Basisdaten Landeskirche: Evangelische Landeskirche in Württemberg Prälatur: Heilbronn Fläche: 186 km² Gliederung: 18 Kirchengemeinden Gemeindeglieder: ca. 16.640 (31. Dez. 2009) Adresse desDekanatamtes: Konsul-Übele-Str. 1874653 Künzelsau Dekan: Karte 200px|Lage des Kirchenbezirks Künzelsau innerhalb der Evang. Landeskirche in Württemberg
Der Evangelische Kirchenbezirk Künzelsau war ein Kirchenbezirk der Evangelischen Landeskirche in Württemberg. Sein Gebiet war deckungsgleich mit dem Dekanat Künzelsau. Zum 1. Januar 2025 ging er im Kirchenbezirk Hohenlohe auf.
Geografie Der Kirchenbezirk Künzelsau lag im Norden der württembergischen Landeskirche. Sein Gebiet umfasste den Norden und Osten des Hohenlohekreises, also das Gebiet der politischen Städte und Gemeinden Dörzbach, Ingelfingen, Künzelsau, Mulfingen, Niedernhall, Schöntal, Weißbach und einige Ortsteile der Stadt Krautheim.
Nachbarkirchenbezirke Der Kirchenbezirk Künzelsau grenzte an folgende Kirchenbezirke (im Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten): Weikersheim, Crailsheim-Blaufelden, Schwäbisch Hall, Öhringen und Weinsberg-Neuenstadt (alle Prälatur Heilbronn). Im Nordwesten hatte er eine Grenze zur Evangelischen Landeskirche in Baden (Kirchenbezirk Adelsheim-Boxberg).
Geschichte Das Gebiet des Dekanats Künzelsau gehörte vor 1803 überwiegend zur historischen Landschaft Hohenlohe, das teilweise in mehrere Linien aufgeteilt war. Die Reformation in diesem Raum wurde bis 1556 eingeführt, der Raum Schöntal blieb jedoch katholisch. Im heutigen Kirchenbezirk lag die hohenlohische Residenzstadt Ingelfingen. Künzelsau selbst gehörte zunächst zur hohenlohischen Superintendentur Weikersheim, ab 1756 zu Neuenstein und schließlich zu Ingelfingen, die bis zum Übergang an Württemberg bestand. Dann wurde Ingelfingen 1807 Sitz eines württembergischen Dekanats. Zum Dekan wurde der erste Stadtpfarrer von Ingelfingen ernannt. Der Sitz des Dekanats wurde am 31. Dezember 1824 nach Künzelsau verlegt und somit die Stelle mit der ersten Pfarrstelle an der Stadtkirche Künzelsau verbunden. Das Dekanat Ingelfingen bzw. Künzelsau gehörte ab 1807 zunächst zum Generalat Schöntal, ab 1823 zum Generalat Schwäbisch Hall und seit 1913 zum Generalat Heilbronn, aus der die heutige Prälatur Heilbronn hervorging.
Infolge der Auflösung einiger Kreise bzw. Oberämter in Württemberg 1939 wurden auch die kirchlichen Verwaltungsbezirke teilweise neu gegliedert. So wurde mit Wirkung vom 1. April 1939 die Kirchengemeinde Ettenhausen in den Kirchenbezirk Blaufelden umgegliedert. Ferner wurde mit Wirkung vom 1. April 1947 die Kirchengemeinde Braunsbach in den Kirchenbezirk Schwäbisch Hall umgegliedert.
Zum 1. Januar 2025 fusionierte der Kirchenbezirk mit den Kirchenbezirken Öhringen und Weikersheim zum Kirchenbezirk Hohenlohe.
Leitung des Kirchenbezirks Die Leitung des Kirchenbezirks oblag der Bezirkssynode, dem Kirchenbezirksausschuss (KBA) und dem Dekan bzw. der Dekanin.
Dekane des Kirchenbezirks Ingelfingen bzw. Künzelsau seit 1807 1807 Christian Friedrich Knapp, Dekan in Ingelfingen; bereits seit 1768 Hofprediger und Konsistorialrat in Ingelfingen 1808–1824 Johann Friedrich Breitschwerdt, Dekan in Ingelfingen 1825–1827 Karl Leopold Friedrich Bauer, Dekan in Künzelsau; bereits ab 1805 Stadtpfarrer in Künzelsau 1828–1829 Christian Friedrich Wolff 1829–1838 Johann Ernst Gleissberg 1838–1854 Sigmund Friedrich Cranz 1854–1864 Hermann Bauer 1864–1872 Wilhelm Max Theodor von Biberstein 1872–1891 Konstantin Agathon Böckheler 1892–1898 Theodor Christoph Lencker (1847–1907) 1898–1917 Nathanael Böckheler 1918–1934 Eduard Leonhardt 1935–1948 Hermann Kieser 1948–1957 Otto Hermann 1957–1966 Helmut Betsch 1966–1985 Karl Tramer (* 1921) 1985–1994 Wolfgang Kirchner (* 1930) 1995–2004 Peter Guske (* 1939) 2004–2010 Ursula Kannenberg (* 1965) 2011–2023: Friedemann Richert (* 1959)
Kirchengemeinden Im Kirchenbezirk Künzelsau gab es zuletzt 15 Kirchengemeinden. Davon haben sich vier Kirchengemeinden zu zwei Gesamtkirchengemeinden zusammengeschlossen, bleiben aber weiterhin selbständige Körperschaften des öffentlichen Rechts. Die jeweils in Klammern hinter dem Namen der Kirchengemeinde angegebenen Gemeindegliederzahlen beziehen sich auf das Jahr 2019 und sind gerundet.
Das Gebiet des Kirchenbezirks Künzelsau gehörte überwiegend zur historischen Landschaft Hohenlohe. Die Grafen von Hohenlohe führten ebenso wie Württemberg früh die Reformation ein. Daher ist das Gebiet überwiegend evangelisch geprägt. Es gibt daher fast in jedem Dorf eine evangelische Kirchengemeinde und eine meist alte Kirche. Katholisch blieben nur die Orte der heutigen Kirchengemeinde Schöntal und Teile der Kirchengemeinden Buchenbach (Jagstberg), Dörzbach (Altkrautheim, Laibach, Meßbach und Rengershausen), Hohebach (Ailringen), Hollenbach (Mulfingen) und Künzelsau (Amrichshausen und Nagelsberg). In allen anderen Orten zogen Katholiken überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg zu.
Die 15 Kirchengemeinden sind zu vier Distrikten zusammengeschlossen. Innerhalb der Distrikte arbeiten die Kirchengemeinden in verschiedenen Bereichen zusammen. Zum Distrikt I Oberes Kochertal gehören die Kirchengemeinden Künzelsau, Morsbach und Kocherstetten. Zum Distrikt II Mittleres Kochertal gehören Ingelfingen, Dörrenzimmern, Belsenberg und Hermuthausen, zum Distrikt III Unteres Kochertal die Kirchengemeinden Niedernhall, Weißbach, Crispenhofen und Schöntal und zum Distrikt IV Jagsttal die Kirchengemeinden Hohebach, Dörzbach, Hollenbach und Buchenbach-Eberbach.
Kirchengemeinde Belsenberg mini|120px|Evang. Kirche Belsenberg Die Kirchengemeinde Belsenberg (ca. 245 Gemeindeglieder) umfasst die Stadtteile Belsenberg und Steinbach (ohne Büttelbronn und Wolfsölden) der Stadt Künzelsau. Bereits 1275 wird in Belsenberg ein Pfarrer genannt. 1307 gelangte das Patronat der Kirche an das Stift Öhringen, durch welches die Reformation eingeführt wurde. Im Chor der heutigen Kirche sind noch Reste der ältesten Kirche des Ortes zu finden. 1951 legte man Fresken frei. 1707/08 wurde der Turm auf der Westseite neu erbaut. 1873 wurde die Kirche renoviert. Steinbach gehörte kirchlich zunächst zu Amrichshausen, wurde nach der Reformation aber der Pfarrei Belsenberg zugeordnet, während die zu Steinbach gehörigen Weiler Büttelbronn (seit 1958 zur Kirchengemeinde Hermuthausen gehörig) und Wolfsölden der Pfarrei Buchenbach zugeteilt wurden.
Kirchengemeinde Buchenbach-Eberbach mini|links|120px|Evang. Kirche Buchenbach Die Kirchengemeinde Buchenbach-Eberbach (ca. 710) umfasst die Ortsteile Buchenbach, Berndshofen, Bodenhof, Heimhausen, Hohenrot, Jagstberg, Unterer Railhof und Oberer Railhof der Gemeinde Mulfingen sowie die Stadtteile Berndshausen, Nitzenhausen und Wolfsölden der Stadt Künzelsau. Buchenbach ist neben Hollenbach der einzige überwiegend evangelische Ortsteil der Gemeinde Mulfingen.
Die den Hl. Maria, Dionysius, Albanus, Erasmus, Barbara, Dorothea, Maria Magdalena geweihte Kirche in Buchenbach wurde 1405 erstmals erwähnt, ist aber wesentlich älter. 1695 wurde die Kirche baulich erneuert. Im romanischen Vorgängerbau des 13. Jahrhunderts wurden im Untergeschoss des Chores 1954 Fresken freigelegt. Die Kirche enthält Grabmale der Herren von Stetten. Die heute zur Stadt Künzelsau gehörigen Stadtteile Berndshausen, Nitzenhausen und Wolfsölden waren seit der Reformation bereits Filialen von Buchenbach. Kirchen gibt es dort nicht.
Der Ort Jagstberg blieb nach der Reformation als Besitzung des Hochstifts Würzburg katholisch. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg zogen auch Protestanten nach Jagstberg. Sie wurden der benachbarten evangelischen Kirchengemeinde Buchenbach zugeordnet.
Bis 1958 gehörte auch der heute zum Künzelsauer Stadtteil Steinbach gehörige Weiler Büttelbronn zur Kirchengemeinde Buchenbach. Durch Bekanntmachung des Oberkirchenrats vom 11. Oktober 1958 wurde dieser der Kirchengemeinde Hermuthausen zugeordnet und wird somit vom Pfarramt Belsenberg betreut.
Kirchengemeinde Crispenhofen mini|120px|Evang. Kirche Crispenhofen Die Kirchengemeinde Crispenhofen (ca. 280) umfasst den Ortsteil Crispenhofen der Gemeinde Weißbach und den Stadtteil Diebach der Stadt Ingelfingen. Kirchlich gehörte Crispenhofen zunächst zu Forchtenberg wurde 1344 aber eine eigene Pfarrei. Um 1560 gingen die Patronatsrechte der Kirche vom Kloster Amorbach auf Hohenlohe über. Die Kirche wurde 1344 erbaut. 1625/26 wurde sie vergrößert. 1955 wurde sie renoviert.
Diebach blieb nach der Reformation katholisch. Die wenigen Protestanten gehören zur Kirchengemeinde Crispenhofen, die vom Pfarramt Weißbach betreut wird.
Kirchengemeinde Dörrenzimmern Die Kirchengemeinde Dörrenzimmern (ca. 650) umfasst die Stadtteile Dörrenzimmern, Bühlhof, Eberstal, Eschenhof und Stachenhausen der Stadt Ingelfingen, die Stadtteile Oberginsbach und Unterginsbach der Stadt Krautheim und die Ortsteile Marlach und Sindeldorf der Gemeinde Schöntal.
Dörrenzimmern gehörte ursprünglich kirchlich zu Marlach. 1475 erhob der Bischof von Würzburg die zur Herrschaft Wertheim gehörige Kapelle St. Kilian zur Pfarrkirche, der die Orte Eberstal, Stachenhausen und Bühlhof zugeteilt wurden. Über die Erben Wertheims gelangte der Ort 1572 an Hohenlohe, welche die Reformation einführten. Eberstal wurde aber später wieder katholisiert und der Pfarrei Sindeldorf zugeteilt. 1831 wurde die baufällige Kirche in Dörrenzimmern abgerissen und 1832 die heutige Kilianskirche erbaut. Neben der Kirche besitzt die Kirchengemeinden ein Dorfgemeinschaftshaus (DGH). Die wenigen evangelischen Bewohner Eberstals gehören heute (wieder) zur Kirchengemeinde Dörrenzimmern.
Oberginsbach und Unterginsbach, zwei der drei württembergischen Stadtteile der Stadt Krautheim (der dritte ist Altkrautheim), blieben als Besitzungen des Hochstifts Mainz nach der Reformation katholisch. Die überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg dort zugezogenen Protestanten wurden der Kirchengemeinde Dörzbach zugeordnet.
Marlach und Sindeldorf blieben als Besitzungen der Hochstifte Mainz bzw. Würzburg nach der Reformation katholisch. In die heute zur Gemeinde Schöntal gehörigen Ortsteile zogen überwiegend nach dem Zweiten Weltkrieg auch Protestanten zu, die der Kirchengemeinde Dörrenzimmern zugeordnet wurden.
Kirchengemeinde Dörzbach mini|links|120px|Dreifaltigkeitskirche in Dörzbach Die Kirchengemeinde Dörzbach (ca. 900) umfasst die Gemeinde Dörzbach mit Ausnahme des Ortsteils Hohebach, der eine eigene Kirchengemeinde bildet sowie den Stadtteil Altkrautheim der Stadt Krautheim und den Stadtteil Rengershausen der Stadt Bad Mergentheim.
In Dörzbach wurde 1329 erstmals ein Pfarrer genannt. Der Ort gehörte ursprünglich zur Pfarrei Rengershausen. Die Ur-Pfarrei war Ailringen (Martinskirche) als „Ableger“ der Stöckenburg (Martinskirche) bei Vellberg. Das Patronat der Kirche kam 1491 an die Herren von Berlichingen als würzburgisches Lehen. Bis 1561 wurde die Reformation eingeführt. Das Schiff der Dreifaltigkeitskirche wurde 1660 vergrößert, wobei der Chorturm wohl aus dem 15. Jahrhundert stammt. Die Kirche besitzt mehrere Grabmäler der Herren von Berlichingen.
Die ebenfalls zur Kirchengemeinde und zur Gemeinde Dörzbach gehörigen Ortsteile Laibach und Meßbach waren nach der Reformation zeitweilig evangelisch, wurden aber wegen wechselnden Herrschaftsverhältnissen im jeweils örtlichen Schloss dann wieder katholisch. Auch Altkrautheim, einer der drei württembergischen Stadtteile der Stadt Krautheim, früher Besitzung des Johanniterordens, sowie Rengershausen als ehemalige Besitzung des Deutschen Ordens, blieben nach der Reformation katholisch. Die überwiegend erst nach dem Zweiten Weltkrieg in diese Orte zugezogenen Protestanten wurden alle der Kirchengemeinde Dörzbach zugeordnet.