Simmering ist der 11. Wiener Gemeindebezirk. Er wurde 1892 aus den selbstständigen Gemeinden Simmering und Kaiserebersdorf sowie kleinen Teilen anderer Gemeinden gebildet. 1956 kam die bis 1938 eigenständige Gemeinde Albern hinzu.
Unter den Wiener Bezirken ist Simmering als klassischer Arbeiter- und Industriebezirk und als Standort des größten Friedhofs Österreichs, des Wiener Zentralfriedhofs, bekannt. Durch den Bezirk verlaufen fast alle Verkehrsverbindungen Wiens mit östlich und südöstlich der Stadt gelegenen Gebieten in Österreich und seinen Nachbarländern.
Geographie
mini|Luftaufnahme von Simmering, 2014
Simmering liegt im Südosten Wiens und ist mit einer Fläche von 23,22 km² der achtgrößte Wiener Gemeindebezirk. Simmering nimmt dabei 5,6 % der Fläche Wiens ein. Der Bezirk grenzt im Nordosten an den Donaukanal. Im äußersten Südosten des Bezirksgebietes haben sich Reste der ehemals großen Auwälder erhalten. Nordwestlich schließt sich die Simmeringer Haide an, deren ehemals bewaldetes Gebiet heute teilweise verbaut oder dem Gemüselandbau gewidmet ist. Ein hoher Anteil des Bezirksgebietes ist Grünland (44,4 %), rund die Hälfte davon entfällt auf landwirtschaftliche Nutzfläche. Der Norden und Westen sind hingegen weitgehend verbaut. Im Südwesten nimmt der Wiener Zentralfriedhof umfangreiche Flächen ein. Der höchste Punkt von Simmering ist an der Ostbahn im Bereich der Kreuzung Gadnergasse/Bitterlichstraße zu finden. Der niedrigste Punkt des Bezirksgebiets liegt mit 151 Metern am sogenannten Rettungshügel (nordöstlich der Kreuzung Wildpretstraße – Seeschlachtweg). Tief gelegen sind mit 152 Metern auch Bereiche von Nord-Albern und südlich von Albern. Noch tiefer liegt je nach Wasserstand der Uferbereich beim Alberner Hafen.Havelka: Simmering S. 229
Nachbarbezirke und Nachbargemeinden
Das Bezirksgebiet von Simmering grenzt im Nordosten an den Donaukanal, wobei die Bezirksgrenze gegenüber der Leopoldstadt entlang des rechten Ufers des Donaukanals (Simmeringer Lände) verläuft. Nach dem Praterspitz wechselt die Grenze in die Mitte der Donau, wo sie Simmering bis kurz vor der Rohrleitungsbrücke von der Donaustadt trennt.
Die südliche Bezirksgrenze gegenüber der niederösterreichischen Gemeinde Schwechat verläuft südlich des Alberner Hafens und Alberns, dann unmittelbar südlich der Donauländebahn nach Westen.
Die Ostgrenze gegenüber Favoriten verläuft von dort entlang der Ostbahn nordwärts, zumeist am östlichen Rand der Hauptgleise.
Im Nordwesten verläuft die Bezirksgrenze von der Unterführung des Straßenzuges Gudrunstraße / Geiselbergstraße unter der Ostbahn beim Gräßlplatz im Zickzack südlich des Arsenals und des Sankt Marxer Friedhofs und durch das Betriebsbaugebiet der Bezirke Landstraße und Simmering, zuletzt entlang der Erdbergstraße, bis zur Brücke des Ostbahnastes nach Stadlau über den Donaukanal.
Geologie
Das Bezirksgebiet von Simmering wurde vor allem durch die Donau geformt, die im Laufe der Zeit mehrere Terrassen bildete. Insbesondere während der Eiszeiten kam es durch Frost zur Bildung großer Schuttmassen, die von der Donau in das Wiener Becken verfrachtet wurden. In den warmzeitlichen Phasen schnitt sich in der Folge die Donau in den Schotterkörper und bildete Terrassen heraus, wobei die Terrassen mit zunehmender Höhe und Entfernung zur Donau bzw. des Donaukanals immer älter werden. Auf dem Bezirksgebiet liegen mehrere Donauterrassen, deren Höhe ausgehend vom Donaukanal nach Südwesten ansteigen. Im Osten des Bezirksgebietes nahe am Donaukanal liegt die „Zone der rezenten Mäander“, zu der Albern und die Hauptkläranlage Wien gehören. Die Praterterrasse aus dem Holozän reicht von der Leopoldstadt bis zur Pfarrkirche St. Laurenz und dem Schloss Neugebäude. Eine Steilkante, die in diesen Bereich noch ersichtlich ist, führt zur höhergelegenen Stadtterrasse aus der Riß-Kaltzeit, auf der unter anderem der Wiener Zentralfriedhof und der Leberberg liegen. Westlich davon schließt sich nahe der Bezirksgrenze die mindeleiszeitliche Arsenalterrasse an, deren Grenze zur Stadtterrasse weitgehend mit der Streckenführung der Aspangbahn übereinstimmt. Die noch höhere Wienerbergterrasse (Günz-Kaltzeit) liegt erst jenseits (südwestlich) der Ostbahn in Favoriten.
Der Aufbau der Terrassen ist mit Ausnahme der jüngsten Terrasse (Zone der rezenten Mäander) immer gleich. Der Untergrund besteht überwiegend aus Tegel sowie teilweisen sandigen Ablagerungen aus dem Pannonium, die bei Sankt Marx eine Mächtigkeit von rund 350 Metern erreichen. Darüber liegen Kiesschichten, die während der Eiszeiten aufgeschüttet wurden und je nach Alter unterschiedlich stark verwittert sind. Die oberste Schicht wird aus Löss gebildet, der aus dem Alpenvorland geweht wurde. Bei der jüngsten Terrasse liegen über der Kiesschicht hingegen Ausedimente wie Feinsande und Silte. Die Gerölle der Kiesschicht wurden überwiegend aus Abtragungen der Alpen und der Böhmischen Masse gebildet. Bei den plattigen Steinen handelt es sich in der Regel um Sandstein aus dem nahe gelegenen Wienerwald. Die runden Gerölle bestehen zum Großteil aus kristallinen Gesteinen wie Granit, Gneis und Quarze. Die Granite stammen ebenso wie die schwarzen Amphibolite aus der Böhmischen Masse. Der graue bis grünliche Gneis wurde aus den Zentralalpen und der Böhmischen Masse abgetragen. Weitere runde bis ovale Kiese bestehen aus Kalk und stammen aus den Nördlichen Kalkalpen.Friedrich Brix: Kurze geographische und geologische Betrachtungen über den 11. Wiener Gemeindebezirk, Simmering. In: Hans Havelka: Simmering. Wien 1967;Thomas Hofmann: Donaustädter Geologie – eine runde Sache. In: Wiener Bezirkshandbücher. 22. Bezirk Donaustadt. Wien 2002, S. 15–18Geologische Bundesanstalt: Darstellungsdienst Kartographisches Modell 1:50.000 - Geologie
Gewässer
mini|Alberner Hafen Simmering liegt zwar am Donaukanal, hat jedoch keinen Anteil an der Wasserfläche. Im Südosten bei Albern umfasst Simmering jedoch ein 1,5 km langes Stück der Donau. Hier liegt auch der Alberner Hafen und das damit verbundene „Blaue Wasser“, ein geschützter Landschaftsteil mit 58 Hektar. In unmittelbarer Nähe befindet sich der Schneidergrund, ein Altarm der Donau.
Die Schwechat floss ursprünglich zwischen Albern und Neu-Albern durch das Bezirksgebiet. Der so genannte Neubach, bis dahin Mündung der Schwechat in die Donau, verschwand zwischen 1976 und 1983 von den Stadtplänen: Der Fluss wurde von der Stadt Schwechat in den vorher so bezeichneten Kalten Gang umgeleitet.
Auch kleinere fließende Gewässer bestanden ursprünglich auf dem Bezirksgebiet. Der Klebindergraben (Gröretgraben) mit einer Länge von 890 Meter ist heute kanalisiert, der Seeschlachtgraben wurde nach einem Gemeinderatsbeschluss aus dem Jahr 1976 zugeschüttet.Havelka: Simmering S. 236 f.; Stadt Wien MA 5
Flächennutzung
Die Baufläche von Simmering umfasst 35,8 % (Wienweit 33,32 %) der Bezirksfläche. Nur 37,0 % der Baufläche entfallen auf Wohnbauflächen, der niedrigste Wert eines Wiener Gemeindebezirks. Dementsprechend erreichen Betriebsflächen in Simmering mit einem Anteil von 50,6 % an der Baufläche den höchsten Wert in Wien. Kulturelle, religiösen, sportlichen oder öffentlichen Bauflächen fallen mit einem Anteil von 6,3 % an der Baufläche hingegen gering aus. Grünflächen nehmen in Simmering einen Gesamtanteil von 44,4 % ein. 45,2 % der Grünfläche entfällt auf landwirtschaftliche Nutzfläche, der vierthöchste Wert in Wien. Der Großteil der restlichen Grünfläche entfällt mit 29,3 % auf Parkanlagen, insbesondere den Zentralfriedhof. Weitere 7,6 % der Grünfläche entfallen auf Wälder, 7,5 % auf Kleingärten und 7,7 % auf Wiesen. 2,0 % von Simmering werden von Gewässern eingenommen, 17,80 % entfallen auf Verkehrsflächen.
+ Flächennutzung in ha 2001 Baufläche Grünfläche Gewässer Verkehrsflächen829,881.031,3547,2413,2 Wohnbau Betriebsgebiet öffentliche Einrichtungen Landwirtschaft Parks Wälder Wiesen Kleingärten Freizeit-Flächen306,85420,1752,07466,54302,2178,7977,3679,6326,81
Bezirksteile
Simmering wurde 1892 aus den zwei bis dahin selbstständigen Gemeinden Simmering und Kaiserebersdorf gebildet, die noch heute als Wiener Katastralgemeinden weiterbestehen. Albern kam bei der Erweiterung zu Groß-Wien 1938 in den damaligen 23. Bezirk, Schwechat, gehörte 1954 und 1955 zum 2. Bezirk, Leopoldstadt, und wurde per 1. Jänner 1956 an Simmering angeschlossen.
Das Bezirksgebiet ist großteils zwischen Simmering im Norden und Kaiserebersdorf im Süden zweigeteilt, Albern umfasst nur eine kleine Fläche im Südosten. Im Norden von Simmering reicht auch ein kleiner Teil der Katastralgemeinde Landstraße auf das Bezirksgebiet. Simmering liegt im Norden und Nordwesten des Bezirksgebietes und reicht im Süden in etwa bis zur Linie Seeschlachtgraben, Florian-Hedorfer-Straße und Anton-Steinböck-Gasse. Kleinere Teile der Katastralgemeinde Simmering reichen nach Favoriten und im Norden in den Bezirk Landstraße hinein. Der Bezirksteil Simmering umfasst große Teile der Wohn- und Betriebsbauflächen des Bezirks, unter anderem das Wiener Gaswerk und das Wiener Elektrizitätswerk. Südwestlich von Simmering liegt Kaiserebersdorf, das neben dem Schloss Neugebäude auch den Zentralfriedhof umfasst und wie Simmering (was die Katastralgemeinde betrifft) über die Bezirksgrenze nach Favoriten reicht. Albern grenzt an den Donaukanal und im Norden an die Donauländebahn, die weiter westlich die Südgrenze zu Niederösterreich bildet. Zu diesem Bezirksteil gehören neben dem alten Ortskern auch Neu-Albern und der Alberner Hafen.
Im Bezirksteil Simmering, jenseits der Laaer Ostbahn, liegt das Grätzl Hasenleiten, das größtenteils aus einem Lazarett mit Barackensiedlung des Ersten Weltkrieges hervorgegangen ist. Heute besteht dort eine Wohnsiedlung aus den 1930ern, die Kirche ist aus den 1950ern. Auf der anderen Seite der Aspangbahn besteht ein Ensemble kleinerer Häuser aus den 1910ern, dieses dorfartige Ensemble trägt im Volksmund den Spitznamen Böhmisch Trübau (wie Česká Třebová).
Eine Gliederung des Bezirksgebiets besteht ferner in den Zählbezirken der amtlichen Statistik, in denen die Zählsprengel des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Die 13 Zählbezirke in Simmering sind Gaswerk Simmering, Alt-Simmering, Enkplatz, Geiselberg, Hasenleiten, Zentralfriedhof, Obere Simmeringer Haide, E-Werk Simmering, Untere Simmeringer Haide, Leberberg, Kaiser-Ebersdorf, Albern und Simmeringer Bad. Die Grenzen der Zählbezirke Kaiser-Ebersdorf und Albern stimmen jedoch nicht mit jenen der gleichnamigen Katastralgemeinden überein.
Wappen
rechts|120px|Simmering Das Wappen des 11. Bezirks ist dreigeteilt und steht für die drei ehemaligen Gemeinden, aus denen der Bezirk gebildet wurde.
Der silberne Großbuchstabe „S“ auf blauem Grund steht für den Bezirksteil Simmering. Der Name ist seit 1028 belegt, erstmals wird Simmering als „Simanningen“ erwähnt. Es ist zu vermuten, dass es sich dabei um eine Siedlung der Leute des Simon oder Sindman handelt. Das springende Einhorn auf goldenem Grund steht wiederum für Kaiserebersdorf. Es stammt aus dem Wappen derer von Hintperg-Ebersdorf, die die Grundherrschaft des Gebietes ursprünglich innehatten. Als „Ebersdorf“ ist der Sitz des mächtigen Herrschergeschlechts bereits seit 1162 belegt. 1499 ging es durch einen Tausch an Kaiser Maximilian I. Daher kommt der Zusatz „Kaiser“. Der dritte, untere Wappenteil zeigt das Symbol der früheren Gemeinde Albern. Die auf rotem Grund abgebildete blaue Scheibe mit gekreuzten Fischen steht für den Fischfang, der in Albern alte Tradition hatte. Der Name des Gebiets leitet sich von dem dortigen Albe-Pappel-Bestand ab. 1162 ist es erstmals belegt.
Geschichte
mini|Rudolf Sagmeister: Brauhaus Simmering aus der Vogelperspektive mit der Pfarrkirche Neusimmering im Hintergrund, 1930 Zur Geschichte der Gemeinde Simmering bis zur Eingemeindung 1892 siehe: Simmering (Wiener Bezirksteil).