranophone (2)
Tonerreger sind straffgespannte Membranen.
Schlagtrommeln (21) Die Membranen werden geschlagen.
Unmittelbar geschlagene Trommeln (211) Der Spieler selbst führt die Schlagbewegung aus; etwaige mechanische Zwischenglieder, Schlägel, Klaviaturen u. dgl. werden nicht berücksichtigt; nur geschüttelte Trommeln rechnen nicht hierher. 211.1 Kesseltrommeln (Pauken) – Der Körper ist kessel- oder schalenförmig. 211.11 (selbst.) Kesseltrommeln – (Die europäische Pauke.) 211.12 Kesseltrommelspiele – (Die westasiatischen, ständig verbundenen Paukenpaare.) 211.2 Röhrentrommeln – Der Körper ist röhrenförmig. 211.21 Zylindertrommeln – Mittel- und Enddurchmesser sind einander gleich; Zuschärfungen der Enden werden ebenso wenig in Rechnung gezogen wie Kopfscheiben. 211.211 Einfellige Zylindertrommeln – Die Trommel hat nur ein einziges praktikables Fell; ein auf afrikanischen Trommeln etwa vorhandenes zweites, zum Schnürwerk gehöriges Fell, das nicht geschlagen werden kann, zählt nicht. 211.211.1 Offene Zylindertrommeln – Das dem Fell entgegengesetzte Ende ist offen. (Malaka) 211.211.2 Geschlossene Zylindertrommeln – Das dem Fell entgegengesetzte Ende ist geschlossen. (Westindien.) 211.212 Zweifellige Zylindertrommeln – Die Trommel hat zwei praktikable Felle. 211.212.1 (Einzelne) Zylindertrommeln – Europa (Militärtrommel). 211.212.2 Zylindertrommelspiele