Der Stühlinger ist ein westlich der Altstadt gelegener Stadtteil von Freiburg im Breisgau mit rund 15.800 Bewohnern (31. Dezember 2022). Er ist aufgeteilt in die zwei Stadtbezirke Stühlinger-Eschholz und Alt-Stühlinger. Im Osten wird er begrenzt durch die Bahnanlagen der Deutschen Bahn AG mit dem Hauptbahnhof, im Süden durch die Dreisam, im Westen durch die Gleise der Güterbahnstrecke und im Norden grenzt er an den Stadtteil Brühl. Von 1967 bis 2014 wurde der nördlich der Breisacher Bahn gelegene Stadtbezirk Stühlinger-Beurbarung verwaltungsmäßig ebenfalls zum Stadtteil gezählt, jedoch gehört jener seit dem 1. Januar 2015 zum Stadtbezirk Brühl-Beurbarung.badische-zeitung.de

Geschichte mini|Stühlinger im Jahr 1898

Das Gebiet des heutigen Stühlingers war früher zum Teil sumpfiges Feld- und Wiesengelände. Bauern aus Betzenhausen nutzten mit ihren Wagen auf dem Weg zum Münstermarkt den „Mittelheuweg“, der ungefähr der heutigen Stadtbahntrasse entsprach. Die Herren von Stühlingen aus dem Klettgau besaßen einen Teil der landwirtschaftlich genutzten Flächen.

Wesentlich führten zwei Faktoren zur Entstehung des „Stühlinger“: zum einen das Bevölkerungswachstum in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, zum anderen die 1845 neu entstandene Bahnlinie Offenburg–Basel. Mit dem neuen Bahnhof in Freiburg wurde der Gütertransport gefördert. Auch der Aufschwung nach dem Deutsch-Französischen Krieg und der Reichsgründung 1871 brachte weitere Impulse.

Die Stadt wies daher reißbrettartig drei Straßen parallel zur Bahnlinie mit fünf Querstraßen als neues Baugebiet „Hinterm Bahnhof“Hans Schadek: Freiburg ehemals-gestern-heute. Steinkopf Verlag, Stuttgart 2004, ISBN 3-7984-0771-1, S. 121 ff. aus. Erst ab 1886 wird vom „Stühlinger“ gesprochen. Flurnamen dieser Flächen waren unter anderem „Eschholz“ und „Stühlinger“ nach den einstigen Besitzern, den Herren von Stühlingen.

Nach 1875 wurde das Gebiet jenseits des Bahnhofs planmäßig erschlossen. Eine Unterführung im Norden des Bahnhofs, die auf die Straße nach Lehen führte, und die Stühlingerbrücke südlich des Bahnhofs (heute Wiwilíbrücke, wegen ihres Anstrichs auch „Blaue Brücke“ genannt), die auf den Stühlinger Kirchplatz mündet, waren die Verbindungen zur Stadt. Die in Anlehnung an den Limburger Dom zwischen 1893 und 1897 errichtete Herz-Jesu-Kirche wurde bald das sichtbare Zentrum des neuen Stadtteils. Dahinter wurden zwei Schulgebäude errichtet, je eines für Mädchen und Jungen.

Neben der Wohnbebauung siedelten sich auch Firmen und öffentliche Versorgungseinrichtungen hier an. So wurde das Gaswerk, das sich bis dahin in der Wiehre befand (am heutigen Standort der Johanneskirche) in den Süden des noch jungen Stadtteils verlegt (heute Wohnbauten auf den zwei Fundamenten genannt 2-Zylinder), gleich daneben wurde wenig später das Elektrizitätswerk gebaut. In der Nähe siedelte sich auch die Firma Brenzinger & Cie. an, damals ein bedeutendes Bauunternehmen. In unmittelbarer Nachbarschaft wurde 1888 die Löwenbrauerei von Louis Sinner errichtet. Auch die Pumpenfabrik Lederle fand ihren Platz im Stühlinger. Nach deren Umzug nach Gundelfingen im Jahr 1977 entstand 1990 auf einem Teil des Firmengeländes der heutige Lederleplatz und 2001 wurde dort der markante Brunnen in Form einer roten Pumpe errichtet. Die Schlossfabrik Theodor Kromer & Co. siedelte sich nördlich der Lehenerstraße an und wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört. Die Fedderstraße wurde parallel zur Eschholzstraße verlegt, um das Firmengebiet und die umliegenden Grundstücke mit Blockbauten in Rechtecksform belegen zu können, die Anfang der 80er Jahre ihrerseits Neubauten weichen mussten.

Des Weiteren siedelten die Zunderfabrik Klingele, die Orgel- und Orchestrionfabrik M. Welte & Söhne, das Unternehmen Dampfsäge Gustav Bissier, die Hebwerkzeugfabrik Gebr. Birmelin sowie kleinere Betriebe wie eine Seifensiederei oder die Knochenmehlfabrik Ritzmann im Stühlinger an.

Um die Wohnungsnot zu lindern, die durch den Ersten Weltkrieg verstärkt wurde, wurde ab Spätherbst 1914 eine Arbeitersiedlung aus 16 Häusern in der Tellstraße errichtet. 1980 wurde das Haus mit der Nummer 10 durch eine Gasexplosion zerstört, vier Menschen starben. Die noch heute bestehende Baulücke erinnert an das Unglück.

Ab 1926 wurden im nördlichen Teil die Neubauten der Universitätskliniken errichtet. Die evangelischen Christen erhielten mit der Lutherkirche ebenfalls ein neues, auffallendes Gotteshaus (Fertigstellung 1916) am damaligen Hohenzollernplatz (heute Friedrich-Ebert-Platz), das allerdings im Zweiten Weltkrieg völlig zerstört und danach im schlichten Stil der 1950er-Jahre neu erbaut wurde. Im Januar 2016 wurde sie entwidmet und soll zu einem Hörsaal für die Uniklinik umgebaut werden.

1877 wurde die Kreispflegeanstalt an der Eschholzstraße eröffnet.

Nach dem Bombenangriff vom 27. November 1944 wurde 1947 bis 1949 eine Trümmerbahn betrieben, um den Schutt der zerstörten Gebäude vom Institutsviertel zum ehemaligen Schotterwerk Flückiger zu befördern.stuehlinger-online.de: . Es besteht die Vermutung, dass die in den Trümmern befindlichen Reste der Phosphorbomben die Ursache für den hohen Phosphorgehalt im dort entstandenen Flückigersee waren.Lars Bargmann: Phosphorbomben im Trümmerhaufen. In: Badische Zeitung. 24. November 2003, Zugriff am 26. Februar 2011.

Eine weitere katholische Kirche, St. Josef, und im Jahr 1964 die evangelische Kreuzkirche wurden erbaut. Ein großes Berufsschulzentrum, das heutige Rathaus im Stühlinger, die heutige Agentur für Arbeit und eine Klinik für Tumorbiologie sowie Wohnheime für Studierende und Pflegepersonal kamen hinzu. Am 9. Dezember 1983 kam mit der Stühlingerbrücke eine weitere Verbindung für die Stadtbahn sowie den Rad- und Fußverkehr zur Innenstadt hinzu.

1989 wurde die Löwenbrauerei in der Klarastraße abgerissen. Äußerlich erhalten blieb lediglich die Mälzerei in der Stühlingerstraße/Grete-Borgmann-Straße, die heute ein Bürogebäude ist.

Von Frühjahr 2019 bis Sommer 2021 gab es an der Ecke von Eschholzstraße und Egonstraße den ersten und einzigen Spätkauf in Freiburg, der von einem Kollektiv betrieben wurde. Schon wenige Wochen nach Eröffnung gab es von den Anwohnern Klagen wegen Ruhestörung und Müll, besonders auf dem nahen Lederleplatz, wo die Kunden des Späti sich versammelten. Im März 2021 wurde ein Alkoholverkaufsverbot ab 22 Uhr verhängt. Ein Widerspruch der Händler scheiterte und der Pachtvertrag wurde nicht verlängert.

Zukünftige Entwicklung mini|Protest gegen den Abriss im Metzgergrün mini|Planungen für den Bereich Stühlinger West mit den Gebäuden des Rathauses, dem Neubaugebiet Kleineschholz und den Personalhäusern des Universitätsklinikums

Metzgergrün Das Quartier Metzgergrün soll nachverdichtet werden. Das Quartier ist in den 1950er Jahren nördlich der Ferdinand-Weiß-Straße in zweigeschossiger Zeilenbauweise entstanden und gehört der Freiburger Stadtbau als Tochtergesellschaft der Stadt Freiburg. An Stelle einer Sanierung sollen die Bestandsgebäude abgerissen und neu gebaut werden, statt 250 Wohneinheiten sollen 550 entstehen.

Im ersten Bauabschnitt, der im Jahr 2025 abgeschlossen wurde, entstanden Neubauten mit 175 Wohneinheiten auf einem ehemaligen Wohnmobilstellplatz nördlich des Bestandsquartiers. Im Jahr 2026 begann der zweite Bauabschnitt mit dem Abriss der Bestandsgebäude. Der gesamte Komplex soll bis 2030 verwirklicht werden. Parkflächen sollen ausschließlich in Tiefgaragen entstehen, eine Durchquerung des Quartiers soll wie bisher nur zu Fuß oder mit dem Rad möglich sein, nicht dagegen mit dem Auto. Im Zuge der Neubebauung soll ein Anschluss an den Güterbahnradweg FR 2 entstehen, der dann beidseitig der Güterbahn verläuft.

Kleineschholz Seit 2016 gibt es Pläne, etwa 550 Wohneinheiten im neuen Wohnquartier „Kleineschholz“ zwischen Lehener Straße, Arbeitsagentur, Sundgauallee und Güterbahn zu bauen. Die bisher vorhandenen Kleingärten wurden dafür abgeräumt. Die Parzellen wurden im Jahr 2024 nur an gemeinwohlorientierte Projekte vergeben, es sollen ausschließlich Mietwohnungen entstehen. Die ursprünglichen Pläne sahen eine Vergabe der Parzellen im Erbbaurecht vor. Angesichts der gestiegenen Baupreise wurde im Herbst 2023 die Möglichkeit der Vergabe im Eigentum eingeräumt, wobei sich die Stadt ein Rückkaufsrecht nach 99 Jahren sichert. Das Quartier ist autoarm mit einem Stellplatzschlüssel von 0,3 Parkplätzen pro Wohneinheit geplant. Stellplätze sollen nicht an den Wohnhäusern, sondern zentralisiert in einer Hochgarage entstehen und dadurch insgesamt niedrige Erschließungskosten verursachen. Die Sundgauallee soll in diesem Zuge im Abschnitt auf Höhe der Arbeitsagentur Teil eines Naherholungsgebiets werden und für den Kfz-Verkehr nicht mehr zugänglich sein.

Gegenüber des Quartiers Kleinschholz auf der nördlichen Seite der Lehener Straße plant die Uniklinik auf dem Gebiet der Klaramatte den Bau von 740 Wohneinheiten für ihr Personal ab dem Jahr 2026. Zusätzlich sollen die bisher bestehenden 664 Wohnungen auf dem benachbarten Gelände größtenteils abgerissen werden. mini|Der fertiggestellte erste Bauabschnitt des Rathauses im Stühlinger Verwaltungszentrum Das Rathaus im Stühlinger soll um einen zweiten und dritten Bauabschnitt ergänzt werden. Nachdem der erste Bauabschnitt im Jahr 2018 abgeschlossen worden ist, soll der größte Teil der Verwaltung, der bisher in der Stadt verteilt ist, am Standort des Rathauses im Stühlinger zentralisiert werden. Der Baubeginn für den zweiten Bauabschnitt war im Juli 2024, die Fertigstellung ist für 2027 geplant. Nachdem der bisherige Hauptstandort des Landratsamtes Breisgau-Hochschwarzwald stark sanierungsbedürftig ist, entstanden erste Pläne, einen Neubau des Landratsamtes am Standort des Rathauses im Stühlinger zu errichten, um so die sieben Standorte des Landratsamtes zusammenzufassen und die Synergieeffekte der beiden Behörden nutzen zu können. Der dritte Bauabschnitt soll dabei entsprechend größer werden und die gesamte bisher als Parkplatz genutzte Fläche an der Sundgauallee mitumfassen.

Colmarer Straße Ab Januar 2023 wurden an der Colmarer Straße zwischen Badischer Hauptbahn und Kreuzstraße durch die BImA Häuser aus den 50er Jahren abgerissen. Statt 48 Wohnungen sollen bis Juni 2026 115 neue Wohnungen in fünf- bis sechsgeschossiger Blockstruktur entstehen.

Bevölkerung Einwohnerdichte Die Einwohnerdichte (Einw./ha besiedelter Fläche) in den Stadtbezirken des Stühlinger liegt weit über dem Durchschnitt Freiburgs.

Stadtbezirk FlächeFR.ITZ Freiburger Statistik, Fläche in Hektar nach Stadtbezirk EinwohnerFR.ITZ Freiburger Statistik Stand 31. Dezember 2025 Gesamtstadt: Melderegister Stadt Freiburg Einwohnerdichte 512 Stühlinger Eschholz 90,138 ha 6.952 77,1 Einw./ha 513 Alt-Stühlinger 83,799 ha 8.941 106,7 Einw./ha Freiburg gesamt 15.307 ha 234.565 15,3 Einw./ha

Bauten und Einrichtungen mini|Stühlinger Kirchplatz mit Herz-Jesu-Kirche (Freiburg im Breisgau)

Bildung Im Stühlinger gibt es diverse Kindertagesstätten und Kindergärten. Im Stadtteil gibt es die Hebelschule, eine Grundschule und die Realschule Hansjakobschule, die beide symmetrisch auf der Westseite der Herz-Jesu-Kirche stehen und einst als Mädchen- und Knaben-Volksschule errichtet worden waren. Ferner befinden sich weiterführende Schulen im Stühlinger: Im Westen des Stadtteils liegt das große Berufsschulzentrum, in dem verschiedene Schulen Unterricht für zahlreiche Berufe anbieten. Daneben gibt es unter anderem die Max-Weber-Schule, die ein breites Spektrum an Schulformen im Bereich Wirtschaft anbietet. Während die Krankenpflegeschule des Uniklinikums in den Stadtteil Brühl umgezogen ist, befindet sich noch die Schule für Physiotherapie an der Fehrenbachallee.

Gewerbe Heute findet man im Stühlinger einige Cafés, Kneipen, Restaurants, kleine alternative Läden, sowie Handwerksbetriebe und Einkaufsmöglichkeiten im Einzelhandel.

Weitere Einrichtungen mini|Kunstwerk Gartenschlauch mit Wasserhahn im Eschholzpark|220x220px