Der Kia Rio ist ein seit Herbst 1999 produzierter Kleinwagen des südkoreanischen Herstellers Kia Motors, der in Deutschland im Spätsommer 2000 eingeführt wurde.
Im Sommer 2005 erhielt das Fahrzeug einen Nachfolger, der nicht mehr als kombiartiger Fünftürer, sondern als gewöhnlicher Kleinwagen mit Steilheck und alternativ auch weiterhin mit Stufenheck (vor allem für Osteuropa) angeboten wird und seitdem auch auf dem westeuropäischen Markt direkt mit Modellen wie dem VW Polo oder dem Opel Corsa konkurriert.
Ab Herbst 2011 war die dritte Generation des Rio erhältlich. Ein Facelift des Kia Rio UB war ab Januar 2015 erhältlich. Die vierte Generation kam am 11. Februar 2017 zu den Händlern. Im Frühjahr 2023 wurde die Baureihe in Europa vom Markt genommen.
In China wurde das Fahrzeug ab der dritten Generation leicht verändert als Kia K2 verkauft.Kia K2: Chinesischer Ableger des Rio
Rio (Typ DC, 1999–2005)
mini|In Ecuador wird der Rio Stufenheck bis heute produziert
Die erste Generation wurde ab dem 6. November 1999 in Südkorea angeboten. Der Verkauf in Europa startete im August 2000 und beschränkte sich zunächst auf die Schräghecklimousine. Der Wagen wurde vom Hersteller zwar so bezeichnet, ist aber eher ein kleiner Kombi wie beispielsweise der Škoda Fabia Combi.
Mitte 2001 folgte auch in Europa die Stufenhecklimousine, die jedoch hauptsächlich auf anderen Märkten verkauft wurde und sich nur ein Jahr im deutschen Angebot hielt.
Geschichte Der Ursprung des Rio ist der Pride. Er wurde von Mazda 1986 auf Wunsch seines damaligen Großaktionärs Ford entwickelt und seitdem auch von Kia produziert, an denen Mazda seinerseits ab 1984 acht Prozent Anteile hielt.Beziehungen zwischen Ford/Mazda/KiaAnteile der Autofirmen am Mazda 121/Kia Pride/Ford FestivaBeziehungen zwischen Ford/Mazda/Kia und Vertrag zur Pride-Produktion Kia diente dabei in erster Linie zur Bereitstellung flexibel verfügbarer Fertigungskapazitäten und belieferte mit seiner Produktion Südkorea und Nordamerika, ab seiner Europaexpansion 1991 auch Deutschland. Kia Pride und Mazda 121 stammten immer aus den Fabriken ihrer namentlichen Hersteller, „Ford Festivas“ wurden indes von beiden, nie jedoch von Ford selbst hergestellt.
Der Ford-Designer Toshi Saito entwarf in Hiroshima den Nachfolger, der den Rio bereits erahnen ließ und ausschließlich von Kia gefertigt wurde – namentlich als Ford Aspire und Kia Avella sowie in Limousinenform als Kia Delta. Die technische Weiterentwicklung besorgte indes Mazda, dessen überarbeiteter 121 („the bubble“) dadurch in Bodengruppe, Mechanik und Teilen der Karosserie baugleich ist. Der Aspire wurde in Europa jedoch übersprungen, sodass der Rio hier direkt auf den Kia Pride folgte.
Ford wollte die Plattform des Rio für den Nachfolger des Aspire nutzen, was aber vom neuen Kia-Besitzer Hyundai im Jahr 1999 abgewiesen wurde.
Produziert wurde der Rio an Kias erstem Automobilstandort, der hierfür ein zweites Werk erhielt. Im 1973 fertiggestellten, ersten Werk produziert er den Carnival. Sohari ermöglichte dem Hersteller auch die Aufnahme der Ottomotor-Produktion, um im Gegensatz zum später übernommenen Asia Motors dieses aufwendige Bauteil nicht vorgefertigt importieren zu müssen.Produktionsgeschichte von Kia MotorsSatellitenbild des Sohari-Werks Parallel zur Produktionsaufnahme des Rio wurde 1999 auch ein Vertrag zur Teilemontage durch AYMESA in Ecuador unterzeichnet. Bis zur Modellpflege 2002 wurden so für Lateinamerika beide Karosserieformen, seitdem nur noch der Stufenheck-Bausatz geliefert und vor Ort montiert. Auch die iranische SAIPA erhält diesen Bausatz seit 2005. Er enthält keine Airbags, aber ein MP3-Radio, eine Klimaanlage und elektrische Fensterheber sowie Funk-Fernbedienung. (PDF; 2,4 MB) Eine Produktion im chinesischen Joint-Venture Dongfeng Yueda Kia Motors war für 2001 vorgesehen, wurde aber zugunsten des Hyundai-Accent-Nachbaus Kia Qianlima auf die zweite Rio-Generation verschoben.Bilder des DYK Qianlima
Modellpflege Im Oktober 2002 erhielt der Rio ein Facelift, was Änderungen von Front und Heck, ein verbessertes Fahrwerk sowie bessere Sitze beinhaltete. Die orangefarbenen Blinkerabdeckungen der Scheinwerfer wurden im Oktober 2003 durch weiße ersetzt.
Design und Ausstattung Nachdem der Kia Avella in jedem seiner Baujahre kleine Änderungen in Ausstattung und Optik erfahren hatte, ging er Ende 1999 mit einer umfassenden Modellpflege in den Rio über. Am deutlichsten ist der Wandel außen. Min-Ho Gho gab dem Fahrzeug ein sehr eigenständiges Design, innen wandelte Sae-Young Son den sephia-ähnlichen Schwung zu kantiger Übersichtlichkeit, die Anordnung aller Elemente wurde jedoch beibehalten.Details zum Rio DC nach ModellpflegeInnendesign Kia Avella/Ford AspireInnendesign Rio I nach der Modellpflege Er war zwischenzeitlich auch für den zweiten Sorento zuständig.
Die Geräuschkulisse wird von Motorgeräuschen bestimmt, Klappern und Quietschen seien hingegen ab Werk minimal.Innenraumgeräusche des Rio I Mit der Modellpflege wuchs die Spritzwanddämmung auf sieben Lagen, der Dachhimmel wurde „großzügig“ ausgeschäumt, die Motoren besser entkoppelt und ihr Ansaugtrakt geräuschminimiert.Geräuschminderungen zur Rio I Modellpflege Der ADAC befand das Ergebnis zufriedenstellend bis 130 km/h.Innenraumgeräusche des Rio I nach Modellpflege (PDF; 133 kB) Unüblich, aber kostenschonend ist die Verwendung derselben Übersetzung und damit Getriebe für beide Motoren. Daher sinkt mit dem größeren Motor bei gleicher Geschwindigkeit nicht die Drehzahl (siehe auch Motoren).
Komfortseitig war für jede Ausstattung eine Klimaanlage erhältlich, aber nie serienmäßig. Ausnahme bildete das einzige Sondermodell „Ipanema“, das zudem Tieferlegung, 16-Zoll-Alufelgen, Sportendschalldämpfer und Sitzbezüge mit „Ipanema“-Schriftzug umfasste. Verkauft wurde es nur 2002 bis zur Modellpflege.
Mit dieser wurden die Motoren, das Fahrwerk, sowie Innenraummaterialien und Sitze verbessert. Letztere waren identisch zum gleichzeitig überarbeiteten Hyundai Accent und erhielten so eine Lendenwirbelstütze, wurden höhen- und neigungsverstellbar und von einer klappbaren Fahrerarmlehne ergänzt. Ihre Polsterung wurde üppiger und straffer.Preishit ab 10.990 Euro. In: Auto Bild, 10. Oktober 2002. Gegenüber dem Accent hatte der Rio weder Funkfernbedienung noch Bordcomputer oder Dieselmotor, dafür ab der Modellpflege eine unter den Vordersitzen geführte Fondheizung.Ausstattung zur Rio I Modellpflege
Die Rückbank ist außer im Stufenheck geteilt umklappbar, das Beladungsvolumen von 449 bis 1277 Liter darf ausstattungsabhängig zwischen 300 und 364 Kilogramm wiegen, vor der Modellpflege waren es durch weniger Dämm-Material 30 Kilogramm mehr. Das Stufenheck transportiert bis zu 428 Kilogramm. Bei diesem Klassenbestwert sind wie bei allen Zuladungswerten die Passagiere mitzuzählen. Die Ladekante des Kofferraums gehört mit 65 cm zu den niedrigsten.Die kleinen Raumkünstler. In: Auto Bild, 26. Februar 2002.
Fahrwerk Der Rio hat das unveränderte Fahrwerk seines Vorgängers, wiegt nun aber 100 bis 200 kg mehr. Die MacPherson-Vorder- und Verbundlenker-Hinterachse führen wie beim Avella zu einem sicheren, vorhersagbaren Kurvenverhalten, durch die frontlastige Gewichtsverteilung bleibt es untersteuernd. Die Federung gilt als weich, aber direkt bei der Meldung von Unebenheiten.Golf zum Schnupperkurs. In: Auto Bild, 19. Februar 2002.
Mit der Modellpflege im Oktober 2002 wurde der Bodenbereich versteift, die Stabilisatoren rundum verstärkt, die 13- gegen 14-Zoll-Räder getauscht und die Lenkung direkter. Der Wendekreis hat 9,5 Meter Durchmesser.
Sicherheit Sicherheitsseitig waren in Deutschland zwei Front- und zwei optionale Seitenairbags (ab 2003 Serie), ABS mit Bremskraftverteilung und ab der Modellpflege Gurtkraftbegrenzer für die Vordersitze enthalten.. Die Kopfstützen aller fünf Sitze sind höhenverstellbar, eine Isofix-Vorrichtung fehlt jedoch.
Der Bremsweg verkürzte sich mit der Modellpflege, blieb aber länger als bei den Klassenbesten. Die Spurtreue ist durch die ausgewogene Bremskraftverteilung gut bewertet worden.Einmal Rio – alles inklusive. In: Auto Bild, 21. Januar 2003.Bremsweg und ABS nach Modellpflege (PDF; 133 kB) Ein europäischer Crashtest wurde für den Rio nicht durchgeführt, der amerikanische NCAP-Test bewertete ihn mit vier Sternen. Dieses Ergebnis erreichte jedoch schon sein Vorgänger.US-NCAP-Test Kia Rio IUS-NCAP-Test Kia Avella
Zuverlässigkeit Der TÜV fand in seinen Hauptuntersuchungen beim Rio DC häufiger Mängel als bei anderen Fahrzeugen gleichen Baujahrs.TÜV-Autoreport für den Rio I Hauptsächlich bemängelt wurden die Bremse, deren Verschleißteile relativ häufig getauscht werden müssen, sowie die Stoßdämpfer, im Besonderen die der Hinterachse. Insgesamt sieht der TÜV den Rio DC aber „im grünen Bereich“.TÜV-Detailreport für den Rio I Der amerikanische JD Power-Report kommt zu einem vergleichbaren Ergebnis.JD Power Report für den Rio I Er umfasst alle Elemente eines Fahrzeugs, der TÜV widmet sich nur der Fahrsicherheit, jedoch weder Fensterhebern noch Klimaanlage oder anderer Elektronik. Die TÜV-Liste enthält dafür auch ältere Fahrzeuge, der JD Power-Report fragt nur einmal, nach drei Jahren, die Käufer nach Ausfällen. Drei Jahre nach Produktionsbeginn veröffentlichte Popular Mechanics eine Fahrerbefragung, sie reflektiert demnach die Baujahre 2000 bis 2002. Sechzig Prozent der Besitzer meldeten keinerlei Mängel, der am häufigsten genannte Fehler war das leuchtende Motorwarnsymbol, das Automatikfahrzeuge betraf und mittels revidiertem Steuergerät behoben wurde. Nächsthäufig waren leuchtende Airbagwarnlampen und Beschwerden zu Bremsgeräusch und Innenraumgeruch sowie Kühlwasserverluste. Diese Punkte nannten drei bis vier Prozent der Fahrer.Popular Mechanics Umfrage zum Rio I der Baujahre 2000 bis 2003 In Foren berichten einzelne Fahrer von einer undichten Schweißnaht zwischen Dach und Heckklappe, durch die Wasser eindringt. Ein Abdichten mit Silikon habe dies behoben.Bericht zu undichter Heckklappe des Rio I Mehr Fahrer berichten von vorzeitig abgenutzten Radlagern, die ein mahlendes oder schleifendes Geräusch verursachen. Ursache wäre eine zu geringe Schmierung ab Werk. Bei der Installation neuer Lager empfehlen manche Fahrer markeneigene Werkstätten, da ein ordnungsgemäßer Tausch spezielle Werkzeuge erfordere, die markenfremden Mechanikern nicht zur Verfügung stünden. Ein Verschleiß wiederhole sich dann binnen Wochen.Ursache defekter und Installationsproblem neuer Radlager im Rio I Andere Fahrer sehen die Ursache in einer ab Werk falsch installierten vorderen Radaufhängung in den betroffenen Fahrzeugen. Dies belaste die Lager. Für eine dauerhafte Reparatur empfehlen sie einen Austausch der Aufhängung, nach dem das Problem für sie behoben war.Empfehlung des Austauschs der Radaufhängung im Rio IEmpfehlung des Austauschs der Radaufhängung im Rio I
Motoren mini|Der Mazda B6D mit 1,6 l Hubraum. Nur außerhalb Deutschlands war er auch im Kia Rio zu haben