Gmelins Handbuch der anorganischen Chemie, vormals „Handbuch der theoretischen Chemie“, ist ein ursprünglich von Leopold Gmelin (1788–1853) herausgebrachtes Handbuch, das die Zielsetzung hatte, alle chemischen und physikalischen anorganischer Substanzen der Chemie zu sammeln, kritisch zu sichten und zu veröffentlichen. Das Gesamtwerk deckt alle chemischen Elemente und deren Verbindungen ab. Die über 700 Bände erscheinen bis 1998 im Springer-Verlag und wurden in großen Teilen in die wissenschaftliche Datenbank Reaxys von Elsevier überführt.

Geschichte Die 1. Auflage erschien 1817 im Verlag Franz Varrentrapp, Frankfurt am Main.Brockhaus ABC Chemie, VEB F. A. Brockhaus Verlag Leipzig 1965, S. 497–498. Bald wuchs die Menge der Inhalte so schnell an, dass eine Abtrennung der organischen Chemie vorgenommen werden musste. Die Sammlung dieser Daten geschah ab 1881 als Teil von Friedrich Konrad Beilsteins Handbuch der organischen Chemie.

Ab der 8. Auflage (von 1922) wurde der Gmelin nach einem neuen, vom Gmelin-Institut in Clausthal-Zellerfeld, ausgearbeiteten System strukturiert (Gmelin-System). Durch die Erhebung und Dokumentation der anorganischen und metallorganischen Literatur weltweit wurde das Gmelin-Institut zu einer Referenzadresse für die systematische Nomenklatur chemischer Verbindungen der Anorganik. Der ehemalige Leiter des Gmelin-Institutes (Ekkehard Fluck) war außerdem lange Zeit Vorsitzender der anorganischen Abteilung der International Union of Pure and Applied Chemistry (IUPAC).

Seit 1981 erscheinen neue Bände nur noch in englischer Sprache, welche ab 1990 unter dem Titel „Gmelin Handbook of Inorganic and Organometallic Chemistry“ bekannt wurden. Sie wurden vom Gmelin-Institut für Anorganische Chemie der Max-Planck-Gesellschaft zur Forderung der Wissenschaften unter Ekkehard Fluck herausgegeben.

Eine 9. Auflage wurde nicht in Angriff genommen, sondern ähnlich wie beim „Beilstein“ wurden Ergänzungswerke herausgegeben, die die neuere Literatur berücksichtigen. In den letzten Jahren des Bestehens des Gmelin-Institutes erschienen jährlich etwa 20 Handbuchbände mit insgesamt ca. 6400 Seiten.

Eine Sonderreihe waren die Gmelin-Durrer-Bücher zur Metallurgie des Eisens.

Hinterlassenschaft und Transformation 1997 wurde die Herausgabe des Gmelin eingestellt und das Gmelin-Institut, das für die Herausgabe verantwortlich war, aufgelöst. Bis zur Einstellung der Herausgabe waren 760 Bände des Handbuchs mit rund 240.000 Seiten erschienen, zuzüglich eines Gesamtregisters „Gmelin Formula Index“ mit 35 Bänden.

Seit etwa 2009 sind die Inhalte des Gmelins zusammen mit den Datenbanken Beilsteins Handbuch der Organischen Chemie und Patent Chemistry in eine gemeinsame (proprietäre, nicht öffentliche) Datenbank names Reaxys von Elsevier übergegangen. Der Lizenzgeber ist angeblich die Gesellschaft Deutscher Chemiker (GDCh).

Veröffentlichungen

Digitalisate der ursprünglichen Ausgaben beim Internet-Archive: Gmelin-Kraut's Handbuch der anorganischen Chemie ... unter Mitwirkung hervorragender Fachgenossen. 1905–1915: Vol. I/1 Vol. I/2 Vol. I/3 Vol. II/1 Vol. II/2 Vol. III/1 Vol. III/1b Vol. III/2 Vol. IV/1 Vol. IV/2 Vol. V/1 Vol. V/1b Vol. V/2 Vol. V/3 Vol. VI/1 Vol. VI/2

Siehe auch

CRC Handbook of Chemistry and Physics Kirk-Othmer Encyclopedia of Chemical Technology Ullmanns Enzyklopädie der Technischen Chemie Winnacker-Küchler: Chemische Technik

Einzelnachweise

Kategorie:Sachliteratur (Chemie) Kategorie:Handbuch

Kategorie:Chemie-Onlinedatenbank Kategorie:Ersterscheinen 1817