Das Ostseebad Warnemünde (), offiziell Seebad Warnemünde, ist ein Ortsteil im Norden der Hansestadt Rostock in Mecklenburg-Vorpommern. Gemeinsam mit dem Ortsteil Diedrichshagen bildet es den Stadtbereich Warnemünde.

Die Warnow mündet hier in die Ostsee und gab Warnemünde seinen Namen, es wurde 1195 erstmals in dänischen Urkunden erwähnt. Seit 1323 gehört es zu Rostock. Für Jahrhunderte war Warnemünde vor allem ein kleiner Hafen- und Fischerort, bis um 1821 der touristische Badebetrieb begann. Mit seinem bis zu 150 Meter breiten Sandstrand verfügt das Seeheilbad über den breitesten Sandstrand der deutschen Ostseeküste.

Jeden Sommer finden im Ortsteil die Warnemünder Woche und die Hanse Sail statt, die jeweils etwa eine Million Besucher anziehen. Zudem ist Warnemünde Deutschlands zweitbedeutendster Kreuzfahrthafen (nach Kiel).

Geschichte

Der Baustil der Häuser am Alten Strom lässt darauf schließen, dass deren erste Bewohner Friesen und Niedersachsen waren, die nach der Vertreibung der Slawen ab 1100 hier ansässig wurden und das Dorf Warnemünde gründeten. Die Bebauung und der mittelalterliche Stil der Häuser, die sich südlich der Bahnhofsbrücke befinden, haben sich bis heute erhalten.

mini|links|Zustand Warnemündes und des Breitlings im Vergleich zum Ende des 19. Jahrhunderts

Historisch gab es nicht nur das WarnemündeFriedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. Band 1, 2. verb. u. verm. Auflage. Schwerin 1899, S. 284–288. Der Flecken Warnemünde. (Reprint: Verlag Stock und Stein, 1992, ISBN 3-910179-05-3) westlich des Alten Stroms. Dieses war auch nicht der ursprüngliche Stadthafen Rostocks, denn dieser befand sich weiter östlich; die genaue Position ist nicht bekannt. Die Rostocker erhielten bereits am 12. Oktober 1264 die Hoheit darüber, Jahrzehnte vor der Eingemeindung des fürstlichen Warnemündes im Westen.Vgl. L. Krause: Die alten Warnow-Mündungen und der ursprüngliche Rostocker Hafen zu Warnemünde. In: Beiträge zur Geschichte der Stadt Rostock. Herausgegeben vom Verein für Rostocks Altertümer. Bd. 12. Rostock 1924, S. 1–16.

mini|Warnemünde im Jahr 1830 mini|links|„Achterreeg“ (Hinterreihe): Häuser in der Alexandrinenstraße

Die Stadt Rostock erwarb dann am 11. März 1323 das um 1200 entstandene Dorf Warnemünde, um sich den Zugang zum Meer zu sichern. Bis ins 20. Jahrhundert war dieses Küstendorf an der Warnowmündung eine nicht mit dem Stadtgebiet verbundene Exklave von Rostock und noch bis in das 19. Jahrhundert ein recht armes Fischerdorf, das von dem Reichtum der Hansestadt wenig profitierte. Allerdings wird die Bedeutung Warnemündes als wichtiger Handelspunkt im Norden im Folgenden deutlich: Im Jahre 1288 sorgte die Stadt Rostock für die Instandhaltung des Warnemünder Hafens, indem sie einen Vertrag mit dem Patrizier Rötger Horn schloss. Dieser verpflichtete sich, die Hafeneinfahrt über fünf Jahre hinweg auf einer Tiefe von zwölf Fuß zu halten. Im Gegenzug bewilligte ihm die Stadt 100.000 Ziegelsteine und versprach, ihn für seine Arbeit mit 400 Mk. Silber oder 1.350 Mk. Pfennige zu entlohnen.

mini|Kitesurfer am Strand von Warnemünde

Die Bebauung beschränkte sich bis ins 19. Jahrhundert auf die Straßen Vöörreeg (plattdeutsch: Vorderreihe, heute Am Strom) und Achterreeg (plattdeutsch: Hinterreihe, heute Alexandrinenstraße), die beide parallel zum (Alten) Strom, dem damaligen Abfluss der Warnow in die Ostsee, liegen. Im 19. Jahrhundert gewann Warnemünde Bedeutung als Seebad (erstmals erwähnt 1821) und wuchs beträchtlich. So gab es 1834 bei 1500 Einwohnern bereits 1000 Badegäste. Zur Durchsetzung der Kontinentalsperre wurde 1812 das Fort Warnemünde errichtet. Ab 1889 brachte Warnemünde eine eigene Zeitung heraus. Am 26. Juni 1886 wurden die Eisenbahnverbindung nach Rostock und Berlin und die Postdampferverbindung nach Gedser in Dänemark, zunächst mit den Raddampfern Kaiser Wilhelm und König Christian, eröffnet. 1903 eröffneten der neue Bahnhof jenseits des Alten Stroms und die Eisenbahnfähre Warnemünde–Gedser, die ab 1926 auch Autos beförderte. Seit 1971 steht direkt an der Strandpromenade das Hotel Neptun. 1996 wurde die von der DFO betriebene Fährlinie nach Gedser eingestellt. Sie wurde ersetzt durch die von Scandlines betriebene Fährverbindung Rostock–Gedser, deren Fähren im Seehafen Rostock ablegen. Seit 1990 hat sich Warnemünde zu dem neben Kiel bedeutendsten Kreuzfahrthafen Deutschlands entwickelt.

Sehenswürdigkeiten und Kultur Alter/Neuer Strom mini|links|Blick von den Dünen auf die Hafeneinfahrt in die Warnow mini|Der Alte Strom – Blick von der Bahnhofsbrücke Richtung Ostseelinks das Hotel Am Alten Strom, rechts die Bahnhofshalbinsel mit dem Fischmarkt mini|Fischerboote im Alten Strom

Am Alten Strom, dem ursprünglichen Mündungsarm der Warnow, befinden sich ein Fischereihafen, das Hotel Am Alten Strom, Restaurants, Cafés und Boutiquen. Dieser bereits seit 1423 existierende Wasserarm war über Jahrhunderte die Schifffahrtsverbindung zwischen der Ostsee und dem Rostocker Stadthafen. Wegen der Aufnahme des Fährverkehrs nach Dänemark wurde der Alte Strom 1903 von dem im Zuge des Hafenumbaus fertiggestellten Neuen Strom als Schifffahrtsverbindung zum Stadthafen abgelöst.Alter Strom Warnemünde Über die drehbare Bahnhofsbrücke gelangt man vom Ortskern mit seinen alten, schmalen Gassen und der Kirche zur Bahnhofshalbinsel mit dem Bahnhof Warnemünde, der Mittelmole und dem Fischmarkt.

Auf der anderen (Ost)-Seite der Bahnhofshalbinsel, wurde beim Bau des Überseehafens 1960 östlich des Neuen Stroms der Seekanal als tiefere und breitere Hafeneinfahrt gebaut. Am Westufer des Neuen Stroms entstand der Passagierkai. An diesem Kai wurde 2005 ein modernes Passagierterminal für Kreuzfahrtschiffe eröffnet, das Warnemünde Cruise Center. Die alte Ostmole von 1903, die wie eine Insel Neuen Strom und Seekanal trennte, wurde beim erneuten Ausbau der Hafeneinfahrt in den späten 1990er Jahren abgerissen. Der Neue Strom/Seekanal bildet heute den Mündungsarm der Unterwarnow in die Ostsee und die Einfahrt zu den Häfen von Rostock. Am Südende des Alten Stromes befindet sich lediglich ein Durchlass zur Warnow, um einen Wasseraustausch zu ermöglichen. Der Durchlass unterquert die Straße und die Eisenbahngleise zum Warnemünder Bahnhof.

Bauwerke mini|„Teepott“ und Leuchtturm (2013) mini|Warnemünder Vogtei (2010) mini|Warnemünde Cruise Center (2016) mini|Kurhaus Warnemünde (2018) mini|Seepromenade, im Hintergrund das Hotel Neptun (2018)

1897 erhielt Warnemünde seinen 37 Meter hohen Leuchtturm, der auch heute noch als Seezeichen genutzt wird. Zwischen April und Oktober können Touristen den Leuchtturm besichtigen und von beiden Aussichtsplattformen auf den Ort, die Ostsee und den Breitling blicken. Der heutige „Teepott“ wurde von Ingenieur Ulrich Müther entworfen und 1968 erbaut. Das Bauwerk mit muschelförmigem Betondach wurde nach zehnjährigem Leerstand 2002 renoviert und beherbergt heute mehrere Restaurants. Es steht in unmittelbarer Nähe des Leuchtturms.

Das Gebäude der Warnemünder Vogtei ist das älteste erhaltengebliebene Haus in Rostock-Warnemünde. Es war ursprünglich das einzige Haus im Ort, das quer zur Warnow am Alten Strom stand. Alle anderen Häuser standen mit ihrem Giebel zur Warnow hin. Die Hausinschrift „Anno 1605“ ist irreführend; die bei der in den 1990er Jahren erfolgten Restaurierung gefundenen Grundfesten gehen bereits auf die Jahre um 1300 zurück.

Die Warnemünder Kirche wurde von 1866 bis 1871 im neugotischen Stil am damals westlichen Ortsrand errichtet, weil die alte, im gotischen Stil erbaute Kirche zu klein und baufällig geworden war. Die alte Kirche stand in der Nähe der früheren Warnemünder Vogtei. Einige Ausstattungsstücke der alten Kirche wurden in den Neubau übernommen, so z. B. der gotische Schnitzaltar, eine Skulptur des hl. Christophorus und die Kanzel. Ausgestellt sind auch ehemalige Warnemünder Hausmarken und zwei Votivschiffe.

Ab September 2005 wurde das Ostufer des Seekanals bei Hohe Düne mit einem modernen Yachthafen und einem ausgedehnten Hotelkomplex bebaut. Dorthin verkehren zwei gegenläufig arbeitende Autofähren.

Am Alten Strom liegt das Edvard-Munch-Haus. Der norwegische Expressionist lebte hier 1907 und 1908. Ein Verein ließ das Haus sanieren und bietet ein umfangreiches Programm aus Vorträgen, Ausstellungen, Lesungen u. v. m., das dem deutsch-norwegischen Kulturaustausch dient.

Das Kurhaus Warnemünde an der Seestraße ist ein Restaurant- und Cafégebäude, das 1928 im Stil des Neuen Bauens erbaut wurde.

Die Spielbank Warnemünde war von 1998 bis zur Schließung im August 2013 im Kurhaus Warnemünde untergebracht.

In der Lesehalle, westlich vom Kurpark, befindet sich eine Zweigstelle der Rostocker Stadtbibliothek.

Das Heimatmuseum ist in einem 1767 erbauten Fischerhaus untergebracht. Es bietet auf einer Fläche von etwa 220 m² Exponate und Informationen über die Geschichte der Fischerei und Seefahrt, über das Lotsenwesen und die Seenotrettung, sowie über die Entwicklung zum Badeort.

Das Hotel Neptun ist ein an der Strandpromenade gelegenes Hotel, das 1971 eröffnet und in den 1990er Jahren modernisiert wurde.

In der Seestraße 12 wurde schon 1853 der Grundstein zum Hotel Hübner gelegt.

Die Molenfeuer Warnemünde sind zwei kleine Leuchttürme auf der Warnemünder Westmole (grün) und Ostmole (rot).

2017 wurde das von Holzer Kobler Architekturen, Zürich, entworfene Design Hostel Dock Inn eröffnet, das mit dem Deutschen Tourismuspreis 2017 ausgezeichnet wurde. Das markante Gebäude besteht aus 63 versetzt gestapelten Überseecontainern mit insgesamt 188 Betten.

Denkmale Siehe dazu die Liste der Baudenkmale in Rostock und die Liste der Denkmäler, Brunnen und Skulpturen in Rostock.

Grün- und Parkanlagen mini|Parkanlage „Alter Friedhof“ Grab von Lotsenkommandeur Stephan Jantzen (rechts) mini|hochkant=0.6|Warnemünderin zum mecklenburgischen Trachtenfest zu Rostock (1907)

Die Seepromenade beginnt an der Straße Am Leuchtturm. Sie verläuft direkt hinter den Dünen und wird auf zwei Kilometern zum Planetenwanderweg. Entlang des Lehrpfads haben Mitarbeiter der Sternwarte Rostock astronomische Schautafeln aufgestellt, die beginnend mit dem Zentralstern Sonne über alle Planeten unseres Sonnensystems im richtigen Maßstab zueinander informieren. Sowohl vom Lehrpfad als auch von der Seepromenade kann der Strand von Warnemünde über Strandaufgänge betreten werden. Der Strand ist über drei Kilometer lang, steinfrei und wird in Richtung Steilküste Stoltera immer schmaler.

Der Kurpark liegt zwischen Seepromenade und dem Warnemünder Ortskern. Er wurde 1910 angelegt. An den Kurpark grenzt der Kurhausgarten mit seiner Freilichtbühne, auf der im Sommer regelmäßig Konzerte stattfinden.

Musik In Warnemünde sind viele Musiker und Gruppen zu Hause, die kulturelle Höhepunkte mitgestalten, wie der Shantychor De Klaashahns, die Folkgruppe De Plattfööt, TonArt, Irish Coffee und Heide Mundo.

Veranstaltungen mini|hochkant=1|Tanz der Teilnehmenden am Trachtenumzug der Warnemünder Woche (2019)mini|hochkant=1|Einlaufen der Traditionsschiffe während der Hansesail (2010)

Die Warnemünder Woche ist eine internationale Segelveranstaltung. Die Hanse Sail findet jährlich im Rostocker Stadthafen und in sowie vor Warnemünde statt.

Bildung und Forschung Die Grundschule Heinrich Heine steht in der Nähe der Seepromenade.

Die ecolea | Internationale Schule ist ein Gymnasium in freier Trägerschaft. Sie hat ihren Sitz in der Fritz-Reuter-Straße, der ehemaligen Realschule.

Die ecolea | Private Berufliche Schule ist eine staatlich anerkannte Höhere Berufsfachschule, an der die Ausbildungen zum Physiotherapeuten, zum Rettungsassistenten, zum Masseur oder Medizinischen Bademeister, zum Sozialassistenten und zum Erzieher absolviert werden können.

Die Hochschule Wismar unterhält in Warnemünde ihren Bereich „Seefahrt“ mit dem Maritimen Simulationszentrum Warnemünde.