mini|Gleitschirm­basierter I-TEC Maverick, 2012 mini|Plane Driven PD-2, 2013, eine modifizierte Glasair Sportsman 2+2 mini|Terrafugia Transition, 2009, beim Ausklappen der Flügel mini|PAL-V auf dem Genfer Auto-Salon 2019

Ein Flugauto ist ein Beförderungsmittel, das sowohl als Luftfahrzeug als auch als Automobil dient. Flugautos gibt es seit Mitte der 1930er Jahre in Form experimenteller, aber funktionierender Prototypen. Eine Fertigung in höheren Stückzahlen sowie gesetzliche Regelungen für die Nutzung gibt es bisher nicht. In den Nachkriegsjahrzehnten gab es in Science-Fiction und Futurologie die Vorstellung, das fliegende Auto werde im 21. Jahrhundert das gängige Transportmittel, was sich jedoch bisher nicht bewahrheitet hat.

Begriffliche Abgrenzung zu anderen Fahrzeugen

Im engeren Sinne ist ein Flugauto ein Mehrpersonentransportmittel, das in Kombination beides ist: sowohl ein Luftfahrzeug als auch ein Landfahrzeug, und das am Boden über alle notwendigen Einrichtungen verfügt, um so wie jedes andere Auto am städtischen und ländlichen individuellen Straßenverkehr teilzunehmen. In diesem engeren Sinne wird es auch als „straßenfähiges Flugzeug“ (englisch roadable aircraft) bezeichnet.

Im weiteren Sinne dagegen ist ein Flugauto jedes fliegende Gefährt, das mehrere Personen „Auto-ähnlich“, also von Haustür zu Haustür durch die Luft befördert, auch in autoähnlicher Fahrzeuggröße, aber durchaus ohne Räder. Ein Flugauto im weiteren Sinne muss also nicht am Straßenverkehr teilnehmen können und heißt in dieser erweiterten Bedeutung auch einfach „fliegendes Auto“ (englisch flying car). Somit ist dies der Oberbegriff für „straßenfähiges Flugzeug“.

Allerdings ist diese vor allem im englischen Sprachraum getroffene Trennung unscharf und wird uneinheitlich verwendet. Teilweise wird zu Werbezwecken auf den grammatikalischen Unterschied Wert gelegt, ob „Auto“ oder „Flugzeug“ das Substantiv oder das Adjektiv des Gesamtwortes darstellen.

Der Begriff Hovercar (englisch für „Schwebe-Auto“) zielt auf die limitierende Eigenschaft hin, nach dem Abheben lediglich den Bodeneffekt, den Luftkisseneffekt oder ggf. andere z. T. heute noch kaum oder gar nicht nutzbare bodennahe Kräfte (z. B. magnetischer oder gravitativer Art) nutzen zu können. Hovercars sind im engeren Sinne keine Flugautos, da sie nicht hoch fliegen, aber auch nicht wirklich „fahren“ können. In den weiteren Sinn des Begriffes Flugauto würden sie jedoch durchaus passen, falls der Transport von Haustür zu Haustür möglich ist und unterwegs ein Teil der Strecke fliegend überwunden werden kann.

Auch auf die Größe eines PKWs faltbare Flugzeuge wie z. B. das ICON A5 Folding Plane von ICON Aircraft sind nicht in jedem Falle Flugautos. Die Bedingung, selbst am Straßenverkehr teilnehmen zu können, ist für ein Flugauto im engeren Sinne bindend. Und für die Bedeutung eines Flugautos im weiteren Sinne bedarf es einer Landefähigkeit auf kleinster Fläche direkt vor jeder beliebigen Haustür. Ein privater Flugplatz vor der Haustür im australischen Outback erfüllt diese Bedingung ebenso nicht wie ein See vor dem Haus, wenn das Luftfahrzeug nicht jedes beliebige andere Haus mit Straßenanbindung ebenfalls erreichen kann.

Als Oberbegriff, der auch nicht-autoähnliche, extrem kleine oder Ein-Personen-Luftfahrzeuge mit einschließt, entstand außerdem der englische Begriff Personal Air Vehicle (englisch für „Persönliches Luftfahrzeug“) unter den z. B. die NASA-Konzepte „Puffin“ oder „Spiral Duct“, aber auch Ein-Personen-Motorräder wie die der Firma Sky Cycle fallen. Die genannten Fahrzeuge sind im engeren Sinne keine Flugautos, da sie keine zweite Person befördern können. Andererseits können Flugautos im weiteren Sinne somit durchaus unter den Begriff Persönliche Luftfahrzeuge fallen.

Nicht unter den Begriff Flugauto fallen außerdem z. B. die autoähnlichen fliegenden Modelle zu Showzwecken der Firma Gearfactor, da sie keine Personen befördern können.

Videoübersicht zu den wichtigsten Modellen

Die folgende Übersicht zeigt ein jeweils passendes Video zum jeweiligen Flugauto in Spalte 3: YT enthält den externen Link, z. B. nach „YouTube“. Soweit mehrere Videos zur Verfügung standen, wurde der Hörbarkeit von Fahr- und Fluggeräuschen der Vorzug vor Musikuntermalung oder Kommentaren gegeben:

Pro­duk­tion Name der Firma und des Typs Video­beispiel Bau­weise Erst­flug Flug­geräte­typ Straßen­typ Straßen­räder Kon­struk­teur in 2014 I-TEC Maverick YT Umbau 2008 Gleitschirm offroad 4 Steve Saint 2010 Plane Driven PD-1 und PD-2 YT Umbau 2008 Flügel normal 3 Trey Johnson 2015 Terrafugia Transition YT Umbau 2009 Flügel normal 4 Carl Dietrich 2015 PAL-V ONE YT Umbau 2007 Gyro­kopter normal 3 John Bakker 2016 Aeromobil YT Umbau 2013 Flügel normal 4 Stefan Klein 2017 Carplane YT komplett 2016 Flügel normal 4 John Braun 2022 Terrafugia TF-X YT komplett 2021 VTOL normal 4 Carl Dietrich offen Urban Aeronautics X-Hawk YT komplett offen VTOL langsam 4 Rafi Yoeli offen NASA Samarai YT komplett offen VTOL langsam 3 NASA offen Moller M200X Neurea YT komplett 1975 VTOL langsam 3 Paul Moller 2015 Fresh Breeze XCitor YT Umbau 2014 Gleit­schirm offroad 3 Michael Werner 2012 Butterfly LLC Sky Cycle als 2-Sitzer YT komplett 2006 Gyro­kopter normal 3 Larry Neal 2015 Parajet Skycar YT Umbau 2009 Gleit­schirm offroad 4 Neil Laughton 2009 AutoGyro Calidus YT Umbau 2009 Gyro­kopter normal 3 Team keine Wagner Aerocar YT Umbau 1965 Gyro­kopter normal 4 Alfred Vogt 2017 PEGASE des Startups VAYLON YT Umbau 2016 Gleitschirm normal 4 Jérôme Dauffy offen Moller Skycar (M200M und M400) YT komplett offen VTOL langsam 3 Paul Moller offen Samson Switchblade YT Umbau offen Flügel normal 3 Sam Bousfield keine Arrowbile oder Aerobile YT modular 1934 Flügel normal 3 Waldo Waterman keine Autogiro Pitcairn AC-35 YT Umbau 1937 Gyro­kopter normal 3 James G. Ray keine Aerocar Metamorphosis YT modular 1949 Flügel normal 4 Molt Taylor

Erläuterungen zur Tabelle:

Straßenräder Viele der aufgelisteten Flug- und Fahrzeuge besitzen keine weltweite Straßenzulassung und können oft nur per Einzelantrag zugelassen werden. Wichtig hierbei ist die Anzahl der Räder; bei weniger als vier Rädern kann das Gefährt am Boden deutlich einfacher eine Zulassung als „Motorrad“ bekommen. Produktion Gemeint ist eine Serienproduktion mit laufendem Verkauf der Fahrzeuge. Das Aerobile der 30er Jahre erfüllt diese Bedingung nicht (fünf Stück produziert). Bauweise Eine „komplett“-Variante muss nach der Landung maximal die Rotoren ausrichten, die Rotorblätter oder Flügel automatisiert zurückklappen o. ä. Dagegen heißt „Umbau“, dass das Fahrzeug nach der Landung zwar in einem Stück bleibt, aber für den Straßeneinsatz noch kurz verändert werden muss (z. B. einsammeln des Gleitschirms, Dinge von Hand umklappen oder nach dem automatischen Umklappen von Hand prüfen etc.). Mit „modular“ ist das Zurücklassen eines Teils am Flugplatz gemeint (oder das Verladen des demontierten Teils in einen zusätzlichen Anhänger zwecks Transportes). Erstflug Gemeint ist das Abheben vom Boden ohne zusätzliche Hilfsmittel und ohne Sicherungsleine und das Landen an einem anderen Ort z. B. mindestens einhundert Meter entfernt. Fluggerätetyp Mit „Flügel“ ist eine flugzeugähnliche Bauweise gemeint, egal ob diese wegklappbar oder starr sind. Ein Gleitschirm kann vor dem Start ggf. automatisch entfaltet werden. Da die Rotoren nicht als Hubmittel, sondern lediglich als Vorwärtsflug-Flügel mit ständig wechselnder rotierender Position konzipiert sind, benötigt ein Gyrokopter (Tragschrauber) trotz des Rotors normalerweise eine Start- und eine Landebahn. VTOL Senkrechtstarter Straßentyp Mit „langsam“ ist gemeint, dass das Fahrzeug am Boden lediglich die Fähigkeit zum Taxiing mit Hilfe von Rädern hat. Eine Teilnahme am regulären Straßenverkehr ist mit dieser geringen Geschwindigkeit nur bedingt möglich und nur bedingt zulässig.

Geschichte

mini|Glenn Curtiss Autoplane von 1917 mini|Das erste erfolgreich geflogene Flugauto, das Pitcairn Autogyro AC-35, Erstflug 1936 mini|Watermann Arrowbile III, Erstflug 1937

Idee und erste Experimentalflüge

Als erster Entwurf eines Flugautos gilt heute das Autoplane von Glenn Curtiss aus dem Jahre 1917, das aber nicht flugfähig war. Allerdings hob es kurze Strecken vom Boden ab – nur etwa 30 Jahre nach der Patentierung des ersten Benz-Automobils.

Erst weitere fast 20 Jahre später, am 26. März 1936, hob dann das Pitcairn Autogyro AC-35 für einen Flug über Washington, D.C. ab. Es war durch die US-Behörde „U.S. Department of Commerce“ in Auftrag gegeben worden und von der Pitcairn Aircraft Company hergestellt worden. Es wurde vom Chef der Herstellerfirma und Testpiloten James G. Ray geflogen und landete unter den Augen tausender Zuschauer in einem Stadtpark. Dort baute Ray das Fluggerät binnen weniger Minuten in die straßenfähige Konfiguration um und fuhr es entlang weiterer tausender Zuschauer, begleitet von Kameras, durch den Straßenverkehr zurück zum Ausgangspunkt. Das Vorhaben einer Serienproduktion wurde jedoch nie verwirklicht, noch nicht einmal später in den 60ern als reines Kleinflugzeug ohne Straßenfähigkeit. Die Firma ging zu diesem zweiten Zeitpunkt gerade bankrott. Obwohl das Flugauto wie ein Hubschrauber aussieht, ist es als Gyrokopter (Tragschrauber) konzipiert und konnte, wie die meisten dieser Art nicht senkrecht starten, benötigte also eine Startbahn und auch eine kurze Landebahn.

Das erste fliegende Auto, das dann mehrmals flog und auch mehrfach nachgebaut wurde, entwickelte Waldo Waterman. Am 21. März 1937 führte er den Jungfernflug des Arrowbile oder Aerobile durch. Dieses Flugauto war eine Weiterentwicklung des von ihm erfundenen „schwanzlosen“ Flugzeugs, der Waterman Whatsit. Das Waterman Aerobile hatte eine Flügelspannweite von 11,6 Meter und eine Länge von 6,10 Meter. Sowohl auf dem Boden als auch in der Luft wurde es mit einem Automotor der Firma Studebaker angetrieben, für den zuerst die Homologierung gemäß der Luftfahrtbehörde als Flugzeugmotor erfolgen musste. Die Maschine war in der Luft maximal 177 km/h schnell und fuhr am Boden je nach Quelle maximal 88 km/h oder 112 km/h (gem. NZZ). Die Reichweite betrug 640 Kilometer. Die optimistische Schätzung für den Preis lag bei 1.200 Dollar, falls 10.000 Exemplare verkauft würden. Speziell war das Konzept auch deshalb, weil es darauf verzichtete, die Flügel auf der Straße mitzuführen. An speziellen Rampen in einem Schuppen sollten auf Flugplätzen den Flugzeugen dieses Typs die Flügel abgenommen und gelagert werden.NZZ Mittagsausgabe, 9. Juni 1937: Das fliegende Automobil, Blatt 4

In der Zeit dieser Anfangserfolge und trotz des Scheiterns an Serienproduktion und Verkauf sagte Henry Ford 1940 über Flugautos: “Mark my word: a combination of airplane and motorcar is coming. You may smile, but it will come.” ( für: „Glauben Sie mir: Eine Kombination aus Flugzeug und Automobil wird kommen. Sie mögen lächeln, aber sie wird kommen.“)

Entwicklung ab dem Ende des Zweiten Weltkrieges

mini|Flügel abmontierbar: Moulton Taylors Aerocar III von 1949 mini|Mizar von AVE, 1973 mini|Bis heute in der Entwicklung: Moller Skycars M200M und M400

In den Nachkriegsjahrzehnten wurde durch Science-Fiction die Vorstellung ausgelöst, das fliegende Auto werde im 21. Jahrhundert das Standard-Transportmittel. Doch die tatsächliche Entwicklung schien eher gegenläufig. Es gab zwar einige Prototypen, z. B. das Model 118 ConvAirCar von Convair, das am 12. Juli 1946 seinen Erstflug hatte, oder die Moulton-Taylor-Modelle Aerocar I bis III aus den Jahren 1949 und 1950. Sie hatten jedoch keinen kommerziellen Erfolg und blieben von der Öffentlichkeit weitgehend unbemerkt. Der AVE Mizar, eine Studie des Ingenieurs Henry Smolinski, vereinigte das hintere Teil einer Cessna Skymaster mit einem Ford Pinto. Die beiden Teile lösten sich jedoch während eines Fluges, und Smolinski und der Pilot starben bei dem Absturz.