mini|Alte Kath. Pfarrkirche Hll. Cornelius in Feldkirch Die ehemalige römisch-katholische Pfarrkirche Feldkirch-Tosters steht am Tostner Burgweg 54 im Stadtteil Tosters der Stadtgemeinde Feldkirch im Bezirk Feldkirch in Vorarlberg. Sie ist dem heiligen Cornelius geweiht und gehört als Filialkirche der Neuen Pfarrkirche Feldkirch-Tosters zum Dekanat Feldkirch in der Diözese Feldkirch. Das Bauwerk steht unter Denkmalschutz.
Geschichte Die Kirche St. Corneli dürfte schon im 11. Jahrhundert erbaut worden sein. Die erste Urkunde, in der diese Kirche erwähnt wird, ist die Schutzbulle Papst Alexanders III. von 1178, aus der hervorgeht, dass Tosters in jener Zeit im Besitz des Frauenklosters Schänis in der Schweiz war. Anfangs war die Kirche wohl von einem Priester aus Mauren versorgt worden. Als die Grafen von Montfort aber bei der Pfarrkirche in Feldkirch ein Herrenbenefizium (zur Nutzung überlassenen erblichen Landes) stifteten, übernahm dieser Benefiziat schon vor 1730 auch die Sorge für St. Corneli in Tosters. Der erste Herrenbenefiziat und Pfarrer von Tosters war Heinrich Ritter von Ems, der als Kaplanwohnung ein Haus neben dem Johanniterhaus in Feldkirch besaß. Ab 1620 stand dann dem Pfarrer von Tosters ein Haus in der Nähe der Pfarrkirche Feldkirch – also in der Herrengasse – zur Verfügung. Erst 1828 ging das Patronatsrecht an Tosters selbst über und seit 1836 wohnte der Pfarrer in Tosters, also immer noch ein gutes Stück Weges von St. Corneli entfernt. Weil gerade zur Winterszeit dieser Weg sowohl für die Bewohner als auch für den Pfarrer von Tosters recht beschwerlich war, baute man 1879 in Tosters selbst eine „neue“ Pfarrkirche, die inzwischen – knapp 100 Jahre später – wiederum einem Neubau weichen musste.
In St. Corneli bestanden drei Bruderschaften: Im Jahr 1618 stiftete Pfarrer Arbogast Müller die Almosen-Bruderschaft, die unter dem Schutz der Muttergottes und der Heiligen Cornelius und Cyprian stand und gegründet worden war – wie es im Bruderschaftsbuch heißt – „wegen der damaligen armseligen und betrübten Zeiten, und insbesondere, weil am 7. Mai 1618 ein schrecklicher Kometstern erschienen war“. Weiters wurden 1666 die Rosenkranzbruderschaft und 1846 die Herz-Mariä-Bruderschaft eingeführt. mini|Parzelle St. Corneli mit Ruine Tosters im Hintergrund Trotz der beiden Kirchenpatrone Cornelius und Cyprian ist St. Corneli von alters her auch ein Marienwallfahrtsort. Die erwähnte Rosenkranzbruderschaft hielt an jedem ersten Sonntag des Monats und an alten Muttergottesfesten eine Prozession nach St. Corneli und feierte am Bruderschaftsaltar eine Messe. Ebenfalls weit zurück reicht die Legende, wonach die Muttergottes bei der tausendjährigen Tostner Eibe übernachtet haben soll. Tatsächlich wurde die schwarze Madonna von Einsiedeln in Kriegszeiten von Einsiedeln nach St. Gerold gebracht. Diese Legende hatte zur Folge, dass immer wieder Rinde der Eibe zu Heilzwecken abgeschnitten wurde. Lange Zeit hat sich auch in einem verglasten Schrein bei der Eibe eine Madonnenstatue aus der Zeit um 1500 befunden. Sie wurde 1950 das Opfer eines Diebstahls. Und schließlich fand die große Marienverehrung im 19. Jahrhundert hier erneut Ausdruck, als Pfarrer Weißhaar 1889 im Presbyterium eine Lourdes-Grotte errichten ließ, die an jene Grotte erinnern sollte, in der der kleinen Bernadette 1858 achtzehnmal die Muttergottes erschienen war.
Aber auch die Heiligen Cornelius und Cyprian waren das Ziel vieler Wallfahrten. So wird beispielsweise in der Rankweiler Häusle-Chronik von 1746 berichtet:
Die „Tausendjährige Eibe“ bei St. Corneli mini|Tausendjährige Eibe An der nördlichen Friedhofsmauer von St. Corneli steht eine Eibe, die als ältester Baum Vorarlbergs und einer der ältesten Österreichs gilt. Dieses Naturdenkmal hat am Fuß einen Umfang von mehr als fünf Metern, was schon auf sein ehrwürdiges Alter hinweist. Aufgrund einer Legende, die erzählt, dass die Gottesmutter auf dem Weg von Einsiedeln nach St. Gerold bei dieser Eibe Rast gemacht habe, sprach man der Rinde des Baumes heilende Wirkung bei allerlei Krankheiten zu. Das veranlasste viele Gläubige, Rinde abzuschneiden, was der Eibe mit der Zeit sehr schadete. Weil ihr auch ein Blitzschlag großen Schaden zufügte, musste man mit dem Absterben des Baumes rechnen. Eine Sanierung der „Tausendjährigen Eibe“ Anfang der 1990er Jahre gewährleistet nun aber, dass dieser Baum noch viele weitere Jahre erhalten bleibt.
Kirchenpatrone Die alte Pfarrkirche von Tosters wird allgemein St. Corneli genannt, und doch hat sie eigentlich zwei Kirchenpatrone, nämlich Cornelius (251 – 253) und den Bischof von Karthago und Kirchenschriftsteller Cyprian (gest. 258). Das gemeinsame Patronat dieser beiden Heiligen wird erst aus der Kirchengeschichte verständlich.
Bevor Cornelius Papst wurde, war der Papstthron 15 Monate unbesetzt. In dieser Zeit hatte ein gewisser Novatian eine führende Stelle in der römischen Gemeinde inne. Als Bischof Cyprian von Karthago eine Anfrage an Rom richtete, wie er sich zur Wiederaufnahme (Rekonziliation) jener Christen stellen sollte, die während der Christenverfolgungen unter Kaiser Decius abgefallen waren, bekam er ein Antwortschreiben des Novatian, in dem dieser eine durchaus gemäßigte, milde Haltung empfahl. Novatian schien sich allerdings große Hoffnungen gemacht zu haben, Papst zu werden. Als nämlich bald darauf Cornelius zum Papst gewählt wurde, welcher der Wiederaufnahme der Abgefallenen ebenfalls großzügig gegenüberstand, stellte sich Novatian plötzlich schroff gegen ihn und verlangt sogar deren Exkommunikation. Das Novatianische Schisma schien also mehr aus persönlichen, als aus dogmatischen Differenzen entstanden zu sein. Auf der Synode von Karthago wurde Novatian aus der Kirche ausgeschlossen und die Maßnahmen für die Rekonziliation der Abgefallenen geregelt, wobei Cyprian Cornelius stets unterstützte, obwohl letzterer nicht immer unangefochten war.
Die Christenverfolgungen waren im 3. Jahrhundert noch immer nicht zu Ende; unter Kaiser Gallus (251–253) wurde Cornelius nach Centumcellae exiliert, wo er vermutlich eines natürlichen Todes starb. Bischof Cyprian hingegen wurde im Zuge der Christenverfolgung Kaiser Valerians (253–259) verbannt und am 14. September 258 in Karthago enthauptet.
Cyprian gilt als Pestpatron, Cornelius wird gegen Krämpfe und Fallsucht angerufen und gehört zu den als Nothelfer verehrten Vier Marschällen (zusammen mit Antonius dem Einsiedler, Hubertus und Quirinus).
Cornelius und Cyprian sind als Kirchenpatrone in Vorarlberg sehr ungewöhnlich. Die Verehrung dieser beiden Heiligen nahm zu Beginn des 9. Jahrhunderts einen großen Aufschwung, als Gesandte Kaiser Karls d. Gr. Reliquien des hl. Cyprian von Karthago nach Frankreich brachten, wo sie einige Zeit später in die Abteikirche des hl. Cornelius zu Compiégne kamen. Zur Gesandtschaft Kaiser Karls gehörte auch Herzog Hunfried von Churrätien, der ab 807 im heutigen Rankweil residierte und wesentlich an der Gründung des Klosters Schänis in der Schweiz beteiligt war. Möglicherweise war also das Kloster Schänis über Herzog Hunfried in den Besitz von Reliquien der Hl. Cornelius und Cyprian gekommen. Tosters wiederum war spätestens ab dem 11. Jahrhundert im Besitz des Klosters Schänis und könnte von dort Reliquien für die Kirche St. Corneli bekommen und das Patronat dieser beiden Heiligen übernommen haben.
Baugeschichte Der erste Bau von St. Corneli dürfte also bis ins 11. Jahrhundert zurückreichen. Über die ersten Jahrhunderte seines Bestehens verraten die Quellen fast nichts. Im Jahre 1990 wurden archäologische Untersuchungen durchgeführt, die erahnen ließen, wie die gotische Kirche ausgesehen haben mag. Dieser Vorgängerbau war bedeutend kleiner als der jetzige, die Fundamente eines Hoch- und eines Seitenaltares sowie eines Triumphbogens konnten freigelegt werden. Die Laibungen der gotischen Spitzbogenfenster wurden rekonstruiert und sind heute noch an der Außenwand des Chores sichtbar. Weitere Grabungen erlaubten Rückschlüsse auf den noch kleineren romanischen Vorgängerbau, der wohl einen geraden Chorschluss, einen Wandaltar und auch schon einen Turm besaß.
Ihre wesentliche Umgestaltung und Vergrößerung erfuhr die Kirche aber im 17. Jahrhundert Damals wurden das Langhaus abgebrochen und neu aufgebaut, die Sakristei erweitert, der Turm erhöht und die Empore eingebaut. Durchgreifende Restaurierungen erfolgten 1789 und 1989.
Architektur Das Äußere Die alte Pfarrkirche St. Corneli zeigt sich als einfacher Rechteckbau. Der Chor ist etwas eingezogen und weist einen 3/8-Schluss auf. Langhaus, Chor und der im Süden angebaute Turm haben Satteldächer. An der Ostseite des Turmes schließt die Sakristei an, ein eingeschoßiger Bau unter einem Pultdach. Das holzgerahmte Fenster ist noch mit Butzenscheiben verglast und durch ein Steckgitter geschützt. Darüber, im Halbgiebel, wurde das Fachwerk sichtbar belassen. Die Jahreszahl 1676 an der östlichen Außenwand der Sakristei beweist, dass es sich hier um einen späteren Anbau handelt. Gleich daneben, an der Choraußenwand, lässt sich ein weiteres Detail der Baugeschichte dieses Gotteshauses ablesen: Im Bruchsteinmauerwerk des Chores zeichnen sich noch die ursprünglichen kleineren, gotischen Fenster ab. mini|Karner, Turm und Sakristei An der Westseite des Turmes schließt ebenfalls ein Pultdach an, unter dem sich ein niedriges, rundbogiges Seitenportal und daneben ein kleines gemauertes Beinhaus befinden. Die Lage des Beinhauses an der Südseite der Kirche ist nicht zufällig gewählt, sondern die durchaus übliche sowohl für Karner als auch für Beinhäuser. Dahinter steht der Gedanke, dass das Beinhaus der Versammlungsort der armen Seelen ist, die der Erlösung recht nahe sein sollen; sie brauchen Licht und Wärme, und Christus ist für sie die Sonne, das Licht des Lebens. Notwendig wurde ein Beinhaus meist wegen der geringen Größe der mittelalterlichen Friedhöfe; durch Exhumierung ist Platz für Neuverstorbene geschaffen worden. Aufbewahrt wurden in einem Beinhaus meist nur die Schädel, die z. T. mit dem Namen des Toten beschriftet waren.
Der Rundgang um die Kirche führt durch den kleinen ummauerten Friedhof und an den mit gemalten Ortsteinen versehenen Ecken des Baues vorbei zum Haupteingang, der sich an der schlichten westlichen Giebelseite befindet. Dieses Portal ist auch durch ein Pultdach geschützt. Die Holztüren, mit einem toskanischen Schuppenpilaster als Schlagleiste, sind von einer abgefasten Steinrahmung umgeben. Links neben der Türe gewährt ein kleines, breitrechteckiges Fenster mit Steckgittern Einblick in das Innere.
Das Innere mini|hochkant=1.5|links|Innenraum, Blick zum Chor mini|Empore Der Innenraum präsentiert sich als Saal mit einer Flachdecke über einem umlaufenden Gesims und einer Hohlkehle. Ein rundbogiger Triumphbogen leitet über zum einjochigen Chor mit Kreuzgratgewölbe. Langhaus und Chor weisen Flachbogenfenster mit einer Verglasung von 1890 auf.