mini|Kurfürst Carolus Ludovicus im Harnisch und mit Marschallstab, Kupferstich von Christoph Le Blon, 1652.Karl Ludwigs Unterschrift: rahmenlos|zentriert|150px|klasse=skin-invert-imageKarl I. Ludwig (* 22. Dezember 1617 in Heidelberg; † 28. August 1680 bei Edingen) aus der pfälzischen Linie der Familie der Wittelsbacher (Haus Pfalz-Simmern) war von 1649 bis zu seinem Tod Pfalzgraf und Kurfürst der Pfalz. Das berühmteste seiner 16 Kinder war Liselotte von der Pfalz.mini|Der jugendliche Prinz mit seinem Lehrmeister Volrad von Plessen, Gemälde von Jan Lievens, 1631 mini|Karl I. Ludwig von der Pfalz mit seinem Bruder Prinz Ruprecht von der Pfalz im Harnisch, Gemälde von Anthonis van Dyck, 1637 mini|Heidelberg 1670, von Gerrit Berckheyde

Geschwister Heinrich Friedrich (1614–1629) Elisabeth (1618–1680), seit dem 30. April 1667 Äbtissin zu Herford (Westfalen)) Ruprecht (1619–1682), seit 1643 Duke of Cumberland, britischer Admiral, Gouverneur von Windsor ⚭ morganatisch Lady Bellamont und später mit Margarete Hewes Moritz (* 6. Januar 1621 in Küstrin; † September 1652, verschollen Luise-Hollandine (1622–1709), seit 1664 Äbtissin zu Maubuisson Ludwig (1623–1623) Eduard (1625–1663) ⚭ 1645 Anna Gonzaga (1616–1684), Prinzessin von Nevers, Mantua und Monferrat Henriette Marie (1626–1651) ⚭ Mai 1651 Sigismund II. Rákóczi Graf von Mongatsch Philipp (1627–1650), lothringischer Reiterobers Charlotte (1628–1631) Sophie (1630–1714) ⚭ Oktober 1658 Ernst August, Kurfürst von Hannover Gustav Adolf (1632–1641)

Leben Frühe Jahre Karl Ludwig war der älteste überlebende Sohn des Pfälzer Kurfürsten und böhmischen „Winterkönigs“ Friedrichs V. und Elisabeth Stuarts, einer Tochter von Jakob I., König von England, Schottland und Irland, und Schwester von Karl I. Er wuchs mit zahlreichen Geschwistern im Exil seiner Eltern in Den Haag auf. Nach dem Tod seines Vaters 1632 wurde sein Onkel Ludwig Philipp sein Vormund. 1633 wurde er als Ritter in den Hosenbandorden aufgenommen.

Nachdem der Prager Frieden 1635 Karl Ludwigs Ansprüche auf Wiederherstellung der Kurpfalz nicht berücksichtigt hatte, ging dieser zusammen mit seinem Bruder Ruprecht nach England an den Hof ihres Onkels. Es gelang ihm 1638, mit englischen Geldern ein kleines Heer aufzustellen und Meppen als Stützpunkt im Nordwesten Deutschlands zu kaufen. Nach kurzer Zeit verlor er aber sowohl Meppen als auch sein Heer an die Kaiserlichen unter Melchior von Hatzfeldt. Beim Versuch Karl Ludwigs, mit seinen Truppen und schwedischer Unterstützung die Stadt Lemgo zu erobern, zog Hatzfeldt ihm entgegen und schlug das Heer in der Schlacht bei Vlotho vernichtend. Karl Ludwigs Bruder Ruprecht wurde gefangen genommen, während er selbst über Hamburg in die Niederlande fliehen konnte.

1639 versuchte Karl Ludwig nach dem Tod Bernhards von Sachsen-Weimar dessen Armee zu übernehmen, wurde aber auf der Reise durch Frankreich ins Elsass auf Befehl Richelieus so lange festgehalten, bis dieser die Weimaraner Truppen und ihre Stützpunkte für die französische Krone gesichert hatte. Karl Ludwig kehrte nach England zurück und spielte fortan eine undurchsichtige Rolle im Hintergrund während des dortigen Bürgerkriegs, in dem seine Brüder Ruprecht und Moritz an vorderster Front auf Seiten der Royalisten kämpften.

Kurfürst Nach dem Westfälischen Frieden erhielt Karl Ludwig 1649 die Kurpfalz in verkleinerter Form einschließlich der Kurwürde zurück. Dies war durch die Schaffung einer achten Kur des Heiligen Römischen Reiches möglich geworden. Mit ihr war das Erzschatzmeisteramt verbunden, nachdem das Erztruchsessamt 1623 an Bayern übergegangen war (siehe Erzamt). Die Oberpfalz, die seit dem Hausvertrag von Pavia zur Kurpfalz gehört hatte, blieb bei Bayern. Doch wurde festgesetzt, dass diese Länder und Würden, wenn die bayerische Linie erlöschen würde, an die Pfalz zurückfallen sollten (was 1777 mit der Entstehung von Kurpfalz-Bayern geschah).

Kurfürst Karl I. Ludwig leistete nach den Verwüstungen des Dreißigjährigen Krieges viel für den Wiederaufbau der Kurpfalz und für deren wirtschaftliche Förderung. Um den starken Rückgang der Bevölkerung auszugleichen, schickte er Werber in die benachbarten Länder Württemberg, Bayern, Tirol sowie in die Schweiz und lockte mit Grundbesitz und Steuerfreiheit in der Kurpfalz, womit er auch verhältnismäßig schnell Erfolg hatte. Darüber hinaus widmete er sich intensiv der Neuorganisation der Verwaltung sowie dem Wiederaufbau des Schul- und Finanzwesens.

Nach dem Tod Kaiser Ferdinands III. im Jahr 1657 feierte Karl Ludwig sein Amt als Reichsvikar mit Vikariatsprägungen in Gold und Silber. Es war aber noch nicht geklärt, wer zur Ausübung des Vikariats berechtigt ist. Der bayerische Kurfürst hatte den alten Platz des Kurfürsten von der Pfalz eingenommen. Der mit der achten Kur abgefundene Pfälzer konnte auf seine in der Goldenen Bulle verbrieften Rechte verweisen. Beim Tod Kaiser Ferdinands III. kam es folglich zum Streit zwischen Bayern unter Ferdinand Maria und der Pfalz um das Reichsvikariat.

Nach der Zerstörung seines Heidelberger Schlosses durch den Dreißigjährigen Krieg suchte der Kurfürst nach einem Standort für die Errichtung einer zeitgemäßen Residenz. 1659 schickte er eine freundliche Botschaft an die Wormser und bot ihnen an, „Alles zu tun, um der Stadt aufzuhelfen und ihren Handel zu heben, ja er wollte Residenz und Universität nach dem alten Nibelungensitze verlegen und eine Citadelle am Rhein, zum Schutze der Stadt, auf eigene Kosten erbauen.“ Dies lehnten die Wormser ab, sodass stattdessen in Mannheim die zweitgrößte europäische Residenz geplant wurde.Friedrich Peter Wundt, Daniel Ludwig Wundt: Versuch einer Geschichte des Lebens und der Regierung Karl Ludwigs Kurfürst von der Pfalz, Genf, bei H. L. Legrand, 1786, S. 143–145; Ludwig Häusser: Geschichte der Rheinischen Pfalz, 2. Band, 1856, S. 644–645.

Im Jahr 1664 gab Karl I. Ludwig den Auftrag für das erste große Bauprojekt Mannheims nach dem Dreißigjährigen Krieg. Mit den Plänen zur Errichtung einer neuen repräsentativen Schlossanlage, für deren Ausarbeitung er den französischen Architekten Jean Marot beauftragte, wuchs die Bedeutung Mannheims schlagartig. Obwohl das Bauprojekt nie ausgeführt wurde, war der Entwurf des französischen Architekten richtungsweisend für den künftigen europäischen Schlossbau des späten 17. und 18. Jahrhunderts.

In den Kriegen des Kaisers und Reichs gegen Frankreich 1673 bis 1679 wollte letzteres den Kurfürsten zwingen, sich mit ihm zu verbünden. Auf seine Weigerung hin verwüstete ein französisches Heer im Juli 1674 die Kurpfalz. Nach dem Frieden von Nimwegen zwang Frankreich dem Kurfürsten eine Kriegssteuer von 150.000 Gulden ab und zog durch die Reunionskammern beträchtliche Gebiete der Pfalz ein.

Persönlichkeit Karl Ludwigs absolutistische Machtausübung im Staat hatte vielfach paternalistische Züge. Er kannte gleichsam jeden und kümmerte sich um alles. Er bemühte sich intensiv, den Neuaufbau der Kurpfalz nach dem Dreißigjährigen Krieg rasch voranzubringen. Der Kurfürst war ständig mit Regierungsgeschäften beschäftigt, kontrollierte, ließ sich vortragen und fuhr oft barsch dazwischen, sobald er Nachlässigkeit und Müßiggang vermutete. Kanzleibeamte, die zum Beispiel zu spät zur Audienz erschienen, tadelte er öffentlich. Dies machte ihn bei der einfachen Bevölkerung sehr beliebt.

Das Unglück in seiner Familie belastete ihn schwer. Beim Begräbnis seiner neunjährigen Tochter Friederike schrieb er erschüttert: „Warum müssen denn meine liebsten, unschuldigen Kinder nicht nur so frühzeitig, sondern auch mit solchen Schmerzen sterben, nun zum zweitenmal? Bin ich denn nicht in so vielen andern Sachen genugsam gestraft, übernehme ich mich denn so sehr mit Lust und versäume mein Amt? Wenn ich einmal zornig bin bis zur Wut, hab ich nicht meistenteils recht dazu wegen der Bösheit, Untreue, Ungehorsam und Unerkenntlichkeit der Menschen? O Gott, halte mich ab, daß ich nicht lästere und verzweifle; O Herz, halte aus, ohne zu zerbrechen, O Verstand, verlaß mich nicht, bis ich in gutem Mut und Vertrauen zum letztenmal ausatme.“Wolfgang von Moers-Messmer: Heidelberg und seine Kurfürsten. Die große Zeit der Geschichte Heidelbergs als Haupt- und Residenzstadt der Kurpfalz. Verlag Regionalkultur, Weiher 2001, ISBN 3-89735-160-9.

Als überzeugter Calvinist legte Karl Ludwig täglich Rechenschaft durch Gewissenserforschung vor Gott ab. Er sah in einer religiösen Toleranzpolitik die beste Voraussetzung für ein gedeihliches Zusammenleben der Bevölkerung; so ließ er in seiner Mannheimer Zitadelle Friedrichsburg von 1677 bis 1680 als neue Hofkirche die sogenannte Konkordienkirche erbauen, die allen Gemeinden der Stadt für Gottesdienste offenstehen sollte: der französisch-reformierten, der deutsch-reformierten, der niederländisch-reformierten, der lutherischen und sogar der katholischen Gemeinde. Auch ermöglichte er es den anderenorts verfolgten radikal-reformatorischen Gemeinschaften der Hutterer und Unitarier (Polnische Brüder), in Mannheim Gemeinden zu etablieren.

1652 berief er den Stadtphysikus von Heidelberg Jacob Israel (1621–1674) zum ordentlichen Professor der Physiologie, Anatomie und Chirurgie an der Universität Heidelberg. Baruch Spinoza allerdings nahm den Lehrstuhl für Philosophie, den ihm der Kurfürst anbot, nicht an.Juden an der Universität Heidelberg, Ausstellung, 2002

Der Karl-Ludwig-See mini|hochkant|Lage des Karl-Ludwig-Sees bei Ketsch Eingebettet im heutigen Naturschutzgebiet „Hockenheimer Rheinbogen“, südlich von Ketsch (Rhein-Neckar-Kreis), liegt eine weitläufige ehemals vermoorte Senke, deren Fläche noch heute als Karl-Ludwig-See bezeichnet wird. Im Rahmen des wirtschaftlichen Wiederaufbaus der Kurpfalz nach dem Dreißigjährigen Krieg entstand 1649 vor der Ortschaft Ketsch eine riesige Teich- und Fischzuchtanlage. Die Gesamtfläche des Sees mit 486 Morgen (= ca. 1,74 km2) war für damalige Verhältnisse beachtlich. Die Frischwasserzufuhr erfolgte über den Kraichbach. Auch die Erträge an Fischen und Krebsen (Edelkrebs Astacus astacus) florierten laut urkundlicher Einträge. Sogar Wasserschildkröten – möglicherweise die heimische Sumpfschildkröte (Emys orbicularis) – wurden dort gefangen und an den kurfürstlichen Hof nach Heidelberg verbracht. Dort waren Schildkröten als Delikatesse sehr begehrt. Liselotte von der Pfalz (Madame Palatine) erwähnt in ihren Briefen diese besondere Speise, die meist zu wichtigen Anlässen dem Kurfürsten und seinen Gästen gereicht wurde.

Anwohner aus den angrenzenden Ortschaften wie Alt-Losseheim (= damalige Schreibweise für Altlußheim), Schwetzingen, Ketsch, Hockenheim auf dem Sand, Oftersheim, St. Ilgen, Sandhausen und Walldorf waren damit beauftragt, die baulichen Anlagen des Karl-Ludwig-Sees (Dämme, Stauwehre, Brücken) zu pflegen, die Fischreusen zu entleeren und alle sechs Jahre die Ufer des zufließenden Kraichbachs von “unnützer Vegetation” zu räumen. In der Regierungszeit von Karl III. Philipp (1716–1742) begann der Niedergang des Sees. Bedingt durch mehrere Kriege und starke Rheinhochwässer setzte in der Mitte des 18. Jahrhunderts der völlige Zerfall der Anlagen ein. Die ehemalige Seefläche wurde in der Folgezeit nur noch als Grünland (Wässerwiesen) genutzt. Bis zur Gründung des Bezirksamts Schwetzingen (1803) blieb die Gemarkung Karl-Ludwig-See gemeindefreies Gebiet. Danach wurde sie zunächst der Gemeinde Oftersheim und ab 1835 der Gemeinde Ketsch zugeteilt.Historischer Atlas von Baden-Württemberg leo.bw , abgerufen am 20. August 2022

Das Schwetzinger Schloss mini|links|Die Schwetzinger Orangerie heute