mini|St. Johannes Baptist in Neheim: „Sauerländer Dom“ bei Nacht mini|Neheimer Markt mit St. Johannes-Baptist (Luftaufnahme, 2014)
Die katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptist in Arnsberg-Neheim wird umgangssprachlich wegen ihrer Dimension auch „Sauerländer Dom“ genannt. In Attendorn existiert ebenfalls ein Gotteshaus mit diesem Beinamen. Kirchenpatron ist in beiden Städten Johannes der Täufer.
Geschichte Schinkelbau Eine Kirche ist für Neheim für 1294 bezeugt. Nachdem diese durch einen Brand zerstört worden war, kam es 1673 zu einem Neubau. Im April 1807 brannte Neheim bis auf wenige Häuser ab. Dabei ging auch die Kirche verloren. Diese lag im Bereich der heutigen Mendener Straße in der Nähe der Möhne.
Es dauerte längere Zeit, bis es zu einem Neubau kam. Dies hing auch damit zusammen, dass der Wiederaufbauplan eine deutliche Vergrößerung der Stadtfläche und ein rechtwinkliges Straßennetz vorsah. Etwa in der Mitte am heutigen Marktplatz war auch eine Fläche für eine neue Kirche und das Rathaus vorgesehen. Bis zum Bau einer neuen Kirche gab es nur eine mit Stroh gedeckte Notkirche. Außerdem wurden zwei kleinere Kapellen genutzt.
Erste Entwürfe im klassizistischen Stil für eine neue Kirche stammten 1808 von dem Geometer Eigenbroth. Aber erst 1815 kam es zu einer Grundsteinlegung nach Entwürfen von Ernst Plassmann. Der Bau wurde nicht vollendet, weil die neue preußische Regierung den Bau für zu klein dimensioniert hielt. Der Streit um die Kirchenbaupflicht verzögerte den Bau weiter. Inzwischen wurden seit 1813 verschiedene Pläne für einen Neubau angefertigt. Darunter war 1817 ein neuer Entwurf von Plassmann.
Die Pläne fanden keine Zustimmung der Oberbauinspektion unter Karl Friedrich Schinkel. Dieser machte seinerseits Entwürfe, sah sich aber gezwungen, diese mehrmals zu ändern. Dabei wurden die Entwürfe aus Kostengründen immer einfacher. Im Ausführungentwurf waren dann auch die spitzbogigen Fenster Rundbögen gewichen. Obwohl die Planungen noch nicht endgültig abgeschlossen worden waren, wurde 1819 der Grundstein gelegt. Erst 1822 konnte der Bau vollendet werden. Die beiden ersten Entwürfe Schinkels gelten als die ersten neugotischen Kirchenentwürfe in Westfalen. Allerdings kamen auch klassizistische Bauelemente zum Tragen. Die im Stil einer Pfeilerbasilika errichtete Kirche wies eine Fläche von 432 m² auf und bot Platz für 500 Menschen. Überragt wurde der Bau von einem großen Dachreiterturm.Peter Vormweg: Die Neugotik im westfälischen Kirchenbau. Lindenberg im Allgäu, 2013 S. 42f., S. 228–230
Neubau seit 1893 Wegen der außerordentlich starken Bevölkerungszunahme wurde bereits kurze Zeit später eine größere Kirche notwendig. Das heutige Kirchengebäude sollte in zwei Bauabschnitten nach Entwürfen der Architekten Carl Rüdell und Richard Odenthal aus Köln errichtet werden. Im ersten Bauabschnitt wurden zwischen April 1892 und November 1893 Kreuzschiff, Chor und zwei Osttürme als Erweiterung der bestehenden Kirche von 1822 gebaut.
Nach einer 17-jährigen Unterbrechung wurden im zweiten Bauabschnitt zwischen 1910 und 1913 anstelle der 1822 fertiggestellten Kirche das Langhaus und der Westturm errichtet. Die Konsekration der Pfarrkirche fand am 7. Juli 1913 statt.
In der Folgezeit wurden verschiedene Renovierungen durchgeführt. Eine umfassende Außen- und Innensanierung erfolgte von 2000 bis 2004.
Beschreibung mini|Innenansicht vom Hauptportal mini|hochkant|Triumphkreuz Die St.-Johannes-Kirche ist eine dreischiffige Basilika in neuromanischem Stil. Sie besitzt ein Kreuzschiff, einen West- und zwei Osttürme. Die Länge der Kirche beträgt 67 Meter, einschließlich Mauer und Treppe 75 Meter, die Breite 44 Meter und die lichte Höhe des Mittelschiffes 20,5 Meter. Die beiden Osttürme messen je 41 Meter, der Westturm (mit Kreuz und Hahn) 83 Meter.
Ausstattung Die Kirche verfügt über einen reichen Schatz an Kunstwerken bzw. Kunstgegenständen. Einige der Kunstgegenstände, wie etwa eine Hostiendose aus dem 16. Jahrhundert, Monstranzen und Messgewänder aus der Renaissancezeit werden im Diözesanmuseum zu Paderborn ausgestellt.
Das älteste und wertvollste Kunstwerk der Kirche ist das Triumphkreuz, das Ende des 13. Jahrhunderts bzw. zu Beginn des 14. Jahrhunderts gefertigt wurde. Es ist aus Eichenholz und trägt die Symbole der vier Evangelisten an den Kreuzenden.
In der Kirche befinden sich sieben Altäre: der Hochaltar von 1893, der Marienaltar von 1894, Johannesaltar von 1894, der Barbara-Altar, der Herz-Jesu-Altar sowie der Zelebrationsaltar. Im Rahmen der letzten Innenrenovierung wurde im Chorraum zwischen Zelebrations- und Hochaltar eine Werktagskirche mit einem eigenen kleinen Altar eingerichtet.
Der Herz-Jesu-Altar enthält das Kreuzostensorium, ein monstranzähnliches Gerät für die Zurschaustellung der Kreuzreliquie. Es stammt aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Etwa 1780 erhielt die Johanneskirche die Kreuzreliquie aus dem kaiserlichen Schatz zu Wien. Dort soll ein echtes, größeres Stück des Kreuzes Jesu sein. Die Kreuzpartikel befinden sich in einer ovalen silbernen Kapsel, die 1779 angefertigt wurde. Das Altarbild wurde von dem Neheimer Maler Ritterbach geschaffen. Es zeigt im Hintergrund die Johanneskirche mit Westturm und das ehemalige Rathaus sowie Porträts Neheimer Bürger.
Bemerkenswert ist auch die Sixtinische Madonna, ein Gemälde, das dem Maler Raffael nachempfunden ist, und ein Geschenk des Kronprinzen von Preußen ist.
Die Stationsbilder des Kreuzweges wurden 1881 von dem Münchner Maler Franz Krombach gefertigt. Sie befanden sich bis 1979 in St. Marien, Kamen-Methler.
Orgel mini|hochkant|Feith-Orgel 1929 wurde nach mehr als einjähriger Bauzeit eine der bis heute größten Orgeln der Erzdiözese Paderborn und seinerzeit eines der größten Instrumente im Lande fertiggestellt. Die Firma Anton Feith in Paderborn (ehemals Eggert Orgelbau-Anstalt – heute Orgelbau Sauer & Heinemann, Höxter) hatte sie nach dem Vorbild der kurz zuvor erbauten Paderborner Domorgel geschaffen. 58 Register waren auf drei Manuale und Pedal der Hauptorgel im Westturm verteilt, 14 Register bilden bis heute unverändert das Fernwerk über dem Gewölbe vor dem Hochchor. Die Orgel wurde wiederholt restauriert und umgebaut. 1984 wurde im Zuge eines größeren Umbaus das Konzept der Unterbringung der gesamten Hauptorgel in einem Generalschweller aufgegeben und das Instrument aus dem Turm heraus auf die Empore vorgezogen. Das Fernwerk blieb weiter unberührt. 1991 wurde eine Setzeranlage mit 256 Kombinationen eingebaut. Im Zuge dieser Maßnahme wurde das Innenleben des Spieltisches aufgegeben. 2013 erfolgte durch das Orgelbauunternehmen Krawinkel die nächste Restaurierung und Rekonstruktion von Teilen der Feith-Orgel.Orgelbau Krawinkel: Orgel-Restaurierung Kirche Neheim – 2013, abgerufen am 10. Oktober 2024.
Das gesamte Orgelwerk umfasst 74 klingende Register, die sich auf vier Manuale und Pedal verteilen. Das Pfeifenwerk steht auf elektro-pneumatischen Kegelladen.
I Hauptwerk C–g3 1. Prinzipal 16′ 2. Prinzipal 8′ 3. Fugara 8′ 4. Salicional 8′ 5. Flaut major 8′ 6. Tibia 8′ 7. Quinte ′ 8. Octave 4′ 9. Rohrflöte 4′ 10. Septime ′ 11. Octave 2′ 12. Cornett IV 4′ 13. Mixtur V-VI ′ 14. Zymbel III 1′ 15. Trompete 16′ 16. Trompete 8′Tremulant II Oberwerk C–g3 17. Grobgedackt 16′ 18. Prinzipal major 8′ 19. Gamba 8′ 20. Gemshorn 8′ 21. Liebl. Gedacht 8′ 22. Labialklarinette 8′ 23. Holzpfeife 4′ 24. Violine 4′ 25. Quinte ' 26. Sesquialtera II ′ 27. Mixtur V 2' 28. Dulziana 8′ 29. Rohrschalmei 4′ Tremulant III Schwellwerk C–g3 30. Bordun 16′ 31. Geigenprincipal 8′ 32. Aeoline 8′ 33. Vox coelestis 8′ 34. Quintatön 8′ 35. Doppelflöte 8′ 36. Konzertflöte 4′ 37. Geigenpraestant 4′ 38. Quintflöte ′ 39. Flageolett 2′ 40. Terzflöte ′ 41. Glöckchen 1′ 42. Flötencornett 4′ 43. Mixtur V ′ 44. Fagott 16′ 45. Oboe 8′ 46. Clairon 4′ Tremulant IV Fernwerk C–g3 47. Stillgedackt 16′ 48. Prinzipal major 8′ 49. Viola d’amour 8′ 50. Bratsche 8′ 51. Nachthorn 8′ 52. Echogedackt 8′ 53. Quintflöte ′ 54. Fugara 4′ 55. Echoflöte 4′ 56. Harfe 4′ 57. Terzflöte ′ 58. Progressio III-V ′ 59. Echotrompete 8′ 60. Vox humana 8′ Pedal C–f1 Kontrabass (= Nr. 61 + 66) 32′ 61. Prinzipalbass 16′ 62. Violon 16′ 63. Harmonicabass 16′ 64. Subbass 16′ 65. Zartbass 16′ 66. Quintbass ′ 67. Oktavbass 8′ 68. Cello 8′ 69. Choralbass 4′ 70. Flötbass 4′ 71. Oktave 2′ 72. Hintersatz V ′ 73. Posaune 16′ 74 Bassetthorn 8′ Koppeln: Normalkoppeln: II/I, III/I, III/II, IV/I, IV/II, IV/III, I/P, II/P, III/P, IV/P Suboktavkoppeln: II/I Superoktavkoppeln: III/P Spielhilfen: Drei feste Kombinationen: (mF, F. FF), zwei freie Kombinationen, Crescendowalze, Absteller Koppeln, Oktavkoppeln, Fernwerk und Zungen, Einzelabsteller für sämtliche Zungen, Mixturen, Cornette, Sesquialtera sowie Manual-16′-Register
Glocken Im Rahmen der Sanierung, die von 2000 bis 2004 stattfand, wurde im Jahre 2001 auch der Glockenstuhl erneuert. Die Kirchenglocken wurden überholt und auf acht Glocken ergänzt. Die vom Bochumer Verein gegossenen Glocken sind Gussstahlglocken, die anderen bestehen aus Bronze. Nach den Änderungen wird der direkte Schall der Glocken in die Ferne getragen, während der Schall in der Umgebung der Kirche gedämpft wird.
Glocke Name Gussjahr Gießer, Gussort Gewicht Nominal(16tel) 1 Christusglocke 2001 Hans August Mark, Brockscheid 7283 kg fis0 +3 2 Hermann-Joseph 1920 Bochumer Verein 2630 kg ais0 +4 3 Maria 1920 Bochumer Verein 1490 kg cis1 +1 4 Johannes Baptist 1920 Bochumer Verein 1100 kg e1 +4 5 Apollonia 1920 Bochumer Verein 830 kg fis1 ±0 6 Wandlungsglocke 1790 J. R. Voict 75 kg g2 +1 7 Große Uhrglocke 2001 Hans August Mark, Brockscheid 73 kg ais2 +3 8 Kleine Uhrglocke 2001 Hans August Mark, Brockscheid 44 kg cis3 +4
Pfarrgemeinde St. Johannes Die Pfarrgemeinde St. Johannes Baptist Neheim und Voßwinkel hat heute etwa 15.500 Gemeindemitglieder. Die Pfarrgemeinde wurde zum 1. Januar 2013 neu gegründet. Zur Pfarrgemeinde gehören neben der Kirche St. Johannes Baptist auch die Kirchen St. Joseph Bergheim, St. Isidor Bachum, St. Michael Neheim, St. Elisabeth Moosfelde, St. Franziskus Müggenberg-Rusch und St. Urbanus Voßwinkel.
Seit 1989 bzw. 1990 besteht eine offizielle Partnerschaft mit der Pfarrgemeinde St. Jean-Baptiste Rechèvre im französischen Chartres. In der Kirche St. Jean-Baptiste wurde Abbé Franz Stock beigesetzt. Abbé Franz Stock (* 21. September 1904 in Neheim; † 24. Februar 1948 in Paris) stammt aus der Pfarrgemeinde St. Johannes. Er war katholischer Priester und während der deutschen Besatzungszeit im Zweiten Weltkrieg Seelsorger der Gefängnisse von Paris und der Hinrichtungsstätte auf dem Mont Valerien. Er gilt als ein Wegbereiter der Deutsch-Französischen Freundschaft.
Literatur Uwe Haltaufderheide: Die Baudenkmäler der Stadt Arnsberg. Erfassungszeitraum 1980–1990. Stadt Arnsberg, Arnsberg 1990, ISBN 3-928394-01-0, S. 227–229. Franz Schnütgen, Karl Josef Köhler, Ansgar Volmer: 100 Jahre Sauerländer Dom, 1893–1993. Bauwerk und Gemeinde St. Johannes Baptist Neheim. Katholisches Pfarramt St. Johannes Baptist Neheim, Arnsberg 1994. Ansgar Volmer, Hermann Griesenbrock (Red.): Neheimer Glocken (= An Möhne, Röhr und Ruhr 22, ). Katholische Kirchengemeinde St. Johannes Baptist Neheim, Arnberg 2002. Peter Vormweg: Die Neugotik im westfälischen Kirchenbau. Lindenberg 2013.
Weblinks
https://kirche-neheim.de/ Dombauverein Neheim e. V. mehr Informationen zur St.-Johannes-Kirche Panorama der Kirche Die Orgeln der Pfarrkirche St. Johannes Baptist Neheim – Beitrag auf Orgel-Verzeichnis
Einzelnachweise
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