Das Abkommen von Varkiza () wurde am 12. Februar 1945 zwischen der damaligen griechischen Regierung unter Ministerpräsident Nikolaos Plastiras und der im Zweiten Weltkrieg gegen die Besatzungsmächte Italien, Deutschland und Bulgarien gegründeten Widerstandsorganisation EAM (Ethniko Apeleftherotiko Metopo, ; siehe unter ELAS) im Athener Küstenvorort Varkiza unterzeichnet. In den Tagen zuvor hatten Franklin D. Roosevelt (USA), Winston Churchill (Vereinigtes Königreich) und Josef Stalin (UdSSR) auf der Konferenz von Jalta über die Machtverteilung in Europa nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verhandelt.

Geschichte Die Verhandlungen dauerten 10 Tage und mündeten am 12. Februar im neun Artikel umfassenden Abkommen von Varkiza.

Die eher konservative (rechtsgerichtete) griechische Regierung und die linksgerichtete (vorwiegend kommunistische) EAM einigten sich auf einen Waffenstillstand nach den bewaffneten Auseinandersetzungen in der Schlacht um Athen im Dezember 1944 (Dekemvriana). Die Unterzeichner vereinbarten auch eine Entwaffnung der ELAS (Ethnikos Laikos Apeleftherotikos Stratos, , nationale Volksbefreiungsarmee; militärischer Teil der EAM), eine Amnestie für alle politischen Gefangenen und Straftaten sowie eine baldige freie Parlamentswahl.

Die Tatsache, dass der Wortlaut des Abkommens von Varkiza in einer Zeitung der Regierung veröffentlicht wurde und damit Rechtskraft erlangte, unterstrich dessen große Bedeutung für die Wiederherstellung des Friedens. Jedoch widersetzte sich Aris Velouchiotis der Unterzeichnung des Abkommens und hielt sich nicht an die Beschlüsse der Kommunistischen Partei Griechenlands, sondern versuchte, den bewaffneten Kampf fortzusetzen. Am 28. Februar war die Entwaffnung der ELAS abgeschlossen; dabei wurden 100 Kanonen, 210 Mörser, 420 Maschinengewehre, 1.400 Maschinenpistolen, 700 automatische Gewehre, 49.000 Gewehre und Pistolen übergeben.

Trotz dieses Abkommens kam es im weiteren Verlauf zu erneuten Auseinandersetzungen (auch bewaffnet) zwischen der griechischen Regierung (unterstützt von Großbritannien und den USA ab 1947 im Rahmen der Truman-Doktrin) und der EAM (unterstützt von Albanien, Bulgarien, Jugoslawien und der Sowjetunion). Die Waffen des ELAS wurden nur teilweise abgegeben.Heinz Richter: The Varkiza Agreement and the Origins of the Civil 'War, in John Iatridis: Greece in the 1940s A Nation in Crisis, Hannover / London 1981, ISBN 978-0-87451-198-7, S. 168. Die Verfolgung von linksgerichteten Personen – insbesondere Kommunisten – wurde trotz der gegenteiligen Vereinbarung im Abkommen von Varkiza fortgesetzt.Heinz Richter: The Varkiza Agreement and the Origins of the Civil 'War, in John Iatridis: Greece in the 1940s A Nation in Crisis, Hannover / London 1981, ISBN 978-0-87451-198-7, S. 172. Die vereinbarte Wahl 1945 wurde von der EAM boykottiert; sie fand am 31. März 1946 statt.

Die nach dem Abkommen von Varkiza zunehmenden Spannungen zwischen dem linken und rechten politischen Lager in Griechenland mündeten 1946 in den Griechischen Bürgerkrieg.

Literatur Mark Mazower (Hrsg.): After the War was over. Reconstructing the State, Family and the Law in Greece, 1943-1960, Princeton University Press 2000.

Siehe auch Geschichte Griechenlands#Bürgerkrieg

Weblinks Συμφωνία της Βάρκιζας (Abkommen von Varkiza) vom 12. Februar 1945 in der griechischsprachigen Wikisource, eingestellt am 23. September 2005, abgerufen am 18. November 2006.

Belege

Kategorie:Vertrag (Griechenland) Kategorie:Vertrag (20. Jahrhundert) Kategorie:Griechenland im Zweiten Weltkrieg Kategorie:Vari-Voula-Vouliagmeni