Die Stadt Rendsburg (dänisch und niederdeutsch Rendsborg, auch Rensborg) liegt in der Mitte Schleswig-Holsteins am Nord-Ostsee-Kanal und am historischen Ochsenweg. Sie verbindet die beiden Landesteile Schleswig und Holstein, wobei die Altstadt historisch auf einem Werder des Grenzflusses Eider liegt und zu Holstein zählt. Die Mittelstadt ist stark durch ihre historische Funktion als südliche Grenzfeste des dänischen Reiches und ehemalige Garnisonstadt geprägt. Heute ist sie Sitz der Kreisverwaltung des Kreises Rendsburg-Eckernförde.

Geografie

Lage mini|Luftaufnahme von Rendsburg mit Blick nach Osten. Die zentralen Stadtteile liegen zwischen dem Nord-Ostsee-Kanal (rechts im Bild) und der Eider. Rechts ist die Rendsburger Hochbrücke zu erkennen. mini|Obereiderhafen

Rendsburg liegt geographisch auf dem Scheitelrücken der Schleswig-Holsteinischen Geest, auf dessen Erhebung der historische Heerweg bzw. Ochsenweg vom dänischen Jütland im Norden nach Sachsen im Süden führte. Bis zum Bau des Kanals prägte die Eider das Stadtbild von Rendsburg und der Umgebung. So entstand die Altstadt ursprünglich auf einer Eiderinsel. Seit 1895 verlässt der Fluss beim Audorfer See den Kanal, in den die Obereider kurz zuvor beim Flemhuder See mündet. Der Arm, der zum Kanalgewässer gehört, endet am neu errichteten Obereiderhafen. Der Untereiderarm, von der Obereider getrennt durch den Thormannplatz, beginnt weiter im Westen der Stadt. Durch Zuflüsse von Auen fließt die Untereider von Rendsburg südwestwärts in Richtung Tönning. Der Fluss ist im Prinzenmoor durch den Gieselaukanal nochmals mit dem Nord-Ostsee-Kanal verbunden. Südlich der Altstadt liegt der Rendsburger Stadtsee, ein ehemaliger Eiderarm.

Heute dehnt sich das Siedlungsgebiet der Stadt Rendsburg zu beiden Seiten des Nord-Ostsee-Kanals aus, der größte Teil der Stadt befindet sich auf der nördlichen Kanalseite. Seit 1913 überquert die Eisenbahn den Kanal auf der Rendsburger Hochbrücke, die als Wahrzeichen von Rendsburg gilt. Die Hochbrücke trägt auch eine angehängte Schwebefähre für Fußgänger und Fahrzeuge, die von 2016 bis 2022 nach einer schweren Kollision außer Betrieb war. Neben den Fährverbindungen unterquert bei Rendsburg ein Straßentunnel (Bauzeit 1957 bis 1961) und ein 1965 fertiggestellter Tunnel für Fußgänger und Radfahrer den Kanal. Durch Rendsburg führt die im Mai 2004 eröffnete Deutsche Fährstraße, welche zwischen Bremervörde und Kiel rund 50 verschiedene Fähren, Brücken, Schleusen, Sperrwerke und maritime Museen verbindet.

Umland und Nachbarorte Das Rendsburger Umland ist durch eine typische Geestlandschaft geprägt, die im Westen immer mehr in eine Marschlandschaft übergeht. Ebenfalls prägen die alten Überflutungsgebiete der Eider das Landschaftsbild. Im Osten der Stadt beginnt mit den Hüttener Bergen ein durch wellige Ablagerungen der letzten Eiszeit geprägtes Endmoränengebiet. In unmittelbarer Nähe der Stadt befinden sich die Naturparks Hüttener Berge (10 km), Westensee (20 km) und Aukrug (30 km).

Nachbargemeinden Rendsburgs sind (im Uhrzeigersinn, im Norden beginnend): Alt Duvenstedt, Rickert, Büdelsdorf, Schacht-Audorf, Osterrönfeld, Westerrönfeld, Nübbel und Fockbek. Die nächsten größeren Städte sind Kiel 32 km östlich, Schleswig 32 km nördlich, Flensburg 65 km nördlich, Husum (Westküste) 58 km nordwestlich, Eckernförde (Ostküste) 25 km nordöstlich, Neumünster etwa 45 km und Lübeck 94 km südöstlich sowie Hamburg 103 km südlich.

Stadtgliederung Die Stadt Rendsburg ist in 29 Stadtteile gegliedert.Karte der Stadtteile. (PDF; 8 MB) rendsburg.de

Folgende Stadtteile liegen nördlich der Eider und westlich von Büdelsdorf:

Die folgenden Stadtteile liegen zwischen Eider und Nord-Ostsee-Kanal:

Die folgenden Stadtteile liegen südlich des Nord-Ostsee-Kanals und südwestlich von Osterrönfeld:

Geschichte Ursprünge und mittelalterliche bis frühneuzeitliche Stadtentwicklung (5.–16. Jh.) mini|Auf einer Zeichnung aus dem Jahr 1756 von Johann Friedrich Camerer ist die Lage der Rendsburger Altstadt auf einer Insel inmitten der Eider noch deutlich erkennbar

Die Ursprünge Rendsburgs sind eng mit der geografischen Insellage am Kreuzungspunkt zweier historischer Verbindungsachsen verknüpft. Wie der dänische Historiker Saxo Grammaticus berichtete, soll dort auf der Eiderinsel einst im 5. Jh. der sagenhafte König der Angeln Offa den König der Sachsen besiegt haben.Saxo Grammaticus, Gesta Danorum. Ed. J. Olrik und H. Raeder. Band 1. Kopenhagen 1931. Buch IV, 3, 8. Edward Hoop: Geschichte Rendsburgs. S. 19. Historisch gesichert ist ein während der Herrschaft des dänischen Königs Hemming auf das Jahr 811 datiertes Treffen zwischen zwölf Franken und Dänen auf der Eiderinsel, bei dem die Eider erstmals als Grenzfluss zwischen dem fränkischen und dänischen Reich fixiert worden ist.Annales regni Francorum. Ed. F. Kurze, Scr. rer. Germ. in usu schol., Hannover 1895, S. 134. Edward Hoop: Geschichte Rendsburgs. S. 20 Vermutlich erst knapp drei Jahrhunderte später, um 1100, legte der dänische Jarl Björn, ein Sohn von Sven Estridsson,Horst Windmann: Schleswig als Territorium. Wachholtz, Neumünster 1954, Stammtafel I. eine erste Festung auf der Eiderinsel an: Die Reinholdsburg sollte aus strategischen Gründen den Eiderübergang sichern.Alfred Gudd: Die Festung Rendsburg. Albers, Rendsburg 2016, S. 11 und 14. Die eigentliche Siedlung Rendsburg wurde um 1150 gegründet und 1199 als Reinoldesburch erstmals schriftlich in der Chronica Slavorum des Arnold von Lübeck erwähnt."Instante igitur aestate, Canutus rex contra Adolphum exercitum persuxit ad Egdoram in loco, qui Reinoldesburch dicitur". Arnold von Lübeck, Chronica Slavorum. Ed. Lappenberg XXI, VI, 11. Edward Hoop: Geschichte Rendsburgs. S. 31. Da der Siedlungskern auf einer Insel im Grenzfluss Eider angelegt war, wurde über die Zuordnung zum Herzogtum Schleswig (vgl. Fræzlæt) oder zum Herzogtum Holstein oft gestritten. Um 1200 baute Graf Adolf die zwischenzeitlich verfallene Burg wieder auf. Im Jahr 1250 erklärte ein adeliges Schiedsgericht von „zwölf ritterbürtigen Männern“ die Zugehörigkeit der Stadt zu Holstein.Edward Hoop: Geschichte Rendsburgs. S. 46–48. 1460 wurde Rendsburg in den Herrschaftsbereich Dänemarks unter König Christian I., Herzog von Schleswig und Graf von Holstein, eingegliedert. mini|Brunnen auf dem Schlossplatz mit der Inschrift: „Graf Gerhard der Grosse bestätigt und erweitert der Stadt Rendsburg Gerechtsame und Gebiet am Nicolaitage 1339“

Das Stadtrecht Rendsburgs, vielleicht schon 1239 verliehen, wird 1253 erstmals urkundlich erwähnt.SHRU II Nr. 49 vom 20. August 1253 In einer Urkunde vom 12. Mai 1260Dipl. Dan. II, 1, Nr. 316. verpfändete die Witwe des Schleswiger Herzogs Abel, Mechthild von Holstein und Schauenburg, neben anderem Grundbesitz entlang der Eider auch Rendsburg an ihre Brüder, die Holsteiner Grafen Johann I. und Gerhard I. Das Oppidum hatte Mechthild bei ihrer Heirat mit Abel 1237 als Mitgift erhalten.Horst Windmann: Schleswig als Territorium. Wachholtz, Neumünster 1954, S. 172. Im Jahr 1339 bestätigte Graf Gerhard der Große von Holstein-Rendsburg das Rendsburger Stadtrecht und überließ Rendsburg ausgedehnte Ländereien.StA RD Urk 1002.

mini|Altes Rathaus am Altstädter Markt mini|Senatszimmer im Alten Rathaus

Der eigentliche Siedlungskern Rendsburgs erstreckte sich anfänglich nur auf den Bereich der Altstadt um den Altstädter Markt. Der Hauptweg über die Insel verlief über die heutige Mühlenstraße mit Verlängerung der Schleifmühlenstraße. Die Bewohner ernährten sich von Landwirtschaft und Fischfang, aber auch zunehmend dem Handwerk und dem Handel über die zwei Handelsrouten Eider und Herrweg (s. o.) Nach einem verheerenden Stadtbrand 1286 wurde im Rahmen des Wiederaufbaus 1287 die Marienkirche errichtet. Bis in das 15. Jahrhundert hinein wurde Rendsburg mehrfach von Feuersbrünsten heimgesucht, die immer wieder umfangreiche Neuaufbauten notwendig machen. Im Jahr 1566 wurde der ostwestliche und somit älteste Bauabschnitt des Rathauses am Altstädter Markt abgeschlossen. Der südlich anstoßende Flügel mit einem spätgotischen Doppelgiebel stammt vom Ende des 17. Jahrhunderts.G. Ebe: Der Deutsche Cicerone. Architektur II. Spamer, Leipzig 1898, S. 49. Im 16. Jahrhundert erfolgte ein Ausbau des Rendsburger Schlosses; der Abbruch der mit Bau der Festung (s. u.) zunehmend verfallenen und bedeutungslosen Schlossanlage geschah 1718. Außerhalb der Stadt, vor dem Mühlentor, befand sich im Mittelalter die Badestube. Im nördlich gelegenen Vorort Vinzier befand sich im Mittelalter ein Siechenhaus für Leprakranke, das seit 1465 nachweisbar ist. muenster.org/lepramuseum Zwischen 1536 und 1540 erfolgte die Anlage einer Umwallung unter Christian III., König von Dänemark und Herzog von Schleswig und Holstein. Während der Reformationszeit trat Rendsburg kirchenpolitisch bedeutsam in Erscheinung durch die hier am 9. März 1542 verabschiedete lutherische Kirchenordnung für Schleswig und Holstein, die die Schleswig-Holsteinische Landeskirche begründete.Christlyke kercken ordeninge de yn den Fürstendömen Schleszwig, Holsten etc. schal geholden werdenn. [Beschlossen auf dem Landtag zu Rendsburg am 9. März 1542]. Magdeburg, 1542 Ex. des Stadtarchivs Rendsburg als Leihgabe in der Dauerausstellung der St. Marienkirche zu sehen. Literatur: Walter Göbell (Hrsg.): Die Schleswig-Holsteinische Kirchenordnung von 1542, Neumünster 1986 (= Schriften des Vereins für Schleswig-Holsteinische Kirchengeschichte I; 34); Lothar Francke: 500 Jahre Luther, 400 Jahre Staatskirche in Schleswig-Holstein. In: Rendsburger Jahrbuch 2017, S. 5–22

Rendsburg als Festung und Garnison (17.–19. Jh.) mini|Blick auf den Hafen und die Stadt ca. 1850

Im Verlauf des Dreißigjährigen Krieges stand die Stadt Rendsburg von 1627 bis 1629 unter kaiserlicher Herrschaft. In den Jahren 1644 und 1645 wurde Rendsburg von schwedischen Truppen besetzt und wenig später erneut schwer belagert, aber nicht eingenommen. Mit einer erstmaligen dauerhaften militärischen Stationierung von 12 Mann wird Rendsburg um 1660 zur Garnisonsstadt. Zwischen 1669 und 1673 entstand unter dem dänischen Generalmajor Henrik Ruse die erste große Festungsanlage Rendsburg. Für diesen Festungsbau wurde Gelände an der Schiffbrücke, auf dem Schlossplatz und am heutigen Thormannplatz großflächig aufgeschüttet. Wälle wurden errichtet und zwei große Bastionen (Bastion Schleswig und Bastion Vinzier) entstanden Richtung Norden und Westen. In das Südportal der Festung wurde 1670 der sogenannte Eiderstein mit der Inschrift EIDORA ROMANI TERMINUS IMPERYmindretalsliv.dk (PDF) („Die Eider ist die Grenze des römischen Reichs“) integriert.Edward Hoop: Geschichte Rendsburgs. S. 243–245. Ab 1690 erfolgte eine zweite große Festungserweiterung unter der Leitung des dänischen Generalmajors Jobst Scholten und unter Mitwirkung des Architekten und Bauunternehmers Dominicus Pelli. Im Norden der Stadt entstand im Zuge des Festungsbaus das Kronwerk, für das ab 1691 das Dorf Vindeshier (Vinzier), die Kampener Kirche und einiger Teile von Alt-Büdelsdorf weichen mussten. Im Süden entstand das riesige Neuwerk mit seinen strahlenförmig angelegten und erst allmählich besiedelten Straßenzügen. Hier befanden sich die militärischen Gebäude: die Baracken und Kasernen der Soldaten, die Hauptwache, das Arsenal und das Provianthaus sowie der große militärische Aufmarschplatz – der Paradeplatz.