mini|hochkant=1.2|Siedlungsgebiete der germanischen Stämme in Mitteleuropa um 50 n. Chr.
Die Semnonen (lateinisch: Semnones, griechisch: οἱ Σέμνωνες, Σέμνονες) galten nach Tacitus (Germania, 39) als das Stammvolk der elbgermanischen Sueben („vetustissimi Sueborum“).
Stammesgeschichte mini|hochkant=1.2|Semnonenlager am Müggelsee, Gemälde von Carl Blechen (1828)
Um 6 v. Chr. schlossen sich die Semnonen den Markomannen unter Marbod an. Im Jahre 5 n. Chr. besiegte Tiberius im Zuge des Immensum bellum die Langobarden an der Unterelbe. Vermutlich wurde er dabei durch eine römische Flotte unterstützt. Er zog daraufhin weiter elbaufwärts und gelangte an der mittleren Elbe zu den Semnonen und schließlich zu den Hermunduren, wo er ein Lager aufschlug und möglicherweise germanische Gesandte empfing.Ein bei von Velleius Paterculus, Historia Romana 2,107,1–2, geschilderter Besuch eines germanischen Fürsten kann in diesem Sinne interpretiert werden, siehe Klaus Tausend: Im Inneren Germaniens: Beziehungen zwischen den germanischen Stämmen vom 1. Jh. v. Chr. bis zum 2. Jh. n. Chr. Stuttgart 2009, S. 23. Der Feldzugteilnehmer Velleius Paterculus beschrieb die Situation zu diesem Zeitpunkt folgendermaßen: „Nichts blieb mehr in Germanien, das hätte besiegt werden können, außer dem Stamm der Markomannen.“Velleius Paterculus, Historia Romana II, cap. 106–108.
17 n. Chr. fielen die Semnonen und Langobarden von Marbod ab und traten dem Cheruskerbund bei.Tacitus, Annales II Um 100 n. Chr. lag ihr Siedlungsgebiet im Raum zwischen Elbe und Oder sowie von den Westsudeten bis an die Havel, zeitweise auch jenseits von Oder und Warthe. Die Semnonen hatten im Gegensatz zu den meisten westgermanischen Stämmen zu dieser Zeit bereits Könige. Nach Tacitus hatten sie 100 Gaue, eine Angabe, die Gaius Iulius Caesar bereits rund 150 Jahre früher über die Sueben als Gesamtstamm gemacht hatte.Caesar, De Bello Gallico IV Kap 1 In ihrem „heiligen Hain“, dem kultischen Zentrum der Sueben, wurden demnach Menschenopfer dargebracht. Tacitus schrieb zu den Semnonen und ihrem Kultplatz:
Ab dem dritten Jahrhundert verließen die Semnonen, bis auf Restgruppen ihre Heimat an Havel und Spree in Richtung Oberrhein und gingen in den Alamannen auf. Die Semnonen werden zum letzten Mal 260 n. Chr. in einer Inschrift auf dem 1992 aufgefundenen Augsburger Siegesaltar als Synonym zu Juthungen, einem alamannischen Teilstamm, erwähnt. Damals war ein großer Teil der Semnonen bereits nach Südwestdeutschland gewandert.
Literatur Theodor Fontane: Auf der Kuppe der MüggelbergeGedicht von Theodor Fontane (online: Semnonen. §1 Namenkundliches. S. 152–154.) Dieter Geuenich: Geschichte der Alemannen. Verlag Kohlhammer, Stuttgart 1997, ISBN 3170120956. Bruno Krüger (Hrsg.): Die Germanen: Von den Anfängen bis zum 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. In: Die Germanen: Geschichte und Kultur der germanischen Stämme in Mitteleuropa: Ein Handbuch in zwei Bänden Band 1. Akademie-Verlag, Berlin 1983. Rudolf Much: Die Germania des Tacitus. 3. Auflage, Wolfgang Lange (Hrsg.) unter Mitarbeit durch Herbert Jankuhn, Verlag C. Winter, Heidelberg 1967. Rudolf Much: Deutsche Stammsitze. Ein Beitrag zur ältesten Geschichte Deutschlands. 1892. Cornelius Tacitus: Germania. Kapitel 39. Reclam, Stuttgart 2000, ISBN 3-15-009391-0, oder Anaconda Verlag, Köln 2006, ISBN 3-938484-88-8.
Einzelnachweise
Kategorie:Germanischer Stamm Kategorie:Elbgermanen Kategorie:Sueben Kategorie:Antike Ethnie (Germania magna)