mini|hochkant|Hans von Berlepsch Hans Hermann Carl Ludwig von Berlepsch, ab 1869 mit der Standeserhebung seines Vaters Graf (* 29. Juli 1850 auf Gut Fahrenbach bei Witzenhausen; † 27. Februar 1915 in Göttingen), war ein deutscher Ornithologe.
Herkunft und Ausbildung Berlepsch war der ältere Sohn des Freiherrn, ab 1869 Grafen Karl Friedrich von Berlepsch (1821–1893), Herr auf Schloss Berlepsch und auf den Gütern Fahrenbach, Dohrenbach, Freudenthal, Hübenthal und Neuenrode sowie Mitglied des preußischen Herrenhauses, und dessen Ehefrau Johanna Margarete Theodore Koch (1829–1902), Tochter des ehemaligen kurhessischen Ministers des Inneren Johann Hermann Koch.
Bereits als Junge zeigte er eine ausgesprochene Vorliebe für die Naturwissenschaften. Von seinem Vater lernte er das Ausstopfen bei der Jagd erlegter Vögel, und er legte sich eine kleine Sammlung gebalgter Vögel der heimischen Fauna an. Seine Gymnasialzeit in Münden musste er 1870 als Primaner unterbrechen, da er beim Beginn des Deutsch-Französischen Kriegs in das Husaren-Regiment Nr. 14 eintreten musste. Zwar wurde er noch zum Leutnant befördert, aber er schilderte seine Soldatenzeit später als eine schreckliche. Nach dem Ende seiner Soldatenzeit brachte er seine schulische Ausbildung mit dem Abitur zu Ende und studierte danach Ornithologie und Pflanzenkunde in Leipzig, Halle und Zürich.
Leben Nach einem vom Vater ermöglichten längeren Aufenthalt in London kehrte er zurück, heiratete 1881 Emma Karoline Wilhelmine von Bülow (1855–1937) und bezog mit seiner Frau ein kleines Haus in Münden, wo er – passionierter Wanderer und Jäger – sich vor allem der Erweiterung seiner Vogelsammlung widmete, die zu großen Teilen auf Zusendungen von Vogelsammlern aus Südamerika wie Hermann von Ihering basierte. Die stetig wachsende Sammlung und seine ebenso wachsende ornithologische Bibliothek verschlangen viel Geld und brachten nichts ein, sodass seine Eltern immer wieder aushelfen mussten. Da das Haus bald zu eng wurde, zog die Familie in einen geräumigen Neubau in der Nachbarschaft um, in dem Forscher aus vielen Ländern und Museen verkehrten.
Als sein Vater 1893 starb und er dessen Erbe antrat, musste er sich intensiv um die Verwaltung von Schloss Berlepsch, das seit 1881 umfassend umgebaut wurde,Graf Karl von Berlepsch hatte 1881 begonnen, das Schloss im Stil der späten hannoverschen Neugotik umzubauen, und diese Arbeiten konnten erst nach seinem Tod zum Abschluss gebracht werden. und den dazugehörigen land- und forstwirtschaftlichen Besitz kümmern, was ein häufiges Hin- und Herreisen zwischen Münden und dem Schloss Berlepsch erforderte. Am Schloss waren noch immer Reparaturen und Umbauten notwendig, um es wieder zeitgemäß bewohnbar zu machen. Erst 1896 konnte die Familie von Münden in das Schloss umziehen. Die umfangreiche Vogelsammlung wurde im zum Museum umgebauten Fruchthaus untergebracht.
Die Verwaltung des Besitzes sowie mehrere Ämter in Kreisausschüssen und bei der Provinzialregierung in Kassel belasteten die Gesundheit des im Alter zunehmend unter Diabetes leidenden Berlepsch, und die wissenschaftlichen Arbeiten traten notgedrungen etwas in den Hintergrund.
Als er am 27. Februar 1915 verstarb, umfasste seine Bälgesammlung, die Vogelkundler aus aller Welt angezogen hatte, fast 60.000 Exemplare, darunter 300 neue Typen. Sie wurde von seinem Sohn Karl an das Naturmuseum Senckenberg in Frankfurt am Main verkauft, wo sie die Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs überstand.
Dedikationsnamen hochkant|mini|Palmsteiger (Berlepschia rikeri , 1887), die einzige Art dieser Gattung illustriert von John Gerrard Keulemans
Robert Ridgway führte 1887 die neue Gattung Berlepschia für den Palmsteiger (Berlepschia rikeri) ein.Robert Ridgway, S. 151.
Ernst Hartert widmete ihm 1898 den Namen der Berlepschsylphe (Aglaiocercus berlepschi)Ernst Hartert (1898), S. XVI und des Kurzschwanz-Ameisenvogels (Sipia berlepschi)Ernst Hartert (1898), S. XXIX sowie 1900 Rotbrustpitpits (Dacnis berlepschi)Ernst Hartert (1900), S. 37. Carl Eduard Hellmayr ehrte ihn 1903 in der Olivmantel-Ameisenpitta (Hylopezus berlepschi)Carl Eduard Hellmayr (1903), S. 218, 1905 im Graustirncanastero (Thripophaga berlepschi) und 1917 im Cordillera-Real-Canastero (Asthenes berlepschi)Carl Eduard Hellmayr (1917), S. 113. Eugène Simon machte ihm 1889 in der Esmeraldaselfe (Chaetocercus berlepschi)Eugène Louis Simon (1899), S. 230, Walter Rothschild, 2. Baron Rothschild 1897 im Berlepschtinamu (Crypturellus berlepschi)Walter Rothschild, 2. Baron Rothschild (1900), S. V., Otto Kleinschmidt 1897 im Berlepschparadiesvogel (Parotia berlepschi)Otto Kleinschmidt (1897), S. 46., Maria Emilie Snethlage 1907 im Rostbrust-Ameisenvogel (Rhegmatorhina berlepschi)Maria Emilie Snethlage (1907), S. 162. und Osbert Salvin 1893 im Weißfleckenkolibri (Anthocephala berlepschi)Osbert Salvin (1893), S. VIII seine Aufwartung.
Außerdem findet sich sein Name in den Unterarten des Zimtspiegel-Meisenschlüpfers (Leptasthenura aegithaloides berlepschi , 1909)Ernst Hartert (1909), S. 210, der Sturzbachente (Merganetta armata berlepschi , 1909)Ernst Hartert (1909), S. 244, der Purpurtaube (Patagioenas subvinacea berlepschi (, 1898)Ernst Hartert (1898), S. 504, des Braunflügel-Mausvogels (Colius striatus berlepschi , 1899)Ernst Hartert (1899), S. 333, des Gelbbauch-Schnäppertyrann (Mitrephanes phaeocercus berlepschi , 1902))Ernst Hartert (1902), S. 608, des Olivscheitel-Breitschnabeltyrann (Tolmomyias sulphurescens berlepschi ( & , 1917))Ernst Hartert (1917) u. a., S. 415, des Kleinantillen-Schopftyranns (Myiarchus oberi berlepschii , 1888)Charles Barney Cory (1888), S. 266, des Starkschnabel-Baumsteigers (Xiphocolaptes promeropirhynchus berlepschi , 1908)Maria Emilie Snethlage (1908), S. 15, Olivbrust-Maskentyranns (Conopias trivirgatus berlepschi , 1914)Maria Emilie Snethlage (1914), S. 42, Schwarzohr-Finkentangare (Hemispingus melanotis berlepschi (, 1880))Władysław Taczanowski (1880), S. 195, des Feinstreifen-Ameisenwürgers (Thamnophilus tenuepunctatus berlepschi , 1884)Władysław Taczanowski (1884), S. 22, der Silberfleckentangare (Tangara nigroviridis berlepschi (, 1884))Władysław Taczanowski (1884), S. 469, des Goldbauch-Smaragdkolibris (Chlorostilbon lucidus berlepschi , 1938)Olivério Mário de Oliveira Pinto (1938), S. 267., Maskenmückenfängers (Polioptila dumicola berlepschi , 1901)Carl Eduard Hellmayr (1901), S. 356ff., des Nacktzügelibis (Phimosus infuscatus berlepschi , 1903)Carl Eduard Hellmayr (1903), S. 247., des Grauameisenschlüpfers (Myrmotherula menetriesii berlepschi , 1903)Carl Eduard Hellmayr (1903), S. 211., des Várzeaameisenschnäpper (Myrmoborus lugubris berlepschi (, 1910))Carl Eduard Hellmayr (1910), S. 165., des Fahlbrauen-Schmätzertyranns (Ochthoeca fumicolor berlepschi , 1914)Carl Eduard Hellmayr (1914), S. 167., des Schuppenbrustkolibris (Phaeochroa cuvierii berlepschi , 1915)Carl Eduard Hellmayr (1915), S. 209., der Schwarzschwanzsylphe (Lesbia victoriae berlepschi (, 1915))Carl Eduard Hellmayr (1915), S. 210., des Streifenschwanzspechts (Veniliornis mixtus berlepschi (, 1915))Carl Eduard Hellmayr (1915), S. 212., des Braunschwanzsittichs (Pyrrhura melanura berlepschi , 1891)Tommaso Salvadori (1891), S. 212& 224, Tafel 2 Abbildung 1., des Bronzeolivtyranns (Pseudotriccus pelzelni berlepschi , 1913)Edward William Nelson (1913), S. 1., der Gelbkopfpipra (Ceratopipra erythrocephala berlepschi (, 1906))Robert Ridgway (1906), S. 117., des Panamáameisenvogels (Hafferia zeledoni berlepschi (, 1909))Robert Ridgway (1909), S. 74. und der Streifenbrust-Ameisendrossel (Chamaeza campanisona berlepschi , 1926)Jan Stanisław Sztolcman (1926), S. 216..
Catharus berlepschi , 1887George Newbold Lawrence (1887), S. 503. wird heute als Synonym zur Graurücken-Musendrossel (Catharus fuscater (, 1845)), Otocoris berlepschi , 1890Ernst Hartert (1890), S. 103. als Synonym für die Ohrenlerchen-Unterart (Eremophila alpestris teleschowi (, 1887)), Eriocnemis berlepschi , 1897Ernst Hartert (1897), S. 531. ein Synonym für den Violettkehl-Höschenkolibri (Eriocnemis vestita (Lesson, RP, 1839)), Phaethornis berlepschi & Ernst Hartert (1894) u. a., S. 56. ein Synonym für den Orangebauch-Schattenkolibri (Phaethornis syrmatophorus , 1852), Henicorhina leucophrys berlepschi , 1903Robert Ridgway (1897), S. 168. ein Synonym für den Einsiedlerzaunkönig (Henicorhina leucophry (, 1844)), Myiornis auricularis Berlepschi , 1933Olivério Mário de Oliveira Pinto (1933), S. 9. ein Synonym für den Ohrfleck-Zwergtyrann (Myiornis auricularis (, 1818)), Pseudochloris olivascens berlepschi , 1909Henri Auguste Ménégaux (1909), S. 212. ein Synonym für die Olivbrust-Gilbtangare (Sicalis olivascens ( & , 1837)), Euphonia berlepschiana , 1901Arnaldo de Winkelried Bertoni (1901), S. 98. ein Synonym für den Braunbauchorganist (Euphonia pectoralis (, 1801)), Pyrorhamphus berlepschianus , 1901Arnaldo de Winkelried Bertoni (1901), S. 85. ein Synonym für den Papageischnabelsaltator (Saltator fuliginosus (, 1800)), Dendrexetastes berlepschi , 1903Gyula Madarász (1903), S. 463. ein Synonym für die Dunkelschnabel-Baumsteiger-Unterart (Dendrocolaptes picumnus validus , 1844), Heliodoxa berlepschi , 1892Adolphe Boucard (1892), S. 75. ein Synonym für die Grünstirn-Brillantkolibri-Unterart (Heliodoxa jacula henryi , 1866), Grallaria macularia berlepschi 1907Maria Emilie Snethlage (1907), S. 195. ein Synonym für Paraameisenpitta (Hylopezus paraensis (, 1910)), Thraupis episcopus berlepschi (, 1900)Raymond de Dalmas (1907), S. 136–137. ein Synonym für die Bischofstangare (Tangara episcopus prysjonesi & , 2016) und Turdus phaeopygus berlepschi (, 1931)Walter Edmond Clyde Todd (1931), S. 136–137. ein Synonym für die Halbringdrossel (Turdus albicollis spodiolaemus & , 1896), gesehen.
Ehe und Nachkommen Seiner 1881 geschlossenen Ehe mit Emma von Bülow (* 8. Juni 1855 in Braunschweig; † 20. Mai 1937 auf Schloss Berlepsch) entstammten fünf Kinder und sechs Enkel: Karl Adolf Wilhelm Otto Graf von Berlepsch (* 15. Mai 1882; † 24. Mai 1955); ⚭ Margareta von Scheffer Hans-Sittich Reinhard Gustav Adolf von Berlepsch (* 29. August 1910; † 23. Oktober 1943) Tilo Wilhelm Karl Paul Ernst Heinrich von Berlepsch (30. Dezember 1913); ⚭ NN Hubertus Bodo Horst von Berlepsch (* 7. April 1919; † 14. November 1978);Richtete nach dem Zweiten Weltkrieg ein Hotel mit Restaurant im Schloss Berlepsch ein. ⚭ (1) NN, ein Sohn, zwei Töchter; ⚭ (2) NN Hans-Sittich von Berlepsch (* 1944)Schloss das Hotel im Schloss Berlepsch und richtete dort stattdessen das Sannyasinzentrum Arvind der Bhagwananhänger ein, das jedoch schon 1982 wieder aufgelöst wurde. Fabian Sittich von Berlepsch (* 1976)Übernahm um das Jahr 2000 die Geschäftsführung und machte ab 2010 Teile des Schlosses Berlepsch wieder öffentlich zugänglich. Johanna Caroline Paula von Berlepsch (* 11. November 1884); ⚭ Ernst von Verschuer Adolf von Berlepsch (* 27. August 1888; † 27. Mai 1915)Forststudent; als Kriegsfreiwilliger im Dragoner-Regiment Nr. 5 bei Kurtowiany südwestlich von Schaulen in Litauen gefallen. () Margarete Fanny Helene von Berlepsch (* 12. April 1890); ⚭ (1) Paul von Hanenfeldt, ⚭ (2) Rudolf von Spankeren Else Marie Bertha Ferdinandine von Berlepsch (* 21. Mai 1893); ⚭ Wilhelm Franssen
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Einzelnachweise
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