Martha Schlinkert, geborene Galinski (* 24. April 1913 in Gelsenkirchen; † 30. Juni 1979 in Olsberg) war eine deutsche Kinderbuchautorin.

Leben und Werk

Martha Galinski wurde 1913 in Gelsenkirchen geboren. Ihr Vater, ein Hochofenarbeiter, starb im Ersten Weltkrieg, als sie erst drei Jahre alt war. Ihre Mutter ernährte sie und ihre drei Geschwister mit Nachtschichten in einer Fabrik. Aufgewachsen ist sie in einem Mehrfamilienhaus in Gelsenkirchen.

Martha liebte Geschichten, aber sie hatte nicht genug Geld, um sich Bücher zu kaufen. Also dachte sie sich selbst Geschichten aus und erzählte diese ihren Spielkameraden und Freunden. Nachdem sie das Schreiben gelernt hatte, begann sie, ihre Geschichten aufzuschreiben. Das Schreiben wurde ihr größtes Hobby.

Nach der Schule (Abitur und Höhere Handelsschule) machte sie eine Ausbildung zur Sekretärin und arbeitete für den Direktor der „Deutschen Eisenwerke, Gelsenkirchen“. Martha lernte 1938 während eines Kurzurlaubs in Olsberg ihren späteren Mann, den Fabrikanten Erwin Schlinkert aus Olsberg kennen.

Sie heirateten am 18. September 1939 während des Zweiten Weltkrieges und Martha zog zu ihrem Mann nach Olsberg. Erwin musste nicht in den Krieg ziehen, da er in seiner Firma unabkömmlich war.

Martha Schlinkert arbeitete tagsüber als Sekretärin ihres Mannes. Abends schrieb sie Bücher. Zunächst verfasste sie zwei Bücher über das Leben der Arbeiterklasse, die jedoch schnell in Vergessenheit gerieten. Ihre große Leidenschaft galt jedoch schon seit Kindertagen den Kindergeschichten. Sie schrieb, wann immer sie Zeit hatte, und kam auf über 100 Kinderbücher.

1940 gebar Schlinkert ihre Tochter Irmtraut. Drei Jahre später bekam sie den Sohn Hans-Georg.

Zu den bekanntesten ihrer Bücher zählt wohl die „Bummi“-Reihe über ein junges Mädchen, das in Olsberg aufwächst und allerlei Flausen im Kopf hat. Im ersten Buch zum Beispiel probiert sie die Blumenerde im Garten, um herauszufinden, ob die Erde im Sauerland auch wirklich sauer schmeckt.

Buchkritiker bemängelten manchmal, dass ihre Bücher nicht bis ins Letzte durchdacht seien. Aber das war nie Schlinkerts Ansinnen. Vielmehr wollte sie kindgerechte Geschichten schreiben, die Menschlichkeit vermitteln und den Kindern helfen sollten, das Leben zu verstehen. Schlinkert erhielt hunderte von Briefen von Kindern, die sich für die Geschichten bedankten und mehr über „Bummi“ wissen wollten.

Sie schrieb und veröffentlichte 1975/76 noch neue Werke und hielt Lesungen. 1977 verstarb ihr Ehemann Erwin. 1978 besuchte sie in Hagen die 100. Arbeitstagung des Autorenkreises Ruhr-Mark, an deren Treffen sie regelmäßig teilnahm. Im gleichen Jahr erfolgte die Schenkung eines Teils ihrer Bücher an die Stadt Olsberg. Martha Schlinkert starb am 30. Juni 1979 in Olsberg nach langer schwerer Krankheit im Alter von 66 Jahren.

Insgesamt brachten es die 10 „Bummi“-Bücher auf eine Auflage von über zwei Millionen Exemplaren. Neben Bummi schuf die Autorin Martha Schlinkert viele weitere Kinderfiguren wie Maxi, Anne, Winni, Pelle, Peter Purzel, Silvie und Kordula. Insgesamt kamen über 100 Titel mit einer Gesamtauflage von mehr als sechs Millionen Büchern zusammen. Entscheidend für den Verkaufserfolg waren eine Vielzahl von Lesungen im gesamten Bundesgebiet sowie ein geringer Preis der Bücher und der Umstand, dass sie in großen Kaufhäusern vertrieben wurden. Damit ist Martha Schlinkert eine der erfolgreichsten Kinderbuchschriftstellerinnen der Nachkriegszeit. Dass die Literaturkritik die „Bummi“-Bücher wegen ihrer Harmlosigkeit und stilistischen Anspruchslosigkeit teils heftig zerriss, tat dem Erfolg keinen Abbruch.

Schlinkert war Vorstandsmitglied im Sauerländer Heimatbund und Mitarbeiterin der Zeitschriften Suerlänner und Sauerland.

Werke

Der Schatten des Schlotes. Roman. Aachen: Grenzland 1946 Der Richter von Josupei. Novelle. Ebd. 1948 Die Tochter der Wirkerin. Roman. Ebd. 1948 Dachschiefer und Schiefertafel. Wiesbaden: Hess. Schulbuch-Stiftung 1954 Aus dem Tagebuch eines Berglehrlings. Wiesbaden 1955 Mädchen reiten für ihr Leben gern. Warendorf: MV 1977 Kinder des Frühlings. Ebd. 1955 [alle weiteren Titel Göttingen: Fischer sowie Balve: Engelbert:] Die Hütte am See. 1956 Bienchen und Strolch. 1957, 1966, 1972 Im Märchenwald. 1957, , 1972 Man nennt mich Bummi. 1957, 1966, , Pummelchen und Rieke. 1957 Sieben Raben und ein Spatz. 1957 Unser täglich Brot. 1957; u.d.T.: Mit der Zauberuhr ins Abenteuer. 1969 Uschi Sausewind. 1957 Was ist mit Bummi los? 1957 Bummi und Fiete. , Bummi in Nöten. 1958 Pummelchen und Pelle. 1958; 1970 Martha Schlinkert erzählt die lustige Weltreise von Pummelchen und Pelle. 1972, Sieben Raben bauen ein Nest. 1958 Sieben Raben fliegen aus. 1958 Sieben Raben sind endlich glücklich. 1958 Heide Thelen. 1959 Meine Freundin Anne. 1959, 1966 Bummi und ihre Freundinnen. 1960, 1966 Bummi steht kopf. 1961, 1966 Alle lieben Christa! 1962, 1964 Wenn man erst vierzehn ist. 1962 Komm wieder, Martina. 1963 Liebe kleine Martina. 1963 Martina und Cornelia. 1963 Tiermütterchen Sanne. 1963 Das Mädchen aus dem Hexenhaus. 1964 Möpschen, vorwiegend heiter. 1964 Sabine hat’s gut. 1964 Sabine ist goldrichtig. 1964 Sabines Geheimnis. 1964 Schwester Isabelle. 1964 Geheimnis um Isabelle. 1965 Isabelle hat’s gut. 1965 Kleine Schwester Isabelle. 1965 Stippchen und der Zauberer. 1965, 1966 Wohin, Isabelle? 1965 Alles dreht sich um Winnie. 1966 Bummi wird dreizehn. 1966 Bummi und ihr Pony. 1966 Ein Zipfel Glück für Sigrid. 1966, 1968, 1978 Inge macht ihren Weg. 1966 Nur Mut, Winnie. 1966 Peter, Purzel und Rosinchen. 1966 Uschi Sausewind. 1966, 1972 Was ist mit Bummi los? , 1974 Winnie im Paradies. 1966 Anne und Sanne. 1967 Anne und Sanne. Die falschen Schwestern. 1967 Anne, Sanne und die Neue. 1967 Dorothea und die Himmelsreiter. 1967 Freie Fahrt für Kathrin. 1967; u.d.T.: Ein Brief im Baum. 1975 Hausmütterchen Inge. 1967 Inge entscheidet sich. 1967 Inge geht ihren Weg. 1967 Inge wird gebraucht. 1967 Julia. 1967; 5. Aufl. 1968 Marielise sucht eine Freundin. 1967, 1968 Wer bist du, Nicole? 1967; u.d.T.: Eine Neue in der Tertia. 1972 Bummi hat es geschafft. 1968 Bummi wird flügge. 1968 Dorothea sattelt um. 1968 Linda als Babysitter. 1968 Linda und ihr Ferienjob. 1968 Marianne und das neue Schwesterchen. 1968; u.d.T.: Anne hat ein Geheimnis. 1974 Meine Schwester Silvie. 3. Aufl. 1968; u.d.T.: Immer diese Silvie. 1975 Christa das Sonntagskind. Neuausg. 1969 Maxi auf dem Kuckuckshof. 1969 Maxi kommt in die Schule. 1969 Mit der Zauberuhr ins Abenteuer. 1969 Die Kinder aus dem Hasenbusch. 1970 (2. Aufl.) Ein Fall für Susanne. 1970 Maxi und ihr Dackel Florian. 1970 Maxi und ihre lustigen Vettern. 1970 Rebellin mit Herz. 1970 Rosen für Susanne. 1970 Sabine, Freundin der Tiere. 1970 Angela und Nikolo. Die Geschichte einer Kinderfreundschaft. 1971 Detektivclub Viereinhalb. Das Geheimnis von Zimmer 16. 1971 Maxi und Uta. 1971 Das Gespenst von Zimmer 16. 1971, 1972 Der kleine Hoppediz. 1972; u.d.T.: Bärbel fliegt zur Milchstraße. 1975 Detektivclub Viereinhalb. Die verschwundenen Ponies. 1972 Detektivclub Viereinhalb. Spuk im alten Park. 1972 Die verzauberte Katrin. 1972 Im Märchenwald. Für die jüngsten Leser. 1972 Martha Schlinkert erzählt eine fröhliche Geschichte von Bienchen und Strolch. Für die jüngsten Leser. 1972 Martha Schlinkert erzählt von Uschi Sausewind. Für die jüngsten Leser. 1972 Maxis erstes Jahr im Internat. 1972 Spuk im alten Park. Detektivklub Viereinhalb. 1972 (2. Aufl.) Ein Pony für Kordula. 1973, 1974 Heike erobert das Leben. 1973 Hoppediz und Quirlewitt. 1973 Maxi kämpft um Nicki. 1973 Anne hat ein Geheimnis. 1974 Christine im Lügennetz. 1974 Das Mädchen Winnie. 1974 Einfälle muß man haben. 1974 Huuu, das kleine Gespenst. 1974 Jessika und Flick. Der fremde Hund. 1974 Ein Brief im Baum. 1975 Immer diese Silvie. 1975 Jessika und Flick. Die Spur führt zum Amselweg. 1975 Jessika und Flick. Gefahr am Weg. 1975 Bärbel fliegt zur Milchstraße. 1976 Brigitte siegt auf Hella. 1976 Bummi ist unmöglich. 1976 Bummi, das Fräulein Ungeduld. 1976 Bummi, die wilde Hummel. 1976 Das Hündchen Quirlewitt. 1976 Mit dem Glück auf du. 1976 Detektivclub „Viereinhalb“. 1977 Lustige Geschichten um Maxi. 1978 Neue Geschichten um Maxi. 1978 Ein Auftrag für Susanne. 1983 Meine Freundin Julia. 1983 Bleib bei der Wahrheit, Christine! Wie kann man nur Bummi heißen! 1988 Bummi, bleib wie du bist. 1989.

Hörspiele

Der alte Wagen (SDR 1954) Bummi und Fiete. Quickborn bei Hamburg: Miller-International-Schallplatten o. J. Was ist mit Bummi los? Ebd. o. J. Man nennt mich Bummi. Ebd. o. J. Die Bummi-Hörspiele wurden 1979 von Europa neu verwertet

Märchenspiele für Freilichtbühnen Der Zauberschwan Rumpelstilzchen Der Eisenhans Der Teufel mit den drei goldenen Haaren Jorinde und Joringel

Literatur

S. Richter: Briefe nach Olsberg. „… und wenn es eine Fliege wäre“. (In: Westfalenpost 1963) T. Pöpperling: Martha Schlinkert zum 50. Geb., in: De Suerlänner 1964, S. 92 Die Bestseller-Autorin Martha Schlinkert, in: Ruhr-Wupper-Press 1966, Sonderausg., S. 1–5 R. Althaus: Martha Schlinkert schrieb den „Zauberschwan“. Bekannte westf. Jugendbuch-Autorin 60 Jahre alt, in: Heimat am Hellweg 1973, F. 16 A. Müller-Felsenburg: Martha Schlinkert zum Gedenken, in: Publikationen 25, 1979, H. 8, S. 15 H. Lettermann: Erinnerungen an Martha Schlinkert zum 80. Geb., in: Strunzerdaal 12, 1993, S. 109–112 [Illustr.]. Who’s Who in Literatur?, Bd. 1, 1978 – Doderer, Bd. 3, 1979 Kürschner: Dt. Lit.-Kalender 1952–1978 Lex. der Jugendschriftsteller dt. Sprache – Kosch, 3. Aufl., Bd. 15, 1993 Die Lust, „Nein“ zu sagen 1997 Sie schreiben zwischen Paderborn und Münster 1977 – Rost 1990 Dt. Biogr. Archiv, N.F., Fiche 1154, Sp. 110. Lebenslauf von Enkelin Melanie Schlinkert verfasst

Archivalien

Nachlass, Handschriften: ULB Münster: Brief an Friedhelm Kaiser, 6. August 1961 In: Westf. Literaturarchiv Hagen: Slg. – 2. StLB Dortmund, Personenslg.: Zeitungsausschnittslg. Materialslg. im Biogr. Archiv des WHB, Münster.

Weblinks

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