Der Zentralfriedhof Friedrichsfelde im Berliner Ortsteil Lichtenberg des gleichnamigen Bezirks zählt zu den bekanntesten Friedhöfen Berlins. Als Begräbnisstätte zahlreicher sozialdemokratischer, sozialistischer und kommunistischer Politiker und Aktivisten erhielt er bereits vor dem Ersten Weltkrieg den Beinamen Sozialistenfriedhof. Später entstand auf seinem Areal die Gedenkstätte der Sozialisten. Teile des Friedhofsensembles einschließlich der Grünanlagen und der Bodendenkmale stehen unter Denkmalschutz und er dient auch als Parkanlage.
Geschichte des Friedhofs Ab 1880: Anlage und Eröffnung Am 28. April 1880 erwarb die Stadt Berlin auf Initiative des Stadtrats Ernst FriedelFriedel war Vorsitzender des Kuratoriums für das Bestattungswesen und wählte den Zentralfriedhof Friedrichsfelde auch selbst als letzte Ruhestätte. Sein Grab in zentraler Lage in einem Rondell neben dem Julius Rodenbergs wurde 1973 eingeebnet, aber nicht neu belegt. von Carl von Treskow, dem Besitzer des Ritterguts Friedrichsfelde, ein 1000 Meter × 250 Meter großes Areal vor den damaligen östlichen Grenzen Berlins in der Gemeinde Friedrichsfelde, um dort den Berliner Gemeindefriedhof Friedrichsfelde einrichten zu können.Joachim Hoffmann: Berlin-Friedrichsfelde… Der Kaufpreis betrug 46.000 Mark.Joachim Hoffmann: Berlin-Friedrichsfelde …, S. 14. Mit der gestalterischen Planung des neuen Friedhofs wurde der Berliner Stadtgartendirektor Hermann Mächtig beauftragt. Nach dem Vorbild des Ohlsdorfer Friedhofs in Hamburg entwarf er eine große parkähnliche Begräbnisstätte, die unter Leitung des Gartenarchitekten Axel Fintelmann verwirklicht wurde.
Die offizielle Eröffnung der nunmehr als Central-Friedhof Friedrichsfelde bezeichneten Anlage erfolgte am 21. Mai 1881.(Linke Spalte). Info zum Zentralfriedhof Friedrichsfelde, in; Königlich privilegierte Berlinische Zeitung, 15. September 1902. Erstmals für Berlin waren hier auch Armenbegräbnisse möglich, weil die Stadt die Beerdigungskosten übernahm. 1911 wurden diese Begräbnisse wieder eingestellt, da mittlerweile auch viele wohlhabende Berliner den Friedhof aufgrund seiner ansprechenden Gestaltung als Bestattungsort wählten.
Nutzung In den ersten Jahren seines Bestehens stieg die Zahl der Beisetzungen auf dem Friedhof stark an. Die Stadtverwaltung ließ deshalb um 1895 ein Anschlussgleis von der Preußischen Ostbahn hierher einrichten, weil für die Bestattungsunternehmen wie auch für die Trauergäste der Weg sehr beschwerlich war.
mini|hochkant|Feierhalle, 1954 errichtet Die erste Urnen-Beisetzung auf dem Friedhof fand am 22. September 1887 statt. Da die Einäscherung von Toten in Preußen nach den gültigen Gesetzen unzulässig war, mussten die Leichen in Krematorien außerhalb des Landes verbrannt werden – die Beisetzung der Asche in Preußen war jedoch legal. Gegen eine gesetzliche Liberalisierung leisteten die römisch-katholische Kirche und die evangelische Landeskirche in Preußen erheblichen Widerstand. Der schon 1874 gegründete Verein für Feuerbestattung ließ 1890 auf einem künstlichen Hügel im Park die „Urnenhalle“ errichten, ein Kolumbarium, in dem Urnen würdevoll aufbewahrt werden konnten. Erst 1911 wurde in Preußen als vorletztem deutschem Staat (vor Bayern) das entsprechende Gesetz geändert, so dass das kommunale Krematorium Berlin-Wedding 1912 in Betrieb genommen wurde. Die Urnenhalle von 1890 wurde gegen Ende des Zweiten Weltkriegs schwer beschädigt und in den 1950er Jahren abgetragen.
Beisetzungen von Politikern und Prominenten Im August 1900 wurde der Central-Friedhof Friedrichsfelde in ganz Deutschland bekannt, als der SPD-Gründer Wilhelm Liebknecht hier beerdigt wurde. Bei seiner Beisetzung zogen rund 150.000 Personen von Charlottenburg nach Friedrichsfelde. Das Grabmal für Wilhelm Liebknecht hatte seine Partei von Heinrich Julius May als Porträtbüste gestalten lassen. Es wurde 1901 eingeweiht; mit der Einrichtung des Sozialistenbereichs 1950 dorthin umgesetzt.Joachim Hoffmann: Berlin-Friedrichsfelde …, S. 36. Weil später auch Hugo Haase, Paul Singer, Ignaz Auer, Emma Ihrer und weitere Sozialdemokraten dort bestattet wurden, erhielt der Friedhof bald den Beinamen Sozialistenfriedhof. Die unmittelbar am Haupteingang eingerichtete Grabstätte der meisten dieser Personen befand sich auf einem leichten Hügel, der umgangssprachlich bei den politischen Anhängern auch Feldherrnhügel genannt wurde.
Nachdem der Friedhof seinen Ruf als Armenbegräbnisstätte verloren hatte, entstand 1913 im vorderen Teil das Bleichröder-Mausoleum. In diesem Erbbegräbnis wurden sieben Mitglieder der Familie des 1872 geadelten Bankiers Gerson von Bleichröder beigesetzt. Das Mausoleum wurde 1950 auf Anweisung des Kommunisten Wilhelm Pieck, des damaligen Präsidenten der DDR, zerstört, weil es dem damals neu entstehenden Sozialistenbereich zu nahe stand.
mini|Beerdigung der Revolutionsopfer 1919 Während und vor allem am Ende des Ersten Weltkriegs starben in Berlin zahlreiche Einwohner an Hunger und Entkräftung, auch verwundete Soldaten erlagen ihren Verletzungen. Etwa 150 tote Soldaten und zahlreiche Zivilisten fanden zwischen 1916 und 1919 auf dem Central-Friedhof Friedrichsfelde ihre letzte Ruhestätte. Ein Kriegerdenkmal wurde nicht gestiftet.
mini| Revolutionsdenkmal von 1926 Am 25. Januar 1919 wurden die 33 Opfer des Spartakusaufstandes (5.–12. Januar 1919), darunter auch der ermordete Karl Liebknecht, auf diesem Friedhof in einem Massengrab beigesetzt. Karl Liebknecht war ein Sohn Wilhelm Liebknechts. Später in diesem Jahr folgten weitere inzwischen identifizierte tote Revolutionäre, darunter Rosa Luxemburg. Zur Erinnerung an die auf dem Friedhof bestatteten Toten aus der Arbeiterbewegung sollte ein angemessenes Mahnmal errichtet werden, das schließlich im Frühjahr 1926 nach einem Entwurf von Ludwig Mies van der Rohe realisiert und unter dem Namen Revolutionsdenkmal am 13. Juni 1926 enthüllt wurde.
Bis 1933 fanden auf dem Friedhof beim Revolutionsdenkmal jährlich Aufmärsche und Gedenkfeiern zu Ehren von Lenin, Liebknecht und Luxemburg (sogenannte ‚LLL-Wochen‘) statt. Im Februar 1933 wurde das Denkmal durch Nationalsozialisten schwer beschädigt, Anfang des Jahres 1935 schließlich bis auf das Fundament abgetragen und die umliegenden Gräber eingeebnet. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wurde die zerstörte Anlage nicht wiederhergestellt.
Entwicklung nach Ende des Zweiten Weltkriegs Die Stadt Berlin kaufte 1947 für den Friedhof sieben Hektar Land hinzu und konnte damit eine wesentliche Erweiterung der Bestattungsmöglichkeiten unter Beibehaltung des Parkcharakters gewährleisten.
mini|Gedenkstätte der Sozialisten von 1951 mini|Gräberanlage Pergolenweg der Gedenkstätte der Sozialisten mini|Staatsbegräbnis von Konrad Wolf in der Gräberanlage Pergolenweg (1982) Im September 1949 gab der Berliner Magistrat statt einer Wiederherstellung des 1935 abgetragenen Revolutionsdenkmals den Auftrag zum Bau einer neuen gemeinsamen Gedenkstätte für Sozialdemokraten und Kommunisten, die im vorderen Teil des Friedhofs angelegt werden sollte. Die Bauarbeiten einschließlich der Umbettung der Särge erfolgten ab 1950, am 14. Januar 1951 wurde die neue Anlage unter dem Namen Gedenkstätte der Sozialisten unter Anwesenheit von führenden Politikern der DDR eingeweiht. Bis zum Ende der DDR diente diese Anlage zusammen mit der angrenzenden Gräberanlage Pergolenweg als Ehrenfriedhof für Personen, die sich nach Ansicht der SED um die ‚sozialistische Idee‘ verdient gemacht hatten. Die Entscheidung darüber, welche Personen dort ein Ehrengrab erhalten sollten, behielt sich das Politbüro der SED vor. Seitdem finden jährlich am zweiten Sonntag im Januar zum Gedenken an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht Demonstrationen zum Friedhof statt. Neue Grabanlagen werden seit dem Herbst 1989 nicht mehr vergeben. mini|links|Übersichtsplan Im nordwestlichen Bereich befindet sich eine kaum bekannte Begräbnisanlage, der Urnensenkgarten. Hier wurden auf einer Halbrundfläche zahlreiche eingeäscherte Tote in Urnen beigesetzt. An der umgebenden Mauer sind 14 Grabtafeln eingelassen. Am tiefsten Punkt dieses Senkgartens hatte die kommunale Friedhofsverwaltung eine Brunnenanlage gestalten lassen: Eine aus Kalkstein geschlagene Skulptur (Die Knieende) erhielt ihren Platz auf dem Rondell des Brunnenbeckens. Rings um das Becken waren mehrere Bänke aufgestellt. Inzwischen (Stand Frühjahr 2017) fehlt der Skulptur der Kopf, im Brunnenbecken befindet sich kein Wasser mehr, und von den Bänken sind nur noch die Betonstützen erhalten.
Zum Schmuck und passend zum Parkcharakter des Friedhofs wurden über die Jahrzehnte mehrere Schmuckbrunnen und Plastiken aufgestellt. Die Figuren sind weitestgehend erhalten, jedoch sind die Brunnen nicht mehr in Betrieb. Das metallene Eingangstor in der Gudrunstraße/Rüdigerstraße entstand um 1950, nachdem das ursprüngliche, von Ludwig Hoffmann entworfene Gittertor 1950 abgerissen wurde. Das erhaltene Tor stammt zum größten Teil aus der Werkstatt von Fritz Kühn, ebenso die benachbarte Zaun- und Toranlage zum Sozialistenfriedhof.Joachim Hoffmann: Berlin-Friedrichsfelde …, S. 16. Im Zeitraum 2016/2017 hat das zuständige Bezirksamt auf Initiative des Förderkreises Erinnerungsstätte der deutschen Arbeiterbewegung Berlin-Friedrichsfelde die 55 Meter lange Toranlage in der Werkstatt von Kathmann Metallbau in Berlin-Neukölln komplett restaurieren lassen. Die Arbeiten haben rund 230.000 Euro gekostet, die aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm VI des Bundes (70.000 Euro), vom Landesdenkmalamt (80.000 Euro) sowie aus dem Bezirkshaushalt (80.000 Euro) stammen. Sie wurde am 6. November 2017 in einer kleinen Feierstunde wieder eingeweiht.Einweihung der neuen Toranlage des Zentralfriedhofes Pressemitteilung des BA Lichtenberg vom 16. Oktober 2017.
Die Feierhalle war im Jahr 1891–1893 nach Plänen von Hermann Blankenstein als Friedhofskapelle am Mittelweg errichtet worden. Später diente die Kapelle zunächst als Leichenhalle, in den 1950er Jahren führte ein Totalumbau zu dem heutigen Aussehen.Joachim Hoffmann: Berlin-Friedrichsfelde …, S. 20.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Zentralfriedhof dem Ortsteil Lichtenberg zugeordnet, der Name der Anlage wurde jedoch nicht offiziell geändert.
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