Der Steinquendel-Ehrenpreis (Veronica acinifolia), auch als Drüsenreicher Ehrenpreis oder Kölme-Ehrenpreis bezeichnet, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Ehrenpreis (Veronica) innerhalb der Familie der Wegerichgewächse (Plantaginaceae).

Beschreibung Vegetative Merkmale Der Steinquendel-Ehrenpreis wächst als einjährige, krautige Pflanze, die meist nur Wuchshöhen von 5 bis 25 Zentimetern erreicht. Sie besitzt am Grunde meist mehrere, bogig aufwärts gekrümmte Seitensprosse. Der aufrechte Stängel ist im unteren Teil fast kahl, sonst spärlich flaumig drüsig behaart.

Die gegenständig angeordneten Laubblätter sind in kurzen Blattstiel und Blattspreite gegliedert. Die einfache Blattspreite ist eiförmig bis rundlich mit gerundetem oder schwach keilförmigem Spreitengrund. Sie sind undeutlich gesägt bis ganzrandig oder schwach gekerbt. Die unteren Laubblätter sind fast kahl und die oberen spärlich flaumig drüsig behaart sowie ganzrandig.

Generative Merkmale Die Blütezeit liegt vorwiegend in den Monaten April bis Juni. Die Blüten stehen in lockeren, später sehr verlängerten, traubigen Blütenständen zusammen. Die Blütenstiele sind etwa ein- bis zweimal so lang wie ihre Deckblätter.

Die relativ kleinen, zwittrigen Blüten besitzen eine doppelte Blütenhülle. Die Blütenkrone ist blassblau und dunkler (gestreift) geadert und besitzt einen gelblichen Schlund.

Der Fruchtstiel ist zwei- bis dreimal so lang wie der Blütenkelch. Die sehr tief spitzwinklig ausgerandete, stark abgeflachte Kapselfrucht ist so lang wie die Kelchblätter, überragt diese aber etwas und ist reichlich drüsig behaart.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 14 oder 16.

Vorkommen Veronica acinifolia ist in West-, Süd- und Südosteuropa sowie in Asien von der Türkei bis Xinjiang verbreitet. In Europa hat sie Vorkommen in Spanien, Deutschland, Italien, Schweiz, in Österreich (Steiermark), in der früheren Tschechoslowakei, im früheren Jugoslawien, in Ungarn, Albanien, Griechenland, Bulgarien, Rumänien, auf der Krim und in der Türkei. In Belgien ist Veronica acinifolia ausgestorben. Veronica acinifolia kommt in Mitteleuropa sehr selten vor.

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist Veronica acinifolia sehr selten und im gesamten Gebiet „vom Aussterben bedroht“. Vorkommen in Deutschland gab es vor allem im südwestlichen Gebiet, wovon die meisten jedoch inzwischen erloschen sind. In der Schweiz ist Veronica acinifolia „vom Aussterben bedroht“.

Der Steinquendel-Ehrenpreis wächst in Kleinseggengesellschaften und auf Äckern. Er gedeiht am besten auf feuchten bis nassen, kalkfreien, meist etwas dichten, tonigen und sandigen Lehmböden. Er ist in Mitteleuropa eine Charakterart des Centunculo-Anthoceretum aus dem Verband Nanocyperion. Die ökologischen Zeigerwerte nach Landolt et al. 2010 sind in der Schweiz: Feuchtezahl F = 4w+ (sehr feucht aber stark wechselnd), Lichtzahl L = 4 (hell), Reaktionszahl R = 2 (sauer), Temperaturzahl T = 4+ (warm-kollin), Nährstoffzahl N = 2 (nährstoffarm), Kontinentalitätszahl K = 2 (subozeanisch).

Taxonomie Die Erstveröffentlichung von Veronica acinifolia erfolgte 1762 durch Carl von Linné in Species Plantarum 2. Auflage, Band 1, Seite 19. Synonyme für Veronica acinifolia sind: Veronica perpusilla , Veronica nudicaulis , Veronica pusilla , Agerella acinifolia , Cardia orbicularis , Veronica ciliata , Veronica coniosperma , Veronica hirsuta

Literatur

Einzelnachweise Michael Koltzenburg: Veronica. In: Schmeil-Fitschen: Die Flora Deutschlands und angrenzender Länder. 98. Auflage, Verlag Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2024, ISBN 978-3-494-01943-7. S. 671.

Weblinks

Thomas Meyer: Ehrenpreis Datenblatt mit Bestimmungsschlüssel und Fotos bei Flora-de: Flora von Deutschland (alter Name der Webseite: Blumen in Schwaben).

Kategorie:Ehrenpreis