Die Grube Anna war ein Steinkohlebergwerk des Eschweiler Bergwerksvereins (EBV) in Alsdorf in der nordrhein-westfälischen Städteregion Aachen im Aachener Revier. Das Bergwerk war viele Jahre lang das größte Bergwerk im Aachener Revier.

Grubenfeld und Geologie Das Grubenfeld der Grube Anna hatte eine Fläche von 14,9 Quadratkilometern und befand sich unter dem Flüsschen Wurm. Die Wurmmulde ist im Zuge der variszischen Gebirgsbildung durch Faltungen entstanden. Das Karbon erreicht hier eine Mächtigkeit von 1500 bis 2100 Meter. Der Anteil der Flözmächtigkeit beträgt etwa vier Prozent. Es gibt etwa 40 bis 50 Flöze, die dicker als 15 Zentimeter sind.

Mineralfunde

Die Grube Anna und die Bergehalden von Anna-I, -II und -Noppenberg sind bekannte Fundorte mit großer Vielfalt an Mineralen bzw. ihren Varietäten, die entweder als Begleitminerale in den Kohleflözen oder als Mineralneubildungen durch Haldenbrände entstanden. Bis 2013 wurden hier rund 60 Minerale aus allen Mineralklassen entdeckt. Bekannte Minerale aus diesen Fundstätten sind unter anderem:Mineralienatlas: Bergehalden Anna 1, Anna 2 und Anna-Noppenberg in Alsdorf.Locality Anna Mine, Alsdorf, Aachen, North Rhine-Westphalia, Germany. Fundortbeschreibung und Mineralliste auf mindat.org.

Elemente Schwefel, Selen Sulfide Chalkopyrit, Galenit, Markasit, Millerit, Pyrit, Siegenit, Sphalerit Halogenide Barberiit, Kremersit, Kryptohalit, Rosenbergit, Salmiak, Thermessait Oxide bzw. Hydroxide Hämatit, Lithargit, Quarz Carbonate Calcit, Dolomit, Siderit Borate Sassolin Sulfate Adranosit-(Fe), Alaun, Aluminopyracmonit, Alunogen, Ammoniojarosit, Ammonioalunit, Anhydrit, Baryt, Bassanit, Boussingaultit, Clairit, Copiapit, Gips, Godovikovit, Görgeyit, Halotrichit, Hexahydrit, Khademit, Lannonit, Letovicit, Mascagnin, Melanterit, Metavoltin, Millosevichit, Pickeringit, Pyracmonit, Rostit, Sabieit, Serizit, Sideronatrit, Tamarugit, Tschermigit, Voltait Phosphate, Arsenate bzw. Vanadate Annabergit Silikate Dickit Organische Verbindungen Ravatit

Geschichte Planung In der Mitte des 19. Jahrhunderts kam es wegen der verstärkten Nachfrage nach Steinkohle zu ersten Prospektionen in der östlichen Wurmmulde, nordöstlich der sogenannten Feldbiss-Störung. Dabei standen sich drei Bohrgesellschaften in Konkurrenz gegenüber. Die beiden jungen Steiger Wilhelm Sassenberg und Eduard Honigmann tätigten Anfang der 1840er Jahre die ersten Bohrungen östlich des Feldbisses. Die Vereinigungsgesellschaft und der Eschweiler Bergwerksverein machten Honigmann und seinem Partner Konkurrenz. Dem Eigentümer der Vereinigungsgesellschaft, dem Regierungsrat Theodor Jacob Brendt, gelang es, Honigmanns Partner Sassenberg abzuwerben. Honigmann fand neue Partner; sie gründeten die Gesellschaft Bölling, Honigmann und Schoeller. Allerdings waren diese ersten Bohrungen erfolglos, erst weitere Bohrungen erbrachten den gewünschten Erfolg: Bei einer Teufe von 43 Metern traf man in Hoengen und bei Alsdorf bei 85 Metern auf das erste bauwürdige Flöz. Im Jahr 1848 wurden vom Bergamt die Konzessionen für die Grubenfelder Anna und Maria erteilt. Honigmann und seine Partner erhielten das Feld Maria mit einer Größe von 1,74 km²; die Vereinigungsgesellschaft bekam das 14,9 km² große Feld Anna. Wenige Tage später, am 12. Juli 1848, wurde das Recht zum Betrieb eines Steinkohlenbergwerks an die Gesellschaft verliehen. Die Gesellschafter gaben dem neu zu bauenden Bergwerk den Namen Anna.

Die Errichtung des Bergwerks Im Jahr 1850 begann man auf Anna mit den Teufarbeiten für den ersten Schacht. Der Schacht erhielt den Namen Hermannschacht, die Teufarbeiten wurden unter der Leitung des Obersteigers Wilhelm Sassenberg durchgeführt. Aufgrund des geologisch problematisch aufgebauten Deckgebirges wurde der Schacht im Sackbohrverfahren erstellt. Für den Schachtausbau kamen Tübbinge zum Einsatz. Während der Teufarbeiten kam es mehrfach zu Schwimmsandeinbrüchen, sodass zunächst eine zweite und später auch eine dritte Tübbingsäule eingebracht werden musste. Diese Maßnahmen verringerten den Schachtdurchmesser von 3,1 Meter auf 2,4 Meter. Um das anfallende Grubenwasser heben zu können, wurde eine 40 PS starke Dampfmaschine installiert. Die Maschine war eine kombinierte Wasserhaltungs- und Fördermaschine. Die Fördermaschine erhielt eine Fördertrommel als Seilträger. Der Dampf zum Betrieb der Maschine wurden in einem Kesselhaus mittels drei Kesseln erzeugt.

Die ersten Betriebsjahre mini|Gedenklore in der Alsdorfer Innenstadt 1854 wurde die erste Fettkohle gefördert. Die Kohlen wurden zunächst mittels Förderkübeln auf Fördergestellen zu Tage gefördert. Pro Kübel konnten 2 bis 2,25 Tonnen Rohkohle gefördert werden. Das Bergamt hatte in seiner Konzession eine Doppelschachtanlage zum Betrieb des Bergwerks zur Auflage gemacht. Wegen der Schachtquerschnittsverjüngung war dieses jedoch mit dem Hermannschacht nicht mehr möglich. Aus diesem Grund musste man einen zweiten Schacht abteufen. Es wurde nun der Josefsschacht auf dem Gelände von Anna I angesetzt. Der Abstand zum Hermannschacht betrug rund 65 Meter. Aufgrund des problematischen Deckgebirges wurde auch der Schacht 2 mit Tübbingen ausgebaut. Der Durchmesser des Schachtes betrug dabei 2,06 Meter. Um die anfallenden Grubenwässer zu heben, wurde eine 250 PS starke Wasserhaltungsmaschine installiert und im Jahr 1855 in Betrieb genommen. Bereits nach sechs Monaten wurde der Schacht 2 in einer Teufe von 150 Metern mit der ersten Sohle durchschlägig. Im Jahr 1862 wurde auf dem Bergwerk eine Kokerei in Betrieb genommen. Am 10. Oktober 1863 übernahm der EBV die Grube und baute sie in den Folgejahren weiter aus. Aufgrund des steigenden Absatzes an Fettkohle entschloss man sich von Seiten des EBV, einen zweiten Förderstandort zu errichten. Dieser erhielt den Namen Anna II. Im Jahr 1865 wurde mit dem Bau begonnen; hierfür wurden die Tagesanlagen errichtet und die ersten Maschinen installiert. Im Jahr 1868 wurde eine neue Wasserhaltungsmaschine mit einer 18-zölligen Pumpe in Betrieb genommen. Außerdem wurde über der 73-Lachter-Sohle ein Durchschlag zwischen dem Wilhelmschacht und den Grubenbauen des alten Schachtes geschaffen.

Der weitere Ausbau des Bergwerks mini|Annapark mit Zechendenkmälern Im Jahr 1869 wurde auf dem Standort Anna I mit den Teufarbeiten für den Franzschacht begonnen. Der Schacht wurde in einer Entfernung von 40 Lachtern nördlich vom Annaschacht angesetzt. Der Schacht wurde 70 Fuß im schwimmenden Gebirge abgeteuft. Im Jahr darauf wurden von der Grube Anna regelmäßig eine bedeutende Menge Fettkohlen an die Fabriken in Stolberg und Eschweiler geliefert. Grund hierfür war, dass die Bergwerke des Inde-Reviers keine genügenden Mengen fördern konnten, um den Bedarf der Fabriken zu decken. Der EBV ließ die Grube Anna ab dem Jahr 1870 weiter ausbauen. Ziel dieser Ausbaumaßnahmen war es, dass das Bergwerk die gesamte Förderung des EBV übernehmen könnte. Im Jahr 1871 erhielt das Bergwerk einen Eisenbahnanschluss der Rheinischen Eisenbahn zum Bahnhof Stolberg. Ab dem Jahr 1872 wurde über diese Bahn nicht nur Kohle transportiert, sondern auch Personen befördert. Im Jahr 1875 wurde das Bergwerk an die Aachener Industriebahn angeschlossen, dies ermöglichte dem Bergwerk eine unmittelbare und auch günstigere Verbindung mit den Industriebetrieben Aachens. Im Jahr 1878 wurde auf Anna I eine Kohlenwäsche errichtet. Im Jahr 1881 erreichte der Wilhelmschacht eine Teufe von 251 Metern. Im Jahr 1885 wurde der Franzschacht für die Seilfahrt freigegeben. Unter Tage wurden weitere Ausrichtungsarbeiten und Vorrichtungsarbeiten auf der 153-, der 192-, der 245- und der 252-Meter-Sohle durchgeführt. Vom Franzschacht ausgehend wurde über einen 147 Meter langen Querschlag die Hauptförderstrecke in Flöz A1 angebunden. Auf der 245 Meter-Sohle erreichte der Hauptquerschlag nach Norden in diesem Jahr eine Auffahrungslänge von 2560 Metern. Über Tage wurde die Schwebebahn für den Abtransport des Kohlenstaubes zu den Kokskohletürmen fertiggestellt.

Im Jahr 1901 wurde ein Liefervertrag mit den Röchling-Werken in Völklingen an der Saar abgeschlossen. Der Vertrag war auf zehn Jahre befristet und sicherte dem Bergwerk einen Absatz von 250.000 Tonnen Koks pro Jahr. Im Jahr 1903 wurde die erste Batterie der neuen Kokerei Anna in Betrieb genommen. Aufgrund weiterer Verträge mit der Eisenindustrie im heutigen Saarland, in Lothringen und in Luxemburg musste die Koksproduktion erhöht werden. Im Jahr 1904 begann man auf dem Baufeld Anna II mit den Teufarbeiten für den Eduardschacht. Der Schacht wurde benannt nach dem Aufsichtsratsvorsitzenden Eduard von Oppenheim und zunächst bis zur 225-Meter-Sohle geteuft. Im Jahr 1907 wurde auf dem Eduardschacht die erste elektrisch betriebene Fördermaschine in Betrieb genommen. Im Jahr 1911 wurde eine zweite Kokerei fertiggestellt. Die beiden Kokereien standen zwar nahe beieinander, wurden jedoch betrieblich voneinander getrennt geführt. Insgesamt wurden 402 Öfen in sieben Batterien betrieben, außerdem noch Nebenproduktionsanlagen für Benzol und Ammoniak. Das beim Verkokungsprozess entstandene Kokereigas wurde in einer eigenen Gasmaschinenzentrale in neun Gasturbinen mittels Generatoren in Strom umgewandelt. Die Generatoren konnten maximal 9 Megawatt Strom erzeugen. Die Kokerei war damals eine der größten in Europa. Im selben Jahr wurde am Eduardschacht die zweite elektrische Fördermaschine in Betrieb genommen. Am 29. November 1917 geriet eine benzolgetriebene Grubenlok unter Tage in Brand; 800 Meter hölzerner Streckenausbau brannten. Das Feuer wurde durch den Luftzug der Bewetterung weiter angefacht. Unmittelbar starben bei diesem Grubenunglück 58 Bergleute, darunter 17 russische Kriegsgefangene. Schätzungsweise 60 Kumpel erlagen später ihren Verletzungen und Brandvergiftungen. Im Jahr 1921 wurde auf Anna I mit den Teufarbeiten für den Hauptschacht begonnen. Der Schacht wurde im Gefrierverfahren erstellt. Im Jahr 1922 wurde das Fördermaschinenhaus für den Hauptschacht Anna I erbaut. Im Jahr 1923 erreichte der Hauptschacht in einer Teufe von 360 Metern die Hauptfördersohle. Im Jahr 1925 begann man, auf Anna I im Bereich der heutigen Bahnhofstraße eine Lkw-Einfahrt zu erstellen. Ab dem Jahr 1927 begann man, auf der Kokerei Anna eine Ferngasanlage zu erbauen. Das überschüssige Kokereigas sollte dadurch an die Städte in der näheren Umgebung geliefert werden. Im Jahr 1930 wurde die Lkw-Einfahrt auf Anna I fertiggestellt. Mitten in der Aufbauphase des Bergwerks ereignete sich im Jahr 1930 ein schweres Grubenunglück.

Das Grubenunglück 1930 und die Folgen mini|Das Unglück von 1930 mini|Das Unglück von 1930