Lichtenstein ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg mit 9314 Einwohnern (Stand: 30. Juni 2022). Sie gehört zur Region Neckar-Alb und zur Randzone der europäischen Metropolregion Stuttgart. Sie befindet sich am Albtrauf, dem steil abfallenden Nordrand der mittleren Schwäbischen Alb, etwa zehn Kilometer südlich der Kreisstadt Reutlingen. Sitz der Gemeindeverwaltung ist der Ortsteil Unterhausen. Lichtenstein ist mit 7,3 % seiner Gemarkungsfläche Teil des Biosphärengebiets Schwäbische Alb. Der Name der Gemeinde ist abgeleitet von ihrem bekanntesten Wahrzeichen, dem auf einem Felsvorsprung am Albrand gelegenen Schloss Lichtenstein über der westlichen Flanke des oberen Echaztals.

Geographie Geographische Lage Die Ortsteile Honau und Unterhausen liegen im Tal der Echaz, einem direkt unterhalb des Albtraufs in Honau entspringenden 23 Kilometer langen Nebenfluss des Neckars. Dagegen befindet sich der östliche Ortsteil Holzelfingen mit den etwas abgelegenen Weilern Göllesberg und dem zu Honau gehörenden Traifelberg schon auf der etwa 200 bis 300 m höher gelegenen Hochfläche der Schwäbischen Alb. An den größten Ortsteil Unterhausen sind Holzelfingen und Traifelberg durch die Albaufstiege Holzelfinger Steige und Honauer Steige (Passage der Bundesstraße 312) angebunden. Auch die Honau und Unterhausen zugeordneten touristisch bedeutendsten Ausflugsziele der Gemeinde, das Schloss Lichtenstein und die Nebelhöhle, gelegen im westlichen Teil der Gemarkung, liegen in von Mischwald geprägten, hügeligen Gebieten der so genannten Mittleren Kuppenalb auf der Albhochfläche. Auf dem nahegelegenen Gießstein befindet sich der Sender Unterhausen.

Nachbargemeinden An Lichtenstein grenzen vier Gemeinden, die ebenfalls zum Landkreis Reutlingen gehören. Im Norden, größtenteils zum Albvorland gehörend, liegt die Stadt Pfullingen; die weiteren Nachbargemeinden befinden sich auf der Albhochfläche: Im Osten St. Johann, im Süden Engstingen und im Westen Sonnenbühl.

Gemeindegliederung Die drei früheren Gemeinden Holzelfingen, Honau und Unterhausen bilden die Ortsteile der Gemeinde Lichtenstein. Die beiden Ortsteile Honau und Holzelfingen bilden zugleich Ortschaften im Sinne der baden-württembergischen Gemeindeordnung mit jeweils eigenem Ortschaftsrat und Ortsvorsteher als dessen Vorsitzender.

Zum Ortsteil Holzelfingen gehört das Dorf Holzelfingen mit der Burg Greifenstein. Zum Ortsteil Honau gehören das Dorf Honau, Schloss Lichtenstein und die Wohnsiedlung Traifelberg am Albtrauf gelegen. Zum Ortsteil Unterhausen gehören das Dorf Unterhausen und die Wohnsiedlung Göllesberg, die Gemeinde Oberhausen ist in Unterhausen aufgegangen und wurde 1975 aufgehoben.

Im Ortsteil Holzelfingen liegen die abgegangene Burg Heideck und das abgegangene Gehöft Traifelberg. Im Ortsteil Honau liegt die Wüstung Feilenschmiede und im Ortsteil Unterhausen liegen die abgegangenen Burgen Burgstein, Greifenstein, Stahleck und nicht gesichert Hochbidegg.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 35–38

Die Höhenangaben und Einwohnerzahlen (Stand 30. Juni 2022) der Ortsteile im Einzelnen (Höhenangaben: durchschnittliche Höhe; Einwohnerzahlen): Holzelfingen () mit 1367 Einwohnern Honau () mit 978 Einwohnern Unterhausen () mit 6969 Einwohnern

<div align=center> 1000 px Blick vom Schloss Lichtenstein auf die drei Ortsteile Unterhausen (im Tal hinten), Honau (vorne) und Holzelfingen (zentral hinten auf der Albhochfläche)</div align=center>

Geschichte mini|hochkant=1.4|Blick vom Hauff-Denkmal bei Schloss Lichtenstein auf die Ortsteile mini|Postkarte von 1919: Blick nach Norden über das Echaztal mit Schloss Lichtenstein mini|Blick Richtung Südosten auf das historische Honau und den Traifelberg mit seiner markanten Felsenkette (Postkarte von 1905). Diagonal durch das Bild verläuft die 1969 stillgelegte Zahnradbahn Honau–Lichtenstein

Von der Vorgeschichte zum Hochmittelalter Sowohl in Honau als auch in Holzelfingen wurden archäologisch Nachweise für alemannische Siedlungen erbracht. Des Weiteren weisen Funde von römischen Utensilien auf Honauer Gemarkung darauf hin, dass das Gebiet des heutigen Lichtenstein in der Antike an einer Römerstraße gelegen haben könnte.

Während der Frankenherrschaft im Mittelalter gehörten die Orte auf dem heutigen Gemeindegebiet zum Pfullichgau des Herzogtums Schwaben.

Erste Nachweise und Entwicklungen der Ortschaften Der Name Holzelfingen geht vermutlich auf den alten Vornamen Holzulf zurück. Die erste urkundliche Erwähnung als Holtelvingen war im Jahr 1220. Damals war die Burg Greifenstein (heute Ruine) von den Herren von Greifenstein bewohnt, die im Lauf der Zeit in den Ruf von Raubrittern kamen, von der bäuerlichen Bevölkerung zunehmend gefürchtet und gehasst. Nachdem 1311 das benachbarte Adelsgeschlecht, die Herren von Lichtenstein, während des Reichskriegs durch die Truppen Graf Eberhards von Württemberg besiegt worden waren, verkaufte Ritter Schwigger, der letzte bekannte Angehörige der Herren von Greifenstein, 1355 sein Gut mitsamt Holzelfingen an Württemberg.

Früher als die Nachbargemeinden fiel Honau an das Haus Württemberg, zuerst unter der Herrschaft der Grafen von Achalm, immer bedrängt durch die Adelshäuser der Umgebung, den Lichtensteinern und den Greifensteinern.

Die Orte unterstanden bis zum Beginn des 19. Jahrhunderts dem seit 1534 evangelischen Klosteramt Pfullingen des Herzogtums Württemberg.

Während des Dreißigjährigen Krieges zwischen 1618 und 1648 wurden alle Ortschaften auf der heutigen Gemarkung Lichtensteins mehrmals von der Soldateska der durchziehenden Landsknechts-Truppen heimgesucht und geplündert.

Vom 19. Jahrhundert zur Gegenwart mini|Zahnraddampflok 97 002 mit Schienenbus 1960 in Lichtenstein Die vier altwürttembergischen Orte Holzelfingen und Honau als auch Ober- und Unterhausen wurden nach der 1806 erfolgten Errichtung des Königreichs Württemberg im Zuge der neuen Verwaltungsgliederung dem Oberamt Reutlingen unterstellt. In den Jahren 1892 und 1893 brachte die Eröffnung der Echaztalbahn die Anbindung an das Streckennetz der Württembergischen Staatseisenbahnen.

Schon im Jahre 1930 kam es zur Eingemeindung des Ortes Oberhausen in die Gemeinde Unterhausen. Die Verwaltungsreform während der NS-Zeit in Württemberg führte 1938 zur Zugehörigkeit zum Landkreis Reutlingen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg fielen die Ortschaften in die Französische Besatzungszone und kamen somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging.

Eingemeindungen Am 1. Januar 1975 wurden die Gemeinden Holzelfingen und Honau nach Unterhausen eingemeindet. Die Gemeinde wurde in Lichtenstein umbenannt.

Namensgebung Die Gemeinde Lichtenstein wurde nach dem das obere Echaztal überragenden Schloss Lichtenstein benannt, das in den frühen 1840er Jahren gemäß den damaligen Vorstellungen einer mittelalterlichen Burg im Auftrag des Grafen Wilhelm von Württemberg (späterer Herzog von Urach) erbaut worden war. Die Anregung für diesen Bau im Stil der Romantik lieferte der historische Roman Lichtenstein von Wilhelm Hauff, der seinerseits die ehemalige Burg Lichtenstein zum Vorbild hatte, die zwischen 1150 und 1200 durch das im Spätmittelalter ausgestorbene Adelsgeschlecht der Lichtensteiner erbaut worden war; – eine Burg, die bereits Ende des 14. Jahrhunderts während des schwäbischen Städtekriegs durch die Truppen der freien Reichsstadt Reutlingen zerstört wurde und danach zerfiel. Reste der Ruine befinden sich heute nur wenige hundert Meter südöstlich vom Standort des gegenwärtigen Schlosses entfernt.

Religionsgemeinschaften Evangelische Kirche mini|Galluskirche Honau

Seit der in Württemberg 1534 erfolgten Reformation waren die Dörfer evangelisch geprägt. Derzeit gibt es einerseits die evangelische Gesamtkirchengemeinde Unterhausen-Honau.; eingesehen am 28. November 2013 Diese evangelische Kirchengemeinde verfügt über drei historische Gotteshäuser. Die Johanneskirche, deren Anfänge auf das 10. Jahrhundert datieren, befindet sich im Ortsteil Unterhausen. Im ehemaligen Ortsteil Oberhausen werden die Erlöserkirche und in Honau die Gallus-Kirche als Stätten für den Gottesdienst genutzt. Zwei Gemeindehäuser und ein Kindergarten gehören ebenfalls zur Gesamtkirchengemeinde. Eine separate Gemeinde ist andererseits die evangelische Kirchengemeinde Holzelfingen um die St. Blasius-Kirche, deren Pfarrer gleichzeitig den St. Johanner Teilort Ohnastetten bedient. Die Gemeinden gehören zum Kirchenbezirk Reutlingen in der Evangelischen Landeskirche.

Methodistische Kirche Die Evangelisch-methodistische Kirche ist in Lichtenstein durch drei Ortsgemeinden präsent, die pastoral von einem Pfarramt betreut werden. Die Gotteshäuser der Freikirche befinden sich in Unterhausen am Friedhofweg, in Honau an der Heerstraße und in Holzelfingen an der Honauer Straße.

Katholische Kirche Für die Katholiken gibt es die vom Pfarramt Pfullingen in der Seelsorgeeinheit Echaztal betreute Filialkirchengemeinde des Hl. Bruder Konrad in Unterhausen, die alle drei Teilorte Lichtensteins abdeckt. Diese römisch-katholische Gemeinde entstand 1926 und bekam 1935 eine eigene Kirche, die St. Konrad-Kirche. Sie gehört zum Dekanat Reutlingen-Zwiefalten der Diözese Rottenburg-Stuttgart. Zur katholischen Gemeinde gehört auch ein Kindergarten.; eingesehen am 28. November 2013

Neuapostolische Kirche Die Neuapostolische Kirchengemeinde trifft sich zum Gottesdienst in ihrem Gemeindezentrum an der Friedenstraße in Unterhausen. Sie gehört zum neuapostolischen Kirchenbezirk Reutlingen.Neuapostolischer Kirchenbezirk Reutlingen-Süd;eingesehen am 28. November 2013

Politik Gemeinderat In Lichtenstein wird der Gemeinderat nach dem Verfahren der unechten Teilortswahl gewählt. Dabei kann sich die Zahl der Gemeinderäte durch Überhangmandate verändern. Der Gemeinderat besteht nach der letzten Wahl aus den gewählten 21 (vorher:22) ehrenamtlichen Gemeinderäten und dem Bürgermeister als Vorsitzendem. Der Bürgermeister ist im Gemeinderat stimmberechtigt. Die Kommunalwahl am 9. Juni 2024 führte zu folgendem ErgebnisWahlinformationen auf komm.one.

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019FWFreie Wählervereinigung36,09729,36CDUChristlich Demokratische Union Deutschlands/Bürgerliste32,64727,46SPDSozialdemokratische Partei Deutschlands17,76422,35OGLOffene Grüne Liste Lichtenstein13,52320,95gesamt100,021100,022Wahlbeteiligung57,89 %54,5 %

Die Ortschaftsräte der Ortschaften Holzelfingen und Honau bestehen aus jeweils neun Mitgliedern.

Bürgermeister 1975–1987: Ernst Braun (parteilos) 1987–2011: Helmut Knorr (CDU) seit 2011: Peter Nußbaum (parteilos)

Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. Die dritte und letzte Amtszeit von Helmut Knorr endete am 2. Januar 2011. Am 13. Januar 2011 wurde der parteilose Diplom-Verwaltungswirt Peter Nußbaum, der sich bei der Bürgermeisterwahl am 24. Oktober 2010 mit 62,1 % der abgegebenen Wählerstimmen gegen den Amtsinhaber Knorr (26,7 %) und zwei weitere Kandidaten im ersten Wahlgang durchgesetzt hatteamtliches Endergebnis der Bürgermeisterwahl in Lichtenstein vom 24. Oktober 2010, als Lichtensteiner Bürgermeister vereidigt.

Wappen

Wappen der Stadtteile

Gemeindepartnerschaft Lichtenstein pflegt seit 1993 eine Partnerschaft mit der französischen Gemeinde Voreppe im Département Isère.Partnerschaft - Brücke der Freundschaft im Internetauftritt der Gemeindeverwaltung Lichtenstein; abgerufen am 19. Januar 2024.

Kultur und touristische Eigenheiten mini|hochkant|Schloss Lichtenstein, Südost-Ansicht (Herbst 2001) mini|Nebelhöhle (2006) mini|Olgahöhle in Honau (2009)

mini|Bahnhof Honau Historische Bauwerke Sankt-Blasius-Kirche in Holzelfingen Schloss Lichtenstein unweit davon entfernt Burgruine Alt-Lichtenstein Johanneskirche in Unterhausen mit ihren Fresken Burgruine Greifenstein