mini|Der Dom von Turku, die älteste Kirche Finnlands, ist Sitz eines Erzbischofs und das geistige Zentrum der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands.
Die Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands (, ) ist neben der Orthodoxen Kirche Finnlands eine von zwei Volkskirchen Finnlands. Ihr gehören 65,2 % der Bevölkerung des Landes an (Stand 31. Dezember 2022). Statistics Finland
Geschichte Als Geburtsstunde der finnischen Kirche gilt die Ankunft des heiligen Heinrich von Uppsala in Finnland während des Kreuzzugs von König Erik IX. nach Finnland. Die Datierung dieses Ereignisses ist ebenso wie ihre historische Einordnung höchst unsicher, wird von der Kirche aber auf das Jahr 1155 angesetzt. Der Bischofssitz befand sich ursprünglich in Nousiainen, wurde 1229 nach Koroinen und später nach Turku verlegt. Das Domkapitel von Turku besteht seit 1276. Als der schwedische Reichstag 1527 die Reformation bestätigte, wurde das römisch-katholische durch das evangelisch-lutherische Bekenntnis ersetzt.
Die Kirche in Finnland war ein Teil der Schwedischen Kirche, bis Finnland 1809 als autonomes Großfürstentum unter russische Herrschaft geriet. Zar Alexander I. bestätigte auf dem Reichstag von Porvoo die Stellung der evangelisch-lutherischen Kirche. 1817 wurde der Bischof von Turku in den Rang eines Erzbischofs erhoben. Anfang des 19. Jahrhunderts verbreiteten sich verschiedene Erweckungsbewegungen, wie der Laestadianismus, in Finnland. Die Kirche lehnte diese Bewegungen zunächst ab, setzte aber 1869 das Konventplakat, das die Veranstaltungen der Erweckungsbewegungen verboten hatte, außer Kraft und integrierte die Erweckungsbewegungen in den Gemeinden. Nach der finnischen Unabhängigkeit wurde 1923 die Religionsfreiheit in der finnischen Verfassung verankert. Nun war es möglich, die evangelisch-lutherische Kirche zu verlassen, ohne einer anderen Kirche beizutreten.
Gesellschaftliche Bedeutung mini|Zahl der Kirchenaustritte (violett) und -eintritte (schwarz). Nicht berücksichtigt sind Kindstaufen und Todesfälle.
Am Ende des Jahres 2022 hatte die evangelisch-lutherische Kirche 3.625.007 Mitglieder. Von den konfessionell gebundenen Finnen gehören über 96 % der evangelisch-lutherischen Kirche an. Die absolute Zahl der Kirchenangehörigen ist allerdings seit Jahren rückläufig, insbesondere seit ein Gesetz im Jahre 2003 den Kirchenaustritt erleichterte. Mittlerweile (Ende 2022) sind 32,0 % der Bevölkerung konfessionslos. Auch die Anzahl der Gottesdienstbesucher nimmt ab. Nur 2 % der Kirchenmitglieder besuchen wöchentlich eine Kirche, rund 10 % einmal monatlich.International Religious Freedom Report 2004 (U.S. State Department) Die meisten Gläubigen besuchen Gottesdienste nur an hohen Feiertagen wie Weihnachten, Ostern oder zu familiären Anlässen wie Taufen, Hochzeiten und Bestattungen. Dennoch genießt die Kirche hohes Ansehen in der Bevölkerung und stellt insbesondere in ländlichen Gebieten ein wichtiges soziales Netzwerk dar.
In manchen ländlichen Gegenden dominieren Erweckungsbewegungen das Gemeindeleben. In Nordfinnland ist der Laestadianismus weit verbreitet; insgesamt hat er in Finnland rund 120.000 Anhänger. 8. März 2000 Vor allem in Teilen Savos und Österbottens sind pietistische Gruppen stark vertreten.
Organisation und Struktur Die heutige Organisation ist in neun Bistümer aufgeteilt, von denen das Erzbistum Turku das älteste und heute noch höchstrangige ist. Der Erzbischof von Turku ist das Oberhaupt der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands.
Das erste christliche Bistum im heutigen Finnland wurde 1154 vom schwedischen König Erik IX. im Zuge seiner als „Kreuzzug“ bezeichneten Eroberung des damals noch heidnischen Finnlands in Nousiainen gegründet und dem schwedischen Erzbistum Uppsala unterstellt. Der dortige Erzbischof Heinrich wurde erster (Missions-)Bischof, jedoch bereits nach wenigen Monaten von einem Bauern namens Lalli erschlagen.
Das Bistum wurde 1259 in die Stadt Turku verlegt, die sich zur größten Stadt Finnlands entwickelte. Der heutige Dom von Turku, die einzige erhaltene mittelalterliche Kathedrale Finnlands, wurde 1300 geweiht. 1554 wurde durch den Luther-Schüler Mikael Agricola die lutherische Reformation eingeführt. Nach der russischen Machtübernahme in Finnland wurde Turku 1817 zum Erzbistum erhoben.
Das Bistum Borgå (Porvoo) hat heute als besondere Aufgabe die Betreuung aller schwedischsprachigen Gläubigen in Finnland.
Bistümer nach Gründungsjahr:
Bistum Gründungsjahr Sitz Dom Bischof Erzbistum Turku 1154 Turku (seit 1259) Dom von Turku Bischof Erzbischof Tapio Luoma 2018–Bischöfin Mari Leppänen 2021– Koroinen (1229–1259) Bischofskirche von Koroinen Nousiainen (1154–1229) Vorgängerbau der Kirche von Nousiainen Bistum Tampere 1554 Tampere (seit 1923) Dom von Tampere Bischof Matti Repo 2008– Porvoo (1723–1923) Dom von Porvoo Wiborg (1554–1723) Alter Dom von Wiborg Bistum Oulu 1851 Oulu (seit 1900) Dom von Oulu Bischof Jukka Keskitalo 2018– Kuopio (1851–1900) Dom von Kuopio Bistum Mikkeli 1879 Mikkeli (seit 1945) Dom von Mikkeli Bischöfin Mari Parkkinen 2023– Wiborg (1924–1945) Dom von Wiborg Savonlinna (1879–1924) Dom von Savonlinna Bistum Borgå 1923 Porvoo (schwed. Borgå) Dom von Porvoo Bischof Bo-Göran Åstrand 2019– Bistum Kuopio 1939 Kuopio Dom von Kuopio Bischof Jari Jolkkonen 2012– Bistum Lapua 1959 Lapua Dom von Lapua Bischof Matti Salomäki 2022– Bistum Helsinki 1959 Helsinki Dom von Helsinki Bischof Teemu Laajasalo 2017– Bistum Espoo 2004 Espoo Dom von Espoo Bischöfin Kaisamari Hintikka 2019–
Die Evangelisch-Lutherische Kirche Finnlands ist Mitglied im Lutherischen Weltbund, im Ökumenischen Rat der Kirchen (ÖRK) und der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK). Sie gehört außerdem der Porvoo-Gemeinschaft an und hat mit deren anderen Mitgliedern volle Kirchengemeinschaft vereinbart.
Sitz ist Helsinki.
Literatur Simo Heininen, Markku Heikkilä: Kirchengeschichte Finnlands. A. d. Finn. von Matthias Quaschning-Kirsch, Vandenhoeck & Ruprecht, 2002. Jussi Nuorteva: Christentum. In: Olli Alho (Hrsg.): Kulturlexikon Finnland. Finnische Literaturgesellschaft, Helsinki 1998, ISBN 951-746-032-5, S. 50–53 Mikko Ketola: Did Finland become an Ecumenical Model Country?: Developments in Lutheran-Catholic Relations in Finland from the 1960s to 1990s. In: Kirchliche Zeitgeschichte 30/2 (2017), S. 355–367.
Weblinks
Website der Evangelisch-Lutherischen Kirche Finnlands (englisch)
Quellenangaben
Finnland Kategorie:Organisation (Helsinki) Kategorie:Mitgliedskirche des Ökumenischen Rates der Kirchen Kategorie:Gründung einer religiösen Organisation 1155