mini|Innenansicht mit Altar der Pfarrkirche „hl. Nikolaus“. mini|Der Pfarrhof steht unter Denkmalschutz. mini|Das Neuschloss in Wundschuh südöstlich des Ortsgebiets. mini|Das Westportal der Umfriedung des Schlosses. Wundschuh ist eine österreichische Gemeinde in der Steiermark, im Bezirk Graz-Umgebung mit Einwohnern (Stand ) auf einer Fläche von 12,89 km².
Geografie Geografische Lage Wundschuh liegt im Grazer Feld am Kaiserwald. Die Gemeinde befindet sich ca. 12 km südlich der Landeshauptstadt Graz. Im Westen des Gemeindegebietes befinden sich die Wundschuher Teiche, wichtigste Fließgewässer sind der Poniglbach und der Laabach.
Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den Katastralgemeinden (Fläche Stand ) Kasten () und Wundschuh () sowie aus folgenden Ortschaften (Einwohner Stand ): Forst () Gradenfeld () Kasten () Ponigl () Wundschuh ()
Nachbargemeinden
Geologie Wundschuh liegt wie die Nachbargemeinde Kalsdorf und die ehemalige Gemeinde Weitendorf im Bereich ehemaliger Vulkane, die im Miozän vor ca. 10 Mio. Jahren aktiv waren. Sie sind an der Erdoberfläche nicht erkennbar, aber bei einer Bohrung wurde bereits in einer Tiefe von 33 bis 35 m das vulkanische Gestein Andesit gefunden.Haymo Heritsch, Helmut Höller, Kurt Kollmann: Steirisches Tertiär- und Vulkangebiet. In: Exkursion III/7, Grazer Bergland, Oststeirisches Tertiär- und Vulkangebiet (= Mitteilungen der Geologischen Gesellschaft in Wien. 57. Band). Wien 1964, Heft 1, S. 367 (). Es wird dem Vulkanmassiv Weitendorf/Wundschuh zugerechnet.Vgl. Peter Slapansky, Reinhard Belocky, Heinz Fröschl, Peter Hradecky, Peter Spindler: Petrographie, Geochemie und geotektonische Einstufung des miozänen Vulkanismus im Steirischen Becken (Österreich). In: Geologie ohne Grenzen. Festschrift 150 Jahre Geologische Bundesanstalt (= Abhandlungen der Geologischen Bundesanstalt. Band 56, Heft 1). Wien 1999, ISBN 3-85316-004-2, , S. 421 (opac.geologie.ac.at).
Geschichte Die erste Kirche in Wundschuh dürfte um 1100 gebaut worden sein. Das früheste Schriftzeugnis ist von 1230 und lautet „Wrmscah“. Der Name geht auf althochdeutsch wurm (Kriechtier) und skahho (einzeln stehendes Waldstück, siehe -schuh) zurück und bedeutet Schlangenwald. Der Flurname ging auf die Siedlung über. Der Volksglaube, dass ein gewisses Schuhwerk gegen Schlangenbisse den Namen begründete, ist nicht zutreffend. In einer so gefährlichen Gegend hätte man nicht gesiedelt. Das Zweitglied -schach hat sich zu -schuh dissimiliert, so wie in Heimschuh oder Kreuzschuh auch geschehen, ohne etwas mit Schuhen tun zu haben.
Das Gemeindegebiet gehörte zur Herrschaft von Neuschloß. Die Aufhebung der Grundherrschaften erfolgte 1848. Die Ortsgemeinde als autonome Körperschaft entstand 1850.
Nach der Annexion Österreichs 1938 kam die Gemeinde zum Reichsgau Steiermark. 1945 bis 1955 war sie Teil der britischen Besatzungszone in Österreich.
Bevölkerungsentwicklung
Historische Landkarten
Kultur und Sehenswürdigkeiten
Museen Das Bauernmuseum Erlebnishof Reczek ist das größte seiner Art in Österreich und zeigt alte Geräte, Maschinen und Gefährte.
Bauwerke Schloss Neuschloss ist ein barocker Bau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts südöstlich von Wundschuh. 1265 wurde bereits ein Hof des Landesfürsten dort genannt, unter Kaiser Friedrich III. wurde die Anlage gemeinsam mit den Fischteichen bei Wundschuh umgestaltet und war von 1643 bis 1780 im Besitz der Grafen von Dietrichstein, diese Besitzer bauten die Anlage zum Neugeschloß aus. Der ursprünglich zweigeschoßige Bau wurde danach noch zwischen 1804 und 1809 um eine dritte Etage erweitert. Seit 1805 gehört Neuschloss den Grafen des Enffans d’Avernas.Dehio-Handbuch, S. 328.
Die Kirche ist dem Hl. Nikolaus, dem Patron der Schiffbrüchigen, geweiht. Sie war eine Filialkirche der Pfarre Hengsberg, 1785 wurde sie selbst zur Pfarre erhoben. Die Kirche wurde 1912–1915 in Formen des Barock neu gebaut, von einem spätgotischen Bau sind nur Fundamente des Turms erhalten, wo ein Stein mit 1497 datiert ist. Die barocke Einrichtung stammt aus der alten Kirche. Am Pfarrhof aus 1881 ist ein Römerstein eingemauert, eine Mariensäule stammt aus 1863.Kurt Woisetschläger, Peter Krenn: Dehio-Handbuch – Die Kunstdenkmäler Österreichs: Steiermark (ohne Graz). Topographisches Denkmälerinventar, hrsg. vom Bundesdenkmalamt, Abteilung für Denkmalforschung. Verlag Anton Schroll, Wien 1982, ISBN 3-7031-0532-1, S. 626.
Brauchtum Seit 13. September 2009 findet alle zwei Jahre die Veranstaltung „Wurmschachern“ statt.
Sport Wundschuh hat einen Fußballverein, den USV Wundschuh, welcher aktuell in der Gebietsliga Mitte spielt.
Wirtschaft und Infrastruktur Verkehr Die Pyhrn Autobahn A 9 tangiert das Gemeindegebiet im Osten und ist über den Vollanschluss Wundschuh (exit 197) erreichbar. Die ebenfalls Nord-Süd-orientierte Grazer Straße B 67 von Graz nach Leibnitz ist circa drei Kilometer entfernt, liegt östlich der Autobahn und ist über mehrere diagonal verlaufende Straßen angebunden.
Der Betriebsbahnhof Wundschuh liegt an der Koralmbahn; dort halten keine Züge. Er dient der Überleitung zur Bahnstrecke Wien–Spielfeld-Straß. Der nächstgelegene Bahnhof liegt circa drei Kilometer ostsüdöstlich in Werndorf an der Südbahn mit stündlichen S-Bahn-Verbindungen nach Graz Hbf und Leibnitz.
Am Ostrand von Werndorf fließt die Mur nach Süden, die vom Murradweg begleitet wird.
Der Flughafen Graz liegt circa sieben Kilometer nördlich.
Wirtschaft Der Ort ist von Landwirtschaft geprägt.
Im hügeligen bewaldeten Westen liegt der Wundschuhersee, ein Anglersee mit überwiegend von Wohnwagen genutzten Camping. Der See ist nur ein kleiner Teil der sich nach Norden erstreckenden Wundschuher Teiche, die 1442 angelegt wurden und zum Gut Neuschloß gehören.
Zwei andere Badeseen, Schwarzlsee und Copacabana, liegen jeweils etwa sechs Kilometer nördlich.
Im Herbst 2015 ging ein Verteilzentrum des Lebensmitteldiskonters Lidl in Betrieb.
Politik Bürgermeister Bürgermeisterin ist seit Februar 2019 Barbara Walch (ÖVP), die Schwester der früheren Ministerin Christine Aschbacher. Zuvor war dies 22 Jahre lang Karl Brodschneider (ÖVP).Kleine Zeitung: Wundschuh: Barbara Walch wird neue Bürgermeisterin. Artikel vom 11. Februar 2019, abgerufen am 23. Februar 2019.
Weiters gehören Vizebürgermeister Karl Scherz (ÖVP) und Gemeindekassier Birgit Stöger-Mitterecker (ÖVP) dem Gemeindevorstand an.
Gemeinderat
Der Gemeinderat besteht aus 15 Mitgliedern und setzt sich nach der Gemeinderatswahl 2025 wie folgt zusammen: 11 ÖVP, 2 FPÖ, 1 SPÖ und 1 Die Grünen
Die letzten Gemeinderatswahlen brachten die folgenden Ergebnisse: Partei 2025 2020 2015 2010 2005 2000Stimmen%Mandate St. % M. St. % M. St. % M. St. % M. St. % M. ÖVP77671117458012 677 67 11 719 72 12 606 63 10 574 66 11 SPÖ8481130142 96 9 1 227 23 3 290 30 4 186 22 3 FPÖ1531425961 112 11 1 56 6 0 60 6 1 99 12 1 Die Grünen 72 7 1nicht kandidiert 127 13 2 nicht kandidiert nicht kandidiert nicht kandidiert Wahlbeteiligung79 % 71 % 80 % 84 % 82 % 81 %
Wappen Die Gemeinde Wundschuh erhielt mit Wirkung vom 1. Juli 1965 das Recht zur Führung eines Gemeindewappens verliehen.
Beschreibung des Wappens: In einem grünen Schild ein silberner, mit einer schwarzen, goldgekrönten, rotbezungten Schlange belegter Pfahl, der beiderseits von einem silbernen, aus dem Schildrand wachsenden Fichtenbaum begleitet wird.
Persönlichkeiten Eduard Lipp (1831–1891), Arzt und Abgeordneter zum Österreichischen Abgeordnetenhaus
Weblinks
Gemeinde Wundschuh Erlebnishof Reczek – Bauernmuseum Webpräsenz des USV Wundschuh
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Einzugsgebiet Mur Kategorie:Weststeirisches Riedelland