mini|hochkant|Heinz Rudolf Kunze (2017)

Heinz Rudolf Erich Arthur Kunze (* 30. November 1956 in Espelkamp-Mittwald) ist ein deutscher Rocksänger, Schriftsteller, Liedermacher und Musicaltexter/-übersetzer. Seinen größten Single-Erfolg hatte er im Jahr 1985 mit Dein ist mein ganzes Herz.

Kunze hat über 500 Lieder veröffentlicht (Stand: 2025heinzrudolfkunze.de abgerufen am 1. Juli 2025) und nach eigenen Angaben weitere rund 13.000 Texte geschrieben.Zitat: „Meine ganz persönliche Bilanz 2020: Zwei veröffentlichte Alben (Der Wahrheit die Ehre und Wie der Name schon sagt – Solo live), die beste Chartplatzierung meines Lebens, ungefähr 500 geschriebene Songtexte, ungefähr 200 geschriebene Sprechtexte.“ Quelle: vorliegender E-Mail-Newsletter von HRK vom 4. Dezember 2020 Er war gelegentlich als Dozent für verschiedene Hochschulen tätig.

Leben Herkunft, Jugend und Ausbildung

Kunzes Familie stammt aus dem heute polnischen Teil von Guben (Niederlausitz) und Berlin.Interview von Heinz Rudolf Kunze. In: FAZ; abgerufen am 2. März 2016 Heinz Rudolf wurde im Flüchtlingslager Espelkamp bei Minden (Westfalen) geboren, wo sein Vater Rudi Kunze (1925–2001), nach seinem Dienst als Offizier bei der Waffen-SS und der erst 1956 erfolgten Entlassung aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft, Arbeit bei der Lagerleitung gefunden hatte. Der berufliche Werdegang des Vaters als Lehrer brachte in den Folgejahren häufige Wohnortwechsel mit sich: Die Familie Kunze wohnte zuerst in Lengerich (Westfalen), dann in Alte Piccardie an der niederländischen Grenze, später in Bad Grund (Harz). Ende 1963 wurde sie in Osnabrück heimisch. Dort nahm der Vater eine Tätigkeit als Hochschulassistent an der Pädagogischen Hochschule bei der Sozialpädagogin Elisabeth Siegel (1901–2002) an. Die Mutter Gerda Kunze, geborene Lehmann (1926–2010), war Hebamme, Kinderkrankenschwester und Grundschullehrerin. Der Historiker Rolf-Ulrich Kunze (* 1968) ist Kunzes Bruder.Rolf-Ulrich Kunze: Das halbe Jahrhundert meiner Eltern. (PDF; 21 MB) Karlsruhe 2015, ISBN 978-3-7315-0360-6; abgerufen am 10. November 2018 (Familienbiographie über die Eltern Rudi Kunze (1925–2001) und Gerda Kunze geb. Lehmann [1926–2010]).

Kunze besuchte das Graf-Stauffenberg-Gymnasium in Osnabrück und legte nach eigenen Angaben mit dem Notendurchschnitt von 1,4 das beste Abitur seines Jahrgangs ab. Wegen einer Arthrose im linken Mittelfußgelenk wurde er als T4 gemustert und nicht zur Bundeswehr eingezogen. Nach dem Abitur studierte er Germanistik und Philosophie und war Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes.Liste ehemaliger Stipendiaten der Studienstiftung des deutschen Volkes#Musiker und Komponisten Er legte das Erste und Zweite Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab; er unterrichtete als Referendar, doch nie als examinierter Lehrer, wie er betont. Kunze arbeitete danach an einer Dissertation über das Gottesbild der Philosophen Baruch de Spinoza und Friedrich Wilhelm Joseph Schelling; diese blieb unvollendet wegen seines Schallplattenvertrags im Jahr 1980.Kerstin Ostendorf: „Man weiß ja nie“, Quelle: Tag des Herrn, Seite I, 24. April 2022

Als junger Student hörte Heinz Rudolf Kunze mit Vorliebe die Radio-Sendungen des BBC-Moderators John Peel. Seine musikalische Sozialisation erlebte er als jugendlicher Prog-Rocker mit Bands wie Yes, Jethro Tull, Genesis und King Crimson. Außerdem hörte er während der Adoleszenz ihn prägenden Bluesrock von John Mayall und Ten Years After.Podcast „Und dann kam Punk“: Folge 94 Interview mit Heinz Rudolf Kunze von Jobst & Christopher, 1:07 Stunde (Spotify.com), 6. Dezember 2022; YouTube In einem Interview gab Kunze an, sich im Alter von 13 Jahren an dem Musiker Pete Townshend orientiert zu haben.Heinz Rudolf Kunze im Gespräch: „Meine Musik soll man beim Sex hören“. In: Der Tagesspiegel, 22. Januar 2001. Die erste Single, die er sich kaufte, war The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore von den Walker Brothers. (MP3) Seine erste Langspielplatte war Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band von The Beatles.

Mitte der 1970er Jahre gewann Heinz Rudolf Kunze den 1. Preis für Kurzprosa in einem Literaturwettbewerb. Im Jahr 1976 gab er sein musikalisches Debüt auf dem jährlich stattfindenden Nürnberger Bardentreffen.

1980 bis 1999 Kunze begann seine künstlerische Laufbahn am 9. November 1980: Er nahm, musikalisch begleitet von Mick Franke, am Pop-Nachwuchs-Festival im Stadttheater Würzburg teil, das die Deutsche Phono-Akademie zum dritten Mal veranstaltete. Die Jury unter Leitung von Michael Kunze (der mit Heinz Rudolf Kunze weder verwandt noch verschwägert ist) kürte ihn zu einem der Preisträger in der Sparte „Folk, Lied, Song“. Sein Titel Bestandsaufnahme (Länge: 8:27 Minuten) schaffte es in voller Länge auf die gleichnamige Festival-LP (CBS 84845) und wurde damit zu Kunzes erster Schallplatten-Aufnahme. Produzent Siegfried Loch holte Kunze mit einem Fünfjahresvertrag zur Plattenfirma WEA.

Das Debütalbum Reine Nervensache (1981) wurde wohlwollend aufgenommen und das folgende Album Eine Form von Gewalt im Jahr 1982 mit dem Deutschen Schallplattenpreis ausgezeichnet. Kurz danach begann Kunze parallel erste journalistische Arbeiten: Für den Spiegel verfasste er ein Randy-Newman-Essay und moderierte für den NDR sowie den SFB Radiosendungen. Im NDR wurde seine mehrteilige David-Bowie-Analyse Der Favorit ausgestrahlt. Das Phänomen Kunze wurde wohl auch durch den Aufwind für deutschsprachige Texte Anfang der 1980er Jahre im Zuge der Neuen Deutschen Welle erklärbar. Kunze wurde vom damaligen Management und vom Publikum zunächst als Liedermacher mit philosophischem Hintergrund in der Tradition von Bob Dylan oder als Singer/Songwriter nach US-amerikanischer Tradition eingeordnet. In dieser Zeit entstand auch die Bezeichnung „Niedermacher“, um Kunzes Text- und Musikkunst zu umschreiben. Dass er als intellektueller Rock-Poet in den Musikcharts Erfolg haben würde, hatten viele Weggefährten nicht erwartet.

Ein erster kommerzieller Erfolg gelang Kunze im Jahr 1984 zuerst mit der Single Sicherheitsdienst und wenig später mit der deutschen Version des Kinks-Klassikers Lola. Ausnahmezustand (1984) markiert das letzte Album von Kunze als Liedermacher, Singer/Songwriter (siehe oben). Nach Aufnahme des Komponisten und Gitarristen Heiner Lürig in seine Band „Verstärkung“ 1985 und dem Singlehit Dein ist mein ganzes Herz (1985) gelang es Kunze, breitere Hörerschichten zu begeistern und sich auch im Bereich Deutschrock zu etablieren. Diese aus der gleichnamigen und bei Conny Plank aufgenommenen LP ausgekoppelte Single war sein Durchbruch als Musiker im Rock-/Pop-Bereich. Dabei blieb Kunze seinen eigenen hohen Texter-Maßstäben treu, auch wenn die Melodien dank Heiner Lürig eingängiger wurden: „Wie fühlt man sich als Schnee von morgen? Als Bombe, die nicht richtig tickt? Als Teilchen ohne Masse, als Bester ohne Klasse, als Welt, die nie das Licht erblickt?“ (aus Heul mit den Wölfen,heinzrudolfkunze.de abgerufen am 19. April 2020 1989). 1986 kam sein Titel Mit Leib und Seele auf den Markt. In der Folge wurde der Musiker erstmals mit der Goldenen Stimmgabel ausgezeichnet und tourte durch die DDR. In den Folgejahren wurden mit 1986 Wunderkinder, 1988 Einer für alle, 1989 Gute Unterhaltung, 1991 Brille und 1992 Draufgänger teils sehr erfolgreiche Rock/Pop-Alben veröffentlicht. 2021 bezeichnete Kunze Finden Sie Mabel die 2. Auskopplung vom Album Wunderkinder – eine musikalische Verehrung des Hardboiled Detective Romans im Country-Pop Stil – als seine schönste Single.Heinz-Rudolf Kunze;Oliver Kobold: Werdegang : Die Autobiographie. Leipzig 2021, S. 223.

Zwischen den Alben-Veröffentlichungen waren Kunze und Verstärkung immer wieder auf ausgedehnten Tourneen deutschlandweit unterwegs und auf den Bühnen präsent, auch in der DDR. Wohl als Höhepunkt kann dabei das Konzert bei Rock am Ring am 7. Juni 1987 als Vorband von David Bowie angesehen werden. Ende der 1980er Jahre begann auch seine Zusammenarbeit mit Herman van Veen, für dessen Alben er seitdem regelmäßig Songbeiträge leistete.

Heinz Rudolf Kunze, der seit 1984 auch eigene Bücher veröffentlicht, ging 1994/95 mit einem zweiten literarischen Programm Der Golem aus Lemgo auf Tournee durch Deutschland.

Nach dem Album Kunze: Macht Musik 1994 trennte er sich von fast allen Musikern seiner Band „Verstärkung“. 1996 und mit bis auf Heiner Lürig komplett neuer Besetzung der Band „Verstärkung“ folgte das Album Richter Skala, das in der Fachpresse hochgelobt wurde, aber beim breiten Publikum nicht den erhofften Zuspruch bekam. 1997 erschien das bereits 13. Studioalbum Alter Ego und erreichte Chartplatz 33.

Im Jahr 1996 beklagte Kunze in einem Interview des Spiegel als Sprecher von rund 600 deutschsprachigen Künstlern „die Flut von ausländischer Musik und eben auch ausländischem Schund“ und sprach sich für eine Mindestquote deutscher Rockmusik im Radio aus. Diese Forderung stieß in vielen deutschen Medien auf Kritik. In der Folge wurde Kunze in der öffentlichen Diskussion oft als allein verantwortlicher „Quotenforderer“ dargestellt.

1999 kehrte für Kunze mit der Lürig-Komposition Aller Herren Länder mit dem Thema „Flüchtlinge“ als Singleauskopplung aus dem Album Korrekt der Erfolg zurück. Für diese Single erhielt er erneut die Goldene Stimmgabel sowie den Fred-Jay-Preis der GEMA. Mit Nicht mal das befindet sich laut Kunze auf diesem Album auch sein wichtigstes Lied, ein Ausdruck der Verzweiflung in Psychedelic Rock Stil.Heinz-Rudolf Kunze;Oliver Kobold: Werdegang : Die Autobiographie. Leipzig 2021, S. 56. Ebenfalls 1999 folgte eine goldene CD für die Übersetzungsarbeit am Musical Miss Saigon.

2000 bis 2009 mini|Kunze mit „Räuberzivil“ (2008)

Im Jahr 2001 erschien das Album Halt. Kunze setzte die Reihe seiner Buch-Veröffentlichungen fort und schrieb das Libretto für gleich zwei Shakespeare-Musicals nach der Musik von Heiner Lürig (Ein Sommernachtstraum, Kleider machen Liebe – oder: Was ihr wollt). Nach den Musical-Erfolgen durften sich beide Künstler 2003 in das Goldene Buch der Stadt Hannover eintragen, womit eine Art Rückschau auf Kunzes künstlerisches Werk begann. In der Folge erhielt er den Praetorius Musikpreis und den Niedersächsischen Staatspreis für sein Lebenswerk. 2007 wurde ihm von Dieter Thomas Heck eine weitere Goldene Stimmgabel verliehen, ebenfalls für sein Lebenswerk.

2003 wechselte Kunze mit Frank Plasa erstmals seit den 1980er-Jahren den Produzenten und spielte das Album Rückenwind mit neuen, jüngeren Musikern wie Jörg Sander, Jens Carstens und Leo Schmidthals ein.

2005 steuerten Kunze und Lürig zum Deutschen Evangelischen Kirchentag 2005 das Kirchentagslied Mehr als dies/Wenn dein Kind dich morgen fragtepd-Agenturmeldung und Liedtext, abgerufen am 22. Februar 2020 bei. Dazu wurde eine CD-Sonderedition mit einer Auflage von 10.000 Exemplaren veröffentlicht.

Kunze feierte 2005 sein 25-jähriges Bühnenjubiläum, das der WDR für den Rockpalast aufzeichnete. Heiner Lürig kehrte 2005 nochmals für zwei Studioalben zu ihm zurück und war bei den Alben 2005 „Das Original“ und 2007 „Klare Verhältnisse“ als Mitproduzent dabei.

Im Jahr 2006 sang Kunze das von ihm mitgetextete Titel-Lied zur gleichnamigen ARD-KiKA-Zeichentrickfilmserie Little Amadeus.heinzrudolfkunze.de abgerufen am 12. Oktober 2020

Im November 2006 brachten Heinz Rudolf Kunze und der Schauspieler Rolf Hoppe (1930–2018) auf Schloss Weesenstein ihr gemeinsames Programm Sachsophonie zur Aufführung. Sie präsentierten persönliche Lieblingstexte verschiedener Autoren aus Sachsen und Niedersachsen – von Lessing bis Kunze – und traten beide auch sangesfreudig in Erscheinung.