miniatur|Fort St. Angelo Bedingt durch die einzigartige geostrategische Lage lag der maltesische Archipel fast ständig im Brennpunkt des Interesses verschiedener Mächtegruppen. Dies hat dazu geführt, dass durch die verschiedenen Besitzer bzw. Besatzer der Insel in hoher Zahl militärische Anlagen – und hier insbesondere Befestigungen – errichtet wurden. Die Befestigungsanlagen auf Malta veranschaulichen einerseits die wechselvolle Geschichte der Insel. Andererseits bieten sie auf einem sehr gedrängten Raum derzeit noch einen einmaligen, nahezu lückenlosen Überblick über die Entwicklung militärischer Befestigungsanlagen vom 16. bis zum 20. Jahrhundert. Die Besonderheit – und Einmaligkeit – Maltas besteht weiterhin darin, dass hier die Befestigung eines Komplexes mit aufeinander abgestimmten Bestandteilen sichtbar wird. Ähnliche Festungsanlagen in Europa, wie z. B. Lüttich oder der Festung Koblenz, sind nur noch in Teilen erhalten, in vielen Bereichen überbaut und lassen den inhaltlichen Zusammenhang ihrer Bestandteile nicht oder nur noch schwer erkennen.
Befestigungen auf Malta vor Inbesitznahme durch den Johanniterorden Vor der Inbesitznahme waren lediglich drei Gebiete des maltesischen Archipels befestigt: die Stadt Mdina im Inneren der Insel, die Zitadelle auf Gozo und die sogenannte Seefestung (Sea Castle) an der Spitze der Halbinsel Birgu im Bereich des Grand Harbour. Die Halbinsel Birgu war vermutlich bereits in römischer Zeit befestigt. Ein Teil der Bauten lässt sich auf die Zeit der arabischen Besetzung im 11. Jahrhundert datieren. Weitere Erweiterungen erfolgten durch die Normannen ab 1091. Die alte Hauptstadt Mdina, auch „Città Notabile“ oder „The Silent City“ genannt, im Inneren der Insel auf einer Anhöhe gelegen, wurde bereits 1000 vor Chr. von Phöniziern besiedelt. Der heutige Name stammt von der Besetzung durch die Sarazenen um das Jahr 870. Die Normannen, die die Insel 1091 unter Roger I. eroberten, bauten die Festung weiter aus. Die Zitadelle auf Gozo wurde bereits von den Römern erbaut, später unter der arabischen Besetzung erweitert und war lange Zeit die einzige befestigte Anlage auf dieser Insel.
Befestigungen aus der Zeit des Johanniterordens (1530–1798) Erste Befestigungen der Johanniter 1530–1551 Malta befand sich zur Zeit der Übereignung der Insel an den Johanniterorden in einer geostrategischen Schlüsselposition. Bedingt durch seine Lage unmittelbar vor der nordafrikanischen Küste konnte von der Insel aus der Schiffsverkehr zwischen den kleinasiatischen Teilen des Osmanischen Reiches und seinen nordafrikanischen Territorien kontrolliert werden. Gleichzeitig bot sich von der Insel aus die Möglichkeit, die Piraterie entlang der nordafrikanischen Küste zu bekämpfen und damit die wirtschaftlichen Interessen der seefahrenden west- und südeuropäischen Staaten zu schützen. Die exponierte Lage machte die Insel jedoch zugleich anfällig. Es war zu erwarten, dass die Osmanen versuchen würden, Malta als Stützpunkt auszuschalten. Neben einer Seeschlacht zur Ausschaltung der Flotte der Johanniter war eine Besetzung der Insel ebenso wahrscheinlich. Die neuen Besitzer trugen diesen Umstand durch die Anlage ausgedehnter Befestigungen Rechnung. Die Johanniter konzentrierten sich auf das Gebiet um den Grand Harbour. Dabei errichteten sie ihre ersten Gebäude ostwärts des Grand Harbour auf dem Gebiet der heutigen Three Cities. Die Stadt Birgu nahm zunächst das Konvent der Johanniter auf und wurde damit de facto zur Hauptstadt des Ordens. Zum Schutz der Stadt und der Hafeneinfahrt wurde unter Großmeister Philippe de Villiers de l’Isle-Adam das bestehende Sea Castle zum Fort St. Angelo erweitert. Die Ansiedlung wurde landseitig durch eine Mauer gesichert. Die Befestigungen in Mdina wurden ebenfalls verstärkt. Während des ersten türkischen Angriffes 1551 konnten Mdina und St. Angelo gehalten werden, während die Zitadelle auf Gozo durch die türkischen Truppen besetzt wurde. Dieser Angriff, obwohl letztlich erfolgreich abgeschlagen, zeigte die Schwächen des Verteidigungssystems der Insel auf.
Befestigungen der Johanniter 1551–1565 Die Anlandung der türkischen Truppen war im Marsamxett Harbour westlich der Halbinsel Sciberras erfolgt. Die Spitze dieser Halbinsel wurde mit dem Fort St. Elmo, benannt nach dem Heiligen Elmo, befestigt, dessen Bau 1556 zunächst abgeschlossen wurde. Dieses Fort kontrollierte damit sowohl den Zugang zum Grand Harbour als auch zum Marsamxett Harbour.
Im Bereich des Grand Harbour wurde unter dem Großmeister des Malteserordens La Sengle auf dem südlichen der drei Landfinger, der Halbinsel Isola, Fort St. Michael erbaut. Diese Befestigung wurde ab 1553 erweitert und schloss die Stadt Senglea ein, konnte aber bis 1565 nicht vollendet werden. Die Festung St. Angelo wurde verstärkt.
Die Anlage dieser Befestigungen ermöglichte den Schutz des vitalen Hafenbereiches; insgesamt wies das System der Befestigungen jedoch noch entscheidende Mängel auf. Fort St. Elmo lag tiefer als der restliche Teil der Halbinsel Sciberras, die befestigten Teile Sengleas und Birgus tiefer als die Höhen St Magherita und San Salvadore. Damit war ein Großteil der Befestigungen ungeschützt dem Artilleriefeuer von der Landseite ausgesetzt. Fort St. Elmo wurde daher auch während der großen Belagerung 1565 vollständig zerstört. Obwohl die türkischen Angreifer 1565 letztlich abgeschlagen werden konnten, boten die bestehenden Befestigungen keinen ausreichenden Schutz gegen stärkere Angreifer oder eine veränderte, flexiblere Taktik. Daher war eine Erweiterung und Verstärkung der Befestigungsanlagen notwendig.
Befestigungen der Johanniter 1565–1630 Die große Belagerung hatte die strategische Bedeutung der Halbinsel Sciberras aufgezeigt, die durch das ungünstig gelegene Fort St. Elmo nicht ausreichend geschützt werden konnte. Notwendig war deshalb die Befestigung der ganzen Halbinsel. Im März 1566 wurde daher die Errichtung einer befestigten Stadt auf der Halbinsel beschlossen. Benannt wurde die Stadt nach Großmeister Jean Parisot de la Valette. Im Jahre 1571 wurde der Konvent des Ordens von Birgu nach Valletta verlegt. Die Stadt selbst schloss die höchsten Teile der Halbinsel ein und wurde landseitig durch die Valletta Land Front abgeschlossen. Sie wurde von Francesco Laparelli entworfen. Viele der wichtigsten Gebäude wurden durch Gerolamo Cassar errichtet. Zur gleichen Zeit wurde Fort St. Elmo wiederaufgebaut. Durch den Sieg der vereinigten Flotten in der Seeschlacht von Lepanto verschob sich das maritime Gleichgewicht zu Ungunsten der osmanischen Flotte. Die Flotten der nordafrikanischen Staaten waren kein Bestandteil der osmanischen Flotte mehr und beschränkten sich auf Piraterie. Die Gefahr einer erneuten Belagerung schien damit vorerst gebannt. Dies änderte sich mit dem Verlust der Spanischen Armada 1588, die das maritime Gleichgewicht im Mittelmeer wieder zugunsten der osmanischen Flotte verschob.
Befestigungen der Johanniter 1635–1800 miniatur| Neubauten und Erweiterungen im Bereich des Grand Harbour 1630–1800 Floriana Lines Um Valletta sowie Fort St. Elmo so weit wie möglich aus dem Feuerbereich feindlicher Artillerie herauszuhalten, wurden die Befestigungen im 17. Jahrhundert landeinwärts verschoben. Der Bau der Floriana Lines, benannt nach dem italienischstämmigen Großmeister Pietro Paolo Floriana, wurde 1635 begonnen. Als kritisch erwiesen sich jedoch die enormen Kosten dieses Bauwerks. Außerdem schien die Besetzung der Befestigungen mit ausreichenden Truppen schwierig, so dass ihre Fertigstellung immer wieder verzögert wurde.
Sta. Margherita Lines
Die landseitige Befestigung der drei Städte (Birgu wurde in Città Vittoriosa umbenannt, Senglea in Città Invicta) ostwärts des Grand Harbour durch die Sta. Margherita Lines begann ungefähr im gleichen Zeitraum. Die Sta. Margherita Lines schlossen die gleichnamigen Höhen ein und eliminierten die von diesen ausgehende Gefährdung der Three Cities. Der enorme Aufwand für diese Befestigungsanlagen überstieg die finanziellen Mittel des Ordens bei weitem, so dass es immer wieder zu Unterbrechungen des Baus kam. Letztlich konnten sowohl die Floriana Lines als auch die Sta. Margherita Lines erst im 18. Jahrhundert vollendet werden.
Cottonera Lines
Die Cottonera Lines verschoben die Befestigungen der Three Cities nochmals landeinwärts. Wie auch die Floriana Lines sollten sie die eigentlichen Hauptbefestigungen vor feindlichem Artilleriefeuer schützen und den Feind so lange als möglich von diesen fernhalten. Die gewonnene Fläche ließ sich jedoch auch zur Erweiterung der Städte ostwärts des Grand Harbour nutzen. Als anspruchsvollstes Projekt zur Zeit des Johanniterordens bezeichnet, begann ihr Bau unter Leitung des italienischen Festungsbaumeisters Antonio Maurizio Valperga im Jahr 1670. Benannt wurden sie nach dem Großmeister Nicholas Cotoner. Eine vereinfachte Version der geplanten Befestigungsanlagen konnte erst 1760 fertiggestellt werden. miniatur|Fort Ricasoli von der Wasserseite
Fort Ricasoli
Ebenfalls im Jahr 1670 begann unter der Leitung Valpergas der Bau des Fort Ricasoli. Auf dem nördlichsten der drei Landfinger gelegen, schützte es zusammen mit Fort St Elmo die Einfahrt zum Grand Harbour. Von dieser Stelle hatte während der großen Belagerung die türkische Artillerie sowohl Fort St Elmo als auch Birgu beschossen. Fort Ricasoli trug damit wesentlich zur Stärkung der bereits vorhandenen Befestigungen bei.
Da der Ritter Giovanni Francesco Ricasoli einen Großteil des Projektes finanzierte, wurde das Fort nach ihm benannt. Abgeschlossen wurde der Bau 1698.
Fort St Elmo
mini|120px |Plan des Forts St. Elmo von Pedro Pardo 1552 (Spitze oben seeseitig) Das Fort wurde um 1522 vom spanischen Festungsbaumeister Pedro Pardo entworfen. Es war ein sternförmiger Bau, der auf der Spitze des Monte Sciberras errichtet worden war, was den Nachteil hatte, dass die felsige Landzunge des Monte Sciberras erheblich über dem Fort lag, so dass Feinde von oben hineinsehen und auch hineinfeuern konnten. Das Fort wurde bei der Belagerung durch die Türken 1565 vollständig zerstört und erst im Zuge des Baus von Valletta wieder aufgebaut.
Zwischen 1687 und 89 wurde Fort St Elmo erweitert. Hinzugefügt wurde der äußere Befestigungsring mit Bastionen zur Aufnahme von Geschützen.
Fort Manoel
Während die Befestigungen im Bereich des Grand Harbour ständig erweitert wurden, wurde Marsamxett Harbour ursprünglich lediglich durch Fort St Elmo und die westlichen Befestigungen Vallettas geschützt. Diese Befestigungen konnten jedoch die Inbesitznahme des Hafens durch feindliche Truppen nicht ernsthaft verhindern. Zum Schutz dieses Hafenbereiches wurde daher auf der mitten im Hafen gelegenen Insel das Fort Manoel, benannt nach dem Großmeister Manoel de Vilhena (1722–1736), errichtet. Der Bau begann 1723. Bis zu diesem Zeitpunkt diente die Insel dem Malteserorden mit dem im Jahre 1643 gegründeten Hospital als Isolier- sowie Quarantäne-Station, für u. a. Leprakranke und ankommende Schiffe unter Gelber Flagge. Fort Manoel stellt den Höhepunkt und auch den Abschluss der klassischen Festungsbauweise auf Malta dar. Das eigentliche Fort hatte einen rechteckigen Grundriss. An den Ecken der Festung befanden sich starke Bastionen, die zur Aufnahme der Hauptbewaffnung dienten. Diese Bastionen wurden durch davorliegende Countreguards geschützt. Der durch eine Zugbrücke gesicherte Eingang zur Festung befand sich an deren Ostseite.
Fort Tigné Die letzte von den Johannitern errichtete Befestigung war Fort Tigné, das westlich Fort St Elmo gelegen die Zufahrt zum Marsammxett Harbour deckte. Der Bau unter der Leitung von Stefano de Tousard wurde 1792 begonnen und 1794 vollendet. Obwohl sehr klein, weist Fort Tigne ein außergewöhnliches, neues Design auf und wird als revolutionärste und einflussreichste Befestigung bezeichnet, die je von den Rittern erbaut wurde.