miniatur|Das Wahrzeichen Salbkes – der Salbker Wasserturm miniatur|Blick von den Elbwiesen auf den Salbker Ortskern miniatur|Straße Alt Salbke miniatur|Ehemalige Bahnsiedlung Salbke ist ein unmittelbar an der Elbe gelegener südöstlicher Stadtteil Magdeburgs mit einer Fläche von 7,7427 km² und 4.548 Einwohnern (Stand 31. Dezember 2021) in Sachsen-Anhalt.

Geografie Die Elbe bildet die Ostgrenze des Stadtteils, dessen niedrigster Punkt am Elbufer 47 Meter beträgt und mit dem 81,4 Meter hohen Spionskopf an den Sohlener Bergen seinen höchsten Punkt erreicht. Im Umfeld der Sohlener Berge liegen auch die als Katzendarm und Semmel bezeichneten Bereiche der Feldflur. Nördlich der Hermannstraße schließt sich der Stadtteil Fermersleben an, im Süden reicht Salbke bis an die Welsleber und die Thüringer Straße des Stadtteils Westerhüsen und im Westen grenzen die Stadtteile Hopfengarten und Beyendorf-Sohlen an, getrennt durch die Bahnlinie nach Halberstadt bzw. durch den Sülze-Fluss. Im weiteren Verlauf durchquert die Sülze den Stadtteil in östlicher Richtung und mündet schließlich dort in die Elbe. Während sich die Wohnbebauung entlang der Durchgangsstraße Alt Salbke entwickelte, liegen jenseits der Bahnstrecke nach Leipzig, abgesehen von den Siedlungen Lüttgen-Salbke und Wolfsfelde sowie einiger weiterer kleiner Siedlungsstraßen, landwirtschaftlich genutzte Flächen.

Nördlich von Salbke liegen auf Fermersleber Gemarkung die Seen Salbker See I und Salbker See II.

Infrastruktur Abgesehen von dem Gewerbegebiet des ehemaligen Karl-Liebknecht-Werkes und des Reichsbahnausbesserungswerkes ist Salbke eine reine Wohnsiedlung. Entlang des Straßenzuges Alt Salbke stehen mehrgeschossige Mietshäuser, während der alte Dorfkern um die St.-Gertraud-Kirche kleinteilig mit ein- oder zweigeschossigen Häusern ausgebildet ist. Salbke ist an das Magdeburger Straßenbahnnetz angeschlossen und verfügt über einen Bahnhof an der Bahnstrecke Magdeburg–Leipzig, auf der auch S-Bahn-Verkehr abgewickelt wird.

Im Stadtteil bestehen elf Kleingartenvereine (Stand 2013).Aufstellung des Verbandes der Gartenfreunde Magdeburg

Geschichte Vorzeit Salbke gehört zu den ältesten Siedlungsplätzen Magdeburgs. Der Kiesabbau an der Elbe förderte zahlreiche Funde zu Tage, deren Herkunft bis in die Altsteinzeit (200.000 Jahre v. Chr.) zurückreicht. Nördlich des Dorfs im Bereich des Klosterguts fanden sich Siedlungsreste der jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur. Einer der bemerkenswertesten Funde stellt eine bronzene Spiralplattenfibel (Kleidungsverschluss) aus der Zeit um 1500 v. Chr. dar. 1944 wurde beim Kiesabbau am Unterhorstweg ein 53,2 cm langes Schwert mit Knauf in Form einer Niere gefunden. Das Bronzeschwert weist eine grünlichbraune einem Moor ähnelnde Patina auf und verfügt über eine profilierte Klinge.Harry Wüstemann, Josef Rieder, Prähistorische Bronzefunde, Abteilung IV, 15. Band, Die Schwerter in Ostdeutschland, Franz Steiner Verlag Stuttgart 2004, ISBN 978-3-515-08441-3, S. 206 Bekannt wurde auch der Fund der Mühlensteine von Salbke. Die im Kieswerk Salbke in zwölf Metern tiefe gefundenen Mühlsteine. Die aus der ersten Hälfte des ersten Jahrtausends stammenden Mühlsteine wurden mit ihren ursprünglichen hölzernen Zapfen und Verbindungsstücken gefunden, so dass sich ihre Funktion nachvollziehen ließ. Die Steine konnten danach so verstellt werden, dass das Mahlen unterschiedlich groben Mehls möglich war.Geschichten, die ein Fund erzählt in der Neuen Zeit vom 27. Oktober 1962, S. 3.

Mittelalter Als Saltbeke wird der Ort erstmals in den Corveyer Traditionen der Jahre 826–853 schriftlich erwähnt. Der Name hatte also wahrscheinlich die Bedeutung „Salzbach“ wegen der durch den Ort fließende salzhaltige Sülze. Es wurde auch die Vermutung geäußert, dass mit Salzbach jedoch ursprünglich genau genommen nicht die Sülze gemeint war. Danach hätte es früher, als der Hauptstrom der Elbe noch weiter östlich floss, einen Bach gegeben, der von der Region um Barby aus über Zackmünde, Schönebeck, Frohse, Westerhüsen nach Salbke floss und sich bei Salbke mit der Sülze vereinigte, um schließlich bei Buckau in die Elbe zu münden.Franz Winter: Die Entstehung der Städte Schönebeck, Salze und Frohse. In: Geschichts-Blätter für Stadt und Land Magdeburg. Verlag der Königl. Hofbuchhandlung von Emil Baensch, Magdeburg 1868, S. 281 f. Zum Teil wurde auch angenommen, dass die Bezeichnung auf das angelsächsische Wort „salu“ für dunkel oder schwärzlich zurückgeht und möglicherweise die Farbe der Sülze wieder gibt.Herausgeber: Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin, Geographisches Institut, Arbeitsgruppe Heimatforschung (Hrsg.): Magdeburg und seine Umgebung. Band 19. Akademie-Verlag, Berlin 1972, S. 115. Salbke gehörte zum Nordthüringgau. Im Jahre 1036 und auch 1247 wird ein später verlassener Ort wendischen Ursprungs als Winediscum Salebizi bzw. Slavium Salbeke für Klein- oder Wendisch Salbke erwähnt. Zur Unterscheidung von diesem Ort wurde Salbke daher zeitweise auch als Deutsch-Salbke oder Gross-Salbke bezeichnet.

Salbker Grundbesitz muss bereits im frühen Mittelalter sehr ertragreich gewesen sein, denn eine Reihe von Klöstern erzielten hier Einkünfte. 936 erhielt das Stift Quedlinburg durch Otto I. den neunten Teil der Lehnseinnahmen. Mit Urkunde vom 21. September 937 schenkte Otto Salbetse dem Magdeburger Mauritiuskloster. 1015 kamen durch Erzbischof Gero 10 Hufen Land und der Kreuzhorstwald in den Besitz des Magdeburger Liebfrauenklosters. Diesem Kloster verkaufte Ludolf II. von Dassel 1189 acht Hufen in Salbke. Im gleichen Jahr besaß das Kloster St. Marien Grundstücke in Salbke mit einer Meierei und einem Freihof und schließlich gehörte demselben Kloster ein Vorwerk in Salbke.Heinrich Pröhle: Harzsagen, 1859, S. 22Heinrich Joseph Wetzer: Kirchen-Lexikon, 1852, S. 882 In den nachfolgenden Jahrhunderten entwickelte sich das Liebfrauenkloster zum größten Grundbesitzer im Dorf. Reste des Klostergutes Salbke nahe der Elbe sind heute noch vorhanden. Seit 1018 hatte Salbke eine eigene Kirche, die der Magdeburger Bischof Thietmar geweiht hatte. Bereits seit dem 12. Jahrhundert bestand an der Sülze eine vom Kloster Unser Lieben Frauen gegründete Wassermühle, die als Klostermühle Salbke bezeichnet wurde. Die Mühle befand sich etwa an der Stelle, an der die Eisenbahnstrecke Magdeburg-Leipzig die Sülze kreuzt. Später entstand weiter bachaufwärts die Vikarienmühle.

Die Straße Thieberg weist darauf hin, dass sich in Salbke im Mittelalter eine Gerichtsstätte befand. Das beweist auch ein Bericht von 1233, in dem erwähnt wird, dass der Autor des Sachsenspiegels Eike von Repgow als Zeuge in einem Gerichtsvergleich in Salbke auftrat, in dem zwischen den Markgrafen Johann und Otto von Brandenburg sowie dem Abt des Klosters St. Johann ein Vertrag über das Dorf Billingsdorf geschlossen wurde. Salbke war zu dieser Zeit Sitz der Vizegrafschaft, die zur Reichsgrafschaft Zum Billingshoch gehörte. Die Vizegrafen von Dornburg hielten hier Gericht.Historisch-geographisch-statistisch-topographisches Handbuch vom Regierungsbezirke Magdeburg. 2. Teil. Magdeburg 1842, S. 83. Nach weiteren Quellen gehörte Salbke zur Grafschaft Mühlingen.Forschungen zur deutschen Geschichte, Band 14, 1874, S. 309

1213 wurde die Region Magdeburg in Kämpfe zwischen Kaiser Otto IV. und dem Magdeburger Erzbischof Albrecht I. von Käfernburg verstrickt. Nachdem der Kaiser am 11. Juni 1213 die Flucht seines Heeres aus Osterweddingen vorgetäuscht hatte, schlug er Albrecht bei Remkersleben vernichtend. Während Albrecht nach Kloster Berge floh, bezog Otto IV. ein Lager bei Salbke und verbrannte die umliegenden Dörfer. Danach zog Otto nach Braunschweig ab.Friedrich Wilhelm Hoffmann: Geschichte der Stadt Magdeburg. Erster Band. Verlag von Emil Baensch, 1845, S. 163.

Neuzeit Während des Schmalkaldischen Krieges wurden Teile von Salbke, so auch das Klostergut, zerstört. Überliefert ist insbesondere eine Auseinandersetzung im Zuge der Belagerung Magdeburgs 1550/1551. Die Magdeburger Truppen unternahmen am 4. Dezember 1550C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, S. 15. unbemerkt des Nachts einen Ausfall und fuhren auf der Elbe mit Schiffen zwischen den Lagern der Belagerer in Cracau und Buckau hindurch. Völlig überraschend griffen sie das im Hinterland der Belagerer gelegene Salbke an.Helmut Asmus: 1200 Jahre Magdeburg, die Jahre 805 bis 1631. Scriptum Verlag, Magdeburg 1999, ISBN 3-933046-15-7, S. 491. Der Klosterhof wurde geplündert und in Brand gesetzt, die Besatzung gefangen genommen.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, S. 15.

1564 zählte Salbke 38 Hauswirte, was einer Einwohnerzahl von etwa 270 Personen entsprochen haben könnte. Auch während des Dreißigjährigen Kriegs kam es zu Zerstörungen im Ort und großer Not. Im Zuge der Belagerung und Zerstörung der Stadt Magdeburg im Jahr 1631 durch kaiserliche Truppen richtete der kaiserliche General Gottfried Heinrich zu Pappenheim am 21./22. März 1631 bei Salbke eine starke Batterie ein.Reinhard Spindler, Magdeburg im Dreißigjährigen Krieg in Magdeburger Stadtzeuge(n), Heft 15, Verlag Delta D Magdeburg 2009, ISBN 978-3-935831-43-7, S. 47. Auch zuvor befanden sich jedoch bereits größere Truppenkontingente vor Ort. So berichtete Pappenheim in einem Brief vom 21. Dezember 1630, das Oberst Lothar Dietrich von Bönninghausen sich mit 500 Kavalleristen und 600 Infanteristen vor Ort befindet.Wolfgang Buchholz, Ein Brief Pappenheims vom 21. Dezember 1630 – eine neue Quelle zur Geschichte der Belagerung Magdeburgs 1630/31 in Magdeburger Blätter, 1991, S. 65. Auch nach dem Magdeburg am 20. Mai 1631 gefallen war, gab es weitere Kampfhandlungen. Am 7. Januar 1632 schlug, während einer schwedischen Belagerung der noch von kaiserlichen Truppen gehaltenen Stadt Magdeburg, der schwedische General Johan Banér sein Hauptquartier in Salbke auf. Er rückte am 21. Januar 1632 in Magdeburg ein.Reinhard Spindler, Magdeburg im Dreißigjährigen Krieg in Magdeburger Stadtzeuge(n), Heft 15, Verlag Delta D Magdeburg 2009, ISBN 978-3-935831-43-7, S. 47. Auch der ebenfalls in schwedischen Diensten stehenden James Hamilton, 1. Duke of Hamilton hatte in dieser Zeit sein Quartier in Salbke. Nach dem Abzug der kaiserlichen Truppen nach der Zerstörung wurden anlässlich einer Musterung im Jahr 1632 für Salbke noch 17 Männer und insgesamt zwei Musketen gemeldet. Pferde und Wagen waren nicht mehr vorhanden.miniatur|hochkant|James Hamilton Bereits 1636 wurde Magdeburg erneut belagert. Diesmal von sächsischen Truppen unter Kurfürst Johann Georg I., der für seinen Sohn August das Magdeburger Erzstift zurückgewinnen wollte und kaiserliche Einheiten unter der Führung Melchior von Hatzfelds. Kurfürst Johann Georg I. hatte sein Hauptquartier zunächst in Westerhüsen aufgeschlagen und dann nach Salbke verlegt. Am 3. Juli 1636 kapitulierte Magdeburg.Helmut Asmus: 1200 Jahre Magdeburg – die Jahre 1631-1848. Scriptumverlag, Halberstadt 1999, ISBN 3-933046-16-5, S. 26.

Die Auswirkungen des Dreißigjährigen Kriegs dauerten lange an. Während im benachbarten Westerhüsen 1647 Landwirtschaft betrieben wurde, waren in Salbke die Äcker nicht bestellt. In einem Bericht von 1650 heißt es, dass die Pfarrei des Ortes seit 20 Jahren unbesetzt sei, weil keine Einwohner daselbst gewohnet. Für das Jahr 1696 werden für Salbke 200 Einwohner angegeben.C.A. Schmidt, Chronik der Stadt Buckau, 1887, S. 83.