Oppenweiler (1938 bis 1942 Reichenberg) ist eine baden-württembergische Gemeinde im Rems-Murr-Kreis, rund 25 Kilometer nordöstlich der Landeshauptstadt Stuttgart an der Murr gelegen. Sie gehört zur Region Stuttgart (bis 1992 Region Mittlerer Neckar) und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.
Geographie Geographische Lage
Oppenweiler hat Anteil an den Naturräumen Schwäbisch-Fränkische Waldberge und Neckarbecken.Naturräume Baden-Württembergs. Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg, Stuttgart 2009 Der Hauptort liegt im Murrtal. Oppenweiler ist Mitgliedsgemeinde im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald sowie im Wasserverband Murrtal, dessen Aufgabe der Hochwasserschutz ist.Wasserverband Murrtal auf www.murrhardt.de
Gemeindegliederung mini|links|Burg Reichenberg Zur Gemeinde Oppenweiler gehören neben den nahegelegenen Ortsteilen Reichenberg, Ellenweiler, Rüflensmühle, Reichenbach, Aichelbach, Zell, Rohrbach, Schiffrain, Wilhelmsheim, Unterstaigacker auch das abgelegene Bernhalden im Lautertal. Der ehemalige Ortsteil Dauernberg, noch weiter entfernt als Bernhalden auf dem Höhenzug jenseits des Lautertals gelegen, wurde Ende 1976 im Zuge der Gemeindereform vom Ministerium entgegen einer Abstimmung kurzfristig nach Spiegelberg umgegliedert; diese sei „aus Gründen des öffentlichen Wohls erforderlich gewesen, da die sozio-ökonomischen Verflechtungen und die topografische Lage des Ortsteils dies erfordern“.https://www.bkz.de/nachrichten/der-verzweifelte-kampf-um-struempfelbach-115835.html
Der größte Ortsteil ist Aichelbach, wo sich auch Oppenweilers derzeit größtes Neubaugebiet – das Neufeld östlich der Bahnlinie – befindet.
Der Ortsteil Schiffrain mit der dort gelegenen Fachklinik Wilhelmsheim für Suchtkranke bietet dank seiner etwa 400 m hohen Lage einen schönen Ausblick auf Ort und Burg Reichenberg sowie auf die Backnanger Bucht, Winnenden, Waiblingen und Stuttgart.
Wüstungen In der Nähe von Oppenweiler befand sich der 1245 erwähnte Ort Giselmar, von dem sich ansonsten keine Nachrichten erhalten haben.
Im 19. Jahrhundert gab es noch die Einzelsiedlung Charlottenhof nordwestlich auf der so genannten Charlottenhöhe über dem namengebenden Ort, der aber seit Mitte des 19. Jahrhunderts wüst liegt. Die Flurnamen Bad und Badwiesen weisen auf ein abgegangenes Bad hin, von dem sich keine Reste erhalten haben.
Flächenaufteilung
Nach Daten des Statistischen Landesamtes, Stand 2014.Statistisches Landesamt, Fläche seit 1988 nach tatsächlicher Nutzung für Oppenweiler.
Geschichte Frühe Geschichte mini|Oppenweiler von Andreas Kieser (Ende des 17. Jahrhunderts) Aufgrund der Ortsnamen und der geschichtlichen Zusammenhänge nimmt man an, dass Oppenweiler und die umliegenden Orte in karolingischer Zeit entstanden sind. Die erste Erwähnung Oppenweilers datiert auf das Jahr 1114. Im 12. Jahrhundert erwarben die Markgrafen von Baden Oppenweiler aus speyrischem oder kaiserlichem Besitz. Die 1230 erbaute, die Gemeinde überragende Burg Reichenberg bestimmte als Sitz von Verwaltung und Gerichtsbarkeit jahrhundertelang auch die Geschichte Oppenweilers. Die Ortsherrschaft lag bei den 1293 erstmals in Oppenweiler nachgewiesenen Herren Sturmfeder von Oppenweiler, die zunächst in badischen, ab dem 14. Jahrhundert in württembergischen Diensten standen, nachdem Württemberg sukzessive badischen Besitz um Oppenweiler erworben hatte. Als württembergisches Lehen der zur freien Reichsritterschaft zählenden Herren Sturmfeder zählte Oppenweiler nicht direkt zum württembergischen Staat, sondern zum Ritterkanton Kocher, dem die Sturmfeder angehörten. Die mittelalterliche Burg Oppenweiler wurde 1782 abgetragen, die überlieferte Burg Oppenweiler II ist nicht auffindbar.
Verwaltungsgeschichte Mit der Mediatisierung der Reichsritterschaft aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses fiel Oppenweiler an das Königreich Württemberg, wo es ab 1806 zum Oberamt Backnang gehörte. Von 1938 bis 1972 war Oppenweiler dem Landkreis Backnang zugeordnet. Nach 1945 waren die Gemeinde beim Land Württemberg-Baden in der Amerikanischen Besatzungszone und seit 1952 beim neuen Bundesland Baden-Württemberg. Seit der Kreisreform 1973 gehört die Gemeinde zum Rems-Murr-Kreis.
Eingemeindungen mini|Luftbild von 1985 Im Jahre 1938 wurde die Gemeinde Oppenweiler der größeren und älteren Gemeinde Reichenberg angegliedert. Die Verwechslungsgefahr mit anderen Orten namens Reichenberg im damaligen Deutschen Reich bzw. Reichsbahn-Streckennetz stieg im Herbst 1938, als nach dem Münchner Abkommen das Sudetenland annektiert wurde, zu dessen Hauptstadt 1939 die Stadt Reichenberg (tschech.: Liberec) bestimmt wurde. Der Bahnhof wurde daher Reichenberg (Württ) genannt. Zur Vereinfachung wurde auf Weisung des württembergischen NS-Reichsstatthalters Wilhelm Murr vom 29. Juni 1942 der Name der württembergischen Gemeinde Reichenberg in Oppenweiler geändert. Der Bahnhof heißt seither Oppenweiler (Württ).
Obwohl im Vorfeld der Kommunalreform 1971https://www.sgos.de/verein/berichte/heute-vor-50-jahren_602 der gemeinsame Fußballverein „SG Oppenweiler-Strümpfelbach“ gegründet worden war, und im selben Jahr Oppenweiler die Königsberger Straßehttps://www.bkz.de/nachrichten/der-verzweifelte-kampf-um-struempfelbach-115835.html als zukünftige Verbindungsstraße zweier Ortsteile großzügig breit plante und baute, schloss sich in der Reform das benachbarte Strümpfelbach an die Stadt Backnang an. Oppenweiler verlor sogar noch einen Ortsteil, denn Ende 1976 wurde Dauernberg durch das Ministerium zum näher gelegenen Spiegelberg umgegliedert, während Bernhalden bei Oppenweiler blieb.
Einwohnerentwicklung Es handelt sich um Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Die Zahlen sind Volkszählungsergebnisse (¹), amtliche Fortschreibungen des Statistischen Landesamtes Baden-Württemberghttps://www.statistischebibliothek.de/mir/receive/BWSerie_mods_00000021 (nur Hauptwohnsitze) oder Angabehttps://www.oppenweiler.de/oppenweiler/daten-infrastruktur der Gemeinde. Jahr Einwohner 1. Dezember 1871 ¹ 1710 1. Dezember 1880 ¹ 1750 1. Dezember 1890 ¹ 1674 1. Dezember 1900 ¹ 1687 1. Dezember 1910 ¹ 1834 16. Juni 1925 ¹ 1604 16. Juni 1933 ¹ 1643 17. Mai 1939 ¹ 1832 13. September 1950 ¹ 2486 6. Juni 1961 ¹ 3056 Jahr Einwohner 27. Mai 1970 ¹ 3487 31. Dezember 1980 3518 25. Mai 1987 ¹ 3720 31. Dezember 1990 3832 31. Dezember 1995 4021 31. Dezember 2000 4196 31. Dezember 2005 4310 31. Dezember 2010 4103 31. Dezember 2015 4161 31. Dezember 2023 4273
Religionen Die Jakobus-Kirche in Oppenweiler wurde erstmals 1468 erwähnt, sie gehörte der Sturmfederschen Familie. In der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts wurde der Ort im Zuge der Reformation in Württemberg evangelisch-lutherisch, während die Herren Sturmfeder dem päpstlichen Glauben treu blieben. So gab es bis in das 19. Jahrhundert hinein religiöse Auseinandersetzungen. Bis 1806 fanden katholische Gottesdienste nur im privaten Rahmen in der Sturmfeder’schen Schlosskapelle statt. Die Katholiken bildeten eine Minderheit. Den 1867 über 1500 Protestanten in den Gemeinden Reichenberg und Oppenweiler standen nur gut 100 Katholiken gegenüber.vgl. Einwohnerzahlen 1867 (Oberamt Backnang) Dies änderte sich durch Ankunft von Vertriebenen nach dem Zweiten Weltkrieg, die aus dem einstigen Österreich-Ungarn stammen. Ende der 1960er Jahre entstand mit St. Stephanus eine neue katholische Kirche im Stile des Brutalismus.
Heute bestehen in Oppenweiler je ein Pfarramt der evangelischen, der römisch-katholischen, der neuapostolischen und der evangelisch-methodistischen Kirche.
Politik Schultheißen und Bürgermeister 1877: MoltKöniglich Statistisch-topographisches Bureau (Hrsg.): Hof- und Staatshandbuch des Königreichs Württemberg. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1877, S. 320. 1948 bis 1978: Karl Julius Zehender 1978 bis Februar 2010: Bernd Brischke März 2010 bis Juni 2014: Steffen Jäger 1. Juli 2014 bis 31. Oktober 2017: Sascha Reber 1. November 2017 bis 28. Februar 2018: Wilfried Klenk (kommissarisch) 1. März 2018 bis 28. Februar 2026: Bernhard Bühler seit 1. März 2026: Gabriel Nold
Gemeinderat Der Gemeinderat in Oppenweiler hat 15https://oppenweiler.ris-portal.de/personen Mitglieder, mit Bürgermeister als stimmberechtigten Vorsitzendem sowie 14 gewählten ehrenamtlichen Gemeinderäten. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem Endergebnis:
Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FGLFreie Gemeindeliste Oppenweiler55,7857,98FWVFreie WählerVereinigung Oppenweilerhttps://www.gemeinderatswahl-oppenweiler.de/44,3642,16gesamt100,014100,014Wahlbeteiligung67,8 %65,5 %
Wappen Das Wappen von Oppenweiler entspricht, aufgrund der geschichtlichen Verbundenheit, dem von Baden, d. h. gelbes Schild mit rotem Schrägrechtsbalken, aber zusätzlich mit drei Streitäxten, das Zeichen derer von Sturmfeder.
Städtepartnerschaften Dornburg/Saale. Diese Gemeinde stiftete 1997 ein Paar Pfauen, die wie in den Dornburger Schlössern freilaufend im Schlosspark gehalten werden sollten. Da Pfauen mehrmals auf Bundesstraße und Hausdächer gelangten, und auch mit lauten, durchdringenden Schreien für Ungemach sorgen, wurden sie in einer kleinen Voliere im Schlosspark untergebracht. Nach dem natürlichen Tod des ursprünglichen Paares wurden ab Sommer 2009 mehrmals Nachfolger eingebracht. 2019 kamen vom Karlsruher Zoo zwei Hennen nach Oppenweiler, die nach kurzer Zeit für Nachwuchs gesorgt haben. Da Pfauen durch Waschbären und Küken durch Ratten getötet wurden, wurde im Sommer 2024 die Haltung eingestellt und die Voliere abgebaut.
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Bauwerke mini|Das achteckige Rathaus auf einer Insel im Schlosspark-See ist das ehemalige Wasserschloss Oppenweiler. Überragt wird Oppenweiler (und das Murrtal) von der Burg Reichenberg. Die evangelische Jakobuskirche stammt im Wesentlichen aus den 1510er Jahren. Auf einer künstlichen Insel im Schlosspark-See wurde 1782 von den Freiherren von Sturmfeder das achteckige Wasserschloss Oppenweiler erbaut. Das Gebäude wurde im Zuge der Gemeindefusion 1939 samt dem Schlossgarten erworben und dient seither als Rathaus.
Parks Der Schlossgarten wurde vom selben Gartengestalter geplant wie der Englische Garten in München, dem Schwetzinger Hofgärtner Friedrich Ludwig Sckell.
Naturdenkmäler Die Friedenslinde am südlichen Ortseingang erinnert samt einem Gedenkstein an den Frankreichfeldzug von 1870/71. Ein weiteres Denkmal war „Buch-Eich“, zwei zusammengewachsene Bäume an der Hohen Straße, die vor Jahrzehnten durch einen Blitzeinschlag gefällt und anschließend durch angepflanzte Bäume ersetzt wurden.
Baumdenkmal Das Baumdenkmal für die Deutsche Einheit in der Spitzenklinge in Oppenweiler-Aichelbach, östlich vom Spielplatz wurde am 25. April 2014, dem Tag des Baumes, gepflanzt.(red.): Baumpflanzung am Tag des Baumes 2014. In: Internet-Seite SDW Rems-Murr, November 2014.
Sport Der TV Oppenweiler konzentriert sich auf Handball und Turnen. Auf die Einrichtung einer Fußballabteilung wurde verzichtet, der Sportplatz in der Ortsmitte nur für Feldhandball genutzt. Zur Ergänzung wurde in den 1970er Jahren die SG Oppenweiler-Strümpfelbach gegründet, die seit den 1980er Jahren auch Tennis anbietet. Der Verein nutzt die in den 1970er Jahren eingerichteten Sportstätten im Rohrbachtal, die TVO-Handballer sind in der 1985 durch einen Neubau ersetzten Gemeindehalle aktiv. Heute firmieren die Handballer als Handballclub Oppenweiler-Backnang und spielen in der 2. Handball-Bundesliga (Herren 1).