Die Österreichische Fußballmeisterschaft 1965/66 wurde vom Österreichischen Fußball-Bund ausgerichtet. Als Unterbau zur Nationalliga dienten die Regionalligen Ost (Wien, Niederösterreich, Burgenland), Mitte (Oberösterreich, Steiermark, Kärnten) und West (Salzburg, Tirol, Vorarlberg). Als dritte Leistungsstufe fungierten die jeweiligen Landesligen der Bundesland-Verbände.
Erste Leistungsstufe – Nationalliga Neue Bezeichnung Bislang hieß die oberste Spielklasse „Staatsliga“, ab nun nannte sie sich „Nationalliga“ – und es war dies nicht nur eine bloße Namensänderung, es galten auch neue Regulative. Demnach sollte mehr Professionalität entstehen. Es gab die Begriffe „Vertrags- und Lizenzspieler“, für die monatliche Mindestentschädigungen festgelegt wurden. Überdies benötigte jeder Klub einen hauptberuflichen oder lizenzierten Sportlehrer und als Mindestvoraussetzung zwei Hilfstrainer. Unterste Limits waren auch, dass die Sportanlage einen Fassungsraum für 10.000 Zuschauer mit 1.500 Sitzplätzen haben und der Verein in einem Ort seinen Sitz haben musste, welcher samt seinem Einzugsgebiet (30 km im Umkreis) mindestens 30.000 Einwohner hatte. Bei 200.000 Einwohnern im gleichen Gebiet konnte ein weiterer Verein die Nationalliga-Lizenz erhalten. Vom Verein war nachzuweisen, dass er im Jahr vor dem Aufstieg aus der Regionalliga im Durchschnitt 1.500 Zuschauer pro Meisterschaftsspiel hatte; als weiterer Nachweis war erforderlich, dass er wirtschaftlich geordnet war. So genannte Handgelder, die es bislang gegeben hatte, waren verboten.Volkszeitung Kärnten. 16. Juli 1965. Es wurden von der neuen „Nationalliga“ zudem Anfang Juli drei Senate (Straf- und Meldeausschuss, Toto- und Kontrollbeglaubigung) gegründet.
Meisterprämie Von der Nationalligakommission war beschlossen worden, den kommenden Meister mit einer Prämie von 55.000 Schilling auszustatten, der Elftplatzierte sollte noch 5.000 Schilling erhalten. Insgesamt waren damit 330.000 Schilling auszuschütten.
Die Umsetzung dieses Vorhabens wurde erst am 18. August 1966 realisiert, als die ehemalige Staatsliga antragsgemäß endgültig aufgelöst wurde; bislang hatte der gleiche Antrag in zwei vorangegangenen Versammlungen (die letzte hatte es im März 1966 gegeben) keine Mehrheit gefunden. Dieser Beschluss brachte den Vereinen die schon lange erwarteten Platzierungsprämien. Es wurden bonifiziert: Meister Admira (Beträge jeweils in Schilling) 70.000, Rapid 55.000, Austria 45.000, Sportklub 40.000, Austria Klagenfurt 35.000, Vienna 30.000 und LASK 25.000.„Austria Klagenfurt erhielt Prämie“ in »Volkszeitung Kärnten« Nr. 188 vom 19. August 1966, S. 8, POS. Spalten 1 und 2, Mitte
Allgemein Die Meisterschaft 1965/66 war ein Dreikampf der Wiener Klubs Admira, Austria und Rapid. Ersterer profitierte vor allem von seinem neuen Tormann Dragomir Vukićević, der in den ersten 25 Partien bis zu seiner Verletzung nur 14 Tore kassierte. Zur Winterpause lag Admira mit 26:8 Toren und 21 Punkten vor Austria (32:12; 20 Punkte) und Rapid (28:11, 19 Punkte). Während der LASK als Neunter bereits 13 Zähler aufwies, waren die Abstiegsränge vom Zehnten (GAK, 9 Punkte) bis zum Letzten (Simmering, 6 Punkte) noch ziemlich offen.
Die Frage nach der Spielberechtigung von August Starek, zuvor 1. Simmeringer SC, für Rapid wurde praktisch im letzten Moment, nämlich am 20. August, durch den Nationalliga-Kontrollausschuss zugunsten der Hütteldorfer geklärt (sie starteten trotzdem am 21. August mit einer Niederlage, nämlich einem 1:3 bei Wiener Neustadt, wobei Starek zum 1:1-Pausenstand traf). Auch um den neuen Admira-Tormann Vukićević gab es vorerst noch einen Streitpunkt, denn die Vienna hatte Admira wegen Kaperei angezeigt.
Die Jedleseer, die bereits ein Jahr später in Maria Enzersdorf spielten und in der Hinrunde gegen die Verfolger Rapid im Praterstadion ein 1:1 (17. Oktober) erreicht und in der letzten Herbstrunde die Austria auf eigener Anlage in der Hopfengasse mit 3:1 besiegt, nebenbei auch noch einen 8:1-Kantersieg gegen Wiener Neustadt gelandet hatten (19. September), konnten Rapid zunächst im direkten Duell in der 20. Runde am 16. April 1966 mit 2:1 vor 27.000 Zuschauern im Praterstadion besiegen. Günter Kaltenbrunner mit einer direkten Ecke und der Ex-Rapidler Peter Reiter (34./66. Minute) trafen für die Schwarz-Weißen. Ein letztlich entscheidender Sieg, da sich die Austria mit anschließend drei Niederlagen in Serie (Klagenfurt, Vienna und Rapid) selbst aus dem Rennen nahm und die Admira in den folgenden sechs Spielen sich nur einen Verlustpunkt (2:2 beim Linzer ASK am 30. April) leistete und so den Vorsprung ins Ziel brachte.
Als österreichischer Meister konnte sich der Verein für den Europacup der Landesmeister 1967 qualifizieren, Cupfinalist Rapid durfte am Europacup der Cupsieger 1967 teilnehmen und der Wiener Sport-Club vertrat Österreichs Fußball im Messestädte-Cup 1967. Erfolgreichster Klub der Drei war Rapid, die erst im Viertelfinale am 8. März in der Verlängerung auswärts an Bayern München mit 0:2 scheiterte. Demgegenüber mussten sich Meister Admira und der Sport-Club schon in der 1. Runde geschlagen geben: Die Admira scheiterte am jugoslawischen Klub Vojvodina Novi Sad, wobei es am 7. September in dem im Wiener Praterstadion ausgetragenen Match eine 0:1-Niederlage gab. Das Rückspiel (20. September) brachte ein 0:0. Für den Sport-Club war der SSC Napoli eine Nummer zu groß. Bereits nach dem Heim-1:2 am 1. September war praktisch das Ausscheiden perfekt, in Neapel gab es ein 1:3 (21. September).
In einer Pressekonferenz am 23. Juni 1966 gab FK Austria Wien eine „Interessensgemeinschaft“ mit dem 1. Schwechater SC bekannt. In einer Vorstandssitzung am Vortag war Konsul Manfred Mautner Markhof jun., bisheriger Schwechat-Präsident, auch zu jenem der Austria bestimmt worden, Schwechat selbst werde in der Regionalliga Ost spielen. Zum obersten „Sportlichen Leiter“ wurde Ernst Ocwirk bestellt, der ein gemeinsames Trainingsprogramm ausarbeiten und auch leiten wird; beide Klubs werden ihre bisherigen Namen und Klubfarben beibehalten, nur werden beim FK Austria zu den Vereinsinitialen auf den Dressen das Emblem des SC Schwechat (Bierglas) zu sehen sein. Diese Entwicklung zog eine Verschiebung der Nationalliga-Auslosung 1966/67 nach sich, da noch die Lizenzen an die einzelnen Vereine vergeben werden mussten (Termin 8. Juli), vor allem hatten dadurch entweder Wr. Neustadt oder Austria Salzburg die Chance, in die Nationalliga aufgenommen zu werden. Beide Klubs hatten auf Grund der vom ÖFB aufgestellten Punktetabelle mit ungefähr gleicher Punktezahl dieselben Chancen, für die Salzburger sprach ein größeres Zuschauer-Reservoir (doch entgegen diesen Prognosen bekam der 1. Wiener Neustädter SC den Vorzug und brauchte nicht abzusteigen). Außerdem wurde berichtet, dass die Vienna 240.000 Schilling Bankschulden hat und die Schuldenlast des LASK 2 Millionen Schilling beträgt, doch wurde davon ausgegangen, dass die Lizenzerteilung von „sportlichen Gründen“ geleitet sein werde. Die Auslosung erfolgte am 11. Juli im ÖFB-Haus in Wien.„Nationalliga ohne Schwechat!“ in »Volkszeitung Kärnten« Nr. 141 vom 24. Juni 1966, S. 7.„Lizenzenvergabe am 8. Juli“ in »Volkszeitung Kärnten« Nr. 146 vom 30. Juni 1966, S. 7, POS. Spalten 1 und 2, unten
Abschlusstabelle
(M) Österreichischer Meister 1964/65 (C) ÖFB-Cup-Sieger 1964/65 (N) Neuaufsteiger aus der Regionalliga 1964/65
Aufsteiger Regionalliga Ost: SC Wacker Wien Regionalliga Mitte: SK Sturm Graz Regionalliga West: SC Schwarz-Weiß Bregenz
Torschützenliste
siehe auch Liste der besten Torschützen Österreichs
Meistermannschaft Dragomir Vukićević, Johann Draxelmayer – Michael Breibert, Josef Wahl, Emmerich Sommer, Bohumil Hruska (C), Walter Stamm, Paul Kozlicek, Felix Latzke, Peter Reiter, Günter Kaltenbrunner, Anton Herzog, Johann Szauer, Werner Bedernik, Karl Skerlan – Trainer: Johann Pesser
Zweite Leistungsstufe – Regionalligen Regionalliga Ost In der Regionalliga Ost errang der SC Wacker Wien den Meistertitel. Zu Saisonbeginn hatte sich ein Problem durch die Abstiege der Klubs SC Wacker Wien und Wiener AC aus der Staatsliga in die Regionalliga Ost ergeben, denn damit war dort auch der viertletzte SV Deutschkreutz zum Abstieg in die burgenländische Landesliga verurteilt worden. Dabei hatte es vor Beginn der Regionalliga-Meisterschaft im Sommer 1964 einen Beschluss gegeben, dass es nur drei Absteiger geben und im Bedarfsfall die Liga auf 15 oder sogar 16 Klubs aufgestockt werden soll. Am 16. Juli 1965 befasste sich zwar der Vorstand des ÖFB mit dem am 5. Juli eingebrachten Protest von Deutschkreutz, wobei dieser beschloss, dass sich damit Präsident Heinz Gerö befassen solle. Da aber bis zu einem solchen Termin die An- und Abmeldefrist bei den Transfers ablief, wurde diese leidige Angelegenheit zur Farce. Die neue Auslosung (Meisterschaftsbeginn 21./22. August und -Ende 4./5. Dezember) war am 12. Juli erfolgt. Und es änderte sich nichts mehr am gegebenen Status.„Wegen Urlaubs geschlossen“ in »Neue Zeit Klagenfurt«, Nr. 169 vom 27. Juli 1965, S. 8 – Kasten links
Abschlusstabelle
(A) Absteiger aus der Nationalliga 1964/65 (N) Neuaufsteiger aus der Landesliga 1964/65
Aufsteiger Landesliga Burgenland: SV Loipersbach Landesliga Niederösterreich: Badener AC Wiener Liga: FC Wien, Floridsdorfer AC
Regionalliga Mitte In der Regionalliga Mitte konnte der SK Sturm Graz, Absteiger der Saison 1964/65 gleich wieder den Meistertitel sichern. Die Auslosung war am 19. Juli erfolgt – die Termine waren identisch mit der Nationalliga (Start 21./22. August, Ende 4./5. Dezember).
Meisterschaftsverlauf: Die WSG Radenthein, seit Beginn der Regionalliga Mitte 1959/60 darin vertreten, war stark abstiegsgefährdet, befand sich knapp vor Herbstschluss sogar am letzten Platz – es gab in dieser Saisonphase schwere Abfuhren wie ein 0:5 beim kommenden Meister Sturm Graz in der als berüchtigt bezeichneten Gruabn (26. September), ein Heim-0:3 gegen Donawitz (3. Oktober) und ein 1:6 bei VÖEST Linz (21. November), dazu auch weitere überraschende Niederlagen und Punkteverluste, vor allem auch auf eigener Anlage. Erst das Heim-5:1 gegen Hönigsberg (28. November) ließ die Werksportler auf Rang 13 vorstoßen. Zwei der drei Aufsteiger konnten den Klassenerhalt nicht schaffen, wobei das Scheitern des als VSV bekannten Villacher SV doch komitragische Züge hatte, denn unmittelbar vor dem Heimmatch am 30. April gegen Hönigsberg hatten lt. Bericht der »Volkszeitung Klagenfurt« einige Spieler dem Vereinsvorstand ein Ultimatum wegen Prämienerhöhung gestellt, auf welches die Funktionäre aber nicht eingingen und Nachwuchskräfte mitspielen ließen. Einer der Rädelsführer wurde vom Verein ausgeschlossen, ein anderer Spieler wurde der Kapitänswürde enthoben. Das Resultat war mit 0:7 deprimierend, und es folgten weitere Schlappen. In der gegebenen Besetzung war das Team trotz Bemühens nicht konkurrenzfähig gewesen, wenngleich das Team in der vorletzten Runde gegen den eine "jämmerliche Leistung bietenden" (Zitat: «Kärntner Tageszeitung») Meister Sturm ein Heim-2:2 ertrotzte (26. Juni).
Abschlusstabelle
(A) Absteiger aus der Nationalliga 1964/65 (N) Neuaufsteiger aus der Landesliga 1964/65
Aufsteiger Landesliga Kärnten: WSG Ferndorf Landesliga Oberösterreich: SK Hertha Wels Landesliga Steiermark: WSV Fohnsdorf
Regionalliga West In der Regionalliga West feierte der SC Schwarz-Weiß Bregenz den Meistertitel. Wie in der Nationalliga und den beiden anderen Regionalligen begann die Meisterschaft auch am 21./22. August, doch endete sie (weil es 2 Mannschaften weniger gab) schon zwei Wochen früher (20./21. November).
Es gab eine Vereinsumbenennung der Austria Lustenau in SVg Lustenau/Dornbirn, weil der FC Dornbirn dorthin fünf Spieler überlassen hatte. Trotzdem spielte Dornbirn eigenständig auch weiter. Diese Spielgemeinschaft hielt allerdings nur das gegenständliche Spieljahr.
Abschlusstabelle
(N) Neuaufsteiger aus der Landesliga 1964/65