mini|hochkant|Wappen derer von Klitzing. mini|hochkant|Schloss Demerthin, Prignitz (Brandenburg), 1468–1945 im Besitz der Familie. mini|hochkant|Klitzing-Wappen (li.) Patronatsloge Dorfkirche Fröhden. Klitzing ist der Name eines alten mittelmärkischen Adelsgeschlechts.

Geschichte Das Geschlecht erscheint erstmals urkundlich im Jahr 1265 mit dominus Henricus ClizingMecklenburgisches Urkundenbuch. Nr. 1054; Gercken: Codex diplomaticus Brandenburgensis. Band 1, Salzwedel 1769, S. 47. und beginnt 1371 die Stammreihe mit Beteke Clizing. Die anerkannte Familienforschung geht nach Ledebur und Kneschke von einer früheren Ankunft im ostelbischen Raum aus und bezeichnet sie als eines der ältesten märkischen Adelsgeschlechter. Otto und Henning von Klitzing wurden 1492 noch als Ritter tituliert. Lupold von Klitzing war Amtshauptmann zu Jüterbog und Dahme (Mark) und Rat beim Erzbistum Magdeburg. Weitere Vertreter führten Ämter in Brandenburg, der Niederlausitz und Sachsen. Seit dem späten Mittelalter bildete sich in Nordbrandenburg und dann in Ostbrandenburg ein umfangreicher Gutsbesitz heraus. Das Adelsgeschlecht stellte 1637 den ersten Offizier, der in Brandenburg zum General ernannt wurde. Ihm unterstanden 2900 Reiter sowie 8000 Mann Fußvolk mit der kleinen Leibgarde zu Fuß.

Mit dem Kammerherrn Hans Caspar jun. von Klitzing als Ordenshauptmann zu Friedland und Komtur zu Werben beginnt auch eine weitgehende Tradition im direkten Bezug zum Johanniterorden. Klitzings Ernennung ist auf 1700 datiert und unter der Bezeichnung Kommendator geführt. Seit dem 19. Jahrhundert sind Vertreter der Familie durchgehend in der Kongregation aktiv.

Bereits auf 1615 geht ein Klitzing’sches Stipendium in Jüterbog zurück, Stifter Friedrich Tristand von Klitzing. Das ursprüngliche Kapital betrug 2000 Taler und bezog sich auf zwei Stipendien, eines für die Nachkommen des Hans Albrecht von Klitzing und des Lippold Friedrich von Klitzing, das zweite für Bürgersöhne aus Jüterbog. Als Kollator wirkte der Magistrat von Jüterbog und mehrere adelige Verwandte.Heraldisch-Genealogisches Institut / L. von Hefner-München: Die Familien-Stiftungen Deutschlands und Deutsch-Oesterreichs. Band III, Verlag Eduard Pohl, München 1896, S. 68 f. Nr. 1050.

Im 18. Jahrhundert bestanden genealogisch mehrere Familienlinien. Haus I. A. Sächsischer Stamm (Wedelwitz) mit Besitzungen und Ämtern in Sachsen, Haus II. B. (Märkischer Stamm), Demerthin und einer Unterlinie Klitzing genannt von Pestel. Die Namensform dazu erhielt Philipp von Klitzing in Potsdam 1847, das notwendige Diplom zu Berlin 1858. Von 1661 bis 1815 besaß die Familie Gut Schorbus bei Cottbus, einst erworben für 8.000 Taler durch Kuno Friedrich von Klitzing zu Fröhden bei Jüterbog. Für Ende des 19. Jahrhunderts ist der größte Umfang des Grundbesitzes ausgewiesen. Im Deutschen Millionärs-Adressbuch sind gesamt neun Klitzings aufgeführt, darunter sechs als Rittergutsbesitzer. Im 1879 erstmals amtlich publizierten General-Adressbuch der Rittergutsbesitzer für das Königreich Preußen werden die damaligen Güter der Familie mit Größenordnung aufgezeigt: Dieckow im Kreis Soldin mit 1303 ha, Demerthin mit 638 ha sowie Wilhelmsgrille, heute ein Ortsteil von Rehfeld bei Kyritz, mit 282 ha im Kreis Ostprignitz, im Landkreis Landsberg (Warthe) Diedersdorf-Alt mit Neu-Diedersdorf und Charlottenhof mit 2410 ha. Ebenfalls noch im Kreis Ostprignitz lag das Gut in Drewen nahe Kyritz,Litho-Drewen., In: Alexander Duncker (Hrsg.): Die ländlichen Wohnsitze, Schlösser und Residenzen der ritterschaftlichen Grundbesitzer in der Preußischen Monarchie nebst den königlichen Familien-, Haus-, Fideicommiss- und Schattull-Gütern, nebst begl. Text. Band 7, Selbstverlag Duncker sen., Berlin 1864/1865, Text-Blatt 400. welches für eine längere Zeitspanne als Besitz geführt wurde.Siehe: Oliver Hermann, Edzard Rust: Drewen, In: Vincenz Czech, Christiane Salge: Herrenhäuser in Brandenburg und der Niederlausitz. Kommentierte Neuausgabe des Ansichtenwerks von Alexander Duncker (1857–1883). Band 1, S. 95 (Originaltext), Band 2 (Katalog). Hrsg. Peter-Michael Hahn, Hellmut Lorenz, Nicolai/Beuermann, Berlin 2000, ISBN 3-87584-024-0, S. 117–118.Vgl. Carsten Boelter, Arnold Körte: Drewen. In: Schlösser und Gärten der Mark. Heft 125, Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark, Hrsg. Sibylle Badstübner-Gröger/Deutsche Gesellschaft, Hendrik Bäßler Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-910447-07-3. Drewen galt lange als alloder Besitz, erwähnt schon 1438, bezogen 1620, an der Kirchenglocke mit 1635 nachrichtlich, 1738 via Los neu zugeteilt, 1792 als Wohnsitz zitiert. Später war Drewen als Teilbereich zum Fideikommiss Demerthin zugehörig und ging 1816 in den Verkauf.

Die ersten Schritte zur Ausbildung als Gutsherr, zur Militärkarriere oder im Beamtentum begannen die Klitzings auf bekannten Adelsinternaten wie unter anderem der Ritterakademie Brandenburg, dem Pädagogium zu Putbus und der Klosterschule Ilfeld. Weitere Gymnasien waren schulischen Einrichtungen in Frankfurt an der Oder und Potsdam.

1886 gründete sich in Demerthin eine Familienstiftung mit der Namensgebung des von Klitzing-Familien-Vereins; als Sitzungsort wurde Berlin festgelegt. Die Familie erhielt durch Geldgeschenke die besondere Berechtigung zur Aufnahme am Klosterstift Marienfließ. mini|hochkant|Bleiglasfenster m. Wappen d. v. Klitzing (ob. re.). Original 1898. Dom St. Marien Havelberg. Um 1920 besaß Fritz von Klitzing das 230-ha-Gut Schloss Neudorf im Gutsbezirk Neudorf,Oskar Köhler, Kurt Schleising: Landwirtschaftliches Güter-Adreßbuch für Prov. Grenzmark Posen-Westpreußen sowie Freistaat Danzig. Ostpr. Reg.-Bezirk Marienwerder. In: Niekammer’s Landwirtschaftliche Güter-Adreßbücher. Band II, 3. Auflage, Reichenbach’sche Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1922, S. 26–27. Kreis Meseritz, seit Herbst 1938 ein Teil der Provinz Brandenburg. Mit Demerthin in der Prignitz und Charlottenhof, zu Diedersdorf im Landkreis Landsberg (Warthe) gehörig, konnten in Nord- und Ostbrandenburg wichtige Besitzungen bis 1945 gehalten werden. Beide Herrenhäuser wurden durch die Familie von Klitzing errichtet, auch das baulich etwas weniger bekannte Herrenhaus Charlottenhof. Nach den Angaben der Genealogischen Handbücher des Adels konnten die Begüterungen des Hauses B, Linie 2 Charlottenhof neben Charlottenhof auch das Restgut Pokrent in Westmecklenburg, Grassee, den Stammsitz Demerthin mit Rehfeld, Dieckow sowie Dziembowo halten. Die schlesische Unterlinie besaß bis 1945 u. a. Nieder-Zauche. Stellvertretend ist als letzte Gutsherrin bis zur Bodenreform hier auf Demerthin zu nennen die Witwe des preußischen Regierungsreferendars Werner von Klitzing (1857–1901) als Fideikommissherr, seine zweite Frau Adda von Klitzing, geborene von Rohr-Dannenwalde (1876–1956). Sie lebte danach im Stift des Klosters Marienfließ.

Wappen Das Stammwappen zeigt in Gold drei (2:1) silbern-gestulpte rote Tatarenmützen. Auf dem Helm mit rot-goldenen Decken steht ein wachsender Tatarenrumpf in rotem Gewand mit silbernen Aufschlägen und Mütze wie im Schild.

Bekannte Familienmitglieder Hans Caspar von Klitzing (1594–1644), schwedischer Generalleutnant Georg Ernst von Klitzing (1698–1759), preußischer Generalmajor Karl Kuno Friedrich von Klitzing (1728–1785), preußischer Generalmajor Adolphine von Klitzing (1772–1844), Schriftstellerin Friedrich von Klitzing (1779–1844), preußischer Offizier und Komponist, beteiligt am mysteriösen Verschwinden des britischen Diplomaten Benjamin Bathurst 1809 in Perleberg, welches wiederum Schriftsteller wie Robert Heinlein (Elsewhen), H. Beam Piper (He Walked Around The Horses) und R. Lionel Fanthorpe (Time Echo) inspirierte Max von Klitzing (1815–1902), Gutsbesitzer und Mitglied des Deutschen Reichstags Leberecht von Klitzing (1822–1899), deutscher Rittergutsbesitzer und Mitglied des Deutschen Reichstags Leberecht von Klitzing (1827–1895), deutscher Rittergutsbesitzer und Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses Wilhelm von Klitzing (1828–1894), preußischer Landrat des Kreises Lublinitz, Landeshauptmann der Provinz Schlesien Richard von Klitzing (1842–1907), preußischer General der Infanterie Georg von Klitzing (1847–1922), Gutsbesitzer, Jurist und Politiker Hans von Klitzing (1854–1930), Politiker, Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses Günther von Klitzing (1857–1902), preußischer Landrat des Kreises Striegau Henning von Klitzing (1859–1927), Präsident der Landwirtschaftskammer von Schlesien, Landrat Bogislaw von Klitzing (1861–1942), preußischer Landrat und Generallandschaftsdirektor in der Provinz Posen Leberecht von Klitzing (1872–1945), deutscher Konteradmiral Hans-Henning von Klitzing (1885–1964), preußischer Landrat und Regierungsvizepräsident

Lebrecht von Klitzing, (* 1939), deutscher Medizinphysiker, Bruder von Klaus von Klitzing (* 1943) Klaus von Klitzing (* 1943), Physiker und Nobelpreisträger Kai von Klitzing (* 1954), Kinder- und Jugendpsychiater Lilly von Klitzing (* 2001), Schauspielerin

Literatur Georg Schmidt: Die Familie von Klitzing. 1, Urkundenbuch. Selbstverlag, Charlottenburg 1891. 1, 2. Die Genealogie des Geschlechts. Selbstverlag, Charlottenhof 1903 3. Der Güterbesitz des Geschlechts und 2. Abt. des Urkundenbuches. Selbstverlag, Charlottenhof und Berlin 1907. Marcelli Janecki (Red. zug.): Jahrbuch des Deutschen Adels. Band 2, Hrsg. Deutsche Adelsgenossenschaft, Verlag von W. T. Bruer, Berlin 1898, S. 266–289. (Digitalisat) Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Der in Deutschland eingeborene Adel (Uradel), 1900. Erster Jahrgang, Justus Perthes, Gotha 1899, S. 499 ff. (Digitalisat); ff. bis 1942. Stammtafel des ganzen Geschlechts v. Klitzing. Mit 4 Nebentafel, Original 1902, (Reproduktion DNB, Frankfurt am Main, 2018.) Die 700 [Siebenhundert]-Jahr-Feier der Familie von Klitzing am 22. Aug. 1937 in Demerthin. 1237-1937. Verlag H. Henning, Oppeln, Nieder-Zauche 1938, DNB Hans Friedrich von Ehrenkrook, Jürgen Thiedicke von Flotow, Friedrich Wilhelm Euler: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser A (Uradel) 1955, Band II, Band 11 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Glücksburg/Ostsee 1955, S. 256–292. Walter von Hueck, Friedrich Wilhelm Euler, Hans Friedrich von Ehrenkrook: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser A (Uradel) 1966, Band VIII, Band 38 der Gesamtreihe GHdA, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1987, S. 256–292. Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch des Adels. Adelslexikon. Band VI, Band 91 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1987, S. 289. Hans-Ulrich von Klitzing. Die Familie von Klitzing. Teil V: Menschen und Schicksale, v. Klitzing’sche Häuser im 19. und 20. Jahrhundert. v. Klitzing’scher Familienverein, Kassel, Niestetal 1990. Friedrich von Klitzing (Hrsg.), Wolf-Dietrich Meyer-Rath: Demerthin. Das Dorf – die Kirche – das Schloss. Lukas Verlag, Berlin 2021. ISBN 978-3-86732-364-2.

Weblinks

Homepage der Familie von Klitzing

Einzelnachweise

Kategorie:Ersterwähnung 1265 Kategorie:Deutsches Adelsgeschlecht