Der Maserati 5000 GT bzw. 5000 GTI (intern: Tipo 103) ist ein Hochleistungssportwagen des italienischen Automobilherstellers Maserati, dessen Motor von Maseratis Wettbewerbsfahrzeugen abgeleitet war. Von 1959 bis 1964 entstanden je nach Zählweise 32 oder 34 Autos. Acht italienische Karosseriehersteller gestalteten verschiedene Aufbauten. Am weitesten verbreitet ist eine Coupé-Karosserie von Allemano, die 22 mal gebaut wurde; sie gilt als das inoffizielle Serienmodell. Einige andere Aufbauten sind Einzelstücke. Der Maserati 5000 GT gehörte zu den teuersten und exklusivsten Sportwagen seiner Zeit. Er konkurrierte mit dem Ferrari 400 Superamerica. Einzelne 5000 GT erreichen im 21. Jahrhundert Preise von über einer Million Dollar.

Entstehungsgeschichte mini|Rennsportwagen Maserati 450S Der Maserati 5000 GT entstand Ende der 1950er-Jahre, als sich das italienische Traditionsunternehmen in einer schweren wirtschaftlichen Krise befand. Obwohl Maseratis Werksteam 1956 und 1957 jeweils mit Juan Manuel Fangio die nach Formel-1-Regeln ausgeschriebene Automobil-Weltmeisterschaft gewonnen hatte, musste es aus finanziellen Gründen Ende 1957 den Betrieb einstellen. Auch das Engagement in der Sportwagen-Weltmeisterschaft kam zu einem Ende: Weil die Commission Sportive Internationale (CSI) mit Wirkung zum Saisonbeginn 1958 eine Hubraumobergrenze von 3,0 Liter eingeführt hatte, waren Maseratis 4,5 Liter große Achtzylindermotoren, die in den zurückliegenden Jahren im 450S erfolgreich gewesen waren, nicht mehr verwendbar. Zeitgleich hatte der Verkauf des Maserati 3500 GT begonnen, des ersten in Serie hergestellten Straßensportwagens der Marke. Der Rückzug aus dem Motorsport führte dazu, dass sein Absatz ab 1958 nicht mehr durch die positive Wirkung von Rennerfolgen unterstützt wurde.

In dieser Zeit entstand die Idee, ein exklusives Straßenfahrzeug zu entwickeln, das in einem Marktsegment oberhalb des sechszylindrigen 3500 GT angesiedelt war. Die Initiative zur Entwicklung des 5000 GT ging dabei nach übereinstimmender Darstellung in der LiteraturVgl. z. B. Cheetham: The Encyclopedia of Classic Cars, S. 227.Classic & Sports Car, Heft 8/2007. auf Mohammad Reza Pahlavi, den Schah von Persien, zurück. Pahlavi war ein Automobilliebhaber und schätzte unter anderem Sportwagen der Marke Maserati. Er fuhr mehrere 3500 GT, die ihm allerdings als nicht exklusiv genug erschienen.Geschichte des Maserati 5000 GT auf der Internetseite www.maserati-alfieri.co.uk (abgerufen am 16. September 2011). Maserati entwickelte auf seinen Wunsch hin ein besonders sportliches Auto, das das Chassis des 3500 GT mit einer Motorisierung verband, die mit der des achtzylindrigen Rennsportwagens 450S verwandt war.

Im August 1959 stellte Maserati ein nach diesen Vorgaben gebautes zweitüriges Coupé mit einer Karosserie von Touring vor. Das Fahrzeug war anfänglich als Einzelstück für Pahlavi gedacht;Martin Buckley: Maserati. Italienischer Luxus und Flair. Heel Verlag, Königswinter 2012. ISBN 978-3-86852-633-2, S. 57. allerdings entstanden auf Kundenwunsch noch zwei Nachbauten, die zusammen mit dem ersten Auto in der Klassikerszene als Maserati Scià di Persia bekannt sind. Nachdem italienische und amerikanische Medien über das Auto berichtet hatten und der Wagen auf erhebliches Interesse internationaler Kunden gestoßen war, entschied sich Maserati für die Auflage einer Kleinserie, die sich vom Scià di Persia vor allem durch eigenständige Karosserien unterscheidet. Die Baureihe erhielt die Bezeichnung Maserati 5000 GT.

Technik Der 5000 GT wurde im Laufe des Jahres 1958 unter der Leitung von Giulio Alfieri konstruiert. Maserati beschränkte sich dabei – wie seinerzeit üblich – auf die Entwicklung der technischen Komponenten. Die Gestaltung der Aufbauten überließ man dagegen mehreren selbständigen Karosseriewerkstätten, die bei ihren Entwürfen auf Kundenwünsche eingingen und insgesamt sehr unterschiedliche Entwürfe erstellten.

Chassis und Fahrwerk Grundlage des Maserati 5000 GT war das Chassis des Serienmodells 3500 GT. Es wurde allerdings für die Aufnahme des schweren Achtzylindermotors verstärkt. Die Aufhängung blieb hingegen unverändert. Die vorderen Räder sind einzeln an je zwei ungleich langen Dreiecksquerlenkern aufgehängt; weiter sind Schraubenfedern mit Gummielementen, Teleskopstoßdämpfer und ein Drehstabstabilisator eingebaut. Die Kugelumlauflenkung lieferte Burman. Hinten gibt es eine Starrachse mit halbelliptischen Blattfedern und Teleskopstoßdämpfern. Die ersten Modelle haben vordere Scheiben- und hintere Trommelbremsen; ab 1961 gab es serienmäßig Scheibenbremsen an allen vier Rädern.

Motorisierung und Kraftübertragung mini|Motor des Maserati 450S In vielen Publikationen wird die Darstellung verbreitet, der Maserati 5000 GT werde von Motoren aus dem 450S angetrieben, die Maserati auf Vorrat produziert hatte und die nach der Änderung des Reglements 1958 nicht mehr in der Sportwagen-Weltmeisterschaft verwendet werden konnten. Tatsächlich bildet der Motor des 450S zwar die technische Basis für die Einheiten, die im 5000 GT verwendet wurden; allerdings gibt es in Details erhebliche Unterschiede. Im Laufe der fünfjährigen Produktionszeit gab es drei Motorisierungsvarianten für den 5000 GT:

In der ursprünglichen Version verwendete der 5000 GT Achtzylindertriebwerke mit einem Hubraum von 4937 cm³. Die Gemischaufbereitung erfolgte über vier Vergaser von Weber. Der Motor verfügte über eine Doppelzündung. Die Leistung wurde mit 340 PS angegeben. Mit diesem Triebwerk wurden die ersten beiden 5000 GT ausgerüstet, darunter das an den Schah von Persien gelieferte Exemplar.Hans-Karl Lange: Maserati. Der andere italienische Sportwagen. Wien 1993, ISBN 3-552-05102-3, S. 26.

Ab 1960 verfügte der 5000 GT über ein überarbeitetes Triebwerk. Durch eine geringfügige Vergrößerung des Hubs bei gleichzeitiger Reduzierung der Bohrung betrug der Hubraum nun 4941 cm³; die Leistung wurde mit 325 PS angegeben. Durch diese Veränderungen erhöhte Giulio Alfieri die Fahrbarkeit des Triebwerks; der Motor war „kundenfreundlicher“Geschichte des Maserati 5000 GT auf der Internetseite www.maserati-alfieri.co.uk (abgerufen am 21. September 2011). bzw. „von etwas zivilerem Charakter“. Anfänglich erfolgte die Gemischaufbereitung auch bei diesen Versionen über vier Weber-Doppelvergaser; ab 1961 war allerdings alternativ eine Benzineinspritzung von Lucas lieferbar.

Das letzte 5000 GT Coupé, das 1964 hergestellt wurde, erhielt einen 4,7 Liter großen Achtzylindermotor.vgl. www.pietro-frua.de (abgerufen am 21. September 2011). Das Coupé wurde von Frua karossiert.

Als Kraftübertragung diente anfänglich ein manuelles Vierganggetriebe, das später durch ein Fünfganggetriebe von ZF ersetzt wurde.

Karosserieversionen Von 1959 bis 1964 fertigen acht Karosseriewerke individuelle Aufbauten für den 5000 GT. Zu ihnen gehörten alle namhaften italienischen Carrozziere. Die ersten Aufbauten wurden von der Mailänder Carrozzeria Touring hergestellt, die meisten Aufbauten allerdings produzierte Allemano in Turin. Daneben entstanden mehrere Einzelstücke.

Einige Fahrgestelle wurden mehrfach karossiert. So erhielt das Fahrgestell Nummer 103.048 im Sommer 1962 eine Karosserie von Pietro Frua. Ein Jahr später erhielt es – ebenfalls von Frua – eine neue Karosserie, dabei wurde die Fahrgestellnummer auf 103.064 geändert. Das ursprünglich von Allemano karossierte Chassis Nr. 103.022 erhielt 1966 einen neuen Aufbau von Vignale.

Die Touring-Version: Scià di Persia mini|Maserati 5000 GT „Schah von Persien“ (Aufbau von Touring) 1959 entwarf Touring die erste Karosserie für den 5000 GT. Das von Carlo Felice Bianchi Anderloni entworfene Fahrzeug hatte einen knapp geschnittenen Coupé-Aufbau, der widersprüchliche Merkmale in sich vereinigte. Mit dem massiven, langgestreckten Wagenkörper kontrastierte ein knapper, filigraner Dachaufbau, der extrem dünne Fahrzeugsäulen, eine hintere Panoramascheibe sowie eine auffällige Frontpartie aufwies. Die B-Säule bildete zugleich den hinteren Abschluss der Fahrgastzelle. Die Frontpartie trug eine ovale Öffnung, in der das Markenemblem, der Dreizack, integriert war.

Der Maserati 5000 GT mit Touring-Karosserie wurde erstmals beim Turiner Autosalon 1959 vorgestellt. Das Ausstellungsstück (Fahrgestellnummer 103.004) wurde an den Südafrikaner Basil Read verkauft, der seinerzeit Eigentümer des Kyalami Grand Prix Circuit war. Ein zweites, identisch karossiertes Fahrzeug (Fahrgestellnummer 103.002) war bereits einige Monate vorher an Reza Pahlevi geliefert worden, den Initiator des Projekts und ersten 5000 GT-Kunden. Die Touring-Karosserie erhielt den Beinamen Scià di Persia (Schah von Persien).

Touring karossierte später noch zwei weitere, mehr oder weniger identisch gestaltete 5000 GT-Modelle.

Das Mailänder Karosseriebauunternehmen Touring Superleggera stellte im März 2018 das Coupé Touring Sciàdipersia vor, das auf der Technik des Maserati GranTurismo beruht und an den 5000 GT Scià di Persia erinnern soll. Ein Jahr später folgte die Cabrioletversion. Für beide Ausführungen ist eine Kleinserie von 10 bzw. 15 Fahrzeugen angekündigt.

Die Allemano-Version: Der 5000 GT „Indianapolis“ mini|5000 GT mit Aufbau von Allemano Die meisten Aufbauten für den 5000 GT stellte die Turiner Carrozzeria Allemano her. Auch Allemano kreierte einen knappen Dachaufbau, der nur über A- und B-Säule verfügte. Die Frontpartie war glattflächiger als die der Touring-Version; sie verfügte über zwei waagerecht positionierte Breitbandscheinwerfer und einen schlichten, verglitterten Kühlergrill. Am Heck fanden sich kleine waagerecht verlaufende Heckflossen, unter denen auf jeder Seite drei runde Rücklichter untergebracht waren. Nach allgemeiner Auffassung wurde das Design des Autos nicht von Serafino Allemano selbst entwickelt, sondern von Giovanni Michelotti. Allemanos Anteil beschränkte sich danach auf die handwerkliche Herstellung der Karosserien.Zu den einzelnen Karosserieversionen vgl. die Internetseite www.pietro-frua.de (abgerufen am 21. September 2011).

Im Hinblick auf einige Motorsporterfolge Maseratis auf dem amerikanischen Indianapolis Motor Speedway wurde die Allemano-Version inoffiziell gelegentlich als 5000 GT „Indianapolis“ bezeichnet.Modellgeschichte des 5000 GT Allemano mit Abbildungen zu den einzelnen Fahrgestellen auf der Internetseite www.coachbuild.com (abgerufen am 18. Juli 2023).

Die Frua-Version: Der 5000 GT „Aga Khan“ Im Auftrag des französischen Maserati-Importeurs schuf der Turiner Designer Pietro Frua ein knapp viersitziges Coupé mit erhöhtem Dach, einem geschwungenen hinteren Seitenfenster und einer auffallenden Panoramascheibe im Heck. Das Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer AM 103.048 wurde im März 1962 auf dem Genfer Automobilsalon ausgestellt. Es erhielt 1963 im Werk die neue Fahrgestellnummer AM 103.064.

Im Mai 1962 gab Karim Aga Khan IV. bei Frua ein nahezu identisch karossiertes Fahrzeug (Fahrgestellnummer AM 103.060) in Auftrag. Wegen der prominenten Besitzer wird die Frua-Version des Maserati gelegentlich als „5000 GT Aga Khan“ bezeichnet. Das Aga-Khan-Auto wurde 2007 für einen Preis von 1.100.000 $ versteigert.Geschichte der drei von Frua karossierten 5000 GT auf der Internetseite www.pietro-frua.de (abgerufen am 20. September 2021).

1966 entstand ein drittes Fahrzeug mit Frua-Karosserie (Fahrgestellnummer AM 103.100).

Ghia