Der Fulda-Radweg, auch Hessischer Radfernweg R1 genannt, ist ein 260 km langer Radwanderweg entlang der Fulda von der Quelle an der Wasserkuppe bis Hann. Münden, wo sich Fulda und Werra zur Weser vereinigen, und entlang der Weser bis zur hessisch/nordrhein-westfälischen/niedersächsischen Grenze in Bad Karlshafen. Er wird ab Gersfeld in der Rhön auch für Ungeübte und Familien empfohlen, für Rennräder ist er nach Baumaßnahmen der letzten Jahre am Radweg in großen Teilen geeignet.
Charakteristik Die flachsten und damit familienfreundlichsten Abschnitte sind Gersfeld – Fulda sowie Kassel – Hann. Münden. Auf der Reststrecke gibt es einige Hügel, obwohl der R1 ein Fluss-Radweg ist. Die Strecke ist gut ausgebaut und zu 85 % asphaltiert. Der Rest führt über meist gut befahrbare Schotterwege. Die Beschilderung ist in beide Richtungen durchgängig vorhanden. Die Strecke ist fast vollständig autofrei. Teilweise werden auch wenig bis mäßig befahrene Ortsdurchfahrten genutzt. Am geeignetsten für die Route ist ein Tourenrad mit bergtauglicher Schaltung.
ADFC-Angaben Im oberen Teil vor Gersfeld weicht die vom ADFC angegebene Route von der des Routenplanes Hessen ab. Die ADFC-Route startet auf der Wasserkuppe, führt vorbei an der Fuldaquelle nach Gersfeld. Dagegen startet die Beschilderung des R1 am Ende des Ulstertal-Radweges bzw. an der hessisch/bayrischen Grenze zwischen Bischofsheim-Oberweißenbrunn und Rodenbach als Anschluss zum Rhön-Sinntal-Radweg.
Gesamtlänge 296 km mit 1613 Hm Steigungen und 2362 Hm Gefälle. Rennradgeeignet ca. 10 %, für den Rest wird ein Tourenrad empfohlen.
Schwierigkeit: ca. 47 % leicht (0–2 %); Rest % mittel (2–6 %).
Verkehrsbelastung: „keine bis geringe“; < 1 % mittlere.
Der ADFC zertifizierte den Fulda-Radweg R1 2012 als 4-Sterne-Qualitätsradroute mit nur vereinzelten schwachen Steigungen sowie als ideale Tour für Familien. Die Flussroute führt durch die waldreiche hessische Mittelgebirgslandschaft zur Weser und ist größtenteils asphaltiert und nahezu autofrei. Ende 2014 wurde der Fulda-Radweg R1 vorerst nicht rezertifiziert. Der Marketing-Arbeitskreis des Fulda-Radwegs R1 hat eine erneute Zertifizierung vorangetrieben, sodass der Fulda-Radweg R1 im Jahr 2022 erneut durch den ADFC als Qualitätsroute mit 4 Sternen ausgezeichnet wurde.
Streckenbeschreibung
Die Entfernungs- und Höhenmeterangaben wurden dem Hessischen Radroutenplaner entnommen.
Strecken in der Rhön bis Gersfeld Abschnitt Wasserkuppe – Fuldaquelle – Gersfeld: Der ca. 8 km lange Abschnitt startet auf dem höchsten Berg Hessens, der Wasserkuppe (), führt auf der L 3068 vorbei an der Fuldaquelle auf Höhe nach Gersfeld (). Geschotterte Wege führen mit einem Gefälle von vier bis neun Prozent, entlang der jungen Fulda, direkt nach Gersfeld.
Abschnitt (R1a) Ulsterquelle – Rotes Moor – Gersfeld: Der mit R1a gekennzeichnete, ca. 11 km lange Abschnitt startet am Rhönradweg auf der Landstraße zwischen Wüstensachsen und Oberelsbach () und erreicht nach 1,6 km die Ulsterquelle auf Höhe. Hier startet der Ulsterradweg, der inzwischen Teil des Rhön-Radwegs ist Richtung Werra. Der R1a führt vorbei am Roten Moor Richtung Westen noch bis auf Höhe, bevor es dann kontinuierlich abwärts nach Gersfeld geht. Erst mit mäßigem Gefälle durch den Wald und danach über 4 km mit bis zu 9 %.
Abschnitt (R1) Bischofsheim in der Rhön – Gersfeld: Der mit R1 gekennzeichnete, ca. 4 km lange Abschnitt startet an der hessisch/bayrischen Grenze auf dem Radweg zwischen den Orten Rodenbach und Bischofsheim in der Rhön-Oberweißenbrunn, durch welches der Rhön-Sinntal-Radweg verläuft und Gersfeld-Rodenbach auf hessischer Seite. Etwa 400 m nach der Landesgrenze ist der höchste Punkt () erreicht und mit steigen Gefällen von bis zu 8 % führt die Strecke von der bewaldeten Höhe durch Wiesen und Felder nach Gersfeld.
Gersfeld – Fulda
Dieser Abschnitt hat eine Länge von ca. 30 km und führt mit leichtem Gefälle aus Höhe in Gersfeld in die etwa 100 Meter tiefer gelegene Bischofsstadt Fulda. Die Strecke wird abseits von Straßen, teilweise über geschotterte Wege geführt. Der gesamte Abschnitt wird von der Bahnstrecke Fulda–Gersfeld begleitet. Auf ihr verkehrt wochentags sowie sonn- und feiertags von Mai bis Oktober im Stundentakt (sonst alle zwei Stunden) die Regionalbahn R52 der Hessischen Landesbahn. Acht Haltestationen bieten auf der Etappe die Möglichkeit, die Fahrt mit der Bahn fortzusetzen. Gersfeld hat einen historischen Marktplatz mit Fachwerkgebäuden sowie einen 50 Hektar großen Wildpark. Die Route verläuft vorwiegend durch von Wald gesäumte Wiesen in der Nähe der jungen Fulda. Dabei berührt oder durchquert die Route die Ortschaften Altenfeld, Hettenhausen, Schmalnau, Ried und Eichenzell mit seinem Renaissance-Schlösschen im Ortskern und dem Schloss Fasanerie, der einstmals kurfürstlichen Sommerresidenz. Der Abzweig zur Ortsmitte von Eichenzell wird nach ca. 21 km kurz nach Querung der Bundesautobahn 66 erreicht. Danach läuft die Route vorbei am Eichenzeller Ortsteil Löschenrod, den Stadtteilen Fulda-Bronnzell und Fulda-Johannesberg durch den Gartenring zur Altstadt von Fulda. Nur wenige Meter links des Radwegs im Stadtteil Johannesberg befindet sich das Deutsche Feuerwehr-Museum, es zeigt auf 1.600 m² Ausstellungsfläche die Geschichte des deutschen Feuerlöschwesens. Ins Zentrum von Fulda führt der Hessische Radfernweg R3. Hier gibt es eine ganze Reihe von Sehenswürdigkeiten, unter anderen den Dom, das Stadtschloss mit Park und Orangerie, das Paulustor sowie das Barockviertel und viele Kirchen.
Fulda – Bad Hersfeld Dieser Abschnitt hat eine Länge von ca. 49 km und ist im oberen Teil bis Schlitz hügelig mit kleinen Anstiegen bis max. 20 Höhenmetern. Insgesamt hat die Etappe 188 Höhenmeter Anstiege und 236 Höhenmeter Abfahrten. Auf dieser Etappe besteht vor Bad Hersfeld kein Bahnanschluss. Sie wird zum größten Teil über eigene oder straßenbegleitende asphaltierte oder betonierte Radwege geführt. Nach Fulda wird die Landschaft weiter geprägt durch Wiesen, Felder und dem mit Bäumen und Büschen gesäumten Flusslauf. Vorbei an den Fuldaer Stadtteilen Kämmerzell und Lüdermünd sowie dem Pfordter Badesee erreicht die Route nach ca. 18 km die Fuldabrücke in der Ortschaft Pfordt. Am Waldrand am westlichen Ufer der Fulda wird der Abzweig nach Schlitz erreicht, dessen hochgelegener historischer Ortskern ca. 2 km westlich liegt und über den Hessischen Radfernweg R7a angefahren werden kann. Der R1 führt straßenbegleitend weiter durch das Fuldatal zur Ortschaft Queck. Dort quert er die Fulda und führt am östlichen Ufer zur Ortschaft Unter-Schwarz, wo die Fulda erneut überquert wird. Am westlichen Ufer wird der Radweg jetzt über eine alte Bahntrasse Richtung Bad Hersfeld weitergeführt. Nach ca. 4 km wird die Bundesautobahn 7 bei Niederjossa gequert und nach weiteren 4 km wird Niederaula erreicht. Die anschließende Strecke bis Asbach verläuft im weiten Fuldatal abwechselnd rechts und links der nur noch für den Güterverkehr genutzten Bahnstrecke. Kurz hinter Asbach liegt das Schloss Eichhof mit seinem sehenswerten Fachwerkinnenhof. Mit dem Bau des Schlosses wurde 1378 begonnen, heute befinden sich darin das Landwirtschaftszentrum Eichhof. Bis Bad Hersfeld sind es von hier noch ca. 4 km.
Bad Hersfeld – Melsungen
Dieser Abschnitt hat eine Länge von ca. 56 km, mit Anstiegen von 213 Höhenmeter und Abfahrten von 248 Höhenmetern. Auf dieser Etappe müssen zahlreiche kleinere Anstiege mit weniger als 20 Höhenmetern überwunden werden. Auf der gesamten Etappe wird die Route durch die Bahnstrecke begleitet, auf der die Regionalbahn R05 des Nordhessischen Verkehrsverbundes im Stundentakt verkehrt. An acht Haltestationen kann die Fahrt mit dem Zug fortgesetzt werden. Die Route des R1 führt nahe der Fulda an der Bad Hersfelder Innenstadt vorbei und folgt dabei einem Stück dem Solztalradweg, der heute Teil des Bahnradwegs Hessen ist. Nach einem kurzen Abstecher ins Tal der Solz kehrt die Route nach der Solzbrücke über Nebenstraßen bei Friedlos zurück an die Fulda. Danach wird die Route zwischen Bahnlinie und Fulda bis zur Ortschaft Mecklar geführt, wo die Bahnlinie überquert wird und es neben der B 27 bis nach Bebra-Breitenbach geht, wo ca. 18 km der Etappe zurückgelegt sind. Am ehemaligen Eisenbahnknotenpunkt Bebra führt die Route vorbei. Durch einen teils bewaldeten, landschaftlich schönen Abschnitt führt die Route jetzt in die 7 km entfernte Fachwerkstadt Rotenburg an der Fulda. Sehenswert sind hier unter anderem die historische Fachwerkzeile direkt an der Fulda, der in seiner ursprünglichen Form erhaltene Marktplatz mit dem Rathaus und der Jakobikirche sowie das Schloss Rotenburg. Zwischen Rotenburg und Melsungen nutzt der R1 jetzt mehrfach kleinere Ortsverbindungsstraßen. Bei der Ortschaft Baumbach wird die Fulda in östlicher Richtung über eine Kreisstraße gequert. Unmittelbar danach wird die Route aber wieder an der Fulda abseits des Autoverkehrs geführt. Durch Felder wird danach der ca. 15 km hinter Rotenburg gelegene Ort Altmorschen erreicht, wo sich das in seinem baulichen Zustand sehr gut erhaltene ehemalige Zisterzienser-Kloster Haydau befindet, durch das der R1 hindurchführt. Danach wird wieder einmal die Fulda gequert und der Nachbarort Neumorschen durchfahren, bevor kurz darauf die ICE-Strecke Fulda–Kassel in luftiger Höhe das Tal quert. Hinter Binsförth und vor Beiseförth wird nach ca. 6 km die in Deutschland einmalige Fahrradseilbahn erreicht. Mit Muskelkraft kann sich der Reisende samt Fahrrad an das östliche Fuldaufer befördern und damit einen Anstieg mit ca. 20 Höhenmetern umgehen. Am Ortseingang von Beiseförth treffen die beiden Varianten wieder aufeinander und führen weiter in Flussnähe durch die Wiesen und Felder des Fuldatals, vorbei an Malsfeld und Obermelsungen, bevor nach ca. 10 km die historische Altstadt von Melsungen erreicht wird.
Melsungen – Kassel Dieser Abschnitt hat eine Länge von ca. 36 km, mit Anstiegen von 84 Höhenmeter und Abfahrten von 203 Höhenmetern. Auf der meist flachen Etappe gibt es um Guxhagen zwei steilere Anstiege zwischen 20 und 30 Höhenmetern. Zwischen Melsungen und Guxhagen werden auf einigen Kilometern kleinere Ortsverbindungsstraßen genutzt. Auf dieser Etappe wird die Route von der Bahnstrecke mit der Regionalbahn R05 begleitet. Fünf Haltestationen werden im Stundentakt bedient. Nach Melsungen geht es wieder durch die Wiesen und Felder des Fuldatals, wo nach ca. 12,5 km die Doppelschleife hinter Körle erreicht wird und die Route wieder auf das östliche Ufer wechselt. Auf dieser Fuldaseite wird Guxhagen durchfahren und kurz darauf die Bundesautobahn 7 gequert. Dann nach 7,5 km auf der östlichen Seite wird vor der Ortschaft Guntershausen erneut das Fuldaufer gewechselt. Am Waldrand verläuft die Route jetzt bis Fuldabrück, wo in einer weiten Doppelschleife die Fulda dreimal gequert wird um dann auf am östlichen Ufer vorbei an Bergshausen nach ca. 11,5 km die Routenverzweigung in Kassel zu erreichen. Die beiden Varianten führen ca. 3 km auf beiden Seiten der Fulda zur Karlsaue, wo sie sich wieder vereinigen. Direkt an der Fulda erreichen sie nach ca. 2 km die Orangerie. Von hier sind die Innenstadt und der Hauptbahnhof gut zu erreichen. In Kassel laden unter anderem der Bergpark Wilhelmshöhe, die Karlsaue und die Museumslandschaft zu einem Besuch ein.
Kassel – Hann. Münden