Der Eğirdir Gölü (Eğirdir-See) ist der viertgrößte See und der zweitgrößte Süßwassersee der Türkei.

Name Der See ist nach der Uferstadt Eğirdir benannt. Deren Name rührt von der türkischen Aussprache Eğridir ihres alten griechischen Namens Akrotiri her, was aber auf Türkisch so viel wie „verkrümmt“ bedeutet, so dass in den 1980er-Jahren der Name von Stadt und See offiziell in Eğirdir geändert wurde.

Lage Der See, etwa 186 km nördlich von Antalya in der Provinz Isparta, zählt zur Isaurisch-Pisidischen Seenplatte. Er ist an der Kemer Boğazı (Kemer Seeenge) in zwei Teile unterteilt, der kleinere Nordteil wird auch Hoyran Gölü genannt. Das Becken des 468 km² großen Eğirdir Gölü erstreckt sich in N-S Richtung auf jahreszeitlich schwankender Seespiegelhöhe um 917 m ü. N.N. in einer Grabenzone innerhalb der Knickzone zwischen dem Westtaurus und dem Mitteltaurus. Bisweilen gesäumt von lichten Wachholderwäldern liegt der viertgrößte Binnensee der Türkei mit einer maximalen Tiefe von nur 16,5 m eingebettet in die Bergwelt des Barla Dağı (2263 m) und des Karakuş Dağı (1995 m) im Westen, des Davraz Dağı (2635 m) im Süden sowie des Dedegöl Dağı (2388 m) und des Kirişli Dağı (1889 m) im Osten. Im Norden ist durch die 1,5 km enge Stelle (Kemer Boğazı) ein Drittel der Seefläche als Hoyran Gölü abgetrennt, benannt nach dem Dorf Kumdanlı im Nordosten des Sees, das früher Hoyran hieß. Gemeinsam sind beide Seeteile etwa 50 km lang und maximal 15 km breit. Der See hat einen Ausfluss zum Kovada Gölü (siehe dort), wird aber gleichzeitig auch unterirdisch durch zahlreiche Schlucklöcher (Ponore) drainiert, deren Lage man allerdings noch nicht genau kennt.

Am nördlichen Abschnitt des Sees lag wahrscheinlich die antike Stadt Oroanda [Altgriechisch: Ὀρόανδα (Oróanda)]. Der Ort wird bereits von Plinius als Stadt Oroanda erwähnt: „Insident verticem Pisidae, quondam appellati Solymi, quorum colonia Caesarea, eadem Antiochia, oppida Oroanda, Sagalessos.“ („Das Gebirge wird von den Pisidiern bewohnt, früher Solymer genannt, zu denen die Kolonie Caesarea, auch Antiochia genannt, und die Städte Oroanda und Sagalessos gehören“). Das Lexikon griechischer und römischer Geographie von Leonhard Schmitz vermerkt ebenfalls Oroanda als eine Stadt in den Bergen Pisidiens, allerdings in der Nähe des südwestlichen Ufers des Trogitis-Sees (Suğla Gölü, südlich von Beyşehir). Von dieser Stadt leitete der ganze Bezirk den Namen Oriandicus Tractus ab, dessen Einwohner Oroandenser oder Oroandici hießen und außer dem Hauptort Oroanda auch Misthia und Pappa besaßen. William John Hamilton dagegen glaubt, dass die Ruinen, die er am Hang eines Hügels in der Nähe des Eğirdir-Sees fand, der Platz von Oroanda sein könnten, vermutet aber kritisch den Ort eher etwas weiter östlich.

Im Südteil gibt es zwei ehemalige Inseln, Can Ada (türkisch für „Lebensinsel“) und Yeşil Ada (türkisch für „Grüne Insel“), die über eine befestigte Straße mit der Stadt Eğirdir verbunden sind. Can Ada ist mit einer Fläche von 7 Hektar die kleinere der beiden Inseln und ist unbewohnt. Die Insel wird lediglich für Spaziergänge und zum Picknicken gerne genutzt. Als Mustafa Kemal am 1. Februar 1933 die Stadt Eğirdir besuchte, wurde ihm als Anerkennung für seine Dienste die Can Ada geschenkt. Nach seinem Tod wurde sie seinen Erben zugesprochen. Heute gehört die Insel der Stadt Eğirdir. Die Insel Yeşil Ada war bis zum Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei 1923 griechisch besiedelt und gilt als beliebtes Touristenziel Eğirdirs. Neben der schönen Landschaft gibt es historische Bauwerke wie die Aya-Stefanos-Kirche. Abseits vom Stadtzentrum bewahrte sie ihre Authentizität mit ihren Holzhäusern auf Steinfundamenten, engen Gassen und kleinen Fischerunterkünften. Auf einer Fläche von 9 Hektar, die im Volksmund früher als Nis bekannt war, haben sich Fischrestaurants für einheimische und ausländische Touristen sowie Pensionen und Herbergen entwickelt.

Geotektonisches Umfeld Der Eğirdir-See bildet zusammen mit benachbarten großen Seen von Beyşehir und Burdur einen Teil der Isaurisch-Pisidischen Seenplatte, ein Feuchtgebiet, das von den Türken als „Göller Yöresi“ (Seengebiet) bezeichnet wird. Dazu zählen auch die Seen von Acıgöl, Akgöl, Akşehir, Eber, Gavur, Ilgın (Çavuşçu), Işıklı, Karamık, Karataş, Kovada, Salda, Suğla und Yarışlı. Der Eğirdir Gölü ist der nördlichste dieser drei oben genannten Seen und liegt auf einer Art Mittelachse zwischen seinen beiden Nachbarn im Scheitelpunkt der „Kurve von Isparta“. Die Lage der drei Seen erregt seit Jahren das Interesse von Geowissenschaftlern an der geotektonischen Entwicklung des Egirdir-Seebeckens.

Der Kurve von Isparta im westlichen Taurusgebirge ist eine große tektonische Struktur mit der Form eines Dreiecks, mit dem Eğirdir-See im Norden und der Bucht von Fethiye an der südwestlichen und der Region um Manavgat an der südöstlichen Ecke. Im Kern dieser Struktur befindet sich die N-S verlaufende Aksu-Verwerfung, und der Egirdir-See liegt in ihrem nördlichen Winkel, der Burdur-See und der Beyşehir-See dagegen an ihrem westlichen bzw. östlichen Rand. Der allgemeine Ost-West-Verlauf des südlichen Taurusgebirges wird dadurch nördlich des Golfs von Antalya (Antalya Körfezi) Λ-förmig unterbrochen. Dieses von der Kurve von Isparta eingenommene Gebiet besteht aus autochthonen (ortsfesten) und allochthonen (ortsfremden) Gesteinseinheiten unterschiedlich in Art und Alter. Die autochthonen Gesteinseinheiten bestehen hauptsächlich aus kalkhaltigen und siliziklastischen Meeressedimenten, die im Mesozoikum und Känozoikum abgelagert wurden. Die allochthonen Einheiten bilden drei Hauptgruppen:

die Antalya-Decken, die in der Region zwischen der Kreidezeit und dem Paläozän eingelagert wurden, die Beysehir-Hoyran-Decken, die aus dem Eozän stammen, und die Lycian Decken aus dem Miozän.

Der Kurve von Isparta besteht aus drei tektonischen Hauptstrukturen, die für die Ausbildung des Eğirdir-Gölü-Beckens bedeutsam waren:

Die südwestanatolische Verwerfung (lokal: Kumdanlı-Störung) am westlichen Rand der Kurve von Isparta, vor 1988 als Burdur-Verwerfung bekannt, bildet die südöstliche Seite des Burdur-Sees und verläuft zwischen Fethiye und Eğirdir. Die Verwerfung bildete sich vor allem im späten Miozän gegen Ende eines älteren tektonisch aktiven Stadiums und setzte ihre Entwicklung im gesamten postmiozänen Stadium der Neotektonik (zwischen dem Ende des Tertiärs und der ersten Hälfte des Quartärs) fort. Mehmet Erkan Karaman war der erste, der diese Verwerfung erkannte, eine Ansicht, die von den meisten Geologen erst nach Jahren geteilt wurde. Die Zone umfasst unter anderem die Fethiye-Verwerfung und die Çameli-Gölhisar-Verwerfungszone, aber auch die Fethiye-Burdur-Verwerfungszone. Entlang der Streichrichtung dieser Verwerfung bewegte und bewegt sich Westanatolien nach Südwesten; die Absenkung erfolgt in der Störungszone von Osten nach Westen (westvergent). Infolgedessen entwickeln sich Gräben und Becken, und durch tektonische Bewegungen entlang dieser Störungszone wurden und werden Erdbeben aktiv, also auch in der Region des Eğirdir-Sees. Die Kırkavak-Verwerfung aus dem Miozän bildet als östlicher Rand der Kurve von Isparta eine ungefähr von N nach S verlaufende tektonische Grenze zwischen dem westlichen Taurusgebirge und dem Köprü-Çay-Becken. Im Miozän fungierte sie als (rechtsseitige) Blattverschiebung, später als Überschiebung in die gleiche Richtung. Dabei wurden die mesozoischen Kalkstein-/Schiefereinheiten der westlichen Tauriden entlang der gesamten Länge dieses Verwerfungssystems auf jüngere miozäne Gesteine geschoben. In ähnlicher Weise haben sich auch „parallel“ dazu die Aksu-Überschiebung und viele weitere Überschiebungen in der Nähe entwickelt.

Den südlichen Rand der Kurve von Isparta markieren die beiden westlichen bzw. östlichen Teile des tektonischen Ägäis-Zypern Bogens. Sie sind Teile einer Subduktionszone, ein klassisches Beispiel für Plattengrenzen entlang einer ozeanischen/kontinentalen Kollision, wobei die afrikanische Platte nach Norden unter die anatolische Platte subduziert wird. Dabei verengt sich die Anatolische Platte etwa in Nord-Süd-Richtung und bewegt sich aufgrund der Kompression entlang der nordanatolischen und ostanatolischen Verwerfungen nach Westen, so dass sehr viele Erdbeben auftreten.

Geotektonische Entwicklungsaspekte des Eğirdir-Gölü-Beckens links|mini|338x338px|Die Karte zeigt die topographisch-tektonische Situation des Eğridir Gölü (Eğridir-See) innerhalb der Kurve von Isparta.

In diese großtektonische Struktur ist die Umgebung des heutigen Eğirdir-Seebeckens eingebunden. Sie besteht im Wesentlichen aus Karbonatgesteinen (Kalkstein und dolomitischer Kalkstein), mächtigen Sequenzen, die im Mesozoikum abgelagert wurden. Während der frühen miozänen tektonischen Phase der Türkei wurden die rezent als „Sultan Dağları“, „Barla Dağı“, „Davraz Dağı“, „Amanus Dağı“ und „Dedegöl Dağları“ bezeichneten Gebirge des westlichen Taurus tektonisch gehoben, während die heutigen Ovas von Akşehir, Eber, Karamık, Beyşehir, Burdur, Hoyran, Kaşıkara, Kovada und Eğirdir zu Becken absanken. Danach füllten sich im Miozän-Pliozän diese tektonischen Becken zu Seen. In dieser durch einen auffälligen Wechsel zwischen intramontanen Becken und Gebirgszügen gekennzeichneten Landschaft sind die beiden schmalen neogenen Senken von Kaşıkara- und Kovada eng mit dem Eğirdir-Seebecken verbunden. Die Kaşıkara-Senke liegt nördlich des Hoyran-Seeteils, die Kovada-Senke südlich des Eğirdir-Seeteils. Der Abstand zwischen dem nördlichsten Ende des Kaşıkara-Beckens und dem südlichsten Ende des Kovada-Beckens beträgt ca. 100 km. Die Breite (O-W) beider Senken ist ungefähr gleich zwischen 1,5 und 2 km. Beide Becken sind beidseitig von Verwerfungen begrenzt und wurden während und nach ihrer Bildung mit Sedimenten verfüllt. Vorherrschende Gesteine sind ca. 450 m dicke Konglomerate und Sandsteine, die von der 250 m dicken spätmiozän-pliozänen Yukarıkaşıkara-Formation konform (gleichgerichtet in Streichen und Fallen) überlagert sind. Letztere Sequenz besteht hauptsächlich aus Mergeln und Tonsteinen mit einer Einlagerung von 4–10 m Braunkohle, was als typische See-Sedimentation gilt. Die Becken verfügen somit über bedeutende, wirtschaftlich abbaubare Kohle- und Tonvorkommen.

links|mini|Blick von der Westseite des Eğirdir Gölü bei Barla über den See auf die nördlichen Dedegöl Dağları