Die Partij voor de Vrijheid (PVV), , ist eine rechtspopulistische und rechtsextreme sowie europaskeptische Partei in den Niederlanden.Marija Davidović, u. a. (Hrsg.): Het extreemrechtse en discriminatoire gehalte van de PVV. In: J. Donselaar, P.R. Rodriques (Hrsg.): Monitor Racisme & Extremisme, achtste rapportage Monitor Racisme, Amsterdam 2008, S. 167–199. (Englische Fassung: Racism and Extremism Monitor Eight Report, Leiden 2008, Sektion 8)„Rechtsextremismus“ wurde in dieser Studie definiert wird als: „eine Orientierung auf das Eigene und eine Abkehr vom Fremden sowie einen Hang zu autoritären Strukturen“. Diese Einordnung der PVV wurde aus unterschiedlichen Gründen kritisiert: Universität Münster: Geert Wilders. II. ForschungsstandDie Folgestudie von 2010 (Englische Fassung: Racism and Extremism Monitor Ninth Report, Leiden 2010, Sektion 4) ging dezidierter auf einen Unterschied zwischen „klassischem“ und „neuem“ Rechtsextremismus ein, bei dem die PVV letzterem zugeordnet werden müsse. Sie erhielt bei der Parlamentswahl 2006 aus dem Stand heraus 5,9 Prozent der Stimmen.

Vorsitzender und einziges Mitglied ist ihr Gründer Geert Wilders, der vorher Abgeordneter der konservativ-liberalen VVD war. Die Partei warnt vor einer aus ihrer Sicht stattfindenden Islamisierung der Niederlande und ruft zu deren Bekämpfung auf. Ferner setzt sie sich für eine Begrenzung der Einwanderung, für ein härteres Vorgehen gegen Kriminelle und gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters ein.

Nach der Parlamentswahl 2023 war sie mit 23,7 Prozent (35 Sitzen) die stärkste Kraft im Repräsentantenhaus und bildete mit VVD, NSC und BBB seit dem 2. Juni 2024 die von dem parteilosen Ministerpräsidenten Dick Schoof geführte Regierung. Die PVV stellte dabei fünf Minister.

Am 3. Juni 2025 verkündete Wilders den Rückzug seiner Partei aus der Regierungskoalition. Bei den dadurch notwendigen vorgezogenen Neuwahlen am 29. Oktober 2025 verlor die PVV elf Sitze und landete bei den abgegebenen Stimmen knapp hinter den Democraten 66 auf dem zweiten Platz. Im Januar 2026 verließen sieben Abgeordnete die PVV-Fraktion und bildeten die Groep Markuszower, weil sie den Führungsstil und die mangelnde Kompromissbereitschaft von Geert Wilders ablehnten.

Geschichte Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte es kurzzeitig eine Partij van de Vrijheid gegeben. Im Januar 1948 gründete sich daraus die heutige Volkspartij voor Vrijheid en Democratie (VVD), der Wilders entstammt. Dabei handelte es sich jedoch um liberale oder rechtsliberale Parteien.

Rechtspopulismus und immigrationsskeptische Äußerungen waren zuvor seit den 1960er-Jahren von der Boerenpartij und dann in den 1980er-Jahren vor allem von den Centrum Democraten von Hans Janmaat vertreten worden, auch im Parlament, genauer der Zweiten Kammer der Generalstaaten.

In den Wahlen von 2002 war die rechtspopulistische Lijst Pim Fortuyn (LPF) aus dem Stand heraus zweitstärkste Kraft im Parlament geworden. Fortuyn selbst war noch kurz vor den Wahlen ermordet worden; die eilig zusammengestellte Liste bestand aus einer Gruppe von Mitgliedern ohne Zusammenhalt und Erfahrung. Aufgrund häufiger Führungswechsel zerfiel sie bald. Bei den Neuwahlen von 2003 wurde sie dafür abgestraft, bei denen von 2006 verschwand die LPF aus dem Parlament.

Gründung 2006 Wilders gilt als einer der ideologischen Erben der LPF. Er war VVD-Abgeordneter im nationalen Parlament. Nachdem er am 2. September 2004 die VVD verlassen hatte, blieb er anschließend als Einmannfraktion Groep Wilders Abgeordneter. Nach einer Kampagne gegen den Vertrag über eine Verfassung für Europa, der bei einem Referendum tatsächlich keine Mehrheit erhielt, nutzte Wilders den Moment und gründete am 22. Februar 2006 die Partij voor de Vrijheid. Die Partei hat zwei Mitglieder, Wilders als Person und die Geert Wilders Foundation. Bei den niederländischen Parlamentswahlen am 22. November 2006 trat sie an und erreichte 5,9 %. Das entsprach neun Sitzen im Parlament.

Anders als die zerstrittene LPF hatte die PVV mit Wilders aufgrund ihrer Organisationsstruktur eine praktisch unanfechtbare Führungsperson. Er hatte die Mitglieder der Fraktion, die seine Partei vertreten, persönlich ausgewählt und auf ihre Aufgabe vorbereitet.HP/De Tijd: „De fractie van Wilders“, Ausgabe vom 4. April 2008.

Entwicklung 2009: Kopftuchdebatte, Einwanderungspolitik Bei ihrem erstmaligen Antritt bei den Europawahlen, im Juni 2009, erreichte die PVV 17 % der Stimmen und wurde damit zweitstärkste Kraft in den Niederlanden. Sie entsandte demnach vier Abgeordnete ins Europäische Parlament.

Im September 2009 errang der Beitrag Wilders’ zur Generaldebatte im Parlament Aufmerksamkeit, in welchem er eine kopvoddentaks forderte (wörtlich eine „Kopf-Lumpen-Abgabe“, meist im Deutschen als „Kopftuchsteuer“ wiedergegeben). Das Tragen eines „islamischen Kopftuches“ solle dadurch entmutigt werden, dass eine Muslimin eine Lizenz dafür benötigt. Diese Lizenz solle im Jahr eintausend Euro kosten. Das Symbol der Unterdrückung sei eine Verschmutzung des politischen Bereichs, und dafür müsse der Verursacher zahlen. Die Einnahmen sollten unter anderem Frauenhäusern zugutekommen. Wilders’ Vorschlag wurde von den anderen Fraktionen vehement abgelehnt und . Beide abgerufen am 10. November 2009. und wurde von der Partei zeitweise nicht mehr verfolgt.

In derselben Generaldebatte wiederholte Wilders seine Forderung, die Regierung solle darüber informieren, wie viel ein nichtwestlicher Einwanderer kostet. Die Muslime seien schließlich nicht in die Niederlande gekommen, weil ihnen das Land der Ungläubigen gefalle, sondern weil sie Sozialleistungen suchten. Das Kabinett habe geantwortet, man errechne ja auch nicht, wie viel Senioren kosten. „Wieso wissen wir nicht, wie viel ein Senior kostet? Jemand im Pflegeheim kostet 165 Euro am Tag, ein Strafgefangener 192 Euro und jemand in Sicherungsverwahrung 476 Euro.“. Abgerufen am 10. November 2009. Original: „Hoezo weten we niet wat een bejaarde kost? Iemand in een verpleeghuis kost 165 euro per dag, een gevangene 192 euro en een TBS-er 476 euro.“

Anfang November 2009 stand die PVV einer Umfrage zufolge bei 28 Mandaten (etwa 18 Prozent). Sie hatte damit ein Mandat Vorsprung gegenüber der in der Umfrage nächststärksten Partei, den Christdemokraten von Ministerpräsident Balkenende.. Abgerufen am 10. November 2009.

Kommunal- und Parlamentswahlen 2010 Bei den Kommunalwahlen am 3. März 2010 trat die PVV nur in zwei Städten an, erreichte dort aber herausragende Ergebnisse. In Almere erhielt die PVV den größten Stimmenanteil aller Parteien (21,6 Prozent), in Den Haag wurde sie die zweitstärkste Kraft (16,9 Prozent).Niederländische Rechtspopulisten triumphieren bei Kommunalwahl. In: Spiegel Online. 4. März 2010. Die Kommunalwahlen wurden als Stimmungstest für die vorgezogenen Parlamentswahlen gesehen, die für den 9. Juni 2010 terminiert wurden. Der amtierende Ministerpräsident Jan Peter Balkenende von der christdemokratischen CDA hatte eine mögliche Koalition mit der PVV nicht ausgeschlossen.Die Presse: Niederlande: Vorgezogene Neuwahlen am 9. Juni, 23. Februar 2010.

mini|PVV-Wahlergebnisse nach Gemeinden, 2010

Bei den Parlamentswahlen am 9. Juni 2010 wurde die PVV drittgrößte Kraft hinter Rechtsliberalen (VVD) und Sozialdemokraten (PvdA). 1,45 Millionen Stimmen (15,5 Prozent) reichten für 24 Parlamentssitze.AD: Alle stemmen geteld, Abruf am 11. Juni 2010. Nach langen Verhandlungen einigten sich die Rechtsliberalen (VVD) und die Christdemokraten (CDA) im Oktober 2010 auf eine Minderheitsregierung unter Duldung der PVV.Niederländische Regierung lässt sich von Wilders dulden. In: Spiegel Online. 28. September 2010. Die Regierung hatte zusammen mit der PVV nur eine knappe Mehrheit: 76 von 150 Abgeordneten.

Duldung des Kabinetts Rutte (2010–2012) Vor und nach der Bildung des Kabinetts Rutte I wurde bekannt, dass mehrere Abgeordnete der PVV wegen Gesetzesbruchs angezeigt worden waren:Volkskrant: PVV'ers in de fout: een overzicht, Abruf am 17. November 2010. Jhim van Bemmel verlor seinen Posten als Haushaltssprecher nach Urkundenfälschung,Volkskrant: PVV-Kamerlid beschuldigd van faillissementsfraude, Abruf am 17. November 2010.NRC: PVVer Van Bemmel zes weken op non-actief, Abruf am 25. November 2010. und Verteidigungssprecher Eric Lucassen wurde wegen Vandalismus und Unzucht angeklagt, wurde aber freigesprochen., Abruf am 17. November 2010., Abruf am 17. November 2010. Zudem verweigerte PVV-Jugendführer Hero Brinkman als einziger Abgeordneter die Nachfrage, ob er jemals verurteilt worden war.NRC: Zeven Tweede Kamerleden ooit veroordeeld, Abruf am 25. November 2010. Trotz dieser Affären blieb die Zustimmung unvermindert hoch, besonders die große Loyalität der PVV-Wähler zu Wilders wurde angemerkt., Abruf am 17. November 2010., Abruf am 25. November 2010.

2011 war die PVV weiterhin erfolgreich: In den Provinzwahlen (Provinciale Statenverkiezingen) vom 2. März 2011 holten sie auf Anhieb 69 der 566 Sitze; und am 23. Mai 2011 erhielten sie in der Wahl der Ersten Kammer mit 14 die zweitmeisten Sitze. Im Juni sorgte die PVV für Aufsehen, als ein Gesetzesentwurf das Schächten unbetäubter Tiere verbot. Obwohl dieses Verbot vor allem gläubige Juden traf, stimmte die sich als projüdisch bezeichnende PVV überraschend dafür, was in Israel scharf kritisiert wurde.

Für weiteres internationales Aufsehen sorgte im Februar 2012, dass die PVV auf ihrer Internetseite die Bevölkerung aufrief, ihr Beschwerden über Bürger osteuropäischer Herkunft im Privat- oder Berufsleben zu melden, die sie dann an das Sozialministerium weiterleiten würde. Daraufhin kam es zu scharfen diplomatischen Protesten osteuropäischer Staaten wie Polen, Bulgarien oder Rumänien.orf.at vom 18. Februar 2012. Im März 2012 trat Brinkman aus der PVV aus und warf Wilders die Annahme von Schwarzgeld sowie einen diktatorischen Führungsstil vor, der ihn an die Stasi erinnerte.Brinkman stapt uit PVV-fractie, NOS, 20. März 2012.Brinkman: 'De PVV is gewoon een soort Stasi', de Volkskrant, 26. März 2012. Dadurch verlor das Kabinett Rutte seine Mehrheit, was letztendlich zum Bruch zwischen VVD, CDA und PVV führte: Nach langen Debatten um den Haushalt 2013 (Catshuisoverleg) kündigte Wilders am 21. April 2012 die Zusammenarbeit auf und erzwang damit Neuwahlen.

Kammerwahl 2012 Der PVV-Wahlkampf für die niederländische Parlamentswahl 2012 wurde von internen Querelen überschattet. Am 6. Juli 2012 verließ Jhim van Bemmel die PVV, nachdem er es nicht auf die Landesliste geschafft hatte,PVV-Kamerlid Van Bemmel stapt uit fractie, NU.nl, 6. Juli 2012. kurz danach gingen auch seine Kollegen Wim Kortenoeven und Marcial Hernandez, die ihre Parteiführung einer „Politbüro“-artigen Bevormundung bezichtigten und Wilders mit Kim Jong-Il verglichen. Am Wahltag bekam die PVV nur noch 10,1 Prozent (15 Mandate).