mini|hochkant|Statue Salvador Allendes neben der Moneda Am 11. September 1973 putschte das Militär in Chile. Der drei Jahre zuvor demokratisch gewählte sozialistische Präsident Salvador Allende nahm sich das Leben, nachdem die Luftwaffe begonnen hatte, den Präsidentenpalast La Moneda zu bombardieren, und Militär in den Palast eingedrungen war. Eine Junta unter der Führung von Augusto Pinochet regierte Chile daraufhin bis zum 11. März 1990 als Militärdiktatur. Er war ein zentrales Ereignis im Kalten Krieg mit ähnlich symbolhafter Bedeutung wie die Revolution in Kuba.

Vorgeschichte Regierung Allendes Am 24. Oktober 1970, sieben Wochen nach der Volkswahl, bei der kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichen konnte, war der Sozialist Salvador Allende vom Parlament (Nationalkongress), auch mit der Unterstützung der Christdemokraten, ins Präsidentenamt gewählt worden. In den 1960er Jahren hatten politische Polarisierungen in Chile zugenommen. Allendes Vorgänger von 1964–1970, Eduardo Frei Montalva, hatte bereits tiefe soziale und ökonomische Reformen begonnen, etwa die Kupferbergwerke teilweise verstaatlicht (Kupfer war und ist Chiles wichtigstes Exportprodukt, siehe auch Wirtschaft Chiles). Allende führte diese Politik weiter und vertiefte sie. Neben der vollständigen und entschädigungslosen Verstaatlichung der großen Kupferbergwerke und der teilweisen Verstaatlichung von großen Banken und Industriebetrieben führte er auch eine umfassende Agrarreform durch.

Siehe auch: Geschichte Chiles

Zunehmende politisch motivierte Gewalt: 1970–1972 Am 8. Juni 1971 wurde der Christdemokrat und Ex-Minister Edmundo Pérez Zujovic ermordet. Die Tat wurde der linksradikalen Gruppe Vanguardia Obrero Popular (VOP) angelastet. Die Linksparteien warfen den Rechten vor, den Mord verübt zu haben, um die Christdemokraten von der Unterstützung Allendes abzubringen. Die genauen Hintergründe des Anschlages konnten nicht vollständig aufgeklärt werden. Im folgenden Jahr beendeten die Christdemokraten ihre Unterstützung für Allende und schlossen sich der rechten Opposition an.

Ende 1971 besuchte Kubas Präsident Fidel Castro vier Wochen lang Chile. Dadurch wurde in Chile wie international der Eindruck verstärkt, dass Chile dem kubanischen Modell einer sozialistischen Planwirtschaft folgte. der Universität von Texas. (englisch)

Die Proteste im Land schwollen an: Bauern protestierten gegen die Durchführung der Landverteilung, die Kollektive gegenüber Vertragsfarmern bevorzugte, und besetzten Ackerland, was Nahrungsmittelengpässe zur Folge hatte. 1972 mussten Lebensmittel rationiert werden, und die Regierung war gezwungen, Devisen für die Einfuhr von Nahrungsmitteln aufzuwenden. Im Herbst 1972 streikten etliche Berufsgruppen, darunter Lastwagenfahrer, Bankangestellte, Arbeiter und Studenten, um eine Wende in der Wirtschaftspolitik zu erzwingen. Laut Berichten der New York Times wurden sie dabei teilweise durch geheime Finanzströme der CIA finanziert. Es kam zu Straßenschlachten. Allende rief den Notstand aus. Radikale rechte Gruppen verübten Terror und Sabotage. Es soll in Allendes Amtszeit insgesamt 600 Terroranschläge auf Eisenbahnen, Brücken, Hochspannungsleitungen und Pipelines gegeben haben.

Entspannung und Wahlen Die Einbindung des Militärs in die Regierung im November 1972 durch die Ernennung von General Carlos Prats zum Innenminister konnte die angespannte Lage für einige Monate beruhigen. Anfang 1973 konnten planmäßig Parlamentswahlen abgehalten werden. Aufgrund von Bevölkerungswachstum und Wahlrechtsausweitungen der Regierungen Frei und Allende beteiligten sich mit 3,7 Mio. Bürgern fast 1,3 Mio. mehr Menschen bei der Wahl als 1969. Auch die hohe Wahlbeteiligung von mehr als 81 % spiegelt die Politisierung der gesamten Gesellschaft wider.

Bei diesen Wahlen steigerte die Unidad Popular (UP) ihren Stimmenanteil noch einmal auf 44 % und erreichte damit das beste Ergebnis ihrer Geschichte, wobei innerhalb der UP die Sozialisten als radikalste Kraft am stärksten gewannen und die moderateren Kommunisten, Rechte und gemäßigte Parteien stagnierten. Die UP erhielt 67 von 150 Sitzen im Abgeordnetenhaus und verfehlte damit die angestrebte absolute Mehrheit. Der parlamentarische Zusammenschluss von Partido Nacional und Christdemokraten unter dem Namen DOCE erlangte mit 55 % der Stimmen eine Parlamentsmehrheit von 75 Abgeordneten und 13 von 25 Senatoren. Diese Patt-Situation besiegelte die politische Blockade: Präsident Allende konnte auf keine Mehrheit im Parlament bauen, aber andererseits war die vereinigte Opposition zu schwach, Allende des Amtes zu entheben oder die Verfassung zu ändern – für beides wäre eine Zweidrittelmehrheit im Parlament nötig gewesen. Wie geplant traten nach der ordnungsgemäßen Durchführung der Wahl die Militärs von ihren Ministerposten zurück.

Endgültige Eskalation: Mai bis September 1973 Die letzte Phase der Regierung Allende war gekennzeichnet durch eine stetige Eskalation der politischen Konfrontation. Der Historiker Mario Góngora nannte diese Zeit einen „Bürgerkrieg ohne Waffen“ und verglich ihn mit den letzten Monaten der Spanischen Republik.„una guerra civil todavía no armada, pero catástofica, análoga a los últimos meses de la Repúblice española, antes de julio de 1936“ (Mario Góngora)

Schon in der Woche nach Allendes Wahl 1970 hatte sich die rechtsextreme Gruppe Patria y Libertad gegründet. Sie stand in vorderster Front im Straßenkampf gegen Gruppen der Kommunistischen und Sozialistischen Partei. Dutzende oder hunderte Menschen wurden Opfer der politischen Gewalt beider Seiten.

Auftakt war ein parlamentarischer Boykott, den die Opposition im Mai ausrief. Sie lehnte alle Regierungsvorlagen ohne Debatte ab und kritisierte die Regierung heftig.

Nachdem ein zweimonatiger Streik der Kupferarbeiter in El Teniente, dem zweitgrößten Bergwerk des Landes, im Juni beigelegt wurde, streikten im Juli 1973 erneut Fuhrunternehmer und Spediteure. Bei den Streiks arbeiteten einzelne Arbeitergruppen und Gewerkschaftsführer mit der Nationalen Partei und den Studenten der Pontificia Universidad Católica de Chile in Santiago zusammen. Die Mehrheit der Arbeiter dagegen unterstützte die Regierung immer noch.[Quelle?]

Am 29. Juni erfolgte ein erster Putschversuch, der unter dem Namen Tanquetazo berühmt wurde. Die Erhebung von Coronel Roberto Souper vom Regiment Blindado 2 kostete 22 Menschen das Leben, doch Heeresführer Prats blieb loyal zur Regierung.

Am 26. Juli wurde der Offizier Arturo Araya Peters auf seinem Balkon erschossen. Die Opposition berichtete, die Täter seien kubanische Agenten und Mitglieder von Allendes Leibwächtern Grupo de Amigos Personales (GAP). Tatsächlich steckte die Patria y Libertad hinter dem Anschlag. Die Mörder Guillermo Claverie, Adolfo Palmer und Guillermo Bunster wurden verhaftet, gingen jedoch unter der späteren Diktatur straflos aus.[Quelle?]

Als im Juli ein letzter Versuch einer Einigung mit den Christdemokraten gescheitert war, berief Allende am 9. August erneut Militärs in sein Kabinett. Doch diesmal waren es nicht einzelne Generäle, sondern alle vier Oberkommandierenden der Teilstreitkräfte, daher der Name Gabinete de Comandantes en Jefe in der Presse. Carlos Prats (Heer) wurde Verteidigungsminister, außerdem wurden Raúl Montero (Marine), César Ruiz (Luftwaffe) und José María Sepúlveda (Carabineros de Chile) berufen. Die politische Gesinnung innerhalb des Militärs hatte sich jedoch gewendet und verfassungstreue Generäle wie Prats gerieten zunehmend unter Druck.William F. Sater: Chile and the United States. Empires in Conflict. University of Georgia Press, Athens 1990, S. 178–181, ISBN 0-8203-1249-5 Diese Ernennungen führten zum endgültigen Bruch zwischen Allende und den radikalen Linken. Die MIR etwa sprach von einer „Kapitulation Allendes“ und nannte ihn fortan nicht mehr „compañero“, sondern „señor“. Aber auch Allendes eigene Partei stand immer mehr in offenem Konflikt zu ihm.etwa in einer Erklärung vom 8. September: „… han optado por la táctica criminal del repligue y la capitulación frente a las exigencias patronales.“

Mitte August reiste der sich im Ruhestand befindliche chilenische Admiral Roberto Kelly in geheimer Mission in das von einem Militärregime regierte Brasilien. Die Putschisten befürchteten, Peru könnte den Staatsstreich dazu nutzen, einige umstrittene Gebiete an der peruanisch-chilenischen Grenze zu besetzen. Das brasilianische Regime hatte ausreichend Informationen, um ihn zu beruhigen. Damit hatten die Putschisten „grünes Licht“, wenn sie die Mehrheit der anderen Militärs in Chile hinter ihrem Ziel vereinen konnten.

Am 22. August sprach der Kongress in einer symbolischen Geste Allende mit 81 zu 47 Stimmen (die UP hatte im März noch 62 Sitze gewonnen) das Misstrauen aus und forderte die Generäle zum Rücktritt auf. Diese folgten dem Aufruf des Parlaments und traten von Ministerposten und auch als Oberkommandierende zurück. Nachfolger von Prats als Heereschef wurde General Augusto Pinochet, den Prats als verfassungstreu empfohlen hatte; neuer Luftwaffenbefehlshaber wurde Gustavo Leigh. Schon am 26. Mai hatte das Verfassungsgericht der Regierung vorgeworfen, seine Urteile nicht umzusetzen und die Justiz zu behindern.William F. Jasper: In: The New American. Band 15, Nr. 19, 13. September 1999.

Laut Allendes Sekretär plante dieser bereits einige Tage vor dem Putsch ein Plebiszit über den Verbleib der Regierung im Amt. Darüber soll Augusto Pinochet informiert worden sein, der Allende daraufhin riet, die Ankündigung dafür auf den 11. September zu vertagen.Carlos Jorqueira, übersetzt: „Pinochet beglückwünschte seine [,Allendes] Entscheidung und bat dann, seine Rede nicht am Montag, sondern am Mittwoch zu halten - wegen ‚armeeinterner Probleme‘.“

- aus „Verrat in Santiago- Wer hat Salvador Allende getötet?“

von Wilfried Huismann

(Interview u. a. erreichbar unter ab Minute 36:00) Dadurch gab es keine Möglichkeit mehr, die Abstimmung durchzuführen. Einige Gegner der Regierung unter Allende bezweifeln, dass dieser ein Plebiszit plante.Patricio Aylwin sagte in einem Interview dazu, bis heute sei umstritten, ob dies Allendes Absicht gewesen sei: „Briones nos dijo que Allende buscaría una fórmula de salida, que una de ésas sería el plebiscito. Pero no hay ninguna prueba.“, El Mercurio vom 24. Dezember 2006,

Ablauf des Putsches Im Morgengrauen des 11. September 1973 begann der Putsch der Streitkräfte Chiles, in dessen Verlauf die demokratisch gewählte Regierung Chiles gestürzt wurde. Das in den Präsidentenpalast eindringende Militär fand Allende mit einer Schusswunde im Kopf tot auf.

Die ersten Stunden des Putsches aus der Sicht Allendes mini|Präsidentenpalast La Moneda im November 2006 Am 11. September 1973 wurde Präsident Salvador Allende um 06:20 Uhr durch das Telefon geweckt. Er erhielt die Nachricht, die Flotte in Valparaíso, der größten Hafenstadt Chiles, habe sich gegen ihn erhoben und fordere seinen Rücktritt. Allende versuchte sofort, den Oberbefehlshaber der Streitkräfte General Augusto Pinochet zu erreichen – dieser meldete sich nicht. Allende begab sich mit seinem Kabinett und einigen Freunden und Familienangehörigen in den Präsidentenpalast La Moneda, darunter zwei seiner Töchter, sein Arzt, die Leibwache des Präsidenten und seine Privatsekretärin und langjährige Geliebte Miria Contreras. Nur der Verteidigungsminister Orlando Letelier war nicht anwesend – er war bereits von den Putschisten festgenommen worden.