Roßdorf ist eine Gemeinde mit über 13.000 Einwohnern im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg.

Geographie mini|links|Blick auf Roßdorf vom Rehberg (2020) mini|links|Roßdorf und seine Ortsteile mini|Blick auf Roßdorf vom Roßberg mini|Luftaufnahme von Roßdorf (obere Bildhälfte, Mitte, 2015) Die Gemeinde Roßdorf besteht aus den beiden Ortsteilen Gundernhausen und Roßdorf und liegt etwa acht Kilometer südöstlich von Darmstadt. Sie grenzt im Norden und Osten an die Gemeinde Groß-Zimmern, im Südosten an die Stadt Reinheim, im Süden an die Stadt Ober-Ramstadt und im Westen an die kreisfreie Stadt Darmstadt. Vom Gipfelkreuz des Rehbergs hat man eine weite Aussicht in Richtung Aschaffenburg und Frankfurt.

Nordwestlich von Roßdorf erstreckt sich der Darmstädter Oberwald, südwestlich beginnt der Vordere Odenwald. Durch den Ort verläuft die Rhein-Main-Wasserscheide mit dem Ruthsenbach im Einzugsgebiet des Rheins im Westen und dem Erbesbach im Einzugsgebiet des Mains im Osten.

Geschichte Ortsgeschichte Urkundlich wurde Roßdorf im Jahre 1250 als Roßedorph erstmals erwähnt. Zu dieser Zeit belehnte der Fuldaer Fürstabt Heinrich IV. von Erthal die Grafen Diether V. und Eberhard I. von Katzenelnbogen mit den Dörfern Roßdorf und Gundernhausen. In historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte dann unter wechselnden Ortsnamen belegt (in Klammern das Jahr der Erwähnung): Rosdorf (1321); Rostdorf (1330); Roßdorf (1354); Rosdorff (1361); Roßdorff (1403); Rostorff (1427); und Rostroff (1559).

1479 starb das Geschlecht der Grafen von Katzenelnbogen im Mannesstamm aus und das Erbe ging aufgrund der 1458 erfolgten Heirat der Erbtochter Anna mit Landgraf Heinrich III. von Hessen-Marburg an diesen.

Während des Dreißigjährigen Krieges quartierten sich 1621 bayerische Soldaten in Roßdorf ein und plünderten den Ort. Darüber hinaus fanden Hexenprozesse statt, in deren Verlauf einige Einwohner der Zauberei beschuldigt wurden. Die größte Not für Roßdorf kam in den Jahren 1634/35. In der Gegend standen sich die Kaiserlichen und die Schweden gegenüber, die abwechselnd die gesamte Landschaft verwüsteten und ausgebeuten und die Bevölkerung stark dezimierten. Im Sommer 1635 brach dazu die Pest aus und dezimierte die Einwohnerzahl auf nur noch etwa 50. Im Jahre 1672, während des Französisch-Holländischen Krieges, quartierten sich Truppen Ludwigs XIV. ein. 1814 zogen russische Soldaten auf dem Weg nach Frankreich durch.

Im Jahr 1783 ist dokumentiert, dass Roßdorf zum Amt Lichtenberg, das ab 1806 zur Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen gehörte, zählte und dort bis 1820 blieb.

Roßdorf lag im Gerichtsbezirk der Zent Ober-Ramstadt. Die Zent war in sogenannte „Reiswagen“ eingeteilt, denen jeweils ein Oberschultheiß vorstand, die dem Zentgrafen unterstellt waren. Dieser Bezirk hatte einen Frachtwagen (Reiswagen) einschließlich Zugtieren und Knechten für Feldzüge bereitzustellen. Roßdorf gehörte zum „Roßdorf Reiswagen“, zu dem auch Gundernhausen sowie alle zugehörigen Höfe und Mühlen gehören. Die gesamte Zent Ober-Ramstadt war dem Amt Lichtenberg zugeteilt. Diese Einteilung bestand noch bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts.

Über den Landratsbezirk Reinheim kam Roßdorf 1832 in den Kreis Dieburg und wechselte mit der Gebietsreform 1938 in den Kreis Darmstadt.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Roßdorf:

Hessische Gebietsreform (1970–1977) Am 1. Januar 1977 wurde im Rahmen der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz die bis dahin selbstständige benachbarte Gemeinde Gundernhausen nach Roßdorf eingegliedert, zugleich wurde der Landkreis Darmstadt-Dieburg gegründet, zu dem Roßdorf seither gehört. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht eingerichtet.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Roßdorf angehört(e):

vor 1479: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Katzenelnbogen, Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1479: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Obergrafschaft Katzenelnbogen ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Obergrafschaft Katzenelnbogen, (1791: Amt Lichtenberg, Zent Ober-Ramstadt, Roßdorfer Reiswagen) ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1806: Großherzogtum Hessen, Fürstentum Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Amt Lichtenberg ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk ReinheimTrennung zwischen Justiz (Landgericht Lichtenberg) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich, Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis Dieburg ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg

Gerichte Roßdorf gehörte zum Zentgericht Ober-Ramstadt. In der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt wurde mit Ausführungsverordnung vom 9. Dezember 1803 das Gerichtswesen neu organisiert. Für das Fürstentum Starkenburg wurde das Hofgericht Darmstadt als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Die Rechtsprechung der ersten Instanz wurde durch die Ämter bzw. Standesherren vorgenommen. Damit war für Roßdorf das Amt Lichtenberg zuständig. Das Hofgericht war für normale bürgerliche Streitsachen Gericht der zweiten Instanz, für standesherrliche Familienrechtssachen und Kriminalfälle die erste Instanz. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt. Die Zentgerichte hatten damit ihre Funktion verloren.

Mit Bildung der Landgerichte im Großherzogtum Hessen war ab 1821 das Landgericht Lichtenberg das Gericht erster Instanz. Die zweite Instanz war das Hofgericht Darmstadt. Es folgten: ab 1848: Landgericht Reinheim (Verlegung aus Lichtenberg); zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt 1853: Landgericht Darmstadt; zweite Instanz: Hofgericht Darmstadt 1879: Amtsgericht Darmstadt II (Umbenennung); zweite Instanz: Landgericht Darmstadt 1932: Amtsgericht Darmstadt (Zusammenlegung des Amtsgerichts Darmstadt und des Amtsgerichts Darmstadt II); zweite Instanz: Landgericht Darmstadt

Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Roßdorf 11930 Einwohner. Darunter waren 1138 (9,5 %) Ausländer, von denen 526 aus dem EU-Ausland, 252 aus anderen europäischen Ländern und 360 aus anderen Staaten kamen. Von den deutschen Einwohnern hatten 9,3 % einen Migrationshintergrund. Die Einwohner lebten in 5226 Haushalten. Davon waren 1599 Singlehaushalte, 1582 Paare ohne Kinder und 1483 Paare mit Kindern, sowie 409 Alleinerziehende und 153 Wohngemeinschaften.

Einwohnerentwicklung • 1806: 1145 Einwohner, 189 Häuser • 1829: 1529 Einwohner, 243 Häuser • 1867: 1966 Einwohner, 315 Häuser

Religionszugehörigkeit • 1829: 1485 lutheranische (= 97,12 %), 3 reformierte (= 0,20 %), 40 jüdische (= 2,62 %) und einen katholischen (= 0,06 %) Einwohner • 1961: 4517 evangelische (= 78,91 %), 942 katholische (= 16,46 %) Einwohner • 2011: 5480 evangelische (= 46,1 %), 2700 katholische (= 22,6 %), 210 freikirchliche (= 1,7 %), 180 andersgläubig (= 1,5 %), 3220 sonstige (= 27,1 %) Einwohner

Erwerbstätigkeit Die Gemeinde im Vergleich mit Landkreis, Regierungsbezirk Darmstadt und Hessen: Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenSozialversicherungspflichtig Beschäftigte 2017 2.579 74.525 1.695.567 2.524.156 Veränderung zu 2000 +19,3 % +21,1 % +16,1 % +16,0 % davon Vollzeit 2017 67,4 % 68,3 % 72,8 % 71,8 % davon Teilzeit 2017 32,6 % 31,7 % 27,2 % 28,2 % Ausschließlich geringfügig entlohnte Beschäftigte 2017 497 15.305 224.267 372.991 Veränderung zu 2000 +0,2 % +14,4 % +9,0 % +8,8 %

Branche Jahr Gemeinde Landkreis Regierungsbezirk HessenProduzierendes Gewerbe 2000 43,1 % 41,1 % 27,0 % 30,6 % 2017 27,7 % 31,3 % 20,4 % 24,3 %Handel, Gastgewerbe und Verkehr 2000 19,3 % 26,1 % 26,4 % 25,1 % 2017 17,1 % 26,8 % 24,7 % 23,8 %Unternehmensdienstleistungen 2000 15,0 % 11,6 % 25,1 % 20,2 % 2017 32,5 % 17,1 % 31,6 % 26,1 %Sonstige Dienstleistungen 2000 20,7 % 18,8 % 20,1 % 22,5 % 2017 21,9 % 23,6 % 23,0 % 25,4 %Sonstiges (bzw. ohne Zuordnung) 2000 1,9 % 2,4 % 1,4 % 1,5 % 2017 0,8 % 1,1 % 0,8 % 0,4 %

Politik Gemeindevertretung Für die Gemeindevertretung der Gemeinde Roßdorf erbrachte die Kommunalwahl am 15. März 2026 folgendes amtliche Endergebnis,Votemanager: Amtliches Endergebnis der Gemeindewahl am 15. März 2026 in Vergleich gesetzt zu früheren Kommunalwahlen:

Wahlvorschläge%2026Sitze2026%2021Sitze2021%2016Sitze2016%2011Sitze2011%2006Sitze2006%2001Sitze2001 30,5942,41345,41449,71651,81655,617 22,9716,9519,5623,6726,6830,29 24,2821,7716,0522,4713,7414,35 WiR Wir in Roßdorf15,2517,5519,26–––––– IGEL DIE IGELhttps://igel-rossdorf.de/7,32–––––––––– Denken20 Denken20––1,51–––––––– ––––––4,317,93–– Gesamt 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 100,0 31 Wahlbeteiligung in % 61,1 60,3 54,2 56,7 51,9 56,4

Bürgermeister Nach der hessischen Kommunalverfassung wird der Bürgermeister für eine sechsjährige Amtszeit gewählt, seit dem Jahr 1993 in einer Direktwahl, und ist Vorsitzender des Gemeindevorstands, dem in der Gemeinde Roßdorf neben dem Bürgermeister ehrenamtlich ein Erster Beigeordneter und sieben weitere Beigeordnete angehören.Gemeindevorstand Bürgermeister ist seit dem 1. Mai 2022 der parteiunabhängige Norman Zimmermann. Seine Amtsvorgängerin Christel Sprößler (SPD), die im Vorjahr für eine vierte Amtszeit gewählt worden war,Votemanager: Bürgermeisterwahl Gemeinde Roßdorf 2021 wechselte mit Jahresende 2021 nach ihrer Wahl zur hauptamtlichen Kreisbeigeordneten zum Landkreis Darmstadt-Dieburg. Norman Zimmermann wurde am 4. April 2022 in einer Stichwahl bei 51,01 Prozent Wahlbeteiligung mit 65,65 Prozent der Stimmen gewählt.Votemanager: Bürgermeisterstichwahl Gemeinde Roßdorf 2022

Amtszeiten der Bürgermeister; Hinweis: für die Ansicht der archivierten Einzelergebnisse ggf. bitte die Endung index.html aus der Webadresse löschen und diese dann neu laden 2022–2028 Norman ZimmermannFrankfurter Neue Presse, 3. April 2022: - Ein echter Neuanfang mit sehr vielen Chancen, Versprechungen und ganz neuen Vorzeichen: „Am Freitag, 29.4.22 wurde der neue Bürgermeister Norman Zimmermann vereidigt. Die Amtszeit ist sechs Jahre, beginnend mit dem 1. Mai 2022.“ 2003–2021 Christel Sprößler (SPD)Landkreises Darmstadt-Dieburg: Sozial- und Jugenddezernentin Christel Sprößler 1997–2003 Manfred Pfeiffer (SPD) 1982–1997 Alfred Jakoubek (SPD) 1954–1982 Heinrich Kloß (SPD) … 1822–1825 Hofrat Georg Wilhelm Justin Wagner

Wappen und Flagge mini|100px

Wappen links|100px Blasonierung: „Im blauen Schild steigender silberner Mond mit eingehängtem Hufeisen, darunter eine silberne Rose mit blauem Butzen, das freie Feld mit sieben goldenen Sternen (5:2) bestreut.“.

Das Recht zur Führung des Wappens wurde der Gemeinde Roßdorf (bei Darmstadt) am 20. Februar 1952 durch den Hessischen Innenminister verliehen. Gestaltet wurde es durch den Heraldiker Georg Massoth.