Reicherskreuz (niedersorbisch Rychartojce) ist ein Ortsteil der Gemeinde Schenkendöbern im Landkreis Spree-Neiße (Brandenburg). Reicherskreuz liegt im Naturpark Schlaubetal, große Teile der Gemarkung werden vom Naturschutzgebiet Reicherskreuzer Heide und Schwansee eingenommen. Im ausgehenden Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Reicherskreuz ein Lehen der in Böhmen angesessenen gräflichen Familie v. Sternberg.
Geographische Lage mini|links|Reicherskreuz auf dem Urmesstischblatt 3953 Groß Muckrow von 1844
Die nächste größere Stadt ist Guben im Südosten, etwa 35 Straßenkilometer entfernt, die Kleinstadt Lieberose liegt etwa 12,5 km Luftlinie südwestlich. Reicherskreuz ist nur über kleine Ortsverbindungsstraßen zu erreichen, die L452 von Leeskow, die hier endet und zwei kleine Straßen nach Osten Richtung Henzendorf und eine Straße Richtung Norden. Die L 43 im Norden ist rund sechs Kilometer entfernt, die B 320 verläuft in etwa sieben Kilometer südlich des Ortes.
Reicherskreuz grenzt im Nordwesten und Norden an Groß Muckrow und Klein Muckrow (beide Orte sind Ortsteile der Stadt Friedland (Niederlausitz)) und die Gemeinde Grunow-Dammendorf, im Nordosten an Treppeln, im Osten an Henzendorf (beide Orte sind Ortsteile der Gemeinde Neuzelle), alle genannten Orte liegen im Landkreis Oder-Spree, im Süden an Pinnow und Staakow (beide Orte sind Ortsteile der Gemeinde Schenkendöbern im Landkreis Spree-Neiße) und im Westen an Leeskow (Ortsteil der Gemeinde Jamlitz im Landkreis Dahme-Spreewald).
Im Westen grenzt die Gemarkung Reicherskreuz an den Schwansee. Westlich des Ortskerns liegt auf der Gemarkungsgrenze zu Groß Muckrow ein kleiner namenloser Teich, etwas weiter östlich verzeichnet die alte Topographische Karte von 1911 einen weiteren kleinen Tümpel, der inzwischen verschwunden ist. Dicht an der Gemarkungsgrenze zu Treppeln liegt ein weiterer kleiner Tümpel. Ansonsten gibt es auf der Gemarkung keine Fließgewässer. Eine weitläufige Höhe östlich des Ortskerns ist in der alten Topographischen Karte 1:25.000 als Galgenberg verzeichnet.
Geologie Das Gebiet um Reicherskreuz weist eine Häufung von Reliefformen auf, welche erlauben, den Eiszerfall und die damit zusammenhängenden mehrphasigen Abflusssysteme des Schmelzwassers zu rekonstruieren. Eine Eisrandlage nach Ende des Brandenburger Stadiums, die Saarmund-Reicherskreuzer-Staffel, wurde nach dem Ort benannt. Mit dieser Stillstandslage ist die großflächige, nach Süden und Südwesten gerichtete Schüttung des Reicherskreuzer Sanders verbunden. Das Dorf Reicherskreuz wurde auf dem Oberen Schwanheide-Sander angelegt. Dieser entstand, als nach Ende der Saarmund-Reicherskreuzer-Staffel bis zum Beginn der Grunower Stillstandslage, auch Grunower Halt, die Schlaube- und Ölserinne als südwärts gerichtete Schmelzwasserbahn diente.
Diese geologischen Gegebenheiten brachten reichliche Mengen von Findlingen in die Region. Nirgends im Gebiet sind so viele Gebäude aus den vorhandenen Feldsteinen oder aus einer Mischung von Feldsteinen und Ziegeln errichtet worden, wie hier.
Bevölkerungsentwicklung von 1799 bis 2011 in der Übersicht Jahr 1818 1846 1871 1875 1890 1900 1910 1925 1933 1939 1946 1950 1964 1971 1981 1991 1997 2011 Einwohner 129 155 185 176 141 139 134 125 108 100 200 164 100 88 74 47 50 47
Namensdeutung Erstmals findet das Dorf 1393 als Richartcrucze Erwähnung, ab 1673 dann Reicherskreutz. Ob man den Namen mit Kreuz eines Richard deuten kann, ist nicht mehr feststellbar, da es sich ebenso um ein Wegekreuz, ein Grenzkreuz, Grabkreuz oder anders Merkmal in der Flur handeln könnte, welches namensgebend war. Da auf der Separationskarte des Jahres 1841 unter den aufgezählten Flurnamen etwa ein Drittel niedersorbischer Herkunft waren oder den Einfluss aufweisen, waren Teile der Bevölkerung im Mittelalter vermutlich Sorben. Belegbar sind unter anderem Guschinke von gusćinka = Gebüsch, Sagrod von zagroda = Feldgarten oder Schinneläugchen von sćina = Rohr, Schilf und Lauch.
Besitzgeschichte Das Angerdorf wurde im Lübbener Stadtbuch von 1393 erstmals urkundlich erwähnt. Rittergut und Dorf Reicherskreuz waren ein Lehen der gräflichen Familie v. Sternberg in Böhmen. Da die meist immer im Zusammenhang mit Leeskow, Reicherskreuz und Sarkow genannte Herrschaft Lieberose 1477 unter die Oberlehensherrschaft der Familie Sternberg kam, könnte auch die Oberlehensherrschaft der Familie v. Sternberg über Reicherskreuz bis ins 15. Jahrhundert zurück reichen.
Der erste bekannte Besitzer von Reicherskreuz war Nickel Belau im Jahre 1526. In den 1570er Jahren hatte Gregor v. Behlen das Gut inne. Er starb wahrscheinlich 1581 und hinterließ seinen beiden Söhnen neben dem Rittergut eine zimliche Parschafft. Christoph v. Behlen sollte das auf 6000 Taler taxierte Rittergut erhalten, Jost v. Behlen sollte mit Geld abgefunden werden. Allerdings überließ Christoph seinem Bruder Jost das Rittergut für 6000 Taler. Christoph sollte seinem Bruder jedoch die Lehn an dem gesamten Gut verschaffen und die auf dem Gut haftenden Verpflichtungen vor allem für die Mutter übernehmen. Jost zahlte seinem Bruder 5000 Taler aus, behielt aber 1000 Gulden für die Mutter ein. Christoph dachte aber nicht daran, seine Verpflichtungen zu erfüllen, sondern zog nach Forst zu den v. Bieberstein und mietete sich in einem Gasthof ein. Zwei Vertreter seines Bruders, die ihn auf seine Verpflichtungen hinwiesen, wurden beschimpft und zwei Wochen lang gefesselt im Gasthof gefangen gehalten. Nun schritt der Niederlausitzer Landvogt ein und forderte die Biebersteiner zur Ausweisung des Christoph v. Behlen auf. Diese weigerten sich jedoch und es kam zum Streit um die Zuständigkeit zwischen den Biebersteiner und dem Oberamt in Lübben. Der Ausgang des Kompetenzgerangels ist leider nicht überliefert. Noch vor 1588 verkaufte Jost v. Behlen eine Hälfte des Gutes an Hans Georg v. Selstrang. Die andere Hälfte scheint er bis 1596 an Abraham v. Leipzig verkauft zu haben, der auch 1599 auf Reicherskreuz genannt wird.
17. Jahrhundert Um 1607 hatten die v. Kottwitz den Anteil von Abraham v. Leipzig erworben. Der Sehlstrangsche Anteil fiel spätestens 1612 an die v. Wiedebach. Dann im Jahre 1614 erwarb die Familie von Bomsdorf ganz Reicherß-Creuze. Die bäuerliche Dorfbevölkerung bestand aus lassitischen Kossäten, denen ihr Land vom Grundherrn auf Widerruf zur Bewirtschaftung überlassen wurde. 1652 wurde das damals wüste Dorf Reicherskreuz versteigert und an den Abraham v. Bomsdorf verkauft. Dieser verkaufte das Gut 1664 (oder 1666) an Caspar Loth (Otto) v. Schlieben, der 1682 verstarb. Caspar Loth war der Sohn des Zacharias v. Schlieben auf Rutzkau (Gemeindeteil von Bronkow). Sein Bruder Zacharias Otto hatte 1665/6 die Güter Mochlitz und Ullersdorf erworben. Seine Schwestern waren Felicia Magdalena, verheiratet mit Georg v. Zschertwitz auf Briesen und Tornow und Anna Catharina, seit dem 8. August 1651 verheiratet mit Caspar v. Leipzig(er) auf Herbersdorf (heute Ortsteil der Gemeinde Niederer Fläming). Caspar Loth starb am 7. März 1682. Die Witwe des Caspar Loth v. Schlieben, Barbara Dorothea v. Löben ersuchte im Namen ihrer minderjährigen Söhne um die Mitbelehnung an Golzig und Oderin, die sie auch erhielt. Sie bat auch um eine Entscheidung darüber, ob sie bei den Sternbergs um den Lehnbrief nach suchen müsse. Die Antwort ist nicht bekannt. Die Tochter Barbara Sophie v. Schlieben heiratete 1682 den Jobst Ehrentreich v. Schapelow auf Stremmen.
18. Jahrhundert Später ist Adam Friedrich v. Schlieben im Besitz von Reicherskreuz. Er leistete im Jahre 1727 durch Vertretung auch seinen Treueeid auf den neuen Abt des Klosters Neuzelle, allerdings natürlich nicht für Reicherskreuz, sondern für andere Güter im Oderbruch. 1750 verkaufte Adam Friedrich v. Schlieben Reicherskreuz an Georg Anton v. d. Schulenburg von der Standesherrschaft Lieberose. Der Verkauf zog sich hin, 1751 hatte er anscheinend auch die Zustimmung der Sternberg’schen Lehenskurie erhalten. Jedoch legten nun der sächsische Kurfürst und der böhmische König Einspruch ein. Letztendlich scheint der Verkauf doch zustande gekommen zu sein. 1778 starb Georg Anton v. d. Schulenburg ohne männliche Erben. Nach langen Rechtsstreitigkeiten unter den Erben kaufte Carl Ernst Georg Graf v. Podewils Reicherskreuz und erhielt 1782 einen Lehnsbrief der Sternberg’schen Lehnskurie. Carl Ernst Georg Graf v. Podewils starb 1789 ohne Leibeserben, und Reicherskreuz fiel an seine Geschwister Friedrich Werner und Sofie Christine v. Podewils.
miniatur|Ehemaliges Forstarbeiterhaus miniatur|hochkant|Backhaus gegenüber dem ehemaligen Forstarbeiterhaus
19. Jahrhundert Aber auch Friedrich Werner Graf v. Podewils, Erb-, Burg- und Schlossgesessener zu Varzin, Sukow, und der Hasenfirschen Güter in Hinterpommern, Erb- und Gerichtsherr auf Bärklau, Leeskow und Reicherskreuz in der Niederlausitz, Walsleben in der Altmark, Fredersdorf, Vogelsdorf und Bollensdorf in der Kurmark starb 1804 ohne direkte Erben. Reicherskreuz fiel daraufhin an die Tochter seiner zwei Jahre zuvor verstorbenen Schwester Sofie Christine Dorothea (* 1734, † 1802, gesch. v. Marschall, verw. v. Haeseler, verw. v. Bredow, verw. Gräfin v. Hordt), aus der Ehe mit Graf August Ferdinand v. Haeseler, Caroline Friederike v. Haeseler, (* 1760, † 1826). Diese war mit Karl Ludwig (seit 1842 Graf) v. Berg verheiratet, mit dem sie eine Tochter Luise hatte, die 1800 den Grafen August Ernst v. Voß geheiratet hatte. Nach dem Tod der Mutter erbte Luise Gräfin v. Voß das Rittergut Leeskow. Das neue Landbuch weist sie 1828 als Besitzerin von Leeskow aus. Sie ließ das Gut von einem Pächter Rösler bewirtschaften. 1837 war ihr Sohn Felix Georg Julius August Werner Heinrich Karl Graf v. Voss, Erbherr auf Groß Giewitz und Schönau, Schorsow, Leeskow und Reicherskreuz. Dieser war in erster Ehe mit Luise Wilhelmine Gräfin von Hahn († 1833) verheiratet, 1832 hatte er die väterlichen Güter in Mecklenburg übernommen. Ob er Leeskow und Reicherskreuz überhaupt de jure bekommen hatte, ist nicht bekannt. Nach der Topographischen Übersicht des Regierungsbezirks Frankfurt a. d. Oder von 1844 (Stichjahr 1840) gehörte das Rittergut Leeskow damals immer noch seiner Mutter, der Gräfin v. Voß zu Berlin. Nach Houwald verkaufte sie Leeskow und Reicherskreuz 1843 um 36.000 Taler, an wen, ist nicht bekannt. Leeskow wurde nun Spekulationsobjekt. 1848 kaufte das Leipziger Handelshaus Bäßler & Bomnitz Reicherskreuz für 31.000 Taler, das benachbarte Leeskow für 30.000 Taler. Bereits vier Jahre später 1852 wurden Leeskow und Reicherskreuz erneut an einen neuen Besitzer namens Meister verkauft. Noch im gleichen Jahr gingen Leeskow und Reicherskreuz an den Berliner Holzhändler Fr. Tornow, der noch 1856 als Rittergutsbesitzer genannt wird. Nach Berghaus hatte das Rittergut eine Größe von 4089 Morgen. 1856 wird der Wirtschafts-Inspektor Mieske erwähnt. Man darf annehmen, dass das Gut in dieser Zeit von einem Verwalter bewirtschaftet wurde. 1856 wurden die beiden Orte weitergereicht an den Berliner Kaufmann Hirsch Hermann Cohn. Dieser verkaufte nun Reicherskreuz (vor 1861) separat an Stadtrat Joseph Leibnitz aus Prenzlau. Leeskow wurde 1878 an die Kaufleute Julius Lagowitz und Simon Saling verkauft. Joseph Leibnitz verkaufte Reicherskreuz 1867 an Salomon Cohnheim aus Demmin. Das General-Adressbuch der Ritterguts- und Gutsbesitzer im Deutschen Reiche gibt für das Jahr 1879 Hermann Niepayer als Besitzer an. Es folgte noch ein Besitzer und als letzte die Rentière Caroline Kelch geb. Wilke aus Berlin. 1890 starb Caroline Kelch und ihre Erben verkauften 1890 das Gut an den preußischen Forstfiskus. Es hatte eine Größe von 922 ha, davon 529,75 ha Kiefernwald. Auch das Rittergut Leeskow war im selben Jahr vom preußischen Forstfiskus erworben worden.
Das Dorf Reicherskreuz