Das Schloss des Cagliostro (jap. , Rupan Sansei: Kariosutoro no Shiro) ist ein Anime-Film aus dem Jahr 1979, der auf der Manga-Serie Lupin III von Monkey Punch basiert. Der Film war die erste Kino-Regiearbeit von Hayao Miyazaki, der später mit den Filmen des Studio Ghibli internationale Bekanntheit erlangte und zudem auch für das Drehbuch mitverantwortlich zeichnete.

Die Geschichte erzählt vom Dieb Lupin III, der in das winzige europäische Fürstentum Cagliostro reist. Dort hilft er der Prinzessin gegen den auf den Thron versessenen Grafen und deckt dabei dessen Geldfälscherwerkstatt auf. In Deutschland erschien der Film auch unter den Titeln Die Jäger des Cagliostro (Kino), Hardyman räumt auf (VHS) und Hardyman schafft alle – Freiheit für Prinzessin Yasmin (TV).

Handlung Beim Raubüberfall auf ein Casino erbeutet Lupin eine Unmenge an Falschgeld, die ihn auf die Spur einer Geldfälscherbande im kleinsten Staat der Welt bringt: Cagliostro. Bei der Ankunft werden er und sein Komplize, der Revolverheld Daisuke Jigen, Zeuge, wie eine junge Frau verfolgt wird, und helfen ihr. Sie wird von den Männern trotzdem gefangen, doch Lupin erhält von ihr einen Siegelring. Der entpuppt sich als der Ring der Prinzessin Clarissa, die bald den Grafen Cagliostro heiraten soll. Der regiert über das Land, seit der Fürst und dessen Familie vor Jahren bei einem Brand ums Leben kamen, den nur Clarissa überlebte. Mit der Heirat will der Graf endlich der legitime Herrscher werden und die beiden Familien Cagliostro nach Jahrhunderten wieder vereinen. Er ist es auch, der in den Tiefen seines Schlosses Banknoten aus aller Herren Länder fälschen lässt. Doch der für den Grafen noch wichtigere Siegelring fehlt, weswegen er seine Schergen nach Lupin aussendet. Währenddessen kommt auch Interpol-Inspektor Zenigata nach Cagliostro, weil er von Lupins Ankunft erfahren hat.

Lupin will die Prinzessin befreien. Er bricht in das Schloss des Grafen ein und gelangt bis in den hohen Turm, in dem sie gefangen gehalten wird. Auf dem Weg dorthin trifft er auf Fujiko Mine, die sich als Dienerin Zutritt zum Schloss verschaffte und es ebenfalls auf die Schätze hier abgesehen hat. Doch nachdem Lupin Clarissa hat Hoffnungen machen können, sie zu befreien, wird er vom Grafen gestellt und in den Kerker befördert. Dort trifft er auf Zenigata, der auf Betreiben des Grafen von Interpol abberufen wurde. Dem wollte er aber nicht Folge leisten, sodass der Graf auch ihn im Kerker verschwinden lassen will, um seine Geheimnisse zu schützen. Die beiden schließen einen Waffenstillstand und verbünden sich, um fliehen und dem Grafen das Handwerk legen zu können. Im Kerker erkennen sie, dass die Familie Cagliostro ihre Verbrechen schon seit Jahrhunderten begeht und ihre Feinde hier verschwinden lässt. Sie tricksen die Schergen und deren Anführer Jodo aus und gelangen in die Geldfälscherwerkstatt. Sie setzen sie in Brand und stiften Chaos im Schloss, um Clarissa zu befreien. Trotz der Unterstützung Fujikos sowie Jigens und des Samurai Goemon von außerhalb des Schlosses misslingt die Befreiung und Lupin kann nur knapp und schwer verletzt fliehen. Zenigata kann trotz der gesammelten Beweise nichts gegen den Grafen ausrichten, da Interpol diplomatische Verwicklungen fürchtet.

Zur Hochzeit fünf Tage später rafft Lupin sich wieder auf. Er hat sich erinnert, dass er viele Jahre zuvor als junger Dieb bereits in Cagliostro war und damals schon die Bekanntschaft der Prinzessin gemacht hat. Nun will er ihre Rettung endlich zu Ende bringen. Mit der Hilfe seiner Freunde und Zenigata kann er die Hochzeit sprengen und die Verbrechen des Grafen vor aller Welt öffentlich machen. Es kommt zur Verfolgungsjagd, als der Graf mit seinen Schergen Lupin und Clarissa nacheilt – vor allem wegen des Rings, der zusammen mit seinem einen Schatz offenbaren soll. Die Jagd endet im Uhrturm am See, wo es dem Grafen schließlich gelingt, beide Ringe in die geheimen Fassungen zu setzen und zu aktivieren. Doch der Turm stürzt mit ihm ein und offenbart dabei den eigentlichen Schatz des Landes: die Reste einer antiken Stadt, die auf dem Grund des Sees verborgen waren. Lupin lässt die nun freie Prinzessin mit dem Schatz und ihrem Land zurück und begibt sich mit seinen Freunden wieder auf Reisen. Fujiko Mine macht sich mit den Druckplatten aus der Fälscherwerkstatt davon.

Entstehung mini|Der Citroën 2CV Miyazakis vor dessen Atelier Das Schloss des Cagliostro ist der zweite in einer Reihe von Kinofilmen über Lupin III – der Enkel des von Maurice Leblanc erdachten Arsène Lupin – aus der gleichnamigen Manga-Serie von Monkey Punch. Zuvor entstanden bereits zwei Adaptionen des Mangas als Animeserie für das japanische Fernsehen, die zweite dieser Serien lief bei Cagliostros Premiere noch. 1978 kam mit Lupin Sansei: Lupin vs Fukusei Ningen der erste Kinofilm zu Lupin heraus. Die Produktion entstand im Auftrag von TōhōPatrick Drazen: Anime Explosion! – The What? Why? & Wow! of Japanese Animation S. 257ff. Stone Bridge Press, 2002. beim Studio Tokyo Movie Shinsha. Die Vorbereitungen begannen im Mai 1979, im Juli startete die Animationsarbeit und im November des gleichen Jahres war der Film fertiggestellt.

Der Film entstand unter der Regie und nach einem Drehbuch von Hayao Miyazaki. Es war die erste Regie- und Drehbucharbeit für einen Kinofilm des später mit Studio Ghibli erfolgreichen Miyazaki. Am Schreiben des Drehbuchs war auch Haruya Yamazaki beteiligt. Darüber hinaus entwarf Miyazaki Designs für die Szenen und erarbeitete das Storyboard. Er war mit dem Stoff bereits vertraut, da er 1971 und 1972 bei einigen Folgen der Lupin-III-Fernsehserie Regie führte. Bereits vor Fertigstellung des Drehbuchs hatte er Abbildungen der Schauplätze aus Vogelperspektive als Grundlage für die weitere Arbeit angefertigt. Während das Drehbuch ohne Änderungen angenommen wurde, musste am in vier Teilen entstandenen Storyboard am Ende gekürzt werden, um die geplante Laufzeit nicht zu überschreiten. Bei Beginn der Animationsarbeiten war nur der erste Teil fertiggestellt, sodass Miyazaki die weitere Arbeit am Storyboard parallel zur Animation durchführte.

Das Charakterdesign entwarf Yasuo Otsuka, der auch die Animationsarbeiten leitete, gemeinsam mit Miyazaki. Otsukas Auto, ein Fiat 500, wird auch von Lupin und seinen Freunden im Film gefahren. Die Prinzessin wiederum flieht zu Beginn in einem Citroën 2CV, wie ihn Miyazaki eine Zeit lang fuhr.AnimaniA 04/2005, S. 22ff. Die künstlerische Leitung lag bei Shichirō Kobayashi. Für die von ihm gestalteten Hintergründe, die teils auf die Entwürfe Miyazakis zurückgehen, griff dieser auf Eindrücke aus Recherchereisen für die Fernsehserie Heidi nach Europa zurück sowie auf einen Bildband über italienische Städte und Landschaften. Die Farbgestaltung zeigt warme, sommerliche Töne in den meisten Szenen. Im Kontrast dazu wurden dunkle Farben sowie akzentuierende helle Farben für die Szenen um die dunklen und hellen Seiten der Familie Cagliostro im Schloss verwendet. Für die Kamera war Hirokata Takahashi verantwortlich. Als Produzent fungierte Tetsuo Katayama und ausführender Produzent war Yutaka Fujioka. Für den Schnitt war Masatoshi Tsurubuchi zuständig.

Die Musik für den Film komponierte Yūji Ōno, wie bei fast allen anderen Lupin-Produktionen auch. Es wurden Jazzstücke sowie romantische Orchesterwerke gewählt. Darunter sind auch einige Variationen des Hauptthemas von Lupin III, wie es sich auch in anderen Verfilmungen des Mangas findet. Eingespielt wurde der Soundtrack von You & The Explosion Band, die zuvor bereits die Musik für die zweite Staffel der Lupin-Fernsehserie gespielt hatte. Das Titellied Fire Treasure wurde von Bobby (Toshie Kihara) gesungen.

Der Film zeigt viele Einflüsse aus anderen Filmen und Medien: Unter anderem Über den Dächern von Nizza – die Hochzeit von deren Star Grace Kelly soll ebenfalls Inspiration für Cagliostro gewesen sein – sowie der französische Animationsfilm La Bergere et le Ramoneur. Zu den literarischen Vorlagen gehören neben den Lupin-Romanen La Comtesse de Cagliostro und La Demoiselle aux Yeux Verts von Maurice Leblanc auch weitere: Die Idee des am Grunde eines Sees verborgenen Schatzes stammt vermutlich aus Miyazakis Arbeit an dem Anime Die Schatzinsel von 1971, der auf dem gleichnamigen Roman basiert. Auch Der Gefangene von Zenda hat möglicherweise als Vorlage gedient. So teilt der Roman mit dem Film einen fiktiven europäischen Staat als Schauplatz, eine hoffnungslose Liebe zwischen Prinzessin und Held sowie die wichtige Rolle familiärer (adeliger) Verbindungen. Auch The Clock-Tower Mystery von Edogawa Ranpo gehört zu den Vorlagen der Geschichte. Der Graf wurde nach dem Vorbild von Giuseppi Balsamo gestaltet, einem Münzfälscher, der sich als Graf am Hof Ludwigs XIV ausgab.Jonathan Clements, Helen McCarthy: The Anime Encyclopedia. Revised & Expanded Edition. Berkeley 2006, Stone Bridge Press, ISBN 978-1-933330-10-5, S. 91. Die im Lupin-Franchise sonst üblichen Anleihen aus James-Bond-Filmen dagegen wurden von Miyazaki deutlich zurückgenommen und finden sich nur am Anfang und in einigen Jagdszenen. Der Charakter Lupins entspricht eher dem des Gentleman-Diebs, als dem sonst in den Lupin-Filmen zu findenden rücksichtslosen Draufgänger, und der Film als ganzes ist weniger gewaltvoll.

Synchronisation mini|hochkant|Peter Flechtner, Sprecher Lupins in der zweiten Synchronfassung. Zu diesem Film existieren zwei deutsche Synchronfassungen. Die neue Fassung entstand bei Elektrofilm. Verpflichtet wurden für die Gruppe um Lupin die gleichen Sprecher, die zuvor schon die bei MTV gezeigten Fernsehfilme sprachen. Im Original sind mehrere in Japan bekannte Sprecher beteiligt gewesen, die das Franchise über viele Jahre begleiteten, darunter mit Yasuo Yamada als Lupin die japanische Stimme von Clint Eastwood. Rolle Japanischer Sprecher (Seiyū) Deutscher Sprecher 1984 2006 Arsène Lupin III. (1984: Hardyman) Yasuo Yamada Tommi Piper Peter Flechtner Daisuke Jigen (1984: Dan Dee) Kiyoshi Kobayashi Horst Sachtleben Tilo Schmitz Fujiko Mine (1984: Cathrin) Eiko Masuyama Ingeborg Solbrig Ghadah Al-Akel Goemon Ishikawa XIII Makio Inoue 1 Peter Reinhardt Inspektor Zenigata (1984: Ed Scott) Goro Naya Donald Arthur Stefan Staudinger Clarissa von Cagliostro (1984: Prinzessin Jasmin)im Original: Clarisse Sumi Shimamoto Madeleine Stolze Berenice Weichert Graf Cagliostro Tarô Ishida Randolf Kronberg Jörg Hengstler Gustav (1984: Cap) Tadamichi Tsuneizumi Michael Gahr Reinhard Scheunemann Jodo Ichirō Nagai Paul Bürks Jan Spitzer

1 Alle Szenen mit Goemon wurden aus der ersten Fassung entfernt.

Veröffentlichungen mini|Bei Anime Virtual erschien der Film 2006 erstmals ungeschnitten auf Deutsch Der Film kam am 15. Dezember 1979 in die japanischen Kinos. Das Titellied des Films wurde bereits vor Kinostart als Single veröffentlicht. Eine Auswahl des Soundtracks erschien am 21. März 1983 als Album, beide bei Columbia. Im Mai 2003 erschien eine überarbeitete Fassung als Album mit allen Titeln aus dem Film sowie einige Stücke, die nicht verwendet worden waren.