Beim Häckselstreuen respektive Säg’spänstreuen handelt es sich um eine Form des Rügegerichts in ländlichen Gegenden Deutschlands.
Anlass Mit dem Streuen wollte man eine Frau verspotten, die bereits entjungfert in die Ehe eintrat. Hierzu wurde Häcksel auf den Weg vom Hochzeitshaus bis zur Kirche und vor das Brautbett gestreut. Der Brauch wird in Theodor Fontanes Roman Vor dem SturmTheodor Fontane: Vor dem Sturm. 4. Band, 3. Kapitel, „So spricht die Natur“. und in Johann Wolfgang von Goethes Faust. Eine Tragödie.Johann Wolfgang von Goethe: Faust. Ein Fragment. Gretchen und Lieschen mit Krügen. Georg Joachim Göschen, Leipzig 1790, S. 149 („Lieschen. Das Kränzel reißen die Buben ihr / Und Häckerling ſtreuen wir vor die Thür!“); () Faust [in ursprünglicher Gestalt]. Am Brunnen. Gretchen und Lieschen mit Krügen. In: Goethes Werke. Hamburger Ausgabe in 14 Bänden. Band 3. Hamburg 1948 ff., S. 367–420, hier S. 409 („Lieschen: Das Kränzel reißen die Buben ihr, / Und Häckerling streuen wir vor die Tür!“); . Faust. Eine Tragödie. Am Brunnen.0 („Lieschen: Das Kränzel reißen die Buben ihr, / Und Häckerling streuen wir vor die Tür!“) erwähnt.
Einem Ehebrecher wurden Sägespäne oder Sägemehl unter das Fenster, vor oder in das Bett gestreut. In Elard Hugo Meyers Buch Deutsche Volkskunde heißt es dazu: „Einem untreuen Mädchen, zumal wenn es mehrere Liebhaber hat … streuen [die Burschen] Häcksel und Sägemehl von ihrer Thür bis zu der ihres gegenwärtigen Liebhabers oder Liebschaft.“Elard Hugo Meyer: Deutsche Volkskunde. Verlag Karl J. Trübner, Straßburg 1898, S. 165 f. ().
Einzelnachweise
Kategorie:Rügegericht Kategorie:Rechtsgeschichte (Bayern) Kategorie:Hochzeitsbrauch