Bernburg (Saale) ist die Kreisstadt des Salzlandkreises in der Mitte Sachsen-Anhalts. Bernburg liegt an der Saale etwa 40 Kilometer südlich von Magdeburg und 35 Kilometer nördlich von Halle (Saale). Bernburg ist historisch ein Teil Anhalts und war Residenzstadt der askanischen Nebenlinie Anhalt-Bernburg.

Geografie Geografische Lage Bernburg liegt an der Saale südlich der sachsen-anhaltischen Hauptstadt Magdeburg und nördlich von Halle (Saale). Seine Lage südlich der Gletschervorstöße der letzten Eiszeit (vor etwa 12.000 Jahren) mitten im Schwarzerdegebiet der Magdeburger Börde bietet landwirtschaftlich gute Voraussetzungen. Im Gletschergarten am Stadtrand befinden sich noch Gesteinsplatten mit eiszeitlichen Schrammen.

Stadtgliederung Die Stadt Bernburg setzt sich zusammen aus der Berg- und der Talstadt (Zusammenschluss der beiden Städte am 21. März 1825). Die Talstadt Bernburg wiederum ist in die Alt- und die Neustadt Bernburg gegliedert (am 26. März 1561 vereinigt). Hinzu kommen noch weitere Wohngebiete, wie z. B.: Anton-Saefkow-Siedlung. Die von Architekt Leopold Fischer geplante Gartenstadt zwischen John-Schehr- und Horst-Heilmann-Straße wurde Ende der 1920er-Jahre erbaut. Sie wird im Volksmund „Zickzackhausen“ genannt, da die um 90 Grad gedrehten einzelnen Reihenhäuser in ihren Fronten versetzt sind. Friedenshall (früher Solvayhall) Harnack-Siedlung (früher Friedhofssiedlung) Schulze-Boysen-Siedlung (früher Junkerssiedlung; Kopernikus-, Galilei-, Bunsen- und Nernststraße) Die meisten Mehrfamilienhäuser aus den 1930er-Jahren wurden ab 2010 abgerissen. Der verbleibende Rest wird saniert und modernisiert.

Zu Bernburg gehören die acht Ortschaften: mini|hochkant=1.2|Stadtansicht (2009) mini|hochkant=0.8|Stadtstruktur der Stadt Bernburg (1995)

Ortschaft Einwohner Ortsteile Aderstedt 495 Aderstedt Baalberge 1.266 Baalberge, Kleinwirschleben Biendorf 678 Biendorf Gröna 517 Gröna Peißen 1.122 Peißen Poley 543 Weddegast, Poley Preußlitz 599 Leau, Plömnitz, Preußlitz Wohlsdorf 406 Crüchern, Wohlsdorf

Die fünf Stadtteile sind: Dröbel (1. Oktober 1926 eingemeindet) Neuborna (Baubeginn: Anfang 1933) Roschwitz (1. Oktober 1927 eingemeindet) Strenzfeld (Erschließung der „Strenzer Flur“: 1935) Waldau (1871 eingemeindet)

Weitere Wohnplätze sind: Vorwerk Gnetsch (bis 1927 zu Roschwitz) Vorwerk Zepzig mit Mülldeponie Zepzig (bis 1927 zu Roschwitz)

Klima Bernburg liegt inmitten des Mitteldeutschen Trockengebietes im Regenschatten des Harzes und ist dem Klimaraum des östlichen Harzvorlandes zugeordnet, dem trockensten Gebiet Deutschlands. Auf der Basis von Daten des Deutschen Wetterdienstes befindet sich Bernburg in einer Rangliste von 50 untersuchten deutschen Städten mit einer mittleren jährlichen Niederschlagsmenge von nur 469 Millimeter (Regenschatten des Harzes) auf dem letzten Platz. Die Lage in diesem Klimaraum bedingt auch höhere Sommertemperaturen, so wurde am 31. Juli 2018 mit 39,5 °C die höchste Jahrestemperatur in Deutschland gemessen. Die durchschnittliche Lufttemperatur in Bernburg beträgt 9,2 °C.

Geschichte Etymologie des Stadtnamens 1138 tauchte der Name Berneburch auf, sicherlich eine Entwicklung aus dem brandanburg von 961 (nach germanisch branda „Brand“). Wie zu fast allen Ortsnamen gibt es aber auch hierzu weitere Etymologien: der Name kann auf den Personennamen 'Bero' als Kurzform zu Vollnamen wie Bernhard zurückgehen, wird aber auch von altsächsisch bero = Bär oder altsächsisch brannjan = brennen abgeleitet. Demnach stammt Bernburg höchstwahrscheinlich von dem Begriff abgebrannte Burg (vgl. auch Brandenburg an der Havel).Vgl. D. Freydank, K. Steinbrück: Die Ortsnamen des Bernburger Landes. Halle (Saale) 1966, S. 18.

Urgeschichte mini|Großsteingrab und Dolmengöttin der Bernburger Kultur Bernburg ist namengebender Fundort für Siedlungsbelege der Bernburger Kultur (3100 v. Chr. bis 2700 v. Chr.), einer Untergruppe der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur. mini|Funde aus dem Schneiderberg mini|Grabhügel Fuchsberg (Weddegast) mit Funden der Schnurkeramik (ab 2.800 v. Chr.) mini|Doppelte Kreisgrabenanlage von Pömmelte (nahe der Saalemündung) aus der Glockenbecherkultur (ab 2600 v. Chr.) und der Aunjetitzer Kultur (2300 v. Chr.–1550 v. Chr.) - vermutlich das kulturelle und vielleicht auch religiöse Zentrum der Region Das 2010 zu Bernburg eingemeindete Baalberge ist namengebender Fundort für Siedlungsbelege der Baalberger Kultur (4000 v. Chr. bis 3150 v. Chr.), einer weiteren Untergruppe der Trichterbecherkultur, deren fundreichste Erscheinung sie in Deutschland ist. Sie wurde benannt nach dem Erstfund im Schneiderberg von Baalberge.

mini|Prähistorische Grabmonumente bei Bernburg, die 1644 in die Befestigung eines schwedischen Heerlagers integriert wurden. Grün: Großsteingräber, rot: Grabhügel, orange: heute zerstörte Anlagen (vermutlich Grabhügel). Die Häufung von jungsteinzeitlichen Siedlungsbelegen beweist, dass der Raum Bernburg damals ein Zentrum der Trichterbecherkultur war. Dies lag daran, dass um die Elbe-Saale-Mündung die größte frühgeschichtliche Siedlungsfläche Mitteldeutschlands existierte.

mini|Sieben Steine von Preußlitz Auf die ehemals hohe dreistellige Anzahl urgeschichtlicher Hügelgräber, die im 18. Jahrhundert und vor allem im 19. Jahrhundert der landwirtschaftlichen Nutzung zum Opfer fielen, verweisen auch die Sieben Steine von Preußlitz. Diese Menhire wurden lange vor 1800 von den eingeebneten Hügeln und Hügelgräbern der Preußlitzer Flur zusammengetragen. Einer der Steine wurde in den letzten Jahrzehnten entfernt. Bei einer Untersuchung durch Waldtraut Schrickel in den 1950er Jahren waren aber noch alle sieben vorhanden. Die ungewöhnliche Menhirsammlung regte Anfang des 19. Jahrhunderts zur Entstehung einer lokalen anhaltischen Sage an (1844 gedruckt).Friedrich Stahmann, Ludwig Züllich (Hrsg.): Anhalt's Sagen, Märchen und Legenden. Verlag der F. W. Gröning’schen Buchhandlung, Bernburg 1844, S. 198–199.

mini|Bronzegegenstände aus dem Depot von Hoym. mini|Verbreitung der Aunjetitzer Kultur im heutigen Sachsen-Anhalt. Auf bronzezeitliche Spuren weist das Depot von Bernburg/Köthen aus vier schweren ovalen geschlossenen Bronzeringen aus der Aunjetitzer Kultur hin. Die Ringe haben gerippte Schauseiten. Im Salzlandkreis fanden sich des Weiteren das Depot von Belleben (vier schwere ovale geschlossene und gerippte Bronzeringe in einer Tasse mit geglätteter Oberfläche), das Depot von Giersleben (acht bronzene Randleistenbeile in einem Keramikgefäß) und das Depot von Hoym (acht massive Armringe, sechs Noppenringe und eine Tätowiernadel in einer Keramikkanne mit Deckel).

Der jungsteinzeitlichen Schneiderberg der Baalberger Kultur wurde von den Aunjetitzern zu Nachbestattungen benutzt„Vollständig erhaltene Tasse aus feingemagertem Ton mit Henkel. Poliert. Die Tasse stammt aus dem Schneiderberg in Baalberge, Salzlandkreis. Sie ist Beigabe einer frühbronzezeitlichen Nachbestattung.“ Zit. nach: Aunjetitzer Tasse aus Baalberge. In: museum-digital. Museum Schloss Bernburg. Ur- und frühgeschichtliche Sammlung, abgerufen am 12. November 2024.Paul Höfer: „Baalberge“. In: „Jahresschrift f. d. Vorgeschichte der sächs.- thüring. Länder.“ Band 1 (1902), S. 16–42., sogar ein Steinkistengrab wurde von den Aunjetitzern nachverwendet.„Eine Tasse aus bräunlichem Ton. Die Oberfläche ist geglättet. Die Tasse besitzt ein s-förmiges Profil und einen Henkel. Die Tasse wurde 1901 im "Schneiderberg" bei Baalberge in einem Steinkistengrab in der Mitte des Hügels gefunden.“ Zit. nach: Tasse. In: museum-digital. Museum Schloss Bernburg. Ur- und frühgeschichtliche Sammlung, abgerufen am 12. November 2024. Hier wurden wahrscheinlich nur Häuptlinge begraben, die „sich offenbar auf eine lange Abstammungslinie, die bis ins Neolithikum hineinreicht“, beriefen. „Der Restbevölkerung, die in nicht-neolithischer Weise bestattet wurde, wurden diese Abstammungsrechte scheinbar abgesprochen.“„Nach dieser Beschreibung fällt auf, daß die mitteldeutschen Häuptlingsgräber eng mit dem Neolithikum verbunden sind. Durch den traditionellen Grabbau veranschaulichen sie in direkter Weise die Vermittlung traditioneller Werte durch den Verstorbenen. Er beruft sich offenbar auf eine lange Abstammungslinie, die bis ins Neolithikum hineinreicht. Der Restbevölkerung, die in nicht-neolithischer Weise bestattet wurde, wurden diese Abstammungsrechte scheinbar abgesprochen.“ Zit. nach: „Häuptlingsgräber der Aunjetitzer Kultur (2200 - 1800 BC)“. auf archaeologie-online.de, abgerufen am 12. November 2024.

Im Stadtgebiet von Bernburg wurde bedeutendere Aunjetitzer Keramik auf dem Rößeberg„Eine niedrige, breite und unverzierte Tasse aus schwarzem Ton mit starkem Bauchknick, einem Henkel und ausragendem Rand. Die Tasse wurde im Juli 1931 am ‚Rößeberg‘ bei Bernburg gefunden.“ Zit. nach: Tasse. In: museum-digital. Museum Schloss Bernburg. Ur- und frühgeschichtliche Sammlung, abgerufen am 12. November 2024. und auf dem Friedhof II„Eine Tasse aus hellbraunem Ton. Sie besitzt einen Henkel und ist stark profiliert. Auf dem Umbruch ist sie mit horizontal umlaufend eingeritzten Linien und Zick-Zack-Mustern verziert. Sie wurde im Bereich des heutigen Friedhof II in Bernburg gefunden.“ Zit. nach: Tasse. In: museum-digital. Museum Schloss Bernburg. Ur- und frühgeschichtliche Sammlung, abgerufen am 12. November 2024. gefunden, in der Nähe der Stadt im Solvay-Steinbruch„Ein hoher, unverzierter Topf mit abgesetzem Hals und waagerechten Rand aus braunem Ton. Der Topf besitz einen Henkel, der wie Hörner gestaltet ist. Er wurde am 13. Juni 1937 im Solvay-Steinbruch bei Bernburg gefunden.“ Zit. nach: Topf. In: museum-digital. Museum Schloss Bernburg. Ur- und frühgeschichtliche Sammlung, abgerufen am 12. November 2024. und beim Flugplatz in Bernburg-Strenzfeld„Eine unverzierte Tasse mit Bauchknick. Die Tasse wurde im August 1935 beim Flugplatz in Bernburg-Strenzfeld gefunden.“ Zit. nach: Tasse. In: museum-digital. Museum Schloss Bernburg. Ur- und frühgeschichtliche Sammlung, abgerufen am 12. November 2024..

Am Krakauer Berg in Gröna wurde eine Aunjetitzer Tasse zusammen mit einem Skelett gefunden„Eine Tasse mit starkem Bau-Umbruch, einem kleinen Ösenhenkel und ausladendem Rand. Die Tasse wurde am 18. Oktober am "Krakauer Berg" in Gröna bei Bernburg zusammen mit einem Skelett gefunden.“ Zit. nach: Tasse. In: museum-digital. Museum Schloss Bernburg. Ur- und frühgeschichtliche Sammlung, abgerufen am 12. November 2024., in Hahndorfs Kiesgrube bei Baalberge eine Tasse und zwei unverzierte Gefäße„Ein unverziertes Gefäß aus hellbraunem Ton mit einer Handhabe. Das Gefäß ist am Rand etwas beschädigt. Das Gefäß wurde 1889 in der ‚Hahndorfs Kiesgrube‘ bei Baalberge gefunden.“ Zit. nach: Gefäß. In: museum-digital. Museum Schloss Bernburg. Ur- und frühgeschichtliche Sammlung, abgerufen am 12. November 2024. und in Cörmigk-Sixdorf eine Tasse in Hockergrab 7„Eine unverzierte Tasse aus hellbraunem Ton mit Henkel. Sie ist teilweise mit Gips ergänzt. Die Tasse wurde 1958 in Cörmigk-Sixdorf in Hockergrab 7 in einer Kiesgrube gefunden.“ Zit. nach Tasse. In: museum-digital. Museum Schloss Bernburg. Ur- und frühgeschichtliche Sammlung, abgerufen am 12. November 2024. sowie eine weitere unverzierte Tasse und ein unverziertes Näpfchen aus hellbraunem Ton„Ein unverziertes Näpfchen aus hellbraunem Ton. Es wurde am 15. Dezember 1960 in Cörmigk-Sixdorf in einer Kiesgrube gefunden.“ Zit. nach: Näpfchen. In: museum-digital. Museum Schloss Bernburg. Ur- und frühgeschichtliche Sammlung, abgerufen am 12. November 2024..

Bernburg lag damals (2300 v. Chr.–1550 v. Chr.) im Zentrum des mitteldeutschen Verbreitungsgebietes der Aunjetitzer Kultur (siehe Karte).

Frühgeschichte