Der Eversmann-Zwerghamster (Allocricetulus eversmanni) ist eine zu den Mittelgroßen Zwerghamstern gehörende Art der Hamster. Er bewohnt die Steppen und Halbwüsten des nördlichen Kasachstans und angrenzenden Russlands.Musser und Carleton, 2005 („Allocricetulus eversmanni“ S. 1040–1041). Die Weltnaturschutzunion IUCN stuft ihn als nicht gefährdet ein. Einige Systematiker ordnen ihm den Mongolischen Zwerghamster als östliche Unterart zu.Musser und Carleton, 2005 („Allocricetulus curtatus“ S. 1040).

Die Kopf-Rumpf-Länge des Eversmann-Zwerghamsters beträgt 9,3Smith und Hoffmann, 2008 („Allocricetulus eversmanni“ S. 240–241). bis 16,0 Zentimeter. Das Fell ist oberseits eintönig dunkelbraun im Westen bis rostbraun-sandfarben im Osten des Verbreitungsgebiets und an der Unterseite weiß oder grauweiß. Zwischen den Vorderbeinen befindet sich ein rostbrauner oder grauer Brustfleck.Flint, 1966 („Systematik, Beschreibungen, Verbreitung“ S. 11). Die Anzahl der Chromosomen beträgt 26. Zitiert in: Flint, 1966 („Systematik, Beschreibungen, Verbreitung“ S. 12).

Körpermerkmale

Körpermaße und -gewicht

Der Schwanz des Eversmann-Zwerghamsters ist 17 bis 28 Millimeter lang, die Länge der Hinterpfoten beträgt 15 bis 20 Millimeter und die der Ohrmuscheln 12 bis 18 Millimeter. Das Körpergewicht beträgt 36 bis 95 Gramm.

+ Körpermaße und -gewicht des Eversmann-Zwerghamsters Körpermaße in Millimetern nach Flint nach Smith und Hoffmann Kopf-Rumpf-Länge 136 bis 160 93 bis 115 Länge des Schwanzes 20 bis 28 17 bis 28 Länge der Hinterpfoten 16 bis 20 15 bis 18 Länge der Ohrmuscheln 13 bis 18 12 bis 16 größte Länge des Schädels   30 bis 33 Körpergewicht in Gramm nach Pawlinow nach Smith und Hoffmann Körpergewicht bis 95 36 bis 60

Fell und Farbe Die Haare der Oberseite sind am Ansatz dunkelgrau und das Fell des Eversmann-Zwerghamsters ist dunkler als das des Mongolischen Zwerghamsters. Die Körperseiten und die Unterseite sind gräulich weiß mit weißen Haarspitzen und hellgrauem Haaransatz. Die Unterseiten des Halses, der Hinterpfoten und des Schwanzes sind weiß. Die Fellfärbung der Oberseite wird von Norden nach Süden und Südosten heller und gelbstichiger, der Brustfleck wird blasser und nimmt in der Größe ab.Gromow und Jerbajewa, 1995 („Allocricetulus eversmanni“).

Schädel und Gebiss Der Schädel des Eversmann-Zwerghamsters weist keine auffälligen Knochenleisten auf. Knochenleisten über der Augenhöhle und am Scheitelbein sind nicht vorhanden. Der Unterkiefer ist breiter als der des Mongolischen Zwerghamsters, die Schneidezahnlöcher reichen nicht bis zur Höhe des ersten Backenzahns zurück und die Paukenblasen sind vergleichsweise klein.

Die Zahnhöcker des zweiten und dritten unteren Backenzahns sind nur wenig gegeneinander versetzt. Am Ansatz des äußeren vorderen Zahnhöckers weist der erste obere Backenzahn gelegentlich einen zusätzlichen, kleinen, zahnförmigen Höcker auf, der bei weitem nicht die Höhe der anderen Zahnhöcker erreicht.

Genetik

Laut Romanenko und Mitarbeitern unterscheidet sich der Karyotyp des Eversmann-Zwerghamsters mit 26 Chromosomen durch drei Chromosomenverschmelzungen vom angenommenen ursprünglichen Karyotyp der Mittelgroßen Zwerghamster. Die Anzahl der Chromosomenarme beträgt 40 oder 38. Die drei Unterarten unterscheiden sich durch Deletion im kurzen Arm des subtelozentrischen Autosoms 6. Da dieser aus Euchromatin besteht, folgt daraus kein mengenmäßiger Unterschied beim Heterochromatin.Kartawzewa und Surow, 2005 (S. 89–90).

Lebensweise mini|hochkant|Fressfeinde des Eversmann-Zwerghamsters sind die Sumpfohreule und andere Eulen sowie Greifvögel, Falkenartige und Raubtiere.

Lebensraum und Populationsdichte Der natürliche Lebensraum des Eversmann-Zwerghamsters sind Trockensteppen sowie Halbwüsten und er bewohnt Fels- und Salzböden sowie halbfeste Buckelsande. Im Norden des Verbreitungsgebiets dringt er in Waldgebiete ein, meidet jedoch Auwälder. Ein typisches Biotop sind Gras-Wermut-Steppen.Flint, 1966 („Biotope und Siedlungsräume“ Abb. 26). Daneben bewohnt er Grünland, Äcker, landwirtschaftliches Brachland, Straßenränder und andere nicht bewirtschaftete Teile von Feldern sowie das Umland von Siedlungen.Nechay, 2000 (S. 54–55).

Seine Populationsdichte ist gewöhnlich niedrig und stabil. In den Steppen Nordkasachstans stellte Karassewa 1954 bis 1959 in verschiedenen Biotopen einen Anteil von 0,1 bis 1,2 Prozent an den gefangenen Nagetieren fest. Unter günstigen Bedingungen kann die Dichte jedoch schnell ansteigen und so erreichte sie auf Getreidefeldern bis zu 32 Prozent. Zitiert in: Flint, 1966 („Populationsdynamik“ S. 37–38). Laut Schtschepotjew kommt er am häufigsten in Mais- und Stoppelfeldern, Rübenfeldern, Gehölzen, Waldgürteln und anderen Pflanzungen vor. Den höchsten Anteil an den gefangenen Nagetieren ermittelte er mit 37,9 bis 75,0 Prozent in Mais- und Stoppelfeldern. Zitiert in: Nechay, 2000 (S. 54).

Ernährung, Fressfeinde und Parasiten Der Eversmann-Zwerghamster ernährt sich von pflanzlicher und tierischer Nahrung. Er verzehrt die Triebe und Samen vieler Wild- und Kulturpflanzen wie Acker-Kratzdistel, Haarstrang, Weizen, Roggen und Hafer. Zitiert in: Kisselewa und Pogodin, 2005. Nach dem Anbau von Weizen auf ehemals großen Steppengebieten stellt er sich schnell auf diesen als Hauptnahrung um.Karassewa, 1963. Zitiert in: Flint, 1966 („Vermehrung“ S. 46). Zur regelmäßigen tierischen Nahrung gehören Insekten und Weichtiere und er erbeutet Echsen, Wühlmäuse, Küken kleiner Vögel und junge Ziesel.

Zu seinen Fressfeinden gehören Steinkauz, Sumpfohreule, Steppenadler, Kaiseradler, Turmfalke, Rötelfalke, Würgfalke, Rohrweihe, Steppenweihe, Schwarzmilan, Rotfuchs,Flint, 1966 („Sterblichkeit“ S. 50–56). Hermelin und Iltisse. Ein typischer Außenparasit ist der Floh Amphipsylla kalabukhovi, der jedoch ebenfalls auf anderen Zwerghamstern sowie Wühlmäusen vorkommt.Flint, 1966 („Parasiten“ S. 81).

+ Fressfeinde des Eversmann-Zwerghamsters Fressfeind Region Vorkommen in Gewöllen und Exkrementen Anteil an der Gesamtnahrung Rang bei der Ernährung Einzelnachweise Eversmann-Zwerghamster Steinkauz Kasachstan, Großer und Kleiner Irgis in Russland 0,8 Prozent – 9. bis 10. Platz Zitiert in: Flint, 1966 („Sterblichkeit“ S. 50–56). Sumpfohreule Nordkasachstan 3,4 Prozent – – 0,5 Prozent – – Steppenadler Kasachstan – – – Kaiseradler Nordkasachstan – 1,9 Prozent – Zitiert in: Flint, 1966 („Sterblichkeit“ S. 50–56). Kasachstan – – – Turmfalke Nordkasachstan 0,5 Prozent – – Nordkasachstan 0,3 Prozent – – Zitiert in: Flint, 1966 („Sterblichkeit“ S. 50–56). Rötelfalke Nordkasachstan 0,5 Prozent – – Würgfalke Nordkasachstan – – – Steppenweihe Kasachstan 0,8 Prozent – – Schwarzmilan Mittellauf des Ural in Russland – 1,0 Prozent – Zitiert in: Flint, 1966 („Sterblichkeit“ S. 50–56). Aqtöbe in Kasachstan sporadisch Zitiert in: Rotfuchs Atbassar in Kasachstan – – – Zitiert in: Flint, 1966 („Sterblichkeit“ S. 50–56). Gebiet Torghai in Kasachstan 0,7 Prozent – 8. bis 10. Platz Gebiet Qaraghandy in Kasachstan – – – Tussum in Kasachstan 0,8 Prozent – – Eversmann- und Grauer Zwerghamster Rotfuchs Aqtöbe in Kasachstan 0,4 Prozent – 8. Platz Oblast Wolgograd in Russland – – –

Bau, Aktivität und Verhalten Der selbstgegrabene Bau des Eversmann-Zwerghamsters ist vergleichsweise einfach. Die Hauptröhre ist selten tiefer als 30 Zentimeter und führt gerade oder schräg nach unten. Vom Nest am Ende der Röhre können zwei bis drei Verzweigungen abgehen. Häufig ist er in den Bauen anderer kleiner Säugetiere zu finden. In Kasachstan bewohnt er unter anderem die Baue des Zwergziesels.Flint, 1966 („Baue“ Abb. 48).

Der Eversmann-Zwerghamster hortet in seinem Bau Nahrung für den Winter.Kisselewa und Pogodin, 2005. Er hält zumindest im Süden des Verbreitungsgebiets keinen Winterschlaf, jedoch ist seine Aktivität im Winter verringert. Er ist hauptsächlich dämmerungs- und nachtaktiv, einzelgängerisch und Artgenossen gegenüber aggressiv.

Fortpflanzung Die Fortpflanzungsperiode des Eversmann-Zwerghamsters beginnt im April bis Mai und endet im August bis September.Flint, 1966 („Vermehrung“ S. 41). In einigen Teilen des Verbreitungsgebiets pflanzt er sich außerdem im Winter fort. Die Anzahl der Würfe je Jahr beträgt zwei bis drei im Norden und drei bis vier im Süden des Verbreitungsgebiets, bei im laufenden Jahr geborenen Weibchen teilweise ein bis zwei im Norden und zwei bis drei im Süden. Je Wurf werden meist vier bis sechs Jungtiere geboren. Bei 39 gefangenen Weibchen wurden dreimal vier, elfmal fünf, zehnmal sechs, zwölfmal sieben, einmal acht und zweimal neun Embryonen oder Narben in der Gebärmutter festgestellt.Flint, 1966 („Vermehrung“ S. 44).

Unter günstigen Bedingungen kann der Eversmann-Zwerghamster als Folge einer veränderten Fortpflanzungsintensität innerhalb von zwei bis drei Jahren von einer bis dahin seltenen Art zu einer bestimmenden werden. In Nordkasachstan stellte Karassewa in Schwingel-Federgras-Steppen eine mittlere Wurfgröße von 5,6 bis 6,2 Jungtieren und auf Weizenfeldern eine mittlere Wurfgröße von 8,8 bis 9,2 Jungtieren fest.

Verbreitung und Fossilfunde

Das Verbreitungsgebiet des Eversmann-Zwerghamsters sind die Steppen und Halbwüsten Nordkasachstans und des angrenzenden Russlands von der unteren Wolga bis zum Irtysch im Saissanbecken. Im Norden reicht es bis nach Bugulma, Sterlitamak und Orsk, in den Süden der Oblast Tscheljabinsk sowie zu den Rajons Swerinogolowski am Tobol, Marjewka am Ischim und Aktogai am Irtysch. Im Süden erstreckt es sich bis zur nördlichen Küste des Kaspischen Meers, zum Embaer Ustjurt-Plateau, zur Aral-Karakum, zur Mitte der Hungersteppe, zum Norden der Balchaschregion und zum Süden des Saissanbeckens. Die Zuordnung von Funden in den angrenzenden Gebieten der Mongolei sowie Xinjiangs im Nordwesten Chinas ist umstritten. Gromow und Jerbajewa halten diese für unglaubwürdig. Laut Wang gehört der Norden Xinjiangs dagegen zu seinem Verbreitungsgebiet. Zitiert in: Musser und Carleton, 2005 („Allocricetulus eversmanni“ S. 1040–1041). Im frühen zwanzigsten Jahrhundert war der Eversmann-Zwerghamster in den Wäldern und Steppen vor und hinter dem Ural weit verbreitet und kam in geringer Anzahl so gut wie im gesamten südlichen Ural vor.

Fossilfunde des Eversmann-Zwerghamsters oder einer vermutlich eng verwandten, bisher nicht beschriebenen Art stammen aus frühpleistozänen Ablagerungen weiter Gebiete westlich der Wolga, von der Krim im Süden bis zur südlichen und mittleren Donregion sowie offenbar bis zu den Schiguli-Bergen im Norden.

Unterarten Kartawzewa und Surow (2005) unterscheiden drei Unterarten des Eversmann-Zwerghamsters: Allocricetulus eversmanni eversmanni im Westen des Verbreitungsgebiets mit dem subjektiven Synonym microdon , Allocricetulus eversmanni beljaevi im Osten des Verbreitungsgebiets mit den objektiven Synonymen beljawi und beljaevi sowie dem subjektiven Synonym belajevi und Allocricetulus eversmanni pseudocurtatus im Osten des Saissanbeckens. Gromow und Baranowa (1981) nennen zwei oder drei Unterarten. Gromow und Jerbajewa (1995) gehen von nicht mehr als zwei Unterarten aus und vereinen pseudocurtatus mit beljaevi.

Allocricetulus eversmanni eversmanni Das Fell von Allocricetulus eversmanni eversmanni ist eintönig dunkelbraun gefärbt und der Brustfleck ist groß und deutlich.