mini|Walter Warlimont, 1939, als Oberst Walter Warlimont (* 3. Oktober 1894 in Osnabrück; † 9. Oktober 1976 in Kreuth am Tegernsee) war ein deutscher Offizier. Im Zweiten Weltkrieg war er zuletzt als General der Artillerie der Stellvertreter von Generaloberst Alfred Jodl im Wehrmachtführungsstab. Er war ein rechtskräftig verurteilter Kriegsverbrecher.
Familie Walter Warlimont war der Sohn von Louis Warlimont (1857–1923) und Anna Rinck (1860–1931). Beide Eltern stammten aus Eupen. Sein Vater war in Osnabrück Verlagsbuchhändler und Antiquar.Esther-Julia Howell: Von den Besiegten lernen? Die kriegsgeschichtliche Kooperation der U.S. Armee und der ehemaligen Wehrmachtselite 1945–1961 (Studien zur Zeitgeschichte, Band 90), Berlin 2016, ISBN 978-3-11-041478-3.
In zweiter Ehe heiratete er 1927 Anita von Kleydorff (1899–1987), Tochter von Emil von Kleydorff (1874–1949) und der US-Amerikanerin Paula Busch, einer Nichte des deutschamerikanischen Bierbrauers und Multimillionärs Adolphus Busch.
Leben mini|Walter Warlimont als Angeklagter beim OKW-Prozess 1948 Warlimont trat nach bestandenem Abitur im Februar 1913 in das Niedersächsische Fußartillerie-Regiment Nr. 10 als Fahnenjunker ein. Nach Besuch der Kriegsschule in den Jahren 1913 und 1914 wurde er zum Leutnant befördert. Im Ersten Weltkrieg kämpfte er als Batterieoffizier, Adjutant und Batterieführer an der Westfront und in Italien.
In der Weimarer Republik Nach Ende des Krieges schloss Warlimont sich dem Freikorps Maercker an und wurde später in die Reichswehr übernommen. Dort diente er im 6. Preußischen Artillerie-Regiment in Minden. Nach einem dreimonatigen Sprachurlaub in England wurde er 1926 als Hauptmann in den Generalstab versetzt. Dort diente Warlimont als 2. Adjutant beim Chef des Truppenamtes und in der Wehrwirtschaftlichen Abteilung, bevor er ins Heeres Waffenamt (WaA) beim Reichswehrministeriums versetzt wurde. 1929 war er ein Jahr lang zur United States Army kommandiert, um Informationen über die wirtschaftliche Mobilmachung zu erhalten. Er war nach seiner Rückkehr bis 1935 Chef der III. Batterie im 1. (Preußischen) Artillerie-Regiment in Allenstein (Ostpreußen).
Warlimont war ein Verfechter der Autarkiebestrebungen im Rahmen des Vierjahresplans. Ohne Rücksicht auf die Kosten sollten Ersatzrohstoffe zum Einsatz kommen:
In Vorbereitung der deutschen Unterstützung des inszenierten Spanischen Bürgerkrieges gegen die rechtmäßig gewählte spanische Regierung 1936 wurde er als Oberstleutnant im August zum putschenden General Franco als Militärischer Bevollmächtigter des Reichskriegsministers (damals Werner von Blomberg) kommandiert. In dieser Phase seines Einsatzes spielten auch wehrwirtschaftliche Fragen, so die Möglichkeiten der Beschaffung von Rohstoffen für die deutsche Rüstungsindustrie eine Rolle. Doch dann überwogen, mit der logistischen Hilfe Deutschlands große Teile der Franco-Truppe vom afrikanischen und französischen Territorium aufs spanische Festland zu transportieren, die militärischen Faktoren. Mit dem Eintreffen des Kommandierenden Generals der "Legion Condor", Hugo Sperrle übernahm dieser dann die von Warlimont innegehabte Position. Anfang Dezember 1936 kehrte er nach Deutschland zurück.
Nach seiner Rückkehr wurde er 1937 Kommandeur des Artillerie-Regiments 26 in Düsseldorf. Während dieser Zeit erfolgte seine Beförderung zum Oberst. 1938 diente Warlimont als Chef der Abteilung „L“ (Landesverteidigung) im Wehrmachtführungsamt (WFA) und war in dieser Funktion ständiger Vertreter des Chefs WFA. Von 1934 bis 1939 unternahm er militärische Aufklärungsreisen, getarnt als Bildungsreisen, nach Belgien, in die Niederlande, nach Frankreich, England und in die USA.
Im Zweiten Weltkrieg Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde Warlimont Stellvertretender Chef des WFA. Diese Dienststellung hatte er bis zu seiner Verabschiedung in die Führerreserve inne. Am 1. August 1940 wurde er zum Generalmajor ernannt. Er war an der geheimen Vorbereitung des Überfalls auf die Sowjetunion beteiligt, bekannt unter dem Decknamen Unternehmen Barbarossa. Ebenso unterzeichnete er den völkerrechtswidrigen und von Wilhelm Keitel genehmigten Kommissarbefehl,Paul R. Bartrop, Eve E. Grimm: The Holocaust: The Essential Reference Guide. ABC-CLIO, Santa Barbara 2022, ISBN 978-1-4408-7778-0, S. 192. infolge dessen zwischen Juni 1941 und Juni 1942 fast 4000 sowjetische Politoffiziere und Funktionäre ermordet wurden. Auch an der Erstellung des Kommandobefehls war er beteiligt.Jeffry M. Diefendorf, Axel Frohn, Hermann-Josef Rupieper: American Policy and the Reconstruction of West Germany, 1945-1955, Cambridge University Press, 1993, ISBN 978-0-521-43120-0, S. 446. mini|alternativtext=Grabmal in Gmund am Tegernsee|Grabmal in Gmund am Tegernsee Am 1. April 1942 wurde Warlimont zum Generalleutnant und im April 1944 zum General der Artillerie befördert. Er erlitt beim Attentat vom 20. Juli 1944 von Stauffenberg auf Adolf Hitler Verletzungen am Arm und (wie sich erst später herausstellte) eine Gehirnerschütterung. Nach einem Frontbesuch in Frankreich im August 1944 erkannte er wie Rommel, dass die Fortführung des Krieges aussichtslos war. Jodl, dem diese Meinungsänderung bekannt wurde, ließ daraufhin Material sammeln, das Warlimonts „Führerglauben“ in Zweifel ziehen sollte. Im September 1944 entzog ihm Hitler das Vertrauen und versetzte ihn in die Führerreserve des OKH.
Nach Zerschlagung des NS-Regimes Nach Kriegsende wurde er bis August 1945 im alliierten Kriegsgefangenenlager Camp Ashcan im luxemburgischen Bad Mondorf festgesetzt und danach nach Nürnberg überstellt. Als im November 1945 der Internationale Militärgerichtshof zusammentrat und den deutschen Generalstab als verbrecherische Organisation anklagte, hatte Warlimont mit drei weiteren hochrangigen Generälen, Erich von Manstein, Franz Halder und Siegfried Westphal bereits die Denkschrift der Generäle verfasst, die die Wehrmacht von jeder Schuld freisprechen sollte. In der Denkschrift wurde die Rolle von Oberkommando der Wehrmacht und Oberkommando des Heeres im Zweiten Weltkrieg verharmlost und beschönigt. Die Schutzbehauptungen der Denkschrift bildeten den Grundgedanken für die spätere Verteidigung führender Wehrmachtsoffiziere in Kriegsverbrecherprozessen und bestimmte trotz stichhaltiger und umfangreicher Gegenbeweise das Bild der sauberen Wehrmacht in der Öffentlichkeit.Wolfram Wette: Die Wehrmacht. Fischer 2002, ISBN 3-7632-5267-3, S. 206 f.Valerie Geneviève Hébert: Befehlsempfänger und Helden oder Verschwörer und Verbrecher? In: NMT: die Nürnberger Militärtribunale zwischen Geschichte, Gerechtigkeit und Rechtsschöpfung. Hrsg.: Priemel und Stiller, Hamburger Edition 2013, ISBN 978-3-86854-278-3, S. 274 f. Allein das Wirken Warlimonts im Vorfeld und während des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion zeigt den Wahrheitsgehalt dieser bewusst verfälschten Argumentation.
Ende Oktober 1948 wurde Warlimont im Nürnberger Prozess gegen das Oberkommando der Wehrmacht (Fall XII) zu lebenslanger Haft verurteilt – die dort verhängte Höchststrafe, die außer bei ihm nur noch Hermann Reinecke erhielt. Warlimont wurden im Prozess Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen nachgewiesen, die im Prozessverlauf vollauf bestätigt wurden. Im Mittelpunkt dabei standen die von ihm unter anderem im Mai 1941 vorgeschlagene „Tötung feindlicher Zivilpersonen“ durch Wehrmachtsangehörige, die im Juni 1941 angeordnete Vernichtung von „kriegsgefangene(n) russische(n) Kommissare(n)“, auch wie im Oktober 1942 im Kommandobefehl vorgeschlagen, „Angehörige gegnerischer Kommandounternehmen im Kampf oder auf der Flucht sofort zu töten“ alle Zitate Vgl. Prozessakten OKW-Prozess Nürnberg, Fall XII. vor dem amerikanischen Militärtribunal V vom 5. Februar bis 28. Oktober 1948, in: Staatsarchiv Nürnberg, Materialien des Nürnberger OKW-Prozesses, Repariert. 501, KV-Prozesse Fall 12 A-74-83, Fall 12 0-1-23, Fall 12-Q-1, Anklageschrift, Urteil, siehe auch: Institut für Zeitgeschichte München ZS 312 und weitere begangene Straftaten personell zugeordnet. Am 31. Januar 1951 wurde das Urteil, wegen des dringend von den USA angestrebten Bündnisses mit der BRD im Kalten Krieg, in 18 Jahre Haft umgewandelt. Aber schon im Juni 1954 konnte Warlimont das Kriegsverbrechergefängnis Landsberg verlassen.
In der Bundesrepublik Deutschland Im Jahr 1962 veröffentlichte Warlimont seine Kriegserinnerungen Im Hauptquartier der Deutschen Wehrmacht, 1939–1945: Grundlagen—Formen—Gestalten im Bernard & Graefe Verlag für Wehrwesen.James S. Beddie: The American Historical Review, Volume 69, Issue 1, October 1963, Pages 131–132, https://doi.org/10.1086/ahr/69.1.131 Doch darin findet sich keine Auseinandersetzung über die Ursachen oder die Täter dieses Krieges, wie er selbst, sondern er analysiert fast penibel Planungen und Abläufe deutscher Operationen. Auch über die verbrecherische Kriegsführung des "Hauptquartiers" schwieg er sich aus. Die einzige, sehr häufig wiederkehrende Kritik bei ihm bezieht sich auf Adolf Hitler, der alles an sich gerissen habe, keine andere Meinung gelten ließ und ohne dessen Befehle nichts erreichbar gewesen wäre. Walter Warlimont, Im Hauptquartier der Deutschen Wehrmacht, 1939–1945: Grundlagen—Formen—Gestalten. Frankfurt am Main: Bernard & Graefe Verlag für Wehrwesen, 1962, S. 46ff. Auch die folgenden Jahre blieb Warlimont weiterhin in der Öffentlichkeit präsent, als Publizist beispielsweise für den „Spiegel“ – oder als Zeitzeuge in filmischen Dokumentationen über das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944, ausgestrahlt im Ersten Deutschen Fernsehen. Zu keiner Zeit und in keinem der aufgezeichneten Dokumente erwähnte er seine persönliche Schuld, oder wie er selbst an verbrecherischen Befehlen mitgewirkt hatte Gerd R. Ueberschär (Hrsg.), Hitlers militärische Elite. 68 Lebensläufe, Theiss Verlag Darmstadt 2025, S. 545 und wie er in seiner Führungsposition im Krieg die nationalsozialistische Weltanschauung als Maßstab seines Handelns verstanden hatte. Beurteilung Walter Warlimont am 1. März 1944 durch seinen Dienstvorgesetzten Alfred Jodl, in: Personalakte Warlimont, Bundesarchiv Freiburg, Sign. BArch MA, Personen 6/387, fol. 50 Mehr noch sind viele seiner späteren Einlassungen außerordentlich fehlerhaft. So behauptete er, dass er 1944 KZ-Insassen für den Bau einer persönlichen Luftschutzanlage auf seinem Privatgrundstück eingesetzt habe, um sie zu retten. Auch stimmt es nicht, wie er vorgab, 1945 den kommandierenden General von Tegernsee bewogen zu haben, die Kämpfe einzustellen und den Ort zur Lazarettstadt zu erklären, um Schlimmeres zu verhüten. Notiz von Werner Knieper, Mitarbeiter der Rechtsanwaltskanzlei Paul Leverkühn vom 4. Februar 1947, und Schriftwechsel zwischen Warlimont und Knieper vom 3. März 1947, in: Bundesarchiv Koblenz, All. Prozent. 3 Leverkuehn 1, fol 9.
Warlimont starb am 9. Oktober 1976 in Kreuth am Tegernsee.
2015 veröffentlichte das Deutsche Historische Institut Moskau die Protokolle der Verhöre von Hermann Göring, Feldmarschall Wilhelm Keitel und dessen engsten Mitarbeitern, den Generälen Alfred Jodl und Warlimont im Juni 1945. Zwischen den Alliierten herrschte schon das Misstrauen des beginnenden Kalten Krieges. Die NKGB-Offiziere durften die von den Amerikanern in einem ehemaligen Luxushotel Internierten vernehmen. Die sowjetischen Offiziere sahen mit Befremden, dass die sonnengebräunten Internierten komfortabel untergebracht waren und dass sie ungehindert ihre Aussagen abstimmen konnten. Aus den Verhören ist bereits ihre Verteidigungsstrategie vor dem Internationalen Militärgerichtshof in Nürnberg erkennbar: Von Kriegsverbrechen hätten sie nichts gewusst, sie hätten nur Befehle befolgt, sie hätten sich mit ihren guten Absichten bei Adolf Hitler einfach nicht durchsetzen können, sie wären Gegner eines Krieges gegen die Sowjetunion gewesen.Einsicht 16 Bulletin des Fritz Bauer Instituts, September 2016
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