Das Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) ist eine niedersächsische Fachbehörde mit hoheitlichen Aufgaben und ist dem niedersächsischen Ministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr nachgeordnet. Es unterstützt die Landesregierung, die übrige öffentliche Verwaltung sowie die niedersächsische Wirtschaft bei allen Fragestellungen im Zusammenhang mit Bergbau, Energie und Geologie. Das LBEG engagiert sich für die Sicherung und nachhaltige Nutzung von natürlichen Rohstoffen und Ressourcen. Neben Niedersachsen übernimmt es Aufgaben als Bergbehörde auch in Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein.

Das LBEG entstand 2006 aus dem Zusammenschluss des Niedersächsischen Landesamtes für Bodenforschung (NLfB) mit dem Landesbergamt Clausthal-Zellerfeld.

Gliederung und angeschlossene Organisationen miniatur|Geozentrum Hannover, Hauptsitz des LBEG. miniatur|Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie – Dienstsitz Clausthal-Zellerfeld Der Hauptsitz des LBEG ist in Hannover; ein weiterer Dienstsitz befindet sich in Clausthal-Zellerfeld, darüber hinaus existieren Außenstellen in Meppen und Celle.

Das LBEG arbeitet eng mit der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) und dem Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) zusammen. Die drei Einrichtungen nutzen im Geozentrum Hannover eine gemeinsame Infrastruktur.

Aufgaben und Themen Kernaufgaben Das LBEG ist Bergbehörde für Niedersachsen, Bremen, Schleswig-Holstein und Hamburg sowie Geologischer Dienst für Niedersachsen. Kernaufgaben sind die Bergaufsicht, die Durchführung von Genehmigungsverfahren, die Beratung von Politik, Industrie und Behörden sowie die Bereitstellung geologischer Daten. Die Kernaufgaben sind im Einzelnen:

Verwaltungsverfahren und Bergaufsicht in den Bereichen Rohstoffgewinnung, Rohstofftransport (Pipelines) und Energierohstoffspeicherung Genehmigungsverfahren und Bergbauberechtigungen Betriebsüberwachung Anerkennung von Sachverständigen Bergarchiv

Beratung und Verfahrensbeteiligung: Rohstoffwirtschaft (Steine, Erden, Salz) Bauwirtschaft (Baugrund) Energiewirtschaft (Erdöl, Erdgas, Kavernen- und Porenspeicher, Geothermie, Endlagerung) Landwirtschaft Wasserwirtschaft Abfallwirtschaft Bodenschutz und Altlasten Träger öffentlicher Belange bei Raumordnung und Landesplanung

Bereitstellung von Geofachdaten: Erzeugung, Akquisition, Aktualisierung und Qualitätssicherung von Geofachdaten (Landesaufnahme) digitale Aufbereitung und Archivierung von Geofachdaten im NIBIS digitale Bereitstellung von Geofachdaten im Kartenserver und mit MeMaS Analytik Veröffentlichung der Ergebnisse und von Handlungsanweisungen in den „Geoberichten“ und „GeoFakten“.

Die Aufgabenwahrnehmung erfolgt fachlich neutral und wirtschaftlich unabhängig. Das LBEG enthält sich politischer Aussagen und Wertungen.

Verwaltungsverfahren und Bergaufsicht in den Bereichen Rohstoffgewinnung, Rohstofftransport (Pipelines) und Energierohstoffspeicherung Genehmigungsverfahren und Bergbauberechtigungen Vom LBEG werden Genehmigungen auf der Grundlage unterschiedlicher gesetzlicher und untergesetzlicher Vorschriften durchgeführt. Die Umsetzung erfolgt dabei in der Regel durch förmliche oder nichtförmliche Verwaltungsverfahren.

Die Suche nach volkswirtschaftlich bedeutenden Bodenschätzen wie z. B. Kohlenwasserstoffe (in Form von Braun- und Steinkohle etc.) oder Kali- und Steinsalze und deren Gewinnung unterliegen den Vorschriften des Bundesberggesetzes (BBergG). Bergbauberechtigungen, auch Konzessionen genannt, sind Voraussetzung für die Durchführung bergbaulicher Tätigkeiten auf bestimmte, im Bundesberggesetz benannte Bodenschätze.

Betriebsüberwachung Der Bergbau unterliegt der Aufsicht durch das LBEG als zuständiger Bergbehörde. Die Beaufsichtigung der Bergbaubetriebe stellt, neben der Vergabe der Bergbauberechtigungen und der Erteilung der Betriebsplanzulassungen eine weitere Kernkompetenz der Bergbehörde dar. Eine spezielle Aufgabe der Bergbehörden ist die Untersuchung von Betriebsereignissen und Unfällen einschließlich der Ursachenermittlung mit dem Ziel, die Arbeits- und Betriebssicherheit zu verbessern.

Anerkennung von Sachverständigen Das LBEG ist zuständig und verantwortlich für die Anerkennung von Sachverständigen.

Bergarchiv

Der Oberharzer Bergbau kann auf eine jahrhundertealte Tradition zurückblicken. Nach dem Niedergang des mittelalterlichen Blei- und Silberbergbaus im Oberharz wurde etwa 150 Jahre später zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Bergbautätigkeit wieder aufgenommen. Die schnelle Entwicklung im Bergwerksgeschehen erforderte die Einrichtung einer ordnenden Institution. So wurden bereits in dieser Zeit Aufsichtsbehörden in Clausthal und Zellerfeld geschaffen.

Im Niedersächsischen Bergarchiv in Clausthal wird das im Laufe der Jahrhunderte entstandene Schriftgut aufbewahrt. Das Bergarchiv ist eine Außenstelle des Hauptstaatsarchivs Hannover und dem LBEG als Nachfolgebehörde der früheren Harzer Bergbehörden angegliedert.

Beratung und Verfahrensbeteiligung Rohstoffwirtschaft (Steine, Erden, Salz) Die marktgerechte Versorgung des Landes mit Rohstoffen ist von grundlegender Bedeutung für das Funktionieren der Wirtschaft und somit für den Erhalt des Lebensstandards. Eine herausragende Stellung nehmen dabei die im Tagebau gewinnbaren mineralischen Massenrohstoffe und Torf ein, die auch in Zukunft in großen Mengen aus den heimischen Lagerstätten zur Verfügung stehen müssen und einen wichtigen Bestandteil des Natur- und Wirtschaftsraumes Niedersachsen darstellen.

Das LBEG erfasst und bewertet die heimischen Bodenschätze und ihre Lagerstätten, insbesondere Steine, Erden und Industrieminerale sowie Torf, Salz, Kohle und Erze systematisch und untersucht sie im Vorfeld einer industriellen Nutzung auf ihr wirtschaftlich nutzbares Potenzial. Insbesondere der Abbau der oberflächennahen Rohstoffe im Tagebau führt zunehmend zu Konflikten mit konkurrierenden Nutzungsansprüchen an den Naturraum. Eine wesentliche Aufgabe des LBEG ist daher der Schutz der einheimischen Lagerstätten vor den konkurrierenden Nutzungsansprüchen.

Beratung Rohstoffe: In Fragen von Rohstoffsicherung, -versorgung und -abbau bietet das LBEG seine Beratung an. Dabei gilt es, die unterschiedlichen Interessen sachgerecht zu berücksichtigen und eine Minimierung der notwendigen Eingriffe in Natur und Landschaft zu erreichen.

Bauwirtschaft (Baugrund) Die Fachdisziplin Ingenieurgeologie bildet, als Teil der angewandten Geologie, die Schnittstelle zwischen den Erkenntnissen der klassischen Geologie und dem Ingenieurwesen. Als Baugrund wird Boden bzw. Lockergestein oder Fels bzw. Festgestein bezeichnet, in dem Bauwerke gegründet werden oder der durch Baumaßnahmen beeinflusst wird. Bei Planungen von Verkehrsanlagen oder Bauwerken müssen Art und Eigenschaft des Baugrundes berücksichtigt werden, da er als tragendes, mittragendes oder belastendes Element wirkt (z. B. Tunnelbau).

Das LBEG stellt bei Maßnahmen und Projekten Informationen über den Untergrund zur Verfügung, auch um die Wirtschaftlichkeit der Vorhaben zu erhöhen.

Niedersächsischer Erdbebendienst (NED): Der NED im LBEG überwacht die Erdbebentätigkeit in Niedersachsen und den angrenzenden Gebieten. Er wurde am 1. Januar 2013 errichtet. Er kooperiert eng mit dem Seismologischen Zentralobservatorium der BGR.

Energiewirtschaft (Erdöl, Erdgas, Kavernen- und Porenspeicher, Geothermie, Endlagerung) Das Aufgabenspektrum des LBEG umfasst hier die Betreuung der Energie- und Rohstoffwirtschaft in verschiedenen geologisch-lagerstättentechnischen Themenfeldern. Thematische Schwerpunkte von Beratung und Service sind die heimische Erdöl- und Erdgasgewinnung, die Nutzung der Geothermie, die Untergrundspeicherung sowie die Speicherung von CO2. Auch die Gewinnung von Braunkohle und der rohrleitungsgebundene Gas- und Rohöltransport werden bergbehördlich unterstützt.

In Fragen der Rohstoffsicherung, der -versorgung sowie des Rohstoffabbaus berät das LBEG Wirtschaft, Politik und andere Behörden.

Erdöl und Erdgas In Niedersachsen liegen über 90 % der nationalen Erdgas- und etwa ein Drittel der Erdöl-produktion und -reserven. Auch bei der Erdöl- und Erdgasspeicherung ist Niedersachsen das Energieland Nr. 1 der Bundesrepublik Deutschland, das von zahlreichen Förder- und Servicefirmen als Wirtschaftsstandort gewählt wurde.

Das Thema „Erdöl und Erdgas“ wird im LBEG im Hinblick auf Genehmigungsverfahren und Bergaufsicht unter Bergrecht sowie auf Tätigkeiten im Rahmen des Lagerstättengesetzes wahrgenommen. Die fachliche Expertise erstreckt sich auf die Fachbereiche Geophysik, Erdölgeologie, Reservoir Engineering sowie die Bohr-, Förder- und Speichertechnik. In Zusammenarbeit mit den Behörden der anderen Bundesländer veröffentlicht das LBEG Jahresberichte zur Exploration, Produktion, zu Reserven sowie zur Speicherung von Erdöl und Erdgas in Deutschland als Informationsgrundlage für Wirtschaft und Politik.

Geothermie Als Beitrag zur Förderung der klimaschonenden, grundlastfähigen und dezentralen Energiequelle Geothermie wurde im Zuge einer Reorganisation des LBEG im Juli 2019 der Niedersächsische Geothermiedienst (NGD) als referatsübergreifende Einheit eingeführt. Im NGD ist das ehemalige Zentrum für Tiefengeothermie / Oberflächennahe Geothermie (ZTG) aufgegangen. Grundsätze der Tätigkeiten des NGD sind fachliche Neutralität und wirtschaftliche Unabhängigkeit. Das Leistungsspektrum des NGD umfasst die folgenden drei Bereiche:

Beratung im Bereich oberflächennahe Geothermie (bis 400 m unter Gelände) Beratung im Bereich tiefe Geothermie (mehr als 400 m unter Gelände) Schaffung und Pflege geowissenschaftlicher Grundlagen zur Geothermie.

Endlager Für die Endlagerung radioaktiver Abfälle werden Salzgesteine u. a. als mögliches Wirtsgestein erforscht. Der Salzstock Gorleben-Rambow im Landkreis Lüchow-Dannenberg wurde von 1979 bis 2012 (mit einem zehnjährigen Moratorium von 2000 bis 2010) als potenzielles Endlager für radioaktive Abfälle erkundet. Im ehemaligen Kali- und Steinsalzbergwerk Asse bei Wolfenbüttel wurden im Zeitraum von 1967 bis 1978 nach derzeitigem Stand etwa 126.000 Fässer und Gebinde mit schwach- und mittelradioaktiven Abfällen eingelagert. Nach Abwägung der verschiedenen Möglichkeiten zur Stilllegung wird die Rückholung der Abfälle favorisiert: Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit stellte im Januar 2010 einen Plan zur Rückholung der eingelagerten Abfälle vor.

Tätigkeiten des LBEG Geowissenschaftliche Stellungnahmen zu Fragen der Sicherheit von aktiven und stillzulegenden bzw. stillliegenden Salzbergwerken Prüfung von geologischen Fragestellungen im Rahmen von bergbehördlichen Zulassungsverfahren zur Errichtung von Speicher- und Solegewinnungskavernen Stellungnahmen für Ministerien im Rahmen von atomrechtlichen Verfahren zur Errichtung von untertägigen Deponien für radioaktive Abfallstoffe Beratung von Behörden, Ministerien und Industrie sowie Stellungnahmen im Rahmen von Planfeststellungsverfahren zur Errichtung von untertägigen Deponien (siehe auch Sondermülldeponie).

Landwirtschaft Eine der wichtigsten Produktionsgrundlagen für die Landwirtschaft ist der Boden. Das LBEG berät als bodenkundliche Fachbehörde in Abstimmung mit den landwirtschaftlichen Fachdienststellen zu Themen der landwirtschaftlichen Bodennutzung. Die Vermeidung von schädlichen Boden- und Grundwasserveränderungen steht beispielsweise im Vordergrund der Beratung im Hinblick auf Bodenerosion, grundwasserschonende Landbewirtschaftung und den Infodienst Grundwasserschutz, den das LBEG internetgesteuert anbietet. Im Rahmen der Erstellung von teilflächenspezifischen Betriebskarten können die Produktionskosten in der Landwirtschaft weiter optimiert werden (precision farming). Datenbereitstellungen erfolgen zum Boden-/Wasserhaushalt, aber auch zur Beweissicherung wasserrechtlicher Verfahren für land- und forstwirtschaftliche Flächen.

Wasserwirtschaft