Das Gespenst von Canterville (englischer Originaltitel: The Canterville Ghost) ist eine US-amerikanische Filmkomödie von Jules Dassin aus dem Jahr 1944, mit Charles Laughton, Robert Young und Margaret O’Brien in den Hauptrollen. Der Film basiert sehr frei auf der Erzählung Das Gespenst von Canterville von Oscar Wilde, verlegt aber die Handlung in die Zeit des Zweiten Weltkrieges mit amerikanischen Soldaten.
Handlung Im Jahr 1634 geraten die Adeligen Anthony de Canterville und Sir Valentine Williams in Streit um eine Frau. Anthony wird zum Duell gefordert, doch da er am rechten Arm verletzt ist, bittet er seinen schöngeistigen Bruder Simon, das Duell zu übernehmen. Simon de Canterville ist einverstanden, flüchtet aber bei Beginn des Duells, weil statt des schmächtigen Sir Valentine ein hünenhafter Kämpfer als sein Duellgegner präsentiert wird. Er sucht im väterlichen Schloss Unterschlupf, doch Lord Canterville lässt seinen Sohn aus Scham über dessen Feigheit lebendig einmauern. Danach beginnt der Geist von Simon de Canterville, im Familienschloss sein Unwesen zu treiben.
Im Jahr 1943 ist die sechsjährige Waise Lady Jessica de Canterville Besitzerin des Schlosses, sie lebt dort mit ihrer Tante Mrs. Polverdine sowie einigen Hausangestellten. Im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg wird im Schloss eine Gruppe von United States Army Rangers stationiert, welche unter anderem beim Schutz der britischen Küste helfen sollen. Simon versucht, die ungebetenen Gäste – für ihn „Koloniebewohner“ – mit seinem Spuk zu vertreiben. Die zeigen sich aber auf die Dauer von dem Geist nur wenig beeindruckt. Simon verunsichert das, denn er ist als Geist – wie zuvor in seinem Leben – selbst eher ängstlich.
Lady Jessica stellt bei einem der amerikanischen Soldaten, Cuffy Williams, ein Muttermal an einer charakteristischen Stelle fest, wie es viele der Cantervilles haben. Er stellt sich tatsächlich als Nachfahre von Simons Bruder heraus. Gemeinsam mit Lady Jessica de Canterville kommt Cuffy mit dem Geist Simon ins Gespräch, der von dem Fluch berichtet, der auf ihm lastet: Dieser kann nur gebrochen werden, wenn ein Canterville unter Einsatz seines Lebens eine Heldentat im Andenken an Simon vollbringt. Leider gelten die Cantervilles als ausgesprochen feige und so wartet Simon schon seit über drei Jahrhunderten auf seine Erlösung. Nun setzt er seine Hoffnungen in Cuffy.
Doch auch Cuffy ist nicht gerade ein Held: Als er in ein Gefecht gerät, mit herumschwirrenden Kugeln und einem toten Kameraden neben sich, verfällt er auf einmal in einer Schockstarre. Ein anderer Soldat stößt ihn beiseite und übernimmt. Daraufhin beschließen seine Vorgesetzten, dass er die Rangers verlassen und zu seiner früheren, offenbar weniger im Kampf agierenden Einheit zurückversetzt werden soll. Cuffy bleibt zum Packen alleine im Schloss zurück.
Da sieht Lady Jessica einen Fallschirm im Wald landen. Cuffy und Jessica stellen fest, dass es sich um eine nicht explodierte feindliche Luftmine handelt, welche seine Truppe töten und das benachbarte Schloss zerstören könnte. Anfangs vor Furcht gelähmt, überwindet sich Cuffy unter Mithilfe von Sir Simon und Lady Jessica, die Bombe mit einem Jeep fortzuziehen. Kurz bevor die Bombe detoniert, gelingt Cuffy der Absprung vom Jeep, wodurch er sein Leben rettet. Seine Heldentat rettet auch das Leben seiner Kameraden und bricht den Fluch von Simon de Canterville, dessen Geist dadurch erlöst ist.
Produktionshintergrund Metro-Goldwyn-Mayer hatte bereits 1939 die Verfilmungsrechte an Oscar Wildes vielfach verfilmter Geschichte um den Geist von Canterville erworben. Die ursprüngliche Idee, einen Film mit Margaret Sullavan und James Stewart in den Hauptrollen zu drehen, materialisierte sich nie. 1943 wurde die Verfilmung schließlich aufgegriffen, allerdings mit einem gänzlich anderen Konzept und deutlich abweichend von Wildes Geschichte. Bei Wilde taucht Lady Jessica auch als Figur auf, aber nicht als Kind. Statt amerikanischen Soldaten ist es eine neureiche amerikanische Familie in der damaligen Gegenwart der 1880er-Jahre, die in Canterville einzieht. Der Film, gedreht zwischen August und Dezember 1943, hatte auch propagandistische Elemente: Der Kampf der Amerikaner und Briten gegen die Nazis angedeutet, ebenso, dass Briten und Amerikaner trotz vieler Unterschiede zusammenhalten sollten.
Ursprünglicher Regisseur war Norman Z. McLeod, der sich jedoch mit Charles Laughton in vielen Punkten uneinig war und nach fünf Wochen Drehzeit gefeuert wurde. Danach übernahm der junge französische Regisseur Jules Dassin.Higham, Charles (1976). Charles Laughton: An Intimate Biography, Doubleday, ISBN 0-385-09403-5. Im Vorspann wird ausschließlich Dassin als Regisseur benannt. Die Dreharbeiten fanden nicht in Großbritannien, sondern in der Umgebung von Los Angeles statt, unter anderem in den Busch Gardens.
Die Erstausstrahlung im deutschen Fernsehen war am 30. September 1973 um 14.55 Uhr im Ersten.
Synchronisation Die deutsche Synchronisation entstand im Jahr 1973. +RolleDarstellerSynchronsprecherSir Simon de CantervilleCharles LaughtonErik JeldeCuffy WilliamsRobert YoungEckart DuxJessica de CantervilleMargaret O’BrienEva MattesSergeant BensonWilliam GarganGünther SauerLord CantervilleReginald OwenWalter OfieraErzählerHans CossyMrs. UmneyUna O’ConnorAnnemarie WernickeMrs. Polverdine, Jessicas TanteElisabeth RisdonAnnemarie SchradiekLieutenant KaneFrank FaylenErich EbertAnthony de CantervillePeter LawfordEdwin NoëlBugsyMarc CramerFred KlausButlerBrandon HurstPaul BürksEddieBobby ReadickJürgen ClausenJordanWilliam TannenManfred Schott
Kritiken Für Bosley Crowther in der New York Times vom 29. Juli 1944 hat der Film „seine Höhen und Tiefen“: „Gut die Hälfte dieser Fabel ist bezaubernd fantastisch und spielt auf entzückend freche Weise mit dem Übernatürlichen.“ Crowther lobt Laughtons Leistung sehr und seine „lebhafte und skurrile Darstellung von feiger Überheblichkeit in einem überladenen Kostüm“. Weniger fantastisch und etwas künstlich wirkend seien jedoch die Szenen, wenn es darum gehe, wie der Geist von Sir Simon befreit werden könne. Robert Young sei einnehmend, sofern das Drehbuch ihm das erlaube, während Margaret O’Brien „kindliche Süße“ ausstrahle. Unter den Nebendarstellern rage Rags Ragland mit einer komischen Darstellung heraus.
Das Lexikon des internationalen Films urteilte: „Eine ironische Verulkung des angelsächsischen Adelsstolzes, stellenweise amüsant, doch ohne Atmosphäre. Für eine Gespenstergeschichte zu grob und realistisch, im Dialog voller fragwürdiger ‚Lebensweisheiten‘.“ Positiver gestimmt ist die Redaktion von Prisma: Es handele sich um einen „wunderbaren Gruselspaß“, der trotz mehrerer weiterer Verfilmungen der Wilde-Geschichte „bis heute unerreicht“ bleibe. Charles Laughton liefere als Geist „eine seiner Glanzleistungen“ und die ironische Betrachtung des Adels sorge „für nette Späße“.
Bei Rotten Tomatoes fallen sechs der sieben gelisteten Filmkritiken positiv aus (Stand 2026).
Literatur Oscar Wilde: Das Gespenst von Canterville. Erzählung (Originaltitel: The Canterville Ghost). Mit Illustrationen von Oski. Deutsch von Franz Blei. Insel-Verlag, Frankfurt am Main 1995, 88 S., ISBN 3-458-32044-X
Weblinks
Einzelnachweise
Kategorie:Filmtitel 1944 Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Filmkomödie Kategorie:Fantasyfilm Kategorie:Oscar-Wilde-Verfilmung Kategorie:Geisterfilm Kategorie:Jules Dassin