Sozialökonomie ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die versucht die Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Wirtschaft, Ökonomie und Politik zu verstehen. Sozialökonomische Forschung und Wissenschaft behandelt und beantwortet soziologische und ökonomische Fragestellungen interdisziplinär von verschiedenen Blickwinkeln aus. Sie beschäftigt sich mit dem wirtschaftlichen Handeln in seinem sozialen Zusammenhang und mit der jeweiligen Beziehung zu anderen gesellschaftlichen, politischen, demographischen, ökologischen und räumlichen Prozessen. Sozialökonomische Forschung und Lehre beruft sich historisch auf Karl Marx, Max Weber, Émile Durkheim, Joseph Schumpeter, Karl Polanyi, Pierre Bourdieu, Reinhard Schultz, Günter Schmölders, Werner Hofmann, Manfred Schweres und Alfred Oppolzer sowie auf aktuelle Vertreter der Wirtschafts-, Rechts- und Sozialwissenschaften. Sie ist bisher keine hochspezialisierte Einzeldisziplin, sondern vielmehr eine gemeinsame Perspektive mehrerer Disziplinen, die in Forschung und Lehre kooperieren, um die soziale, ökonomische, politische Wirklichkeit besser verstehen, beschreiben und erklären zu können.
Zweck der Sozialökonomie Die Notwendigkeit der Sozialökonomie wird nach dem Soziologen Alfred Oppolzer aus den verschiedenen Einzeldisziplinen heraus gefordert, beispielsweise aus der Betriebswirtschaftslehre (Reinhard Schultz, 1988), ebenso aus der Volkswirtschaftslehre (Günter Schmölders, 1973) und der Politischen Ökonomie (Werner Hofmann, 1969), aus der Soziologie (Max Weber, 1904) ebenso wie aus der Arbeitswissenschaft (Manfred Schweres, 1980; Alfred Oppolzer, 1989). Oppolzer hält fest, Sozialökonomie ist:
die „Untersuchung der Wechselwirkungen von Wirtschaft und Gesellschaft“, die „Praxisrelevanz der Fragestellung“ und die „interdisziplinäre Vorgehensweise“.Alfred Oppolzer: Sozialökonomie: Zu Gegenstand, Begriff und Geschichte. In: Sozialökonomische Beiträge. Zeitschrift für Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. 1. Jg. Hamburg. 1/1990, S. 6–29.
Der Wirtschafts- und Sozialhistoriker Ernst Langthaler geht davon aus, dass in der sozialökonomischen Betrachtungsweise:
Wirtschaft in gesellschaftlichen Zusammenhängen gesehen wird, die Vernetzung der Akteure sowie Kollektive im Mittelpunkt stehen, Machtgefälle zwischen Akteuren untersucht werden sowie versucht wird, Verhalten zu verstehen und zu erschließen.Ernst Langthaler: Was heißt Sozialökonomie? Skriptum-1.pdf (Skriptum-1\374). Universität Wien 2009.
Wie auch Oppolzer, beruft sich Langthaler auf Karl Marx (Ökonomie, Soziologie), Max Weber (Soziologie, Ökonomie), Émile Durkheim (Soziologie), Joseph Schumpeter (Ökonomie), Karl Polanyi (Kulturanthropologie, Soziologie), Pierre Bourdieu (Soziologie).
Einen weiteren Schritt machte Günter Schmölders mit der Sozialökonomische Verhaltensforschung. Er gründete 1958 die Forschungsstelle für empirische Sozialökonomik.Forschungsstelle für empirische Sozialökonomik: fores-koeln.de Aus der Rechtswissenschaft sind der Arbeits- und Verfassungsrechtler Otto Ernst Kempen, ehemaliger Direktor der Akademie der ArbeitKempen, Otto Ernst. Akademie der Arbeit in der Universität Frankfurt am Main.: akademie-der-arbeit.de sowie der Wirtschaftsrechtler Udo Reifner als Gründer des Institut für FinanzdienstleistungenReifner, Udo. Gründer des Institutes für Finanzdienstleistungen (iff): news.iff-hh.de zu nennen. Zur sozialökonomischen Betrachtung von Bildungs- und Sozialisationstheorie leistete Harry Friebel mit dem Hamburger Biografie- und Lebenslaufpanel "Die Kinder der Bildungsexpansion" einen wichtigen Beitrag.Harry Friebel: Die Kinder der Bildungsexpansion. Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg: Einen wirtschaftssoziologischen Ansatz zeigt das Internationale Institut für Empirische Sozialökonomie.Internationales Institut für Empirische Sozialökonomie:
Studium der Sozialökonomie Das grundständige Studienfach Sozialökonomie vermittelt wissenschaftliches Grundlagenwissen in Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Soziologie sowie Rechtswissenschaften und führt zu einem ersten berufsqualifizierenden Hochschulabschluss.Berufenet der Bundesagentur für Arbeit (BA): Studienfach Sozialökonomie (grundständig). berufenet.arbeitsagentur.de
Sozialökonomie (Bachelor) an der Universität Hamburg: Ein interdisziplinäres Studium, welches Betriebswirtschaftslehre, Volkswirtschaftslehre, Rechtswissenschaft und Soziologie beinhaltet und Wechselwirkungen zwischen Gesellschaft, Wirtschaft und Politik berücksichtigt. Der Bachelor steht nach einer Aufnahmeprüfung auch Personen ohne Abitur offen.Fachbereich Sozialökonomie der Universität Hamburg: Webseiten des Fachbereiches Sozialökonomie Master in Arbeit, Wirtschaft, Gesellschaft – Ökonomische und Soziologische Studien an der Universität HamburgUniversität Hamburg: Arbeit, Wirtschaft, Gesellschaft - Ökonomische und Soziologische Studien wiso.uni-hamburg.de Bachelor und Master in SozialökonomikSozialökonomik (Master)wiso.uni-erlangen.de an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Faktultät in Nürnberg der Universität Erlangen-Nürnberg: Interdisziplinäres Studium, welches einen großen Wert auf empirisch-verhaltenswissenschaftliche Fundierung legt. Im Bachelor werden die Schwerpunkte Wirtschaft, Arbeit und Ungleichheit, Digitalisierung und Medien und Global Governance und Nachhaltigkeit, im Master Bildung, Beruf und Personal, Markt- und Medienforschung, Nachhaltigkeit und Data Science angeboten. Sozialökonomie (Diplom) an der Universität HohenheimSozialökonomie (Diplom) an der Uni Hohenheim: Wirtschaftswissenschaften mit sozialökonomischen Wahlprofil (Bachelor/Master) an der Universität HohenheimSozialökonomie (Bachelor) an der Uni Hohenheim: Die Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel bietet seit dem Wintersemester 2015/16 einen Bachelorstudiengang in Sozio-Ökonomik (B.Sc.) an. Der Studiengang bietet eine nahezu vollständige Integration des Studiums der Volkswirtschaftslehre, der Soziologie und der Politikwissenschaft an, in dem alle wesentlichen traditionellen Komponenten von B.Sc.-Studiengängen in den drei Fachrichtungen vertreten und somit die Kernkompetenzen im wirtschafts- oder sozialwissenschaftlichen Bereich erhalten werden. Bachelor in Sozialwirtschaft an der Universität LinzJohannes Kepler Universität Linz: Sozialwirtschaft – Bachelorstudium jku.at Master in Sozialwirtschaft an der Universität LinzJohannes Kepler Universität Linz: Sozialwirtschaft - Masterstudium jku.at Bachelor in Wirtschafts- und Sozialgeschichte an der Universität GöttingenWirtschafts- und Sozialgeschichte (Bachelor) an der Uni Göttingen: uni-goettingen.de Bachelorstudium im Studienzweig Volkswirtschaft & Sozioökonomie mit dem Schwerpunkt Sozioökonomie an der Wirtschaftsuniversität WienWirtschaftsuniversität Wien: Volkswirtschaft & Sozioökonomie. wu.ac.at Masterstudium Sozioökonomie an der Wirtschaftsuniversität WienWirtschaftsuniversität Wien: Sozioökonomie. wu.ac.at Master-Studiengang Sozialrecht und Sozialwirtschaft an der Universität Kassel in Kooperation mit der Hochschule FuldaUniversität Kassel: Master-Studiengang Sozialrecht und Sozialwirtschaft. uni-kassel.de Seit dem Wintersemester 2016/17 gibt es an der Universität Siegen den Studiengang, „Plurale Ökonomik“, der „wirtschaftliche Phänomene mit einer Vielzahl unterschiedlicher Ansätze… diskutiert und untersucht“. Dazu „zeichnet [er] sich durch den Diskurs alternativer Denktraditionen aus“ und „zielt auf Studierende, die ihr eigenes ökonomisches Verständnis kritisch reflektieren und gewohnte Denkwege verlassen wollen“.Universität Siegen: Master Plurale Ökonomik. master-plurale-oekonomik.de Durch seine kritische Auseinandersetzung mehrerer Fachbereiche -- unter anderem, Volks- und Betriebswirtschaftslehre, Ethik, Jura, Ökologie, Geschichte und SoziologieUniversität Siegen: Modulhandbuch Master Plurale Ökonomik. master-plurale-oekonomik.de -- steht der Studiengang im Einklang mit einigen Leitwerten der Sozioökonomie, obwohl er namentlich mit Plurale Ökonomik in Verbindung steht. Wesentliches Kernelement dieser letzten Tradition ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem neoklassischen Modell der Wirtschaftswissenschaften.Pia Ratzesberger: Lehre in den Wirtschaftswissenschaften - Wenig Neues in der VWL-Vorlesung. In: Süddeutsche Zeitung, 10. November 2016. Studiengang PWG: Politik, Wirtschaft und Gesellschaft (Bachelor/Master) an der Ruhr-Universität BochumPWG (Bachelor) an der Ruhr-Uni Bochum: sowi.rub.de
Der akademische Grad Diplom-Sozialwirt konnte durch ein interdisziplinäres Studium an Universitäten und Fachhochschulen erworben werden. Daneben konnte man auch an Berufsakademien zum Diplom-Sozialwirt (BA) werden. Die Diplomstudiengänge wurden schrittweise durch Bachelor- und Masterstudiengänge ersetzt. An der Universität Göttingen in Form polyvalenter Bachelor- und Masterabschlüsse. Nach Abschluss der Berufungsverfahren für drei neue Professuren wird das Institut für Sozioökonomie das Forschungsprofil der Fakultät für Gesellschaftswissenschaften der Universität Duisburg-Essen stärken und einen eigenen Master-Studiengang Sozioökonomie anbieten (Stand 2. November 2017).Universität Duisburg-Essen: Aktuelles aus dem Institut für Sozioökonomie. uni-due.de (abgerufen am 25. Dezember 2017)
Sozialökonomische Forschung Internationales Institut für empirische Sozialökonomie (INIFES). Das Institut hat die Aufgabe, die Praxis der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik durch neue Erkenntnisse der interdisziplinären Forschung zu unterstützen. Sozio-oekonomisches Panel: Das Sozio-oekonomische Panel (SOEP) ist eine repräsentative Wiederholungsbefragung von über 12.000 Privathaushalten in Deutschland. Die Befragung wird im jährlichen Rhythmus seit 1984 bei denselben Personen und Familien (= stets demselben Panel) durchgeführt. Mit Hilfe des SOEP können politische und gesellschaftliche Veränderungen in Deutschland beobachtet und analysiert werden. Die Daten helfen, soziologische, ökonomische, psychologische, demographische, gesundheitswissenschaftliche und geographische Fragestellungen zu beantworten.SOEP: SOEP soeb 1 bis 3 des Kompetenznetzwerks Sozioökonomische Berichterstattung: Um den tiefgreifenden Wandel der deutsche Gesellschaft besser zu verstehen, führt das Kompetenznetzwerk Sozioökonomische Berichterstattung (soeb) quantitative und qualitative Daten aus verschiedenen Quellen zusammen und deutet sie im Rahmen eines deutschen Produktions- und Sozialmodells.Kompetenznetzwerk Sozioökonomische Berichterstattung: Was ist soeb.de? soeb.de (abgerufen am 26. Dezember 2017) Fachbereich Sozialökonomie an der Universität Hamburg, als Nachfolger der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP).Sozialökonomische Forschung UHH: Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien (ZÖSS) an der Universität Hamburg, als Nachfolger der Hamburger Universität für Wirtschaft und Politik (HWP).Zentrum für Ökonomische und Soziologische Studien (ZÖSS): Institut für Finanzdienstleistungen e. V. (iff) in Hamburg. Der Zweck des Instituts besteht in der Förderung und Durchführung von Forschungen auf dem Gebiet der Beziehungen zwischen Recht, Wirtschaft und Gesellschaft.Institut für Finanzdienstleistungen (iff): iff-hamburg.de Institut für Küstenforschung des Helmholtz-Zentrums Geesthacht: In der Abteilung Sozioökonomie des Küstenraumes liegt der Fokus der Forschung auf einem besseren Verständnis der Mensch/Natur-Interaktionen.Helmholtz-Zentrum Geesthacht: Sozioökonomie des Küstenraumes - Forschung hzg.de (abgerufen am 26. Dezember 2017)