mini|Luftbild der Wewelsburg; zu erkennen ist der charakteristische dreieckige Grundriss mini|Ostflügel mit Zugangsbrücke Die Wewelsburg ist ein burgähnliches Renaissanceschloss im Stadtteil Wewelsburg der Stadt Büren im Kreis Paderborn, Nordrhein-Westfalen. Die Höhenburg liegt über dem Tal der Alme und ist eine der wenigen Burgen in Deutschland mit dreieckigem Grundriss.Ralph Meyer: Wewelsburg nicht die einzige Dreiecksburg – Drei Konkurrenten in Deutschland. In: Neue Westfälische. 30. April 2010. 1123 errichtete Graf Friedrich von Arnsberg an diesem Standort eine Burg. Nach seinem Tod wurde die Burganlage von Bauern zerstört. Später besaßen die Grafen von Waldeck und die Fürstbischöfe von Paderborn Burgen an dieser Stelle. Das heutige Gebäude wurde von 1603 bis 1609 errichtet. Von 1934 bis 1945 wurde die Burg von der SS genutzt und teilweise umgestaltet. Heute sind in der Wewelsburg das Historische Museum des Hochstifts Paderborn und eine Jugendherbergehttps://www.jugendherberge.de/jugendherbergen/wewelsburg/ untergebracht.
Geschichte Vorgeschichte Ein Vorgängergebäude war die vom mittelalterlichen Chronisten Annalista Saxo erwähnte Wifilisburg, die während des 9. und 10. Jahrhunderts als Schutzburg gegen die Ungarn diente, die in der Volksüberlieferung als Hunnen galten. Dies geht aus der Sachsengeschichte des Chronisten der ersten Liudolfinger, Widukind von Corvey, hervor, der über Heinrichs I. (919–936) Auseinandersetzungen mit den Slawen schrieb: Ein weiteres Gebäude wurde 1123 von Friedrich von Arnsberg errichtet. Nach seinem Tod im Jahre 1124 wurde die Burganlage von den Bewohnern des benachbarten Dorfes zerstört, die von von Arnsberg unterdrückt worden waren. 1301 verkaufte Graf Otto I. von Waldeck die Wewelsburg, die als Erbteil seiner Mutter Mechthild (* um 1235; † nach 13. August 1298), Tochter des Grafen Gottfried III. von Arnsberg, in seinen Besitz gekommen war, an den Fürstbischof von Paderborn. Ein Dokument über diesen Kauf erweist, dass sich zwei festungsähnliche Gebäude auf dem Hügel befanden: das Bürensche und das Waldecksche Haus. 1384 gelangten das Anwesen und die gleichnamige Herrschaft für mehr als 200 Jahre in den mehrfach erneuerten Pfandbesitz der Herren von Brenken. Burg und Amt Wewelsburg schienen untrennbar mit dem mächtigen Adelsgeschlecht verbunden, bis 1589 die Auslösung durch Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg erfolgte.Michael Lagers: Der Paderborner Stiftsadel zur Mitte des 15. Jahrhunderts. Untersuchungen zum Auf- und Ausbau niederadliger Machtstrukturen. Paderborn 2013, ISBN 978-3-89710-551-5, S. 323 ff.
Fürstbischöfliches Schloss links|mini|hochkant|Die Wewelsburg in den Monumenta Paderbornensia (1672) mini|Eingänge im Innenhof mini|hochkant|Innenhof Die Wewelsburg wurde in ihrer heutigen Form von 1603 bis 1609 vom Paderborner Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg, der von 1585 bis 1618 regierte, als Schloss im Stil der Weserrenaissance erbaut. Das Mauerwerk beider Vorgängergebäude wurde in das neue Gebäude integriert, das in seiner Gestalt nach den Vorgaben des über dem Flusstal der Alme gelegenen spitzwinkeligen Bergsporns mit den drei Türmen den Charakter der Wewelsburg seither prägt. Von Fürstenberg nutzte es als Jagdschloss und Nebenresidenz. Auf die Nutzung als fürstbischöfliches Jagdschloss bezieht sich die an der Wewelsburg spielende Ballade Kurt von Spiegel der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff.Annette von Droste-Hülshoff. Kreismuseum Wewelsburg.
Die Wewelsburg stellt ein so genanntes festes Schloss dar (franz. château fort), das als Wohn- und Verwaltungsgebäude Elemente von Wehrhaftigkeit zeigt und einige Zeit als Nebenresidenz der Fürstbischöfe diente. Nach Süden ist das Vorwerk von einer Ringmauer eingefasst. Dort verhindert ein Trockengraben den Zugang zum Gebäude. Den östlichen Trockengraben quert eine (Zug-)Brücke zum Eingangsportal, neben dem wie in den Südtürmen Schießscharten angebracht sind. Die Westseite liegt mit einer befestigten Auskragung am Talabhang. Alle drei Türme waren ursprünglich mit funktionslosen und nur auf symbolische Wirkung bedachten Zinnenkränzen versehen.
Der Südflügel ist der breiteste und wird von zwei Türmen gerahmt, die schmaler sind als der in der Nordspitze befindliche Hauptturm. Baumaterial ist witterungsempfindlicher Kalkstein, der ursprünglich unter Putz lag. Dieser Putz hob auch die farblich gestalteten Fensterfassungen und bunten bildhauerischen Elemente an Portalen und Erkern hervor.
Die Inschrift im Erker über dem Hauptportal – „Multi quaerent intrare et non poterunt“ = Viele wollen eintreten und können es nicht – weist vor allem auf das Recht des Schlossherrn hin, nicht allen Besuchern Zutritt zu gewähren. Das entsprach dem fürstbischöflichen Willen, im Gebiet Paderborns in der katholisch-protestantischen Konfessionsrivalität den Katholizismus bei seinen Untertanen durchzusetzen.
Das aufwändigste Portal zum Treppenturm mit Stifterinschrift und Lobpreis des Bauherrn und seines Geschlechts liegt im Innenhof und führte in den ersten Stock zu den Räumlichkeiten des Fürstbischofs im Süd- und Ostflügel und zum Festsaal im Westen. Allerdings haben die zweimaligen Zerstörungen unter Carl Gustav Wrangel im Dreißigjährigen Krieg 1646 und im März 1945 die Überlieferung der Baugeschichte stark beeinträchtigt, so dass in heutigen Museumsräumen nur noch Restbestände aus fürstbischöflicher Zeit zu sehen sind: ein mit sieben weiblichen Tugendallegorien versehener Kamin, ein Verhörraum mit anschließenden Verlieszellen (1631 fanden zwei Hexenprozesse statt), eine Richterloge, im Anschluss an Wohngemächer ein Abtritt.
Beim Wiederaufbau unter Fürstbischof Dietrich Adolf von der Recke wurden die Zinnenkränze auf den Türmen durch welsche Hauben ersetzt. Trotz des 1660 abgeschlossenen Wiederaufbaus verlor die Wewelsburg den Rang als Nebenresidenz der Fürstbischöfe. Ein letzter fürstbischöflicher Besuch ist für 1718 dokumentiert. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde das Schloss wegen der Schulden des Landes nur notdürftig unterhalten. Die Verliese wurden 1752/53 Zivilkerker; 1759 dienten sie als Militärgefängnis vorwiegend für Deserteure. Die Rentmeister blieben mit ihren Familien und Bediensteten bis 1821 im Südostflügel die dauerhaftesten Bewohner.Vgl. zur Bauwerksgeschichte Wulff E. Brebeck: Die Wewelsburg. Geschichte und Bauwerk im Überblick. München/Berlin 2005, S. 21–46.
Das Amt Wewelsburg war bis zu den Napoleonischen Kriegen eine Verwaltungseinheit des Hochstifts Paderborn. Es umfasste die Orte Ahden, Brenken, Haaren, Helmern, Niederntudorf, Oberntudorf und Wewelsburg.
Preußischer Besitz 1802 ging die Wewelsburg aufgrund der Auflösung des Hochstifts Paderborn im Zuge der Säkularisation an den preußischen Staat über. Am 11. Januar 1815 brannte der Nordturm nach einem Blitzschlag aus – nur die Außenmauern blieben stehen. Die vormalige Wohnung des Rentmeisters diente von 1832 bis 1934 als Pfarrwohnung.
Besitz des Kreises Büren 1924 wurde der Kreis Büren Eigentümer der Burg. Sie wurde zu einem Kulturzentrum ausgebaut, zu dem ab 1925 ein Heimatmuseum und eine Jugendherberge gehörten. Die Erhaltung der Burg wurde vom Verein zur Erhaltung der Wewelsburg unterstützt. Nach 1925 verlangsamten sich die Renovierungstätigkeiten. Ende der 1920er Jahre erwies sich der Nordturm als statische Schwachstelle; im Winter 1932/33 wurde er mit schweren Eisenringen verstärkt.
Gigantomanie während der NS-Zeit Während der NS-Zeit geriet sowohl das Gebäude der Burg als auch der gesamte umliegende Ort unter den zunehmenden Einfluss der SS, konkret unter den des Reichsführers-SS Heinrich Himmler. Im Hinblick auf neue Einrichtungen für die Aufgaben des SS-Rasseamtes wollte er an der Burg und ihrer Umgebung tiefgreifende Umgestaltungen vornehmen lassen. Die Hintergründe dieser Pläne waren vielschichtig und kontrovers: Bestimmte Teile der SS sahen die Zukunft der Burg in einer ideologischen Kaderschmiede für ihren Nachwuchs; andere Teile sahen sie sehr viel profaner als einen exklusiven Tagungsort für die oberste Führungsriege. mini|Ölgemälde der Wewelsburg (links) im Münchner Führerbau bei einer Polizeiführerbesprechung am 9. November 1939, darunter, von links nach rechts: SS-Obersturmbannführer Franz Josef Huber, SS-Oberführer Arthur Nebe, Reichsführer SS Heinrich Himmler, SS-Gruppenführer Reinhard Heydrich und SS-Oberführer Heinrich Müller.Zur besonderen Geschichte dieses Bilds vgl. Dina van Faassen, Himmlers Wewelsburger Gemäldesammlung. In: Jan Erik Schulte (Hrsg.): Die SS, Himmler und die Wewelsburg. Schriftenreihe des Kreismuseums Wewelsburg (Nr. 7), Paderborn u. a. 2009, S. 242 (248 f.)
Hintergründe Himmlers seit Kindertagen bestehende Begeisterung für alles, was er als germanisch ansah, ließ ihn seit 1933 zusammen mit Walther Darré daran arbeiten, die SS in Westfalen zu verankern, dem nach Auffassung Darrés „germanischsten“ aller deutschen Landstriche.Vgl. dazu etwaJan Erik Schulte: Himmlers Wewelsburg und der Rassenkrieg. Eine historische Ortsbestimmung. In: Ders. (Hrsg.): Die SS, Himmler und die Wewelsburg. Schriftenreihe des Kreismuseums Wewelsburg (Nr. 7), Paderborn u. a. 2009, S. 3 (6 ff.)Vgl. ferner Markus Moors: Das „Reichshaus der SS-Gruppenführer“. Himmlers Pläne und Absichten in Wewelsburg. im selben Band, wo es u. a. heißt: „In den Augen Himmlers besaß alles, was er als Zeugnis des Germanentums identifizierte, einen hohen Stellenwert für die weltanschauliche Legitimation seiner Konzeption nationalsozialistischer Politik und des rassistischen Elitegedankens der SS. Geschichtliche Faktizität spielte dabei eine sehr untergeordnete Rolle.“, S. 161 (162).Zu der Tatsache, dass Himmlers Ansehung mit den historischen Gegebenheiten häufig nicht übereinstimmte, vgl. etwa Josef Ackermann: Heinrich Himmler als Ideologe. Göttingen, Zürich, Frankfurt 1970, S. 40 ff. Gleichzeitig war Himmler unter dem Eindruck seiner Aufenthalte auf der Grevenburg während des Lippischen Wahlkampfs im Januar 1933 zu der Auffassung gelangt, die Schulung der SS könne nicht in schmucklosen Räumen erfolgen, es bedürfe dafür vielmehr „eine[r] weltanschaulich anregende[n], behagliche[n] Umgebung“, am besten einer germanischen Burg.Vgl. dazu die Nachweise bei Markus Moors: Das „Reichshaus der SS-Gruppenführer“. Himmlers Pläne und Absichten in Wewelsburg. In: Jan Erik Schulte (Hrsg.): Die SS, Himmler und die Wewelsburg. Schriftenreihe des Kreismuseums Wewelsburg (Nr. 7), Paderborn u. a. 2009, S. 161 (163) Aus diesem Grund widmete er das ursprünglich fürstbischöfliche Residenzschloss 1935 willkürlich in eine Burg um und verfügte, dass deren Leiter den, wie es in der Literatur heißt, „mittelalterlich-soldatisch klingenden Titel“ „Burghauptmann“ tragen sollten.Markus Moors: Das „Reichshaus der SS-Gruppenführer“. Himmlers Pläne und Absichten in Wewelsburg. In: Jan Erik Schulte (Hrsg.): Die SS, Himmler und die Wewelsburg. Schriftenreihe des Kreismuseums Wewelsburg (Nr. 7), Paderborn u. a. 2009, S. 161 (164, 173).