Ahura Mazda (altpersisch oder AM (Logogramm) Auramazdā,Roland Grubb Kent: Old Persian: Grammar, Texts, Lexicon. 2. revidierte Auflage (=American Oriental Series. Band 33). New Haven 1953, S. 165 (babel.hathitrust.org). altiranisch für „der weise Herr“ oder „Herr der Weisheit“, mittelpersisch 𐭠𐭥𐭧𐭥𐭬𐭦𐭣𐭩 Hormozd, Ōrmozd oder Ormuz, auch Ormuzd und Ohrmazd geschrieben) ist im Zoroastrismus der Schöpfergott, der zuerst die geistige Welt (Menok) und dann die materielle Welt (Geti) erschaffen hat; er verkörpert die Macht des Lichts, ist Schöpfer und Erhalter der Welt und der Menschheit und ist der Gott der Fruchtbarkeit. Aus anderen historischen und religiösen Kontexten sind die Namen Auramazdā, Ahuramazda, Horomazes, Mazda und Aramazd belegt.

Etymologie Um die Herkunft von Ahura Mazda zu erklären, gibt es die verschiedensten wissenschaftlichen Ansätze. Gemeinhin wird Ahura als Herr und Mazdā als weise vom Sanskrit herkommend übersetzt. Josef Wiesehöfer übersetzt den Begriff mit „weiser (bzw. aufmerksamer) Herr“.Josef Wiesehöfer: Das antike Persien. Düsseldorf 2005, S. 143.

Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, die eine Entsprechung mit dem vedischen Gott Varuna sehen, und andere, die als Schöpfer der Gottheit Zarathustra annehmen, der die Weisheit einer Gottheit zuordnete und so ein abstraktes Konzept in eine Substanz umwandelte. Solche Umwandlungen seien bei den frühen Ariern keine Ausnahme gewesen. Zudem gäbe es keine Hinweise, dass das vedische medhā, das als Ursprung von mazdā angesehen wird, eine Rolle auf dem Weg zur Vergöttlichung von Mazdā gespielt haben könnte.Franciscus Bernardus Jacobus Kuiper: Ahura Mazda 'Lord wisdom'? (=Indo-Iranian Journal. Band 18, Heft 1/2). Brill 1976, S. 25–42, hier S. 27 und 30 ().

Während die eine wissenschaftliche Meinung eine gerade Linie vom vedischen Gott Varuna zum zoroastrischen Ahura Mazdā und weiter zum achämenidischen Auramazdā bevorzugt, wird bei einer anderen Meinung parallel dazu eine unabhängige iranische Tradition angenommen, die nicht weit von der vedischen Tradition entfernt gewesen sein müsse. Merkmale dieser unabhängigen iranischen Tradition seien in die zoroastrische Tradition eingeflossen und hätten zur späteren gefestigten Namensgebung von Ahura Mazdā geführt. Der achämenidische Auramazdā sei ebenfalls auf diese unabhängige iranische Tradition zurückzuführen. Er sollte deshalb nicht mit der avestischen Gottheit verwechselt werden.Franciscus Bernardus Jacobus Kuiper: Ahura Mazda ‘Lord wisdom’? (= Indo-Iranian Journal. Band 18, Heft 1/2). Brill 1976, S. 25–42, hier S. 42. (); Wouter F. M. Henkelman: The Heartland Pantheon. In: Bruno Jacobs, Robert Rollinger (Hrsg.): A Companion to the Achaemenid Persian Empire. 2 Bände. Wiley-Blackwell, Hoboken NJ 2021, S. 1224–1227, hier S. 1224.

Quellenlage Avesta Die Hauptquelle für Ahura Mazda ist das Avesta, die heilige Schrift des Zoroastrismus. Im älteren Teil, den Gathas, sind die beiden Namensteile noch unabhängig, obwohl es wahrscheinlich ist, dass in der gleichen Strophe der eine dem anderen folgt.Prods Oktor Skjærvø: Ahura Mazdā and Ārmaiti, Heaven and Earth, in the Old Avesta (=Journal of the American Oriental Society. Band 122. Heft 2). 2002, S. 399–410, hier S. 400 (). Die Gottheit wird Mazda oder Ahura allein oder Mazda Ahura oder Ahura Mazda genannt. Erst im jüngeren Avesta wird Ahura Mazda zum festen Begriff. Dass Mazda die höchste Gottheit ist, wird augenscheinlich, wenn er als „der eine Weise und die anderen Ahuras“Yasna 30.9 und 31,4. oder „O du, der du der mächtigste Ahura bist und der Weise“Yasna 33.11. angerufen wird.Franciscus Bernardus Jacobus Kuiper: Ahura Mazda 'Lord wisdom'? (=Indo-Iranian Journal. Band 18, Heft 1/2). Brill 1976, S. 25–42, hier S. 30 und 42 ().

Seine Gestalt tritt in der Pahlavi-Literatur der Sassanidenzeit, in der er als „Gott der arya“Gherardo Gnoli: Iran: Vorgeschichte und Entwicklung einer Idee. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 16–21, hier: S. 17. bezeichnet wird, und in der Religion der heutigen Parsen hervor, die wesentlich monotheistisch ist.

Neuassyrische Götterliste Auf der neuassyrischen Götterliste aus der Bibliothek des Assurbanipal mit der wissenschaftlichen Bezeichnung III R 66 wird der Name Das-sa-ra Dma-az-aš aufgeführt. Die Götterliste wurde von Fritz Hommel entdeckt und 1899 veröffentlicht. Fritz Hommel identifizierte den Begriff mit der avestischen Gottheit Ahura Mazda.Fritz Hommel: Assyriological Notes (=Proceedings of the Society of Biblical Archaeology. Band 27). London 1899, S. 137–139, hier S. 138 (archive.org). Friedrich Wilhelm König und Henrik Samuel Nyberg übernahmen die Theorie in den 1930er Jahren. Arthur Ungnad datierte 1943 den Originaltext der Götterliste auf die Zeit von Tukulti-Ninurta I. und äußerte Bedenken gegenüber der Identifikation mit Ahura Mazda. Neben verschiedenen sprachlichen Ungereimtheiten seien es die Klassifikationen, die vor jedem einzelnen Wort (D für Dingir) stehen und auf zwei getrennte Gottheiten hinweisen.Arthur Ungnad: Ahura-Mazdâh und Mithra in assyrischen Texten? (=Orientalistische Literaturzeitung. Band 46, Heft 1–6.) 1943, S. 193–201. Manfred Mayrhofer 1971Manfred Mayrhofer: Neuere Forschungen zum Altpersischen. In: Robert Schmitt-Brandt (Hrsg.): Donum indogermanicum. Festgabe für Anton Scherer. Heidelberg 1971, S. 41–66. und Almut Hintze 1998 unterstützen wieder die ursprüngliche Theorie, dass das Dokument die assyrische Wiedergabe von Ahura Mazda sei. Die Götterliste sei keine ausschließliche Liste von assyrischen Gottheiten, sondern führe zum Beispiel auch den elamischen Gott Napiriša auf. Zudem seien die zwei vermeintlich verschiedenen Gottheiten aus keiner anderen Quelle bekannt. Nach der Meinung von Almut Hintze könne sich der Begriff allerdings sowohl auf den avestischen Ahura Mazda als auch auf eine Gottheit der proto-iranischen Religion beziehen – „als der Name eines von mehreren Asuras“.„as the name of one among several Asuras.“ Almut Hintze: The migrations of the Indo-Iranians and the Iranian sound-change s > h. In: Wolfgang Meid (Hrsg.): Sprache und Kultur der Indogermanen (=Innsbrucker Beiträge zur Sprachwissenschaft. Band 93). Innsbruck 1998, S. 139–153. Zitat S. 148.

Achämeniden mini|Ahura Mazda thront auf der Grabplatte von Dareios I. Neben den avestischen Überlieferungen wird eine Gottheit namens Auramazdā regelmäßig in den achämenidischen Königsinschriften ab der Herrschaftszeit von Dareios I. aufgeführt. Eine Ausnahme der geschriebenen Form bildet die Inschrift XPc, in der der Name in einem Fall mit einem Worttrenner aufgeführt ist.; Rüdiger Schmitt: Die altpersischen Inschriften der Achaimeniden. Editio minor mit deutscher Übersetzung. Reichert, Wiesbaden 2009, S. 157. (); Wouter F. M. Henkelman: The Heartland Pantheon. In: Bruno Jacobs, Robert Rollinger (Hrsg.): A Companion to the Achaemenid Persian Empire. 2 Bände. Wiley-Blackwell, Hoboken NJ 2021, S. 1224–1227, hier S. 1224. Die früheste Erwähnung findet Auramazdā in der Behistun-Inschrift. Dort wird er „der größte der Götter“ genannt. In den Verwaltungsarchiven von Persepolis wird er neben elamischen und anderen persischen Gottheiten mit staatlichen Zuwendungen geehrt.Wouter F. M. Henkelman: The Heartland Pantheon. In: Bruno Jacobs, Robert Rollinger (Hrsg.): A Companion to the Achaemenid Persian Empire. 2 Bände. Wiley-Blackwell, Hoboken NJ 2021, S. 1224–1227, hier S. 1224 und 1226; Carlo G. Cereti: Die iranischen Sprachen. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran (Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH, Bonn. Skira editore, Milano, Kunsthistorisches Museum Wien). Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 31–37, hier: S. 32.

Aus der frühen Zeit der Achämeniden sind keine Darstellungen von Auramazdā überliefert. Das Geflügelte Symbol mit der männlichen Figur, das früher von europäischen Gelehrten als seine bildnerische Darstellung angesehen wurde, wird von manchen Wissenschaftlern als das königliche Xwarenah interpretiert. Von griechischen Schriftstellern wird überliefert, dass seit der Herrschaft von Kyros II. bis zur derjenigen von Dareios III. ein Brauch bestand, einen leeren Streitwagen mit der Armee mitzuführen, der von weißen Pferden gezogen wurde. Der Streitwagen war Zeus, beziehungsweise Auramazdā, gewidmet, der sich unsichtbar darin niederließ.; für die Einbettung des leeren Wagens als anikonischer (nicht visueller) Aspekt von urartäischen, assyrischen und anderen Traditionen, siehe Peter Calmeyer: Zur Genese altiranischer Motive, II. Der leere Wagen. In: Archäologische Mitteilungen aus Iran. Band 22. Berlin 1974, S. 125–130.

Griechische Schriftsteller Die persische Gottheit wurde seit HerodotHerodot, Historien 1.131 (perseus.tufts.edu). von den griechischen Schriftstellern regelmäßig mit Zeus als Interpretatio Graeca übersetzt. Die früheste Erwähnung des persischen Namens, Horomazes, stammt von Alkibiades aus dem 4. Jahrhundert v. Chr.Plato Alkibiades 1.122 (perseus.tufts.edu). Von Diogenes Laertius stammt die Aussage, dass Aristoteles in seiner De Philosophia geäußert habe, dass persische Mager zwei Grundprinzipien anerkannten: Der gute Geist werde Zeus und Oromasdes genannt und der böse Hades und Areimanius.Diogenes Laertius Leben und Lehre der Philosophen. 1. Buch, Prolog 8 (wikisource.org). Viel später verwendet Plutarch den Begriff Oromasdes in seiner Biographie von Artaxerxes II.Plutarch, Artaxerxes 29.7 (perseus.tufts.edu). und bringt die Gottheit in Verbindung mit der Sonne. Die Schreibweise der Griechen stimmt überein mit der Schreibweise auf den elamischen Tontafeln von Persepolis, wo die Gottheit Uramasda geschrieben und „/ur(a)mast(a)/ oder /or(a)mast(a)/“ ausgesprochen wird.Wouter F. M. Henkelman: The Heartland Pantheon. In: Bruno Jacobs, Robert Rollinger (Hrsg.): A Companion to the Achaemenid Persian Empire. 2 Bände. Wiley-Blackwell, Hoboken NJ 2021, S. 1224–1227, hier S. 1226.

Sassaniden mini|„Der Mazda verehrende Gott Ardashir“ auf einer Münze aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. Die sassanidischen Könige waren Anhänger des Zurvanismus, einer Strömung innerhalb des Zoroastrismus. Sie bekundeten ihre Verehrung für Ohrmazd auf verschiedene Weise. Fünf Könige trugen den Namen Hormizd. Bahram II. schuf wahrscheinlich den Titel Ohrmazd-mowbed,Siehe dazu: Philippe Gignoux: Le mage Kirdir et ses quatre inscriptions. S. 689–699 (persee.fr). der bis in die islamische Zeit hinein für einen Priester von großer Gelehrsamkeit oder Autorität in Gebrauch war.

Es sind einige Münzen aus dem 3. Jahrhundert n. Chr. von Ardaschir I., dem Gründer des Sassanidenreichs, überliefert. Die Münzen sind vielfach beschriftet. Auf einer steht zum Beispiel in mittelpersischer Sprache „Der Mazda verehrende Gott Ardashir, der König der Könige der Iranier, dessen Geschlecht von den Göttern ist.“

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