Die Leopoldstadt ist seit 1850 der 2. Wiener Gemeindebezirk. Benannt ist sie nach Kaiser Leopold I. In der Leopoldstadt befindet sich der Prater mit dem Wiener Riesenrad, das als ein Wahrzeichen der Stadt gilt.

Geografie Lage Der 2. Bezirk liegt zwischen Donau und Donaukanal und grenzt mit letzterem an den 1. Bezirk. Das Ufergebiet des Donaukanals oberhalb der Ulrichgasse gehört zur Außenzone der Welterbestätte Historisches Zentrum von Wien. An die Leopoldstadt grenzen außerdem die Bezirke 3, 9, 11 und 20 sowie jenseits der Donau der 22. Bezirk. Den größten Teil des 2. Bezirkes nimmt der Prater ein. Die durch Donau und Donaukanal gebildete Insel trägt offiziell keinen Namen, im 19. Jahrhundert war gelegentlich von der Leopoldstädter Insel die Rede.Wigand’s Conversations-Lexikon für alle Stände, Fünfzehnter Band, Verlag von Otto Wigand, Leipzig 1852, S. 206 („Wien“): Rings um die Stadt liegen die Vorstädte von denen 2 an der nordöstlichen Seite über dem Donaucanale auf der großen Leopoldstädter Insel liegen, die übrigen 32 aber in der eben angegebenen Entfernung von 160—250 Klaftern die Stadt auf den andern Seiten umschließen.

Gewässer Neben der Donau und dem Donaukanal sind die wichtigsten Gewässer in der Leopoldstadt die Donaualtarme Oberes Heustadelwasser, Unteres Heustadelwasser, Rosenwasser, Krebsenwasser, Mauthnerwasser und das Lusthauswasser beim Lusthaus.

Bezirksteile Ursprünglicher Bezirksumfang Der Bezirk Leopoldstadt wurde 1850 aus den Vorstädten Leopoldstadt, Jägerzeile, Brigittenau, Zwischenbrücken und Kaisermühlen zusammengesetzt und umfasste ursprünglich die gesamte von Donau und Donaukanal gebildete Insel. Die östliche Bezirks- und bis 1904 Stadtgrenze verlief etwa in der Mittellinie des damaligen Hauptstroms der Donau, der späteren Alten Donau. Der Bezirk reichte vom Brigittaspitz (oder Brigittenauer Sporn), der Abzweigung des Donaukanals vom Donaustrom, bis zum Praterspitz, an dem der Donaukanal in die Donau mündet.

Die 1875 fertiggestellte Donauregulierung änderte an den Bezirksgrenzen vorerst nichts; der Bruckhaufen und Kaisermühlen befanden sich nun allerdings nicht mehr auf der Insel, sondern am linken Ufer des neuen Hauptstroms. Auch die 1905 erfolgte Schaffung des 21. Bezirks durch Eingemeindungen östlich des 2. Bezirks tangierte die Bezirksgrenzen vorerst nicht.

Mit 2.990 Häusern (= 9,5 %) von insgesamt 32.524 Häusern in allen 19 Bezirken war die Leopoldstadt 1899 der Bezirk mit den meisten Häusern, gefolgt von Hietzing in seinem damaligen Gebietsumfang mit 2.882 Häusern.Lehmanns Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger, Wien 1900, Band 1, Abschnitt I (Straßenverzeichnis), S. 37 (= S. 101 des Bandes 1) Ebenso war der 2. Bezirk der einwohnerreichste.

Ausgliederungen aus dem 2. Bezirk

Das Bezirksgebiet wurde ab 1900 verkleinert: 1900 wurden die Brigittenau und der nördliche Teil von Zwischenbrücken auf Wunsch der dortigen Politiker vom 2. Bezirk abgetrennt und als 20. Bezirk konstituiert. Am Donaustrom verlief seine Grenze im Unterschied zur heutigen Situation am rechten Ufer (Handelskai). Der Strom selbst und das Gebiet am linken Ufer blieben vom Brigittaspitz flussabwärts beim 2. Bezirk. Die Leopoldstadt büßte damit ihren Rang als häuserstärkster Bezirk ein, blieb aber mit 141.007 (= 8,5 %) von 1.662.269 Einwohnern Wiens der bei weitem einwohnerstärkste Bezirk. Wie dicht die historische Leopoldstadt bewohnt war, ergibt sich, wenn man die 71.153 Einwohner (= 4,3 %) des neuen 20. Bezirks hinzuzählt: In den beiden Bezirken zusammen wohnte jeder achte Wiener.Lehmanns Allgemeiner Wohnungs-Anzeiger, Wien 1902, Band 1, Abschnitt I (Straßenverzeichnis), S. 39 (= S. 102 des Bandes 1) Am 19. Februar 1924 wurde die nach Nordosten verlaufende Grenze zwischen 2. und 20. Bezirk an der Innstraße über die Donau bis zur Alten Donau verlängert. (Auf dieser Linie waren, wie im Wiener Landesgesetz vermerkt ist, Brücken über beide Gewässer geplant.) Der am linken Donauufer nördlich dieser Linie gelegene Bruckhaufen (heute das Gebiet zwischen nördlicher Arbeiterstrandbandstraße, Donauturmstraße und Am Bruckhaufen) gelangte nun zum 21. Bezirk.LGBl. Nr. 22 / 1924 (= S. 33) Am 15. Oktober 1938 wurde im Zuge der Schaffung von NS-Groß-Wien auch Kaisermühlen als letzter Bezirksteil der Leopoldstadt am linken Donauufer von dieser abgetrennt und zum 21. Bezirk geschlagen. Dies betraf auch die heutigen Areale von Donaupark, Donau City, UNO-City, Arbeiterstrandband und Strandbad Alte Donau sowie den westlichsten Teil des Gänsehäufels. (1954 gelangte Kaisermühlen zum 22. Bezirk.)

Die Bevölkerung im 20. Bezirk hat seit der Trennung vom 2. zugenommen, die Besiedlungsdichte im 2. Bezirk ist – auch wegen der Vertreibung bzw. Ermordung der jüdischen Leopoldstädter – zurückgegangen. Heute umfasst der 2. Bezirk bei 4,6 % der Fläche Wiens 5,6 % seiner Bevölkerung.

Grätzl (Stadtviertel)

Im volkstümlichen Verständnis gibt es auch abgrenzbare Viertel mit eigenem Charakter, sogenannte Grätzl, etwa Karmeliterviertel, Stuwerviertel, Nordbahnviertel, Alliiertenviertel und Pratercottage. Im Uhrzeigersinn aufgezählt, grenzen folgende Viertel des 2. Bezirkes mehr oder weniger direkt an den Augarten: Volkertviertel, Afrikanerviertel, Karmeliterviertel und RembrandtviertelStudie Umfeld Augarten - Kultur.Park.Augarten. Wien 2003, S. 13.

Weiters gehören der Prater (der Wurstelprater genannte Vergnügungspark und das Landschaftsschutzgebiet), das angrenzende Messezentrum Wien und der Freudenauer Hafen (Winterhafen) im südöstlichsten Teil der Insel ebenfalls zum 2. Bezirk.

Als Nordbahnviertel wurde seit vielen Jahrzehnten, wie das Wien-Geschichte-Wiki festhält, das Viertel zwischen Nordbahnstraße und Heinestraße bezeichnet, nach heutigem Verständnis entspricht das dem Alliiertenviertel und dem Volkertviertel. Seit etwa 2010 ist Nordbahnviertel die Bezeichnung für ein entstehendes Wohnviertel mit Bürobauten auf dem weitläufigen Gelände des abgesiedelten Nordbahnhofs; der Rudolf-Bednar-Park und die angrenzenden Wohnbauten sind bereits fertiggestellt, die Bruno-Marek-Allee mit dem Rothschildplatz noch in Bau.

Das von Praterstraße, Taborstraße und Heinestraße begrenzte Viertel scheint seit den 2000er Jahren als Afrikanerviertel auf. Im Grätzl bestehen die Große Mohrengasse, die Kleine Mohrengasse und die Afrikanergasse. Die nichtamtliche Benennung bezieht sich auf die angeführten historischen Gassennamen, nicht auf die dieses Viertel heute Bewohnenden.

Statistische Zählsprengel

Eine statistische Gliederung des Bezirksgebiets besteht in den Zählbezirken, in denen die Zählsprengel des Gemeindebezirks zusammengefasst sind. Die neun Zählbezirke in der Leopoldstadt sind Nordbahnhof, Am Tabor, Augartenviertel, Taborstraße, Praterstraße, Oberer Prater, Ausstellungsstraße, Unterer Prater und Praterlände.

Wappen mini|hochkant|Wappen der Leopoldstadt Das Bezirkswappen der Leopoldstadt setzt sich seit dem Ausscheiden der Brigittenau aus dem 2. Bezirk im Jahr 1900 aus drei Teilen zusammen, die die ehemaligen selbstständigen Gemeinden symbolisieren, aus denen der Bezirk besteht:

Der heilige Leopold im linken oberen (heraldisch: rechten oberen) Teil symbolisiert die historische Leopoldstadt, den früheren Unteren Werd, die Gegend zwischen Augarten, Taborstraße, Praterstraße und Donaukanal. Er ist in einen blauen Rock und einen roten, hermelinbesetzten Mantel gekleidet, auf dem Kopf trägt er den österreichischen Herzogshut. In den Händen hält er das Banner des Erzherzogtums Österreich unter der Enns und ein Kirchenmodell, das die Patronanz über die Leopoldstädter Pfarrkirche symbolisiert. Der rechte obere (heraldisch: linke obere) Wappenteil steht für den Bezirksteil Jägerzeile, die Gegend östlich der heutigen Praterstraße und des Pratersterns. Er zeigt den silbernen Hubertushirschen auf einer grünen Wiese. Der Hirsch trägt ein zwölfendiges, goldenes Geweih, in dessen Mitte ein goldenes Kreuz herausragt. Als Symbol der Jagd steht der Hirsch für die frühere Bedeutung des Praters und der Donauauen als Jagdgebiet. Der untere Wappenteil steht für den Bezirksteil Zwischenbrücken. Er zeigt eine rote Zunge auf silbernem Hintergrund, umgeben von einem goldenen Heiligenschein, der mit fünf fünfstrahligen goldenen Sternen besetzt ist. Das Wappen symbolisiert den heiligen Johannes Nepomuk, den Schutzpatron der Brücken, und steht für das ursprünglich zwischen mehreren Donauarmen und ihren Brücken gelegene Gebiet, das sich seit der Donauregulierung 1870–1875 nordöstlich des Nordbahnhofs (heute: Bahnhof Wien Praterstern) etwa zwischen Reichsbrücke und Nordbahnbrücke erstreckt (und seit 1900 zum Teil zum 20. Bezirk gehört).

Geschichte Der Untere Werd mini|Der Werd um 1547 (unterer Bildrand). Karte von Bonifaz Wolmuet, Südwest ist oben Die Anfänge der Besiedlung sind auf die Zeit um 1300 zu datieren.Felix Czeike: Historisches Lexikon Wien. Band 4: Le–Ro. Kremayr & Scheriau, Wien 1995, ISBN 3-218-00546-9, S. 38. Aus dem Jahr 1368 stammt die Erwähnung einer Brücke zum Unteren Werd (werd, mittelhochdeutsch für Insel) beim Rotenturmtor der Stadt (bis 1782 die einzige!).Josef König (Hrsg.): Bezirksmuseum Leopoldstadt. In: Wiener Geschichtsblätter, Beiheft 4 / 2007; Verein für Geschichte der Stadt Wien, Wien 2007, S. 36. Im 15. Jahrhundert erwarb die Stadt Wien hier Grundbesitz und Höfe. Die Siedlung entstand in Auengebiet, das zuvor hauptsächlich als Weideland diente: für den Viehbestand der Bewohner Wiens ebenso wie für aus Ungarn importierte oder im Transit befindliche Rinder (um 1500 wurden pro Jahr 50.000 nach Österreich getrieben, von denen ein Teil nach Süddeutschland weitergetrieben wurde) und Pferde; die Stadt nahm dafür Weidegeld ein.Christoph Sonnlechner: Der „ökologische Fußabdruck“ Wiens im Spätmittelalter – eine Annäherung. In: Ferdinand Opll, Christoph Sonnlechner: Europäische Städte im Mittelalter (Susanne Claudine Pils: Forschungen und Beiträge zur Wiener Stadtgeschichte, Band 52), Studienverlag, Innsbruck 2010, ISBN 978-3-7065-4856-4, S. 360 f. Das geerntete Heu wurde an Zugtiere verfüttert, weiters bezog man aus dem Unteren Werd Bau- und Brennholz für die Stadt.

Bis 1450 war das Areal zwischen Hollandstraße, Taborstraße (die damals noch lang Kremser Straße genannt wurde) und Praterstraße verbaut; noch immer war der größte Teil des Unteren Werds Auwald, von vielen Donauarmen durchzogen, deren Lauf sich durch Hochwässer stark verändern konnte. 1439 wurde beim heutigen Gaußplatz die erste mehrteilige Jochbrücke über die Donau und ihre Seitenarme errichtet.

1529 wurden die Brücken im Zuge der Ersten Wiener Türkenbelagerung zerstört, der Untere Werd wurde von der osmanischen Armee besetzt. Im Bereich der heutigen Rotensterngasse und Großen Sperlgasse siedelten sich Bürger an, die durch die nachfolgende Erneuerung der Stadtmauer ihre Häuser verloren hatten.Dehio II-IX & XX, S. 1. 1530 und 1536 wurden Brauhäuser errichtet (das Brauhaus an der heutigen Malzgasse bestand bis 1846).

Ab 1569 erlaubte Kaiser Maximilian II. seinen Holzarbeitern und Jagdaufsehern, sich im Unteren Werd anzusiedeln, vorerst in der Venediger Au, dann rechts am Fahrweg von der Stadt zum Prater. Daraus entwickelte sich die Vorstadt Jägerzeile südlich der heutigen Praterstraße (im Abschnitt Czerningasse–Praterstern).