Prominententransport bezeichnet den ersten Gefangenentransport von Wien in das KZ Dachau am 1.–2. April 1938 während der Zeit des Nationalsozialismus in Österreich.
Der Transport Während des „Anschlusses“ Österreichs an Hitlerdeutschland traf am Morgen des 12. März 1938, noch vor dem Einmarsch der Wehrmacht, deutsche Polizei per Flugzeug in Wien ein. Sie begann sofort damit, Politiker und andere Exponenten des autoritären Ständestaats, höhere Beamte, ehemalige Heimwehrführer, Sozialisten, Kommunisten, Monarchisten und andere Gegner des Nationalsozialismus zu verhaften. Dabei wurden sie von österreichischen Nationalsozialisten unterstützt. Schätzungen zufolge sollen in den ersten sechs Wochen nach dem „Anschluss“ 50.000–76.000 Menschen verhaftet worden sein.Wolfgang Neugebauer, Peter Schwarz: Stacheldraht, mit Tod geladen … Wien 2008, ISBN 978-3-901142-53-6, S. 8. Da das Sicherheitsressort bereits im Februar 1938 vom mit den Nationalsozialisten sympathisierenden Arthur Seyß-Inquart übernommen worden war, verfügten die neuen Machthaber über alle polizeilichen Unterlagen des Schuschnigg-Regimes. Dies erleichterte ihnen die – vermutlich bereits in Berlin erfolgte – Erstellung der Listen von zu verhaftenden Österreichern.
Bis Ende März wurde von der neu gegründeten Wiener Leitstelle der Geheimen Staatspolizei (Gestapo) eine Liste von 151 im Polizeigefängnis Rossauer Lände inhaftierten Personen zusammengestellt, die in das KZ Dachau überstellt werden sollten. Nachdem eine Person wieder von der Liste gestrichen worden war, wurden diese 150 sogenannten „Schutzhäftlinge“ am Abend des 1. Aprils zwischen 19 Uhr und 21 Uhr mit neun Zellenwagen vom Gefängnis zum Westbahnhof gebracht. Dort mussten sie in Schnellbahnwaggons umsteigen, in denen sie zum Konzentrationslager gebracht wurden. Bereits beim Einsteigen und unterwegs kam es zu zahlreichen Misshandlungen durch die SS-Wachmannschaft, die von Angehörigen der auch in Dachau als Wachmannschaft eingesetzten SS-Totenkopfstandarte 1 „Oberbayern“ gestellt wurde.
Am 2. April wurden von dem Transport 150 Personen im Zugangsbuch des KZ Dachau registriert, denen die Häftlingsnummern 13.780–13.929 zugewiesen wurden. Im Vergleich mit der Wiener Liste fehlte dabei Johann Stern. Der gefangene Journalist Maximilian Reich berichtete, dass ein Mitgefangener einem SS-Mann in selbstmörderischer Absicht ins Bajonett gelaufen und gestorben sei. Dabei handelte es sich möglicherweise um Johann Stern. Dagegen wurde in Dachau der Jurist und Gendarmerieoffizier Ernst Mayer verzeichnet, der nicht auf der Wiener Liste stand und dem Transport möglicherweise in Linz hinzugefügt worden war.
Etwa ein Drittel der betroffenen Häftlinge war jüdischer Religion oder Abstammung. Mit der Häftlingskategorie „Schutzhaft – Jude“ standen sie in den Konzentrationslagern an unterster Stelle der Häftlingshierarchie. Sie hatten in der Frühphase der Judenverfolgung noch die Möglichkeit, unter Vorweis einer (schwierig zu erlangenden) Einreisegenehmigung für ein anderes Land aus dem KZ entlassen zu werden. Sie mussten dann so schnell wie möglich und unter Zurücklassung sämtlicher Vermögenswerte das Reichsgebiet verlassen, sonst drohte die erneute Verhaftung.
Zum ersten Österreichertransport gehörten Wiens Bürgermeister Richard Schmitz, der spätere Gewerkschaftsbund-Präsident Franz Olah, die Schriftsteller Raoul Auernheimer und Heinrich Jacob, der Librettist Fritz Löhner-Beda, ferner der Privatsekretär des letzten österreichischen Kaisers, Karl Werkmann, und der spätere Bundeskanzler Leopold Figl.
Zum Begriff Der Begriff Prominententransport für diesen ersten Gefangenentransport nach Dachau wurde im Nachhinein geprägt, da er sehr viele prominente Persönlichkeiten betraf.
Liste der Häftlinge