mini|Puig de Sant Salvador (rechts) Puig des Milá (links) mini|Santuari de Sant Salvador mini|Eingang Das Santuari de Sant Salvador (katalanisch; ), auch Eremita de San Salvador liegt auf dem Berg Puig de Sant Salvador in 509 Meter Höhe in der Nähe der Stadt Felanitx im Südosten der Mittelmeerinsel Mallorca.

Geschichte Der Überlieferung nach soll in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts auf dem Berg der Eremit Romeo de Burguera in einer Höhle, der Sa cova de s’Ermità, gehaust haben. Der Ursprung des Heiligtums und der (Wallfahrts-)Kirche geht zurück in das Jahr 1348.Diario Constitucional, 18. August 1839, Seite 4, Una Visita a San Salvador, J. M. Bovérbooks.google.at/Historia general del Reino de Mallorca, 1841, Juan Dameto, Miguel Moragues Pro, Joaquín María Bover, Seite 610Diario Constitucional, 1. September 1850, Seite 1Diario Constitucional, 16. November 1850, Seite 1Castell de Santueri — Puig de Sant Salvador (Felanitx), Rutes Amagades Mallorca Nr. 59, Reiseführer mit Karte und Fotos (s/w), spanisch, Jesús García Pastor, Palma de Mallorca, 1972 online-Link (94 MByte)

Die Pest raffte damals etwa ein Fünftel der Bevölkerung von Mallorca und etwa die Hälfte der Einwohner von Felanitx hinweg. Deshalb ersuchten die Gemeinde Felanitx beim Bischof und der Burgvogt des Castell de Santueri bei König Pere IV. von Aragón, dem der Berg gehörte, um Genehmigung für den Bau einer Kapelle an. Dies wurde genehmigt und zum Dank für die Rettung der restlichen Einwohner zu Ehren von Dios Nuestro Señor eine einfache Kapelle samt Zisterne errichtet. Der König gab eine Stiftung zur Lesung der Messe und der erste Frater soll Pedro Bosch gewesen sein. Der Name Sant Salvador bedeutet „Heilige Rettung/Erlösung/Befreiung“.

Im 15. Jahrhundert befand sich auf dem ausgesetzten Tafelberg auch ein Wachposten, der sich durch große Lagerfeuer mit den Wachtürmen in Portocolom, Monte Síón, Campos, Santanyí etc. in Verbindung setzen konnte, um die Bewohner der jeweiligen Dörfer rechtzeitig vor den damals häufigen Einfällen von Seeräubern zu bewahren.

1601 wurde eine Bruderschaft gegründet und bald entwickelten sich die Kapelle und die Einsiedelei zu einem Wallfahrtsort.

Von 1707 bis 1734 wurde die heutige Kirche erbaut.

Die Gesamtanlage aus 18. Jahrhundert gleicht im äußere Baustil einer Festung. Bei Gefahr hatte sie auch weiterhin die Funktion eines Fluchtortes.

1824 lebten drei Eremiten in der Klosterherberge. 1851 gaben die Eremiten die dauerhafte Besiedlung auf, weil ihnen die Lebensbedingungen zu hart waren. Nur mehr zeitweise oder aus religiösen Anlässen kamen Ordensleute aus der Region.

Die Stadt Felanitx, die bis dahin Eigentümerin des Sant Salvador war, versteigerte das Gelände im Jahre 1885. Neuer Eigentümer wurde Don Juan Antonio Puig y Montserrat (1813–1894), geboren in Felanitx, der Erzbischof von Puerto Rico war. Er übergab die Anlage anschließend dem Bistum Mallorca.

1891 entschieden die Gemeinde Felanitx und der Prälat der Diözese Mallorca, die Seelsorge und Verwaltung des Santuari de Sant Salvador an die mallorquinische Congregación de Ermitaños de San Pablo y San Antonio (Kongregation der Eremiten des Hl. Paulus und des Heiligen Antonius), ein Bettelorden, vertreten durch Canónigo D. Mateo Alzamora, Pfarrer aus Pollença, zu übertragen und so zogen neue Eremiten ein.

In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fanden am Puig de Sant Salvador de Felanitx die den Wallfahrtsort heute prägenden baulichen Veränderungen und historischen Ereignisse statt.

1922 wurde es auch als Internat der städtischen Schule von Felanitx genutzt.Baleares (Palma 1917), 15. September 1922, Nr. 164, Seite 8

1923–1927 wurde die Serpentinen-Höhenstraße erbaut und 1964 asphaltiert.La Esfera, 2. November 1929, Nr. 826, Seite 9Unión patriótica, 15. Januar 1929, Nr. 56, Seite 28 Die Arbeiten zur Planung und Realisierung führte 1917–1923 Miguel Rigo y Puig aus Felanitx durch. 1956 wurde ihm deshalb eine Gedenktafel gewidmet.felanitx.org/RoutenVerbesserung der Straße auf den Sant Salvador, Bericht über die Arbeiten zwischen 1917 und 1923 zu deren RealisierungGedenktafel für Miguel Rigo y Puig, 1956

Am 8. September 1934 wurde die Wallfahrtskirche durch den Bischof der Diözese Mallorca wieder dem Besitz der Pfarre Felanitx übertragen und durch Dr. José Miralles y Sbert, Bischof der Diözese Mallorca, das Privileg erteilt, die coronació de la Mare de Déu, die feierliche Krönung Mariens an der Marien-Statuette jährlich vornehmen zu dürfen.La Hormiga de oro, 7. November 1935, Seite 6 ff, Seite 8 mit Faksimilie der Urkunde vom 8. September 1934 "Imago Beatae Virginis Mariae Nuncopatae „de San Salvador“ Civitatis Felanitx Majorcarum in Hispania, Corona Aurea Decorata Ex Concessione RUMI. Capituli S. Petri In Vaticano, ab EXCMO. et RDMO. Archiepiscopo-Episcopo Majoricensi Die VIII. Sept. MCMXXXIV."; Seite 22, Foto des El Picot, ca. 1935

Während des Spanischen Bürgerkrieges wurden drei Bomben auf das Santuari de Sant Salvador und auf das Cristo Rei Monument eine Bombe abgeworfen, die jedoch keinen Schaden anrichteten.Els bombardeigs de Mallorca durant la Guerra Civil: (1936–1938), Seite 47

Bis 1992 wurde der Wallfahrtsort von der Kongregation der Eremiten des Hl. Paulus und des Heiligen Antonius betreut und verwaltet.Diego Costello: Klosterführer Mallorca. Mallorca 2010, ISBN 978-1-4457-9044-2, S. 39 f. (online)

Seit 1992 steht die Herberge unter der Leitung von zwei mallorquinischen Familien, die hier ein Restaurant betreiben und die Zimmer vermieten. Das Gebäude, sowie der Grund und Boden, gehören der Diözese von Mallorca.

Kirche mini|Kirchen innen mini|Seitenaltar (= alter Hochaltar) mini|Statuette der Madonna, 15. Jhdt. Altarbild aus Alabaster, 1942 Die erste Kirche war Christus gestiftet. Kunstgeschichtlich bedeutend ist deren kostbarer Altar, der sich seit 1716 in einer Seitenkapelle auf der rechten Seite befindet und dessen Ursprung nicht genau geklärt ist. Das Flachrelief aus Sandstein wurde ursprünglich für eine Kapelle in der Kirche San Miquel in Felanitx angefertigt und ist 2,70 m hoch und 2,40 m breit. Nach älteren Quellen soll es um 1553 von Guillem Sagrera (oder aus dieser Schule) geschaffen worden sein. Andere Quellen benannten als Urheber den mallorquinischen Bildhauer Huguet Barxa.Gabriel LLompart: Huguet Barxa, autor del retablo del Passio Imaginis de Felanitx. Archivo español de arte, AEArt 50 (1977), Seite 328–335 2018 konnte durch eine Untersuchung der anhaftenden polychromen Farbpigmente die Entstehung eindeutig in die Lebenszeit des Huguet Barxa zugeordnet werden, der es 1448–1453 in Stein geschnitten hat. Die Bemalung soll von dem Maler Juan Marsol stammen.books.google.at/Conserving Cultural Heritage, 2018, Seite 79

Das Relief zeigt die Passion, Kreuzigung und Auferstehung Jesu Christi. Darunter ist eine Predella mit dem letzten Abendmahl. Im Mittelpunkt steht ein Gekreuzigter Christus. Links und rechts zu sehen ist eine Folge aus sechs Bildern, die als archetypische Darstellung der Passio Imaginis Salvatoris (Passion des Bildes) gilt. Dazu der folgende Hintergrund: Im Jahr 765 hat ein Jude im damals syrischen Beirut (griechisch Βηρυτός, lateinisch Berytus) ein christliches Bildnis der Kreuzigung geschändet und soll daraufhin Blut aus dem Bildnis hervorgetreten sein. Durch dieses Blutwunder sollen die Kirchen im Osten und im Westen (wieder) mehr Zulauf durch Gläubige erfahren haben.Martyrologia, Biblioteca apostolica vaticana. Vat. lat., 1192, 18. fols. 29r-31v: Passio imaginis Salvatoris que acta est in Beritho et colitur a fidelibus;De sanctarum reliquiarum cultu, veneratione, ac miraculis, Carl Stengel, 1624, Seite 179Legende von der Passion des Bildes, Anastasius, Anastasius Bibliothecarius, 872, de miraculum imaginis Beryti Von Generation zu Generation wurde im Schrifttum die Erzählung von der Passio imaginis (Salvatoris) und die darin enthaltenen Ressentiments weitergegeben.Die Predigt des Giordano da Pisa am Fest der „Passio imaginis Salvatoris“ 1304 in Florenz Im Hochmittelalter kam die christliche Ritualmordlegende gegen die Juden auf und es verfestigte sich die These vom Gottesmord.

Die Passion des Bildes ist eine Allusion, die die Zerstörung einer Ikone (Ikonoklasmus) mit der Hinrichtung von Jesus gleichgesetzt. In der Bildhauerei angedeutet und transportiert wurde die Diskreditierung durch die Darstellung von Personen in der typisch äußeren Erscheinung der Juden, zu lesen als dabei gewesene (Mit-)Täter, sowie Doppeldeutigkeit wie in dem Bild links unten. Es zeigt die Szene „Jesus wird ans Kreuz genagelt“. Gleichzeitig kann dieses Bild auch als rituelle Marter (Recrucification) des Christusbildnisses durch einen Juden, somit als Vorhaltung eines verwerflichen Frevels oder Sakrilegs verstanden werden.

Die kulthafte Verehrung der Passion des Bildes am 9./10. November war in Spanien weit verbreitet.Die Passio imaginis Christi stand am 9./10. November in vielen spanischen Missale der Jahre 1496, 1499, 1500, 1502, 1509, 1524, 1543, 1561, 1564, 1569 im liturgischen Kalender Im 16. Jhdt. war die Verehrung der Passion des Bildes auch in Mallorca weit verbreitet. Kapellen und Bildnisse gab es in Palma in der Kathedrale, Santa Eulalia, San Jaime, San Miguel, sowie Santa Catalina und San Nicolás in Portopí, in Deià, Felanitx, Inçà, Manacor, Montuïri, Petra, Pollença, Porreres, Sóller etc.Luis Arciniega Garcia, La Passio Imaginis, 2012, Seite 74, Quellennachweis: FN 45 1570 hat Papst Pius V., der derartige Bräuche als abträglich betrachtete, mehrere Änderungen des Missale Romanum, das lateinische Messbuch des römischen Ritus, angeordnet und veröffentlicht. Danach ging die Verehrung der Passion des Bildes auch in der Kapelle der Kirche San Miguel in Felanitx zurück. Zwischen 1576 und 1589, das belegen alte Quellen, wurde das Relief von Felanitx hinauf in die Basilika am Sant Salvador versetzt.diariodemallorca.es/11.01.2010

Die Verehrung der Mutter Gottes am Sant Salvador geht ins 15. Jahrhundert zurück. Der Legende nach soll ein Hirte einst im Gebüsch ein in der Sommernacht wunderbar glänzendes Bildnis der Mutter Gottes gefunden haben und soll von einem Engel beauftragt worden sein, die Statuette auf den Berg zu tragen. Ein Inventar von 1486 verzeichnet eine Kapelle mit zwei Marienbildnissen, ein Ex voto und eine Statuette. 1572 erfolgte die erste urkundliche Erwähnung als Nostra Senyora de Sant Salvador bzw. als la Mare de Déu de Sant Salvador. Im 16. Jahrhundert wurde die frühere Kirche vergrößert. Mit der Zeit wandelte sich der Wallfahrtsort zum Marienheiligtum. Dies ist durch zahlreiche Votivbilder und Devotionalien belegt.

Zwischen 1707 und 1715 wurde die heutige, große Kirche mit mehreren Seitenkapellen errichtet, da die frühere Kirche dem ansteigenden Pilgerstrom nicht mehr gewachsen war.

Am 24. August 1716 erfolgte offiziell die Weihe der großen Kirche zur Mare de Déu de Sant Salvador. Das Heiligtum am Puig de Sant Salvador setzt seither auf eine naive und poetische Begegnung mit dem Bildnis der Jungfrau.

Der Hochaltar in der Apsis zeigt eine gotische Statuette der Maria mit Kind, die aus dem 15. Jahrhundert stammt und nur etwa 50 cm hoch ist. Im 18. Jahrhundert wurden barocken Figuren und Verzierungen durch den Bildhauer Pere Coronero ergänzt. Ab 1903 stand die Statuette unter einen romanischen Bogen, der von vier Salomonischen Säulen flankiert war.