Die französische Rugby-Union-Nationalmannschaft () ist die Nationalmannschaft Frankreichs in der Sportart Rugby Union und repräsentiert das Land bei allen Länderspielen (Test Matches) der Männer. Die organisatorische Verantwortung trägt die Fédération française de rugby (FFR). Jedes Jahr nimmt die Mannschaft am Turnier Six Nations teil, zusammen mit England, Irland, Italien, Schottland und Wales. Bisher gewann Frankreich den Titel 20 Mal, einschließlich zehn Grand Slams, und teilte sich weitere acht Titelgewinne.
Seine wichtigsten internationalen Auftritte hat das Team bei den seit 1987 alle vier Jahre stattfindenden Weltmeisterschaften. Seit der ersten Austragung erreichte Frankreich bei allen Weltmeisterschaften mindestens das Viertelfinale. Die Mannschaft stand dreimal im Finale (1987, 1999 und 2011), unterlag aber gegen Neuseeland, Australien und wieder Neuseeland. Frankreich war Gastgeber der Weltmeisterschaft 2007 und der Weltmeisterschaft 2023.
Die Geschichte des französischen Rugbys geht auf das Jahr 1872 zurück, als britische Einwanderer den Sport mit nach Frankreich brachten. Am Neujahrstag 1906 bestritt Frankreich in Paris sein erstes Test-Match gegen die „“ aus Neuseeland. Das Team spielte danach sporadisch gegen die Home Nations, bis es 1910 zu ihrem jährlich stattfindenden Turnier eingeladen wurde (den heutigen Six Nations). Frankreich nahm auch an den Rugbyturnieren früher Olympischer Spiele teil und gewann bei den Olympischen Spielen 1900 die Goldmedaille sowie in den 1920er Jahren zwei Silbermedaillen. Die Nationalmannschaft erzielte in den 1950er und 1960er Jahren weitere Erfolge, als sie 1959 erstmals das Five-Nations-Turnier gewinnen konnte und 1968 den ersten Grand Slam schaffte.
Traditionell spielt Frankreich in blauen Trikots, weißen Hosen und roten Socken – also in den Farben der Flagge Frankreichs. Neben ihrer Kurzbezeichnung (XV bzw. entspricht den 15 Spielern) trägt die Mannschaft daher auch die Spitznamen und . Das Mannschaftslogo ist ein goldener gallischer Hahn auf einem roten Wappenschild. Frankreich bestreitet seine Heimspiele in verschiedenen Stadien, wobei die meisten im Stade de France im Pariser Vorort Saint-Denis stattfinden. 2002 zeichnete World Rugby die französische Nationalmannschaft als „Mannschaft des Jahres“ aus. 13 ehemalige französische Rugbyspieler wurden in die World Rugby Hall of Fame aufgenommen.
Organisation
mini|Lage aller Mannschaften, die an der französischen Top 14 teilnahmen (rote Punkte); in Rot umrandet Okzitanien, das traditionelle Zentrum des Rugbysports in Frankreich Verantwortlich für die Organisation von Rugby Union in Frankreich ist die Fédération française de rugby (FFR). Sie wurde am 13. Mai 1919 gegründet und trat an die Stelle der Rugby-Kommission des polysportiven Verbandes Union des sociétés françaises de sports athlétiques. Die FFR wiederum gründete 1934 die Fédération internationale de rugby amateur (FIRA; heute Rugby Europe, RE) als Konkurrenz zum International Rugby Football Board (IRFB; heute World Rugby), dem sie erst 1978 beitrat. Vor allem in Okzitanien im Süden Frankreichs war der Sport jahrzehntelang viel kleinteiliger strukturiert, entsprechend der deutlich größeren Beliebtheit dort. Im Norden des Landes deckten die einzelnen Teilverbände dagegen geografisch weitaus größere Gebiete ab. Im Rahmen einer grundlegenden Strukturreform der FFR im Jahr 2018 wurden die 26 bisherigen Teilverbände zu 13 zusammengeschlossen, deren Gebiet nun weitgehend jenen der Regionen Frankreichs entspricht.
Drei Teilverbände sind grenzüberschreitend: Der gehört auch ein Verein aus der Schweiz an, während Andorra und Monaco von der bzw. der mitbetreut werden. Für die Organisation des professionellen Spielbetriebs ist die Ligue nationale de rugby zuständig; sie beaufsichtigt die beiden obersten Ligen, die Top 14 mit 14 Mannschaften und die Pro D2 mit 16 Mannschaften. Der nationalen Meisterschaft übergeordnet sind die zusammen mit Mannschaften aus England, Irland, Italien, Schottland und Wales ausgetragenen internationalen Pokalwettbewerbe European Rugby Champions Cup und EPCR Challenge Cup.
Neben der eigentlichen Nationalmannschaft ruft die FFR weitere Auswahlmannschaften zusammen. Wie andere Rugbynationen verfügt Frankreich über eine U-20-Nationalmannschaft, die an den entsprechenden Six Nations und Weltmeisterschaften teilnimmt. Kinder und Jugendliche werden bereits in der Schule an den Rugbysport herangeführt und je nach Interesse und Talent beginnt dann die Ausbildung. Die zweite Nationalmannschaft Frankreichs stellt seit der Saison 2017/18 der Barbarian Rugby Club.
Geschichte Frühe Jahre mini|Die französische Auswahl im ersten Trikot (in weiß mit den beiden Ringen der USFSA) vor dem Spiel gegen Großbritannien bei den Olympischen Sommerspielen 1900 mini|Die erste französische Nationalmannschaft, die am Neujahrstag 1906 das erste Test Match gegen Neuseeland bestritt In Le Havre lebende britische Kaufleute führten den Rugbysport ein und gründeten dort im Jahr 1872 den ersten Verein Frankreichs, den Le Havre AC. Bald darauf machten die Briten den Sport auch in der Hauptstadt Paris bekannt. Von dort aus begann er sich über Schulen und Universitäten im Rest des Landes auszubreiten. Zwar liegen die Ursprünge im Norden, doch Rugby erfreute sich im Süden weitaus größerer Beliebtheit. In Paris war Rugby – ähnlich wie in England – ein Sport der Oberschicht und des elitären Bürgertums. Hingegen zog er im Süden vor allem Bauern und im Weinbau beschäftigte Arbeiter in seinen Bann. Rugby galt dort als Ausdruck des Widerstands gegen die kulturelle Dominanz der Hauptstadt. Viele laizistisch eingestellte Lokalpolitiker förderten diesen Sport gerade auch deshalb, weil der Klerus der römisch-katholischen Kirche ihn als gewalttätig und sündhaft empfand. Ebenso sah die Bevölkerung darin ein Mittel, jahrhundertealte lokale Rivalitäten zwischen einzelnen Tälern, Kleinstädten und Dörfern zu pflegen.
Der 1890 gegründete Sportverband Union des sociétés françaises de sports athlétiques (USFSA), der damals mehrere Sportarten umfasste, veranstaltete 1892 die erste Rugby-Meisterschaft (Vereine von außerhalb der Hauptstadtregion Île-de-France durften jedoch erst ab 1898 teilnehmen). Ein Jahr später stellte die USFSA eine aus Spielern der Pariser Vereine Racing Club de France und Stade Français zusammengesetzte nationale Auswahl zusammen, die zu Spielen gegen englische Klubs reiste. Bei den Olympischen Sommerspielen 1900 in Paris fand auch ein Rugbyturnier statt und die USFSA stellte erneut eine Auswahlmannschaft zusammen. Nach Siegen über Großbritannien (27:8; vertreten durch die Moseley Wanderers) und Deutschland (27:17; vertreten durch den SC Frankfurt 1880) gewann Frankreich die Goldmedaille. Das damalige französische Team wird jedoch nicht als offizielle Nationalmannschaft betrachtet.
Am 1. Januar 1906 fand vor 3000 Zuschauern im Pariser Parc des Princes das erste offizielle Test Match statt. Frankreich verlor mit 8:38 gegen die All Blacks aus Neuseeland, die damals durch Europa tourten. Später schrieben die neuseeländischen Spieler Dave Gallaher und Billy Stead im Magazin den folgenden prophetisch anmutenden Satz über das französische Rugby:
Das erste Spiel gegen England fand am 22. März 1906 ebenfalls in Paris statt; diesmal verlor Frankreich mit 8:35. Das erste Auswärtsspiel folgte am 5. Januar 1907 im Athletic Ground in Richmond gegen England und ging mit 13:41 verloren. Diese Partie war die erste Begegnung zwischen beiden Mannschaften in England und wurde Tage vor Beginn des Home Nations Championship 1907 ausgetragen, in das die Franzosen drei Jahre später aufgenommen wurden. Beginn des Zwei Tage zuvor traf eine weitere französische Auswahl im Parc des Princes auf die Springboks aus Südafrika. Das französische Team bestand ausschließlich aus Spielern von Stade Français und Racing Club de France. Da die besten Spieler bereits in England weilten, hatte dieses Spiel keinen Test-Match-Status. Nur zwei Spieler hatten internationale Erfahrung; entsprechend waren die Franzosen deutlich unterlegen und mussten sich mit 6:55 geschlagen geben, wobei die Südafrikaner 13 Versuche legten.
Five Nations und Olympische Spiele mini|links|Rumänien gegen Frankreich bei den Interalliierten Spielen 1919 mini|Die französische Mannschaft vor dem Spiel gegen England 1914 mini|Finale des olympischen Turniers 1924 gegen die USA In den Jahren 1908 und 1909 trafen die Franzosen erstmals auf Wales und Irland, wobei diese beiden Auswärtsspiele ebenfalls mit Niederlagen endeten. Die Verbände der britischen Home Nations luden die Franzosen daraufhin zu ihrem jährlichen Turnier ein, womit aus der bisherigen Home Nations Championship das Five Nations (heute Six Nations) wurde.Garcia: La fabuleuse histoire du rugby. S. 218. Kurz vor der Abreise zum ersten Spiel der Five Nations 1910 gegen Wales versammelten sich lediglich 14 Spieler im Bahnhof Paris-Saint-Lazare, also ein Mann weniger als für ein vollständiges Team erforderlich. Der Teammanager konnte gerade noch rechtzeitig in einer nahe gelegenen Gemäldegalerie einen ihm bekannten Ersatzspieler finden und ihn zur Reise nach Swansea überreden. Im weiteren Verlauf dieses Turniers kam es zur ersten Begegnung mit Schottland. Den ersten Sieg im Rahmen von Five Nations konnte Frankreich 1911 gegen Schottland feiern (ein knappes 16:15), ansonsten gab es bei den ersten sechs Turnierteilnahmen ausschließlich Niederlagen. Am 11. Januar 1913 waren die Südafrikaner auf ihrer Europatour in Frankreich zu Gast; das erste Test Match zwischen beiden Teams endete mit einem 38:5-Sieg der Springboks.
Der Erste Weltkrieg sorgte für eine fünfjährige Unterbrechung des internationalen Spielbetriebs. Sechs Monate nach dem Waffenstillstand trafen die Franzosen am 11. Mai 1919 in einem inoffiziellen Spiel auf die Auswahl der in Europa stationierten neuseeländischen Armee und verloren knapp mit 13:14. Zwei Tage später machte sich die Rugby-Kommission der USFSA selbstständig und gründete mit der Fédération française de rugby (FFR) einen eigenen Verband. Beim Five Nations 1920 gelang der erste Sieg über Irland. Frankreich war beim Rugbyturnier der Olympischen Spiele 1920 in Antwerpen der einzige Teilnehmer neben der Nationalmannschaft der Vereinigten Staaten. Im einzigen Spiel des Turniers verloren die Franzosen überraschend mit 0:8, sodass ihnen lediglich die Silbermedaille blieb.
Bei den Olympischen Spielen 1924 in Paris stand Rugby Union zum letzten Mal auf dem Programm. Die Gastgeber konnten im ersten Spiel Rumänien klar mit 59:3 bezwingen und standen im Finale erneut dem Team der USA gegenüber. Das Turnier war äußerst kontrovers: Zunächst war den Amerikanern zwölf Stunden lang die Einreise nach Frankreich verweigert worden, danach erhielten sie keinen Trainingsspielplatz zur Verfügung gestellt. Mit reißerischen Berichten fachte die Presse die antiamerikanische Stimmung weiter an. Im Finale, das vor 30.000 aufgehetzten Zuschauern im Stade Olympique Yves-du-Manoir stattfand, verloren die Franzosen mit 3:17, obwohl sie eigentlich die klaren Favoriten gewesen waren. Die Amerikaner wurden während der Siegerehrung ausgebuht und mit Gegenständen beworfen; Polizisten mussten sie aus dem Stadion eskortieren. Dieser Misserfolg der Franzosen bildeten den Auftakt zu einer Serie von 13 Niederlagen in Folge. Unter anderem verloren sie 1925 mit 6:30 gegen die All Blacks, die erstmals nach 19 Jahren wieder durch Europa tourten.
Ausschluss aus den Five Nations mini|Die französische Mannschaft im Jahr 1933