Das internationale katholische Hilfswerk Kirche in Not (früher Ostpriesterhilfe), (ACN), ist eine Stiftung päpstlichen Rechts. Schwerpunkt ist die pastorale Hilfe für verfolgte, bedrängte und notleidende Christen in rund 140 Ländern. Das Hilfswerk wurde 1947 gegründet.
Aufgabenfelder Kirche in Not ist ein pastorales Hilfswerk. Es unterstützt jährlich etwa 5000 Einzelprojekte in rund 140 Ländern, in denen Christen verfolgt werden oder die Kirche nicht genügend Mittel für ihre seelsorgerischen Aufgaben hat.
Diese Hilfen umfassen vor allem folgende Bereiche: mini|Die zerstörte maronitische Kathedrale St. Elijah in Aleppo/Syrien im Jahr 2017. Kirche in Not hat den Wiederaufbau unterstützt, der 2020 abgeschlossen werden konnte.
Ausbildung von Priestern und Ordensleuten Existenzhilfe für Priester und Ordensleute Messstipendien, freiwillige Gaben für die Feier einer heiligen Messe in einem bestimmten Anliegen. Messstipendien sichern in Ländern, in denen Priester wenig oder gar keinen Lohn erhalten, deren Überleben und werden oft auch für die Gemeindearbeit verwendet. Glaubensbildung von Laien Bau und Wiederaufbau von Kirchen und kirchlichen Einrichtungen Transportmittel für die Seelsorge Nothilfen bei Krieg, Vertreibung, Gewalt und Naturkatastrophen Verteilung von Bibeln, religiösen Büchern und Medien „Anwaltschaft“ für verfolgte Christen gegenüber Politik und öffentlichen Institutionen Mediale Unterstützung zur Verbreitung des Glaubens
Geschichte mini|Pater Werenfried van Straaten bei einer Predigt vor einem Kapellenwagen.
Gründung Nach dem Zweiten Weltkrieg organisierte der Prämonstratenserpater Werenfried van Straaten in Belgien und den Niederlanden Hilfe für die deutschen Nachbarn. Vierzehn Millionen Heimatvertriebene aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten strömten in die vier Besatzungszonen, in denen es zu wenig Unterkünfte, zu wenig Nahrung und Kleidung gab. P. Werenfried und seine Mitarbeiter riefen zur Versöhnung mit den ehemaligen deutschen Kriegsgegnern auf. Er bat um Nahrungsmittel und Kleidung, um den Deutschen in ihrer Not zu helfen.
Um neben der materiellen Hilfe den Heimatvertriebenen auch geistlich beizustehen, rief Kirche in Not – damals noch unter dem Namen „Ostpriesterhilfe“ – ab 1950 die „Kapellenwagenaktion“ ins Leben. Dabei handelte es sich um umgebaute Lastwägen, auf denen die heilige Messe gefeiert werden konnte. Denn in vielen Diaspora-Regionen Deutschlands, in denen die Heimatvertriebenen eine neue Bleibe gefunden hatten, gab es zu dieser Zeit keine katholische Kirche. „Rucksackpriester“ besuchten auf Motor- und Fahrrädern die weit verstreut lebenden Gläubigen und wurden im Rahmen der Aktion „Ein Fahrzeug für Gott“ unterstützt.
Konsolidierung und Ausbau 1951 fand im niederländischen Hilversum zum ersten Mal ein Kongress Kirche in Not statt, der ab 1952 bis 1995 jährlich in Königstein im Taunus abgehalten wurde. Vertreter der unterdrückten und verfolgten Kirche – vor allem hinter dem Eisernen Vorhang – berichteten hier über die Lage der Kirche in ihren Ländern. 1952 begann die Hilfe für die verfolgte Kirche in Osteuropa. Diese wurde in den kommenden Jahren immer weiter intensiviert, zum Beispiel nach dem Ungarn-Aufstand 1956 in Zusammenarbeit mit Kardinal József Mindszenty. Nach und nach kamen – oft auf Anregungen der amtierenden Päpste oder Hilfsgesuche aus notleidenden Regionen – der Nahe Osten (ab 1955), Asien (1961), Lateinamerika (1962) und Afrika (1965) dazu. 1953 gründete Pater Werenfried den „Internationalen Bauorden“ mit dem Ziel, „Wohnungen für Entheimatete und Obdachlose und von Kirchen oder Klöstern Häuser“ zu errichten. Er sollte „ein Werk der Versöhnung und der tätigen Nächstenliebe.“ Studenten und weitere Freiwillige halfen beim Bau von Siedlungen für Heimatvertriebene, zum Beispiel der Bruder-Klaus-Siedlung in Köln, der Heimat des späteren Kölner Erzbischofs Rainer Maria Woelki. 1969 wurde die „Ostpriesterhilfe“ in Kirche in Not umbenannt. 1984 erkannte der Heilige Stuhl Kirche in Not als „gesamtkirchliche Vereinigung päpstlichen Rechts“ an. Nach der politischen Wende in Osteuropa wurde ab 1989 die Hilfe für den Wiederaufbau und die Neuevangelisierung in den Ländern des ehemaligen Ostblocks der Schwerpunkt von Kirche in Not. Ab 1992 kam die Arbeit für die Aussöhnung mit der russisch-orthodoxen Kirche hinzu. Bis heute gibt es in diesem Bericht ökumenische Projekte, zum Beispiel beim Wiederaufbau kriegszerstörter Kirchen in Syrien oder im Einsatz für notleidende Christen im Irak. Am 31. Januar 2003 starb der Gründer Pater Werenfried van Straaten wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag. Ab 2007 verstärkte Kirche in Not auf Anregung von Papst Benedikt XVI. die Hilfe im Nahen Osten.
Päpstliche Stiftung Benedikt XVI. erhob 2011 Kirche in Not zur Päpstlichen Stiftung und stellt damit das Hilfswerk auf eine organisatorisch wie personell neue Ebene. Mit Beginn des Syrienkriegs im Jahr 2011 intensiviert Kirche in Not die Hilfe für die Menschen in Syrien und arbeitet dazu mit Vertretern verschiedener christlicher Konfession zusammen. Ein großes Projekt war der Wiederaufbau der von Granaten zerstörten maronitischen Kathedrale St. Elijah in Aleppo, der im Sommer 2020 abgeschlossen werden konnte. 2014 startete Kirche in Not ein Nothilfe-Programm für Christen im Irak, von denen etwa 120 000 Personen durch den IS au ihren Ortschaften in der Ninive-Ebene vertrieben wurden und in der Autonomen Region Kurdistan Zuflucht fanden. Nach dem militärischen Sieg über den IS unterstützte Kirche in Not den Wiederaufbau von Wohnhäusern, Kirchen und öffentlichen Gebäuden in der Ninive-Ebene. Ab 2014 expandierte Kirche in Not international: So wurde ein neues Nationalbüro in Südkorea eröffnet, die erste Niederlassung des Hilfswerks in Asien. Weitere Niederlassungen wurden in Mexiko, Kolumbien, der Slowakei sowie auf Malta und den Philippinen ins Leben gerufen. Zur Feier des 70-jährigen Bestehens des Hilfswerks 2017 lud Kirche in Not seine Wohltäter weltweit zu einer Pilgerfahrt für die verfolgte Kirche nach Fatima ein, an welcher auch rund 100 Wohltäter aus Deutschland teilnahmen. Um die Arbeit der Kirche während der weltweiten Corona-Pandemie zu unterstützen, rief Kirche in Not 2020 ein Soforthilfeprogramm ins Leben. Nach der Explosion im Hafen der libanesischen Hauptstadt Beirut im August 2020 stellte Kirche in Not Soforthilfen für 2500 betroffene Familien zur Verfügung und unterstützt den Wiederaufbau kirchlicher Infrastruktur. Im März 2021 war die Projektdirektorin von Kirche in Not, Regina Lynch, Mitglied der Delegation von Papst Franziskus bei seiner Reise in den Irak. Der Papst besuchte unter anderem die mehrheitlich von Christen bewohnte Stadt Karakosch (Baghdida) in der Ninive-Ebene. In der gesamten Region hat Kirche in Not den Wiederaufbau zahlreicher Wohngebäude, Kirchen und kirchlicher Einrichtungen maßgeblich finanziert, wofür ein Kirchenvertreter in einem Grußwort vor dem Papst ausdrücklich dankte. Laut einem Bericht in Vatican News leiste das „Hilfswerk ‚Kirche in Not‘ […] einen bedeutsamen Beitrag zum Wiederaufbau von Häusern – es waren mehr als 14.000 – und Kirchen, die zerstört oder beschädigt“ worden waren. Nach dem Erdbeben in Haiti 2021 stellte Kirche in Not 500.000 Euro an Soforthilfen bereit und unterstützte die Notversorgung über kirchliche Strukturen. Mit Beginn der russischen Invasion in der Ukraine Ende Februar 2022 stellte Kirche in Not mehrere Soforthilfepakete zur Verfügung, um den Betrieb kirchlicher Hilfseinrichtungen aufrechtzuerhalten. Das Hilfswerk ist in der Ukraine seit Anfang der 1950er Jahre aktiv. Die Ukraine gehört zu den Top 5 der 140 Projektländer von Kirche in Not. Durch die jahrzehntelange Zusammenarbeit mit den katholischen und orthodoxen Kirchen in Syrien konnte Kirche in Not nach dem Erdbeben in der Türkei und Syrien im Februar 2023 unmittelbar mit der Hilfe in betroffenen Städten wie Aleppo und Latakia beginnen. Papst Leo XIV. würdigte später bei seiner Türkeireise Ende November 2025 die damalige Hilfe von Kirche in Not ausdrücklich. Nach dem Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 am 7. Oktober 2023 und der israelischen Gegenwehr unterstützte Kirche in Not in Kooperation mit dem Lateinischen Patriarchat von Jerusalem die Nothilfe und die Versorgung der christlichen Minderheit im Gazastreifen, in Ostjerusalem, im Westjordanland sowie christliche Arbeitsmigranten und Flüchtlinge in Israel. Im Heiligen Jahr 2025 unternahm Kirche in Not eine Pilgerreise nach Rom, an der 1000 Wohltäter aus 23 Ländern teilnahmen. Die Pilgerreise fand zur Zeit des Konklaves mit der Wahl von Papst Leo XIV. statt. Nach dem Erdbeben in Venezuela im Juni 2026 starte Kirche in Not ein Sofortprogramm zum Wiederaufbau zerstörter kirchlicher Einrichtungen. Außerdem unterstützte das Hilfswerk die Nothilfe in Pfarreien und Klöstern.
Radiosender 1991 beim Augustputsch in Moskau Am 19. August 1991, zu Beginn des Augustputsches in Moskau, sprach Boris Jelzin vor dem Weißen Haus in Moskau von einem Panzer aus zu den Bürgern. Zurück im Parlament sagte er zu den Abgeordneten „Jetzt brauche ich ein Radio“. Als Sprecher und Führer des Widerstandes gegen die kommunistischen Putschisten brauchte er, um möglichst viele Menschen zu erreichen, ein Sprachrohr für die demokratische Bewegung. Zu aller Erstaunen gab der Abgeordnete Viktor Aksiutsjik bekannt, dass er die Ausstattung für einen Radiosender besitze. Kirche in Not hatte für die Gründung einer gemeinsamen Rundfunkstation der katholischen und orthodoxen Kirche die nötigen Geräte nach Moskau geschmuggelt, obwohl das Kommunikationsministerium die Lizenz verweigert hatte. Mit einem Lastwagen der Kantine des Parlaments wurden die Sendegeräte aus einer Lagerhalle unter Lebensmitteln versteckt in das Parlamentsgebäude geschafft und von Ingenieuren installiert. So konnte Boris Jelzin per eigenem Radio die Moskauer Bevölkerung um Hilfe bitten. Er bedankte sich, indem schon im nächsten Monat die Sendeerlaubnis erteilt wurde.Zum Augustputsch in Moskau vor 20 Jahren siehe Wolfgang Stingl: „Jetzt brauche ich ein Radio“. In: Mitteilungen aus Königstein. Heft 3, 2011, S. 26 ff.
Struktur mini|Internationale Zentrale von Kirche in Not in Königstein im Taunus.
Sitz der internationalen Zentrale ist Königstein im Taunus. Dort werden Hilfsanträge aus aller Welt geprüft und die Spendenmittel vergeben. Präsident der Päpstlichen Stiftung ist seit Ende November 2025 der Schweizer Kurienkardinal Kurt Koch, Leiter des vatikanischen Dikasteriums zur Förderung der Einheit der Christen. Er folgte auf Kardinal Mauro Piacenza, der Kirche in Not/ACN International seit der Umwandlung in eine päpstliche Stiftung im Jahr 2011 geleitet hatte.
Geschäftsführende Präsidentin ist seit Mitte Juni 2023 Regina Lynch. Die gebürtige Nordirin war zuvor bereits 43 Jahre für Kirche in Not tätig, unter anderem als Projektdirektorin. Kirchlicher Assistent ist seit Oktober 2026 Pater Friedrich Bechina, der in der damaligen Kongregation für das Bildungswesen tätig war und der Geistlichen Familie „Das Werk“ angehört. Er folgte dem im deutschsprachigen Raum bekannten Geistlichen Pater Anton Lässer nach, der über drei Jahr lang internationaler Kirchlicher Assistent von Kirche in Not war. Seit Februar 2026 verantwortet Ferdinand Habsburg als Generalsekretär die operative Arbeit von Kirche in Not; gleichzeitig ist er für Kommunikation und Fundraising zuständig.
In derzeit (Stand: Juli 2025) 25 Ländern ist das Werk mit 24 Nationalbüros (nationalen Sektionen) vertreten. Sie informieren über die Lage der Kirche, wo sie in Not ist und rufen zur Hilfe auf. Die deutsche Sektion hat ihren Sitz in München.